Dispatches from Elsewhere: Review der Pilotepisode

Dispatches from Elsewhere: Review der Pilotepisode

In Dispatches from Elsewhere von und mit HIMYM-Darsteller Jason Segel werden mehrere Personen in ein skurriles Projekt verwickelt, bei dem es sich um ein verrücktes Sozialexperiment, ein seltsames Spiel oder auch einen religiösen Kult handeln könnte. Hier unser Pilotreview dazu.

Dispatches from Elsewhere (c) AMC
Dispatches from Elsewhere (c) AMC
© ispatches from Elsewhere (c) AMC

Die meisten neuen Serien basieren auf etwas bereits Existierendem - einem Roman, einem Film oder einem Comic zum Beispiel. Dispatches from Elsewhere, das Kreativbaby von und mit How I Met Your Mother-Darsteller Jason Segel, ist auch keine komplett originelle Schöpfung, hat aber zumindest eine ungewöhnliche Quelle: ein sogenanntes Alternate Reality Game (ARG), bei dem die Spieler einer skurrilen Schnitzeljagd irgendwann nicht mehr wussten, was Spiel und was Realität ist. Dass man dabei vielleicht etwas zu weit gegangen ist, zeigte 2013 der Dokumentarfilm „The Institute“ von Spencer McCall auf - klickt hier für den Trailer.

Meta und realitätsverschwimmend geht es in „Dispatches from Elsewhere“ gleich von Anfang an los, wenn der wie immer wundervoll dick auftragende Richard E. Grant uns als Erzähler und Strippenzieher Octavio Coleman, Esquire direkt als Publikum adressiert und uns die allzu typische Charakterexposition der Hauptfigur erspart. Im Gegenzug wünscht er sich lediglich, dass wir uns mit Protagonist Peter (Segal) identifizieren oder uns in ihn hineinprojizieren, was einfacher nicht sein könnte bei dieser unbeschriebenen Nullnummer eines Serienhelden. Wie nichtssagend und ottonormal ist sein im Alltagstrott gefangener Charakter? Er trinkt Milch, während er zu den immergleichen Fertiggerichten Law & Order schaut und er langweilt sogar seine Therapeutin mit seinem ereignislosen Leben.

Völlig unreflektiert ist Peter jedoch nicht. Er befürchtet, dass es das bereits gewesen sein könnte in seinem Leben und er ist emotional schon fast tot. Das Ganze wird sogar so weit überspitzt, dass sein Chef im Start-up-Unternehmen sich irgendwann neben ihn stellt und monoton „Work stuff! Work! Work! Work stuff!“ vor sich hinsagt. Ähnlich wie in „The Truman Show“ haben wir es hier mit einer existentialistischen Geschichte mit ordentlich Schalk im Nacken zu tun, denn die surrealen Momente dieser Alltagssatire werden wie der Rest sehr verschmitzt präsentiert, auch wenn der Gedanke nach Sinn und Glück in einem geregelten, aber unerfüllten Leben recht profund ist.

Wie im Vorlage-ARG laden ihn mehrere seltsame Abreißflyer mit immer unwahrscheinlicher wirkenden Angeboten dazu ein, aus seinem monotonen Leben auszubrechen und das Jejune Institute aufzusuchen. Wer ist das Jejune Institute, fragt Ihr? Niemand Geringeres als die Macher von Erfolgsprodukten wie PoliWater, klonfreier Humanreplikation und The I.D.E.A. - nur, um Euch einen Eindruck vom vorherrschenden Augenzwinkerfaktor zu liefern. Vor Ort wird Peter ein Videoband von Octavio Coleman, Esquire vorgespielt, in welchem er zu Ohren bekommt, was er schon immer hören wollte und was wir als Zuschauer in fast jedem Hollywoodfilm, vertreten durch die Abenteuer des Helden von Luke Skywalker über Neo bis Harry Potter spüren wollen: Du bist nicht wie der Rest! Du bist etwas ganz Besonderes! Du bist auserwählt!

Die Serie ist sich der Absurdität des Ganzen bewusst, Protagonist Peter rührt diese Offenbarung (deren Authentizität mal dahingestellt sei) jedoch zu Tränen...

