Dexter 9x03

© zenenfoto aus der Episode Smoke Signals der Serie Dexter - New Blood (c) Showtime
Die neue Dexter-Episode Smoke Signals, die dritte der Revival-Staffel „New Blood“, ist ein Potpourri aus ernst und albern, das einfach keinen Sinn ergibt. Immerhin kommt ein bisschen Bewegung ins Spiel, auch durch neue Akteurinnen wie Jamie Chung (Once Upon a Time, Lovecraft Country). Sie mimt die übertriebene enthusiastische True-Crime-Podcasterin Molly Park, die