Die verlorene Tochter 1x01

© zenenfoto aus der Serie Die verlorene Tochter (c) ZDF
Worum geht's?
Die Pilotfolge der ZDF-Serie Die verlorene Tochter startet mit einer Rückblende, die zehn Jahre vor der eigentlichen Handlungszeit der Geschichte einsetzt und den Tag von Isas (Henriette Confurius) Verschwinden genauer thematisiert. Das junge Mädchen verschwand am Abend des alljährlichen Schulfestes. Auf dem Heimweg von der Feier machte sie eine erschreckende Entdeckung, welche möglicherweise einen engen Zusammenhang mit ihrem Untertauchen haben könnte: Sie erwischte ihre Mutter Sigrid (Claudia Michaelsen) in flagranti beim Geschlechtsverkehr mit einem örtlichen Polizeibeamten im Auto und wurde somit Zeuge ihrer bereits andauernden Affäre. Die Geschehnisse jener Nacht werden zu Beginn ein jeder Episode der Serie angerissen, um zusätzliche Informationen zu offenbaren und Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen zu entwirren.
Nach einer Zeitspanne von zehn Jahren hat sich die Familie von dem Verlust der Tochter etwas erholt. Die Umstände um Isas Verschwinden werden allerdings totgeschwiegen und zu einem Tabuthema erhoben. Als ihr Bruder Philip (Rick Okon) sein Neugeborenes nach seiner totgeglaubten Schwester benennen will, führt dies zu innerfamiliären Konflikten, da niemand so recht das nach langer Zeit endlich einigermaßen verdaute Thema wieder aufleben lassen will.
Eines Tages aber glaubt der Polizeibeamte Peter Wolff (Götz Schubert), Isa während seiner Dienstzeit in einem weißen Audi-A1-Mietwagen gesehen zu haben. Es handelt sich hierbei um ein und denselben Polizisten, welcher einst eine Affäre mit Isas Mutter einging und später den Fall ihres Verschwindens aus Schuldgefühlen weiterverfolgte, während dagegen die meisten anderen, die Familie eingeschlossen, die junge Frau schon aufgegeben hatten. Jedoch will niemand dem verzweifelten Peter Wolff Glauben schenken. Man kreidet ihm eine wilde Fantasie an, welche durch seinen übermäßigen Alkoholkonsum entfacht wurde. Wolff will jedoch nicht an einen Zufall oder eine optische Täuschung glauben und geht der Sache weiter nach, so dass er durch sein uneinsichtiges Verhalten sogar seinen Beruf aufs Spiel setzt. Denn niemand scheint wirklich an einem Wiederauftauchen der inzwischen erwachsenen Frau interessiert zu sein. Isas Mutter fürchtet offensichtlich das Aufdecken ihrer Untreue und die damit einhergehende Zerstörung der Familienharmonie. Auch ihr Bruder sieht vor allem den Nachteil, sein Erbe am Ende doch noch mit seiner Schwester teilen zu müssen. Was Isas Vater Heinrich (Christian Berkel) zurückhält, ist (noch) nicht wirklich schlüssig. Aber deutlich festzustellen ist dennoch, dass dieser alles daran setzt, die Unternehmungen von Wolff zu unterbinden. Denn er scheint einfach nicht an eine Rückkehr seiner Tochter glauben zu wollen.
Als Wolff seine Bemühungen schließlich aufgeben will, kommt es aber zu einem gefährlichen Brandvorfall in seinem Haus und seine Vermutungen über das Wiederauftauchen der jungen Frau bestätigen sich auf einen Schlag ganz explizit: Isa lebt und sie ist zurück, doch ihre psychische Gesundheit lässt zu wünschen übrig und scheinbar hat sie auch ihr Gedächtnis verloren...
Die verlorene Tochter oder wieder mal eine verlorene Tochter?
Wir befinden uns in einer Kleinstadtidylle. Jeder kennt jeden. Ein perfektes Harmoniebild entsteht. Doch plötzlich geschieht etwas Unvorhergesehenes, beispielsweise das mysteriöse Verschwinden eines unschuldigen Mädchens. Abgründe tun sich auf und plötzlich wird einem schlagartig klar, dass jede Familie im Ort seine eigenen, dunklen Geheimnisse hat. Kommt einem das nicht irgendwie sehr vertraut vor?