Kurz darauf bemerkt Peter, dass er sich womöglich in Gefahr befindet und er wird vom Erzfeind des Jejune Institute, dem Kommandanten der Elsewhere Society (der offensichtlich auch von Richard E. Grant gespielt wird) auf eine noch kryptischere Schnitzeljagd geschickt, auf der er weitere Menschen kennenlernt, die ebenso in die Sache hineingezogen wurden und allerlei unterschiedliche Theorien haben, was es mit alldem auf sich hat. Ist es eine Marketingaktion? Ein von der Regierung inszeniertes Sozialexperiment? Ein seltsames Spiel? Ein gefährlicher Ausbeuterkult? Oder steckt doch etwas Mystischeres und Wahres hinter der ganzen Geheimniskrämerei? Schließlich ist später von einer gewissen „göttlichen Nonchalance“ die Rede, über die eine aufzufindende Clara verfügen soll. Nicht zu verwechseln mit der falschen Nonchalance des angeblich antagonistischen Jejune Institute, versichert Radio Nonchalance.

AMC
AMC - © AMC

In einem Laden mit schönen Dingen, der „Store with beautiful things“ heißt, macht Peter zunächst die Bekanntschaft der charmanten Simone (Newcomerin Eve Lindley), von deren Enthusiasmus und ihrer Fähigkeit, sich zu amüsieren, sich Peter kurzfristig anstecken und mitreißen lässt. Doch: Warum gelingt es ihm nicht, das Gefühl zu halten oder von alleine so unbefangen zu sein? Später werden sie durch eine Nachricht der Elsewhere Society an einen Ort gebracht, an dem sie mit zahlreichen anderen Teilnehmern zusammengeführt und in Vierergruppen eingeteilt werden. So schließen sich Peter und Simone auch die ältere Dame Janice (Sally Fields) sowie Hobbydetektiv Fredwynn (Andre Benjamin) an und machen das Kernensemble komplett. Wurden sie beliebig zusammengewürfelt? Hat jemand die Auswahl getroffen? Und was ist jetzt der Plan, abseits von Gratiskuchen im Diner abstauben?

Pro Episode wird das als Anthologieserie beschriebene Format sich mit einem der Charaktere befassen. Als Nächstes wird Peters love interest Simone an der Reihe sein, die sich am Ende der ersten Episode gegen zwei gewalttätige Angreifer wehren muss und offenbar über ganz eigene innere Dämonen verfügt. Dass Transgender-Schauspielerin Lindley, in die wir uns in der nächsten Folge reinfühlen werden, auch in der Serie eine Transfrau spielt, ist zunächst nicht ganz offensichtlich, wurde aber bereits von den Machern bestätigt und wird mit Sicherheit in der kommenden Episode mit dem Titel Simone thematisiert. Bis dahin gilt es, Nonchalance zu bewahren.

Fazit

Dispatches from Elsewhere wirkt letztlich so, als hätten Spike Jonze oder Michelle Gondry die Mysteryserie The OA gedreht. Verspielt und skurril wird ein existentialistisches Märchen gesponnen, in dem sich vier fremde Menschen durch sehr seltsame „Alice im Wunderland“-Umstände zusammenfinden und nicht ganz begreifen, was vor sich geht. Im Fall von Peter, der im Fokus der ersten Episode steht, reicht zermürbende Monotonie aus, um auf aberwitzigen Abwegen nach Bedeutung und Abenteuer im Leben zu suchen. Er scheint sich in der Gruppe am meisten nach einer transzendentalen Wahrheit am Ende der Schnitzeljagd zu sehnen, an dem womöglich nur ein „The Wizard of Oz“-Scharlatan hinterm Vorhang wartet.

Was die kommenden Episoden oder gar die Auflösung parat halten werden, ist unglaublich schwer vorauszuahnen, was die Angelegenheit umso spannender macht. Schließlich muss sich die Serie nicht sklavisch an die Inspirationsquelle der Story halten, wie es auch The Man in the High Castle vorgemacht hat. Oder vielleicht tappen wir als Zuschauer gerade in die gleiche Falle wie Peter und wünschen uns Bedeutung und Tiefgründigkeit, wo eigentlich keine ist...

Anderen wird „Dispatches from Elsewhere“ zu beliebig und gewollt auf eigenartig getrimmt erscheinen. Fans von stilisierten Psychoserien wie Legion oder Maniac könnten den Trip hingegen zu schätzen wissen.

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur neuen US-Serie von AMC, Dispatches from Elsewhere:

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