Diary of a Future President: Review der Pilotepisode

Diary of a Future President: Review der Pilotepisode

In der Serie Diary of a Future President von Disney+ erzählt die anstrebende Präsidentin Elena Cañero-Reed rückblickend von einigen Ereignissen aus ihrer Kindheit, welche in ihrem ehemaligen Tagebuch festgehalten wurden.

Diary of a Future President (c) Disney+
Diary of a Future President (c) Disney+
© iary of a Future President (c) Disney+

Worum geht's?

In den ersten Sequenzen der Pilotfolge der Serie Diary of a Future President von Disney+ wohnen wir der 35-jährigen Protagonistin Elena Cañero-Reed (Gina Rodriguez) bei ihrem Einzug ins Weiße Haus bei. An ihrem ersten Tag als US-Präsidentin erhält sie ein Paket von ihrer Mutter, welches ihr ehemaliges Tagebuch beinhaltet. In dem beigelegten Brief weist diese darauf hin, dass Elena niemals den Weg vergessen soll, der sie zu dem geführt hat, was sie heute ist. Als die nostalgische Neupräsidentin beginnt, darin zu lesen, setzt eine Rückblende ein und der erste Eintrag des Tagebuchs wird uns visuell präsentiert. Im Voice-Over kommentiert die 12-jährige Elena (Tess Romero) das Geschehen.

Ihren Beschreibungen zur Folge startet der Tag wie jeder andere auch. Nach einem Frühstück mit ihrer Mutter Gabi (Selenis Leyva) und ihrem älteren Bruder (Charlie Bushnell) werden die beiden Kinder zur Schule gefahren. Elena ist erst seit kurzem an der Mittelschule und hat dementsprechend noch mit den einhergehenden Veränderungen zu kämpfen. Denn neben den sonstigen Umstellungen hat sich zudem Jessica, eine ihrer beiden besten Freundinnen, von ihr abgewandt, um mit den „coolen Kids“ der Schule abhängen zu können. Zum Glück hat Elena aber noch Sasha (Carmina Garay), die ihr zur Seite steht.

Während die „reiferen Mädchen“ wie Jessica und Melissa sich um „wichtige Angelegenheiten“ wie die erste Menstruation Gedanken machen, ist Elena am Boden zerstört, als sie erfährt, dass ihr Geschichtsreferat über den Zweiten Weltkrieg nicht erst in einer Woche, sondern am heutigen Tag stattfinden soll. Weil sie das Datum falsch notiert hat, ist sie für den dreiminütigen Vortrag nun überhaupt nicht vorbereitet. Für die zielstrebige Schülerin ist das eine absolute Katastrophe! Völlig außer sich ruft sie ihre Mutter bei der Arbeit an. Diese gibt ihr den sinnvollen Rat, dass nicht im Vordergrund steht, was passiert ist, sondern, wie man mit einer schwierigen Situation umgeht. Denn es werden immer unvorhersehbare Dinge passieren, die man bewältigen muss.

Nach der anfänglichen Hysterie beruhigt sich die Schülerin etwas. Auf der Mädchentoilette kommt es aber anschließend zu einer komplizierten Situation zwischen Elena und ihrer ehemaligen BFF Jessica, was sie erneut aufwühlt. Dennoch schafft Elena es nach anfänglichen Strapazen, ihr Exposé auf eine überzeugende Art und Weise zu präsentieren. Nach dem lehrreichen Tag erinnert sich Elena schließlich an das Tagebuch, welches sie von ihrem bereits verstorbenen Vater bekommen hat, um dort ihre Gedanken einzuschreiben, welche sie verbal (noch) nicht in Worte fassen kann. Sie beginnt, ihren ersten Eintrag über den oben geschilderten Tag zu verfassen. Im Besonderen beschriebt sie, was ihr der Tag gelehrt hat: Es ist nicht wichtig, was passiert, sondern wie man damit umgeht. Als sie anschließend zu ihrer Mutter ins Wohnzimmer eilt, führt eine unvorhergesehene Situation zu einem Cliffhanger und die Frage bleibt bestehen, ob sich Elena ihre neue Tugend zu Herzen nehmen wird.

