
Verschwörungsgeschichten, die sich vor allem einem religösen Kontext bedienen, sind ein durchaus beliebtes Genre von Film- und Fernsehschaffenden. Allein in den letzten Jahre hat uns Hollywood zahlreiche Ableger aus diesem Bereich präsentiert, so zum Beispiel die Spielfilme mit Tom Hanks zu den Büchern von Dan Brown („The Da Vinci Code“, „Illuminati“) oder diverse Filmprojekte zu biblischen Prophezeiungen und Ähnlichem.
Bei den Zuschauern werden diese zumeist mit gemischten Gefühlen aufgenommen, da sie die Grenze der Glaubwürdigkeit doch sehr gerne überschreiten. Doch es gibt zweifellos eine Zielgruppe für diese Thematik, die in der Lage dazu ist, sich voll und ganz auf mysteriöse Theorien und die Bedeutung geheimnisvoller Artefakte, die die Welt grundlegend verändern könnten, einzulassen.
If you believe that sort of thing
Genau darauf zielt wiederum die neue Eventdramaserie Dig vom USA Network ab, in der wir uns so einer verzwickten Verschwörungsthematik widmen, mit all den offenen Fragen und geheimnisvollen Andeutungen, die man sich nur vorstellen kann. Schaut man sich das Format von außen an, fällt der Blick zunächst auf den recht namhaften Cast um Jason Isaacs und dann auf die beiden Entwickler der Serie, Gideon Raff (Homeland) und Tim Kring (Heroes). Beide haben schon reichlich Erfahrung im Seriengeschäft gesammelt und für ihre Arbeit diverse Auszeichnungen eingeheimst. Die Vorzeichen standen also im Vorhinein gar nicht allzu schlecht, dass „Dig“ ein durchaus interessantes Drama sein könnte.
Jedoch stellt sich bei mir recht schnell Ernüchterung und Enttäuschung ein. Es ist ja bei weitem nicht so, dass die Serie besonders schlecht gefilmt ist (ganz im Gegenteil sogar), dass das Setting in der geschichtsträchtigen Stadt Jerusalem uninteressant sei oder die Darsteller schlechte Arbeit abliefern. Vielmehr stört hier, dass der Auftakt von „Dig“ mit zu den langweiligsten und langatmigsten Pilotfolgen gehört, die ich seit langem gesehen habe.

The end of the world as we know it
Dies mag mit Sicherheit auch ein Stück weit daran liegen, dass Verschwörungsthriller nicht wirklich meinen Geschmack treffen, dennoch misslingt der ersten Folge von „Dig“ zu oft genau das, was eine Pilotepisode im besten Fall erreichen sollte: Interesse an der Thematik und den Figuren zu wecken. Außerdem sollte sie nicht dafür sorgen, dass ich in regelmäßigen Abständen auf meine Armbanduhr blicke und mich frage, wann die gut einstündige Auftaktfolge denn endlich vorbei sei.
Diese Kritik hört sich natürlich etwas harsch an, jedoch lässt sie sich nur schwer anders formulieren. Ich möchte gar nicht daran zweifeln, dass sich zahlreiche Zuschauer finden lassen werden, die sehr angetan von „Dig“ und seiner Geheimniskrämerei und den vielen kryptischen Momentaufnahmen sind. Ich persönlich empfinde dies hier jedoch oftmals als plumpe Hinhaltetaktik der Autoren, künstlich Spannung zu erzeugen, ohne uns wirklich etwas Konkretes zu geben, mit dem wir als Zuschauerschaft etwas anfangen können.
Im Trüben fischen kann spannend und reizvoll sein. Man wirft uns hier aber derartig lieblos in eine Welt hinein, die mit Mysterien überladen ist, welche uns so sehr verwirren sollen, damit wir dazu gezwungen sind, noch ein weiteres Mal einzuschalten, um vielleicht ein paar Antworten zu bekommen. Das hat dann nur sehr wenig Reiz für mich als Zuschauer.
Bigger problems to deal with
In Dig folgen wir Hauptfigur Peter Connelly (Jason Isaacs), der als FBI-Agent in Jerusalem tätig ist. Nach dem Mordfall an einer jungen Frau wird er in eine undurchsichtige Ermittlung hineingezogen, hinter der eine jahrtausendealte religiöse Verschwörung steckt. Diese nimmt sogar internationale Ausmaße an und führt uns über Norwegen bis in die Vereinigten Staaten von Amerika nach New Mexico. Inwiefern all die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verbunden sind, erschließt sich in der Pilotepisode noch nicht vollends. Jedoch ist es wohl nicht zu vermessen, zu behaupten, dass Raff und Kring die Fäden früher oder später zu einem gewaltigen Bündel zusammenführen werden, um uns so die eigentliche Verschwörung mit einem großen Knalleffekt zu offenbaren.
Wie bereits erwähnt, stellt das größte Problem der ersten Folge von „Dig“ ihre viel zu krasse Undurchsichtigkeit dar. Ob es nun um ein Kalb in Norwegen (die vermeintliche „rote Kuh“, welche im Judentum die bevorstehende Ankunft des Messias prophezeihen kann) oder eine seltsame Einrichtung in der Wüste New Mexicos geht, in der scheinbar Kinder für bestimmte Zwecke ausgebildet und vor der Außenwelt bewahrt werden müssen. Die Autoren denken sich jedenfalls hier für meinen Geschmack ein paar zu viele rätselhafte Elemente aus, die mich mehr irritieren, als dass sie mein unmittelbares Interesse an der Geschichte wecken.

Too late
All diese Dinge werden mit großer Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den Ereignissen in Jerusalem stehen, wo Jason Isaacs' Ermittlertyp nach dem Aufeinandertreffen mit einer Archäelogiestudentin, die ihn an seine eigene verstorbene Tochter erinnert, unfreiwillig in dubiose Kreise hineingezogen wird. Er selbst eckt immer wieder mit den lokalen Behörden an und entschließt sich schon bald dazu, auf eigene Faust dem Mord an seiner neuen Bekanntschaft nachzugehen, die an einem Ausgrabungsprojekt mitgearbeitet hatte, bei dem die Suche nach der Bundeslade von höchster Priorität ist.
Wie man sehen kann, bedienen sich Raff und Kring an den unterschiedlichsten Mythen und probieren, diese in einen homogenen Einklang miteinander zu bringen, um so ein solides Grundgerüst für die zentrale Verschwörungsthematik von „Dig“ zu etablieren. Dies gelingt jedoch eher schlecht als recht, was mitunter auch daran liegt, dass der Plot ziemliche Längen hat und bisweilen rein gar nichts passiert. Es hätte wirklich nicht viel dagegen gesprochen, die Handlung ein wenig zu straffen und so vielleicht gut 20 Minuten einzusparen, was dem Tempo der Episode mit Sicherheit sehr geholfen hätte.
Erster Streichkandidat wäre meine Meinung nach der Handlungsstrang in New Mexico gewesen, dessen einzige Funktion es ist, auf sehr einfache - wenn nicht sogar billige - Art und Weise Fragen aufzuwerfen. Nichtssagende Mystery um der Mystery willen. Wirklich berührt wird man hier nicht, auch wenn am Ende ein tragisches Ereignis um einen kleinen Jungen stattfindet.
The deeper you dig
So schleichen wir etwas zu behäbig durch den Plot, der eigentlich nur einmal zeigt, dass er durchaus mitreißend sein kann. Die Verfolgungsjagd zu Fuß innnerhalb der ersten zehn Minuten der Folge ist vielleicht nicht extrem revolutionär gefilmt, doch hier entwickelt das Format den Schwung, den man sich im weiteren Verlauf der Episode händeringend wünscht. Der einzige Vorteil von der oftmals viel zu bedächtigen Regie ist, dass die Kulisse sehenswert eingefangen wird und wir einen durchaus ansprechenden Eindruck vom Handlungsort Jerusalem (gedreht wurde unter anderem in Kroatien, darunter Dubrovnik) bekommen.