„Die verlorene Tochter“ schließt sich folglich mit seiner Grundthematik des verlorenen Mädchens an bereits existierende Werke an, die genau dieses Sujet auf eine ähnliche Weise bereits erzählt haben. Was sich jedoch als durchaus interessant erweist, ist die Tatsache, dass die verloren Geglaubte bereits am Ende der ersten Episode der Serie wieder auf der Bildfläche erscheint. Kommt mit dem Wiedererscheinen nun auch schon die Lösung der ganzen Intrige einher? Nein, tatsächlich nicht, denn Isa leidet wie bereits erwähnt unter einem Gedächtnisverlust, so dass sie die Gründe, die zu ihrem Verschwinden führten, selbst nicht rekonstruieren kann. Die Verschwundene gesellt sich in der Serie also zu denjenigen, die das Rätsel um sie herum zu entschlüsseln versuchen und differenziert sich somit selbst zu einem gewissen Grade vom Mysterium. Lässt sich das nun als eine gelungene, geschickte Herangehensweise werten? Na ja, also innovativ ist es in jedem Fall. Die Tatsache, Isa bei ihrem schleichenden Erinnerungsprozess begleiten zu können, ist sicherlich auch eine Taktik, die nicht verkehrt ist. Denn zeitgleich mit der Hauptfigur hat somit auch der Zuschauer die Möglichkeit, die Lücken des Gedächtnispuzzles zu füllen und das Geschehen in „jener Nacht“ zu rekonstruieren.
Fazit
Aber insgesamt muss auch gesagt sein, dass die Serie durch Isas verfrühtes Auftauchen einiges an Spannung einbüßen muss. Denn schließlich ist das Endresultat der Suche somit schon vorgegeben und es wird vermehrt auf die Ergründung der Ursachen Wert gelegt. Klar kann auf diese Weise auch ein effektiver Spannungsbogen erzeugt werden, allerdings müssen die Intrigen zwischen den Figuren das nun wettmachen, was an Handlung bereits vorweggenommen wurde.
Ob dies gelingen wird, ist die andere Frage. Denn die zähen Interaktionen zwischen den Figuren waren bereits in der ersten Episode etwas mühsam mit anzusehen und hier lag der Fokus noch auf der Möglichkeit, dass Isa in die Stadt zurückgekehrt ist.
Im Allgemeinen erweisen sich die Figuren als recht nüchtern, desinteressiert und abweisend in Bezug auf eine Ergründung der Tatsachen. Niemand scheint wirklich zu wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Nicht einmal Isa selbst will sich auf genauere Untersuchungen einlassen, denn innere Stimmen halten sie davon ab und zwingen sie dazu, sich vor der Realität zu verstecken. Alle, ausgenommen von Peter Wolff. Dieser wirkt als einziger so, als würde er wissen wollen, was tatsächlich passiert ist.
Auch ist kein Sympathieträger in der Geschichte auszumachen oder ergründlich, aus welcher Perspektive die Handlung geschildert wird. Keine Figur wird dem Zuschauer so nahe gebracht, als dass er sich mit ihr identifizieren oder an ihren Gedankengängen teilhaben könnte. Dadurch wird eine Atmosphäre der Verschlossenheit vermittelt, die zwar in die trügerische Kleinstadtharmonie passt, aber das Zuschauen an manchen Stellen sehr mühsam gestaltet. Am ehesten würden noch das Opfer Isa oder Peter Wolff infrage kommen. Aber weder die junge Frau noch der Polizeibeamte lassen es zu, ihre Partei zu ergreifen und an ihrer Seite das Geheimnis zu lüften. Auch wenn eine solche Distanz zu den Figuren die Neutralität der Falllösung natürlich unterstreicht, wäre es eventuell doch geschickter gewesen, keine Doppelspur zu fahren und sich an eine einzelne Erzählperspektive zu halten.
Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass „Die verlorene Tochter“ eine Serie mit Potential ist, welches an manchen Stellen nicht ganz ausgeschöpft wurde. Auch wenn die Grundidee selbst nicht wirklich innovativ ist, so hätte man dennoch darauf aufbauen können. Dies gelang auch teilweise, so dass die Serie sicherlich für Freunde des Genres sehenswert ist. „Die verlorene Tochter“ sticht allerdings nicht besonders hervor und wer schon genug Krimi- beziehungsweise Mystery-Formate gesehen hat, der kann auch beruhigt beim Durchsuchen der ZDF-Mediathek einfach weiter scrollen und wird hierbei mit Sicherheit nichts Großartiges verpassen.
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Verfasser: Mariano Glas am Montag, 27. Januar 2020(Die verlorene Tochter 1x01)
Schauspieler in der Episode Die verlorene Tochter 1x01
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