Es handelt sich um einen täglichen Bericht, wie ich zu dem geworden bin, was ich heute bin

Zugegeben, als ich den Titel der Serie vernommen habe, habe ich mir etwas mehr erhofft, was beim Sichten allerdings nicht bestätigt wurde. Die extern durch die CBS Studios produzierte Serie war eigentlich für den US-Networksender The CW geplant, wurde aber später an Disney verkauft. Und das zurecht, denn Diary of a Future President spricht doch eine relativ spezielle Zielgruppe an. Wenn man sich als Erwachsener nun erhofft, die Serie könnte einen, auch wenn sie als Jugendserie konzipiert ist, wegen des doch recht speziellen Themas mitreißen, so wird man leider enttäuscht. Auch wenn versucht wird, eine tiefer greifende Moral zu vermitteln, wird dies leider von zu vielen klassischen Elementen einer Disney-Serie überdeckt. Außer der Protagonistin Elena selbst wirken die restlichen Personen alle dermaßen überzeichnet, dass die Serie vieles an Glaubwürdigkeit einstecken muss. Da wäre zunächst die hysterische Mutter mit ihrem geheimen, neuen Freund; der coole, lässige Bruder Bobby, der am liebsten chillt; oder die oberflächlichen Mädchen in der Klasse, deren Prioritätensetzung und Problembewältigung beinahe Fremdscham beim Sichten auslösen. Außer Elena selbst wirken die Figuren lediglich wie Stereotypen ohne tatsächliche, eigene Charakterzüge. Und irgendwie passt diese Figurendarstellung nicht wirklich ins tatsächliche Thema der Serie, denn eine zukünftige Präsidentin bewegt sich schließlich in einer Welt voller Individuen mit real existierenden Problemen.

Elena selbst wirkt diesem Eindruck etwas entgegen, denn immerhin spielt sie hier nicht die typische Rolle der schüchternen, ängstlichen Einzelgängerin, die ihr wahres Ich noch finden muss, sondern wird bereits zu Beginn als recht selbstbewusst und zielstrebig inszeniert, auch wenn manche Reaktionen von ihr teilweise etwas übertrieben wirken. Zudem beschäftigen sie Dinge und plagen sie Probleme, die man als Zuschauer auch teilweise nachvollziehen kann.

Auch hält sich die Serie der Pilotfolge nach zu urteilen an das implizit versprochene Schema eines täglichen Berichts, wie Elena es geschafft hat, zur US-Präsidentin gewählt zu werden. Denn im Raum steht tatsächlich eine Moral, welche in dieser Folge mehrfach deutlich gemacht wurde. Elena lernt hier etwas Essentielles, welches für eine spätere politische Karriere unentbehrlich sein wird: das Händeln von schwierigen, unvorhersehbaren Situationen. Ob es auch in den kommenden Episoden eine Leitfrage geben wird und Elena in jeder Folge etwas Neues dazulernen wird, wird sich zeigen. Insgesamt erweist sich dies aber als ein recht sinnvolles Prinzip, welches der Jugendserie eventuell doch noch einen gewissen Mehrwert verleiht.

Fazit

Dennoch hilft auch dies nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die Serie sich trotzdem stark an anderen Disney-Formaten orientiert. So begleiten wir eine Schülerin bei ihrem Leben in der Middle School. Wir werden Zeuge ihrer alltäglichen Probleme. In jeglicher Hinsicht ein Klassiker. Der Fakt, dass dieses Mädchen einmal Präsidentin werden wird, wirkt ehrlich gesagt nur wie eine Nebensächlichkeit, denn die gesamte Inszenierung baut auf bereits bekannten Modellen auf, die auf eine ähnliche Weise schon zigfach in anderen Serien oder Filmen erzählt wurden. Neben der Rahmengeschichte, die zudem auch recht in den Hintergrund rückt, wird nichts wirklich Innovatives, Bahnbrechendes ins Leben gerufen. Etwas enttäuschend, denn man hätte die Grundidee ohne Zweifel deutlich geschickter verpacken können, sodass sich auch ein breiteres Publikum davon angesprochen fühlt.

Nichtsdestotrotz ist die Serie sicherlich für Kinder und Jugendliche geeignet, die sich bestimmt auch eher mit den gezeigten Inhalten identifizieren können und die Probleme der Figuren auf eine gewisse Weise teilen. Sie sollten sich allerdings nicht erhoffen, darin einen Leitfaden zum Erfolg oder gar zum Präsidentschaftssieg zu finden. Wie in vielen anderen Kinder- und Jugendserien dieser Art überwiegt hier doch der Unterhaltungsfaktor und stellt Inhaltliches eher in den Schatten.

Vielleicht hätte mich ein solches Format ja vor zehn Jahren noch abgeholt, heute tut es das jedenfalls nicht mehr.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „Diary of a Future President“:

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