Den Darstellern möchte ich derweil keine großen Vorwürfe machen. Problematisch ist jedoch, dass unsere Hauptfigur recht generisch anmutet und wie aus dem Lehrbuch für Figurenzeichnung entnommen scheint. Ein klassischer Alleingänger, dessen Ehe gescheitert ist und dem der Verlust seiner Tochter nach wie vor schwer nachhängt - wirklich originell ist das nicht. Inwiefern es der Figur guttut, seine Trauer zu bewältigen, indem sie fast mit der Person sexuellen Kontakt hat, die seinem verstorbenen Nachwuchs ähnlich sieht, ist ebenfalls fragwürdig.
Grief is complicated
Doch Isaacs (der seit der kurzlebigen, aber dennoch sehr empfehlenswerten Dramaserie Awake bei mir einen Stein im Brett hat) versucht, das Beste aus den ihm gegebenen Mitteln zu machen und funktioniert in dieser Rolle - ihr stereotypischer Hintergrund mal dahingestellt. Ihn zur Seite gestellt sind einige bekannte Gesichter, darunter Anne Heche (Hung), David Costabile (Breaking Bad) oder auch Richard E. Grant (Girls), deren Charaktere bis auf Heches Lynn Monahan, die Vorgesetzte und gelegentliche Liebschaft von Connelly, noch nicht sehr präsent in Erscheinung treten. Das wird sich in den nächsten Folgen aber wohl noch mit großer Wahrscheinlichkeit ändern.

Am Ende der Episode will man dann noch einmal ein wenig Spannung erzeugen, indem man Connelly zum Hauptverdächtigen in dem aktuellen Mordfall macht, da er als Letztes mit dem Opfer unterwegs gewesen war, während er zuvor noch einen flüchtigen Mörder aus den USA zum Flughafen eskortieren und den amerikanischen Behörden übergeben sollte. Dieser entfleucht aber in letzter Sekunde und scheint selbst Teil der großen Verschwörung zu sein, die sich hier anbahnt.
Um was es genau dabei geht, erfahren wir natürlich nie, dies heben sich die Macher für die kommenden Episoden auf. Es ist ja auch legitim, das zentrale Geheimnis seiner Serie auszureizen und so eventuell Spannung zu generieren. In „Dig“ hätte ich mir jedoch gewünscht, man hätte gelegentlich mal einen Gang runtergeschalten, nicht zu exzessiv in Sachen uralte Mysterien ausgeholt sowie weniger das große Rätsel der Prämisse zum Star der Show gemacht. Vielmehr hätte man seinen Figuren einen originären und vor allem interessanten Kniff geben können.
Fazit
Für Genrefans könnte Dig durchaus ein Versuch wert sein, Zuschauer, die allgemein nicht sehr viel mit Verschwörungsthrillern anfangen können, machen hier wohl besser einen großen Bogen drumherum. Die vielen geheimnisvollen Andeutungen und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen und Figuren fühlen sich bisweilen wie ein fauler Trick an, um den Zuschauer bereits jetzt schon bei der Stange zu halten. Die interessante Darstellerriege mag reizvoll genug sein, um einen Blick zu riskieren, jedoch wird man schnell erkennen, dass die Geschichte viel zu träge und recht blutleer erzählt ist, um einen zu fesseln.
Da ich persönlich kein großer Fan dieses Genres bin und der Auftakt von „Dig“ bei mir eher für Langeweile als Begeisterung sorgte, werde ich mir wohl auch keine weitere Folge des Formats ansehen. Ich möchte zwar nicht gänzlich ausschließen, dass sich hier über mehrere Episoden eine packende Dynamik entwickeln könnte. Meine Zeit als Fernsehkonsument ist mir jedoch schlichtweg zu kostbar, um diese in eine Serie zu investieren, die mir nichts Markantes oder wirklich Besonderes anbietet und mich dadurch so gut wie überhaupt nicht reizt.
Offizieller Serientrailer zu „Dig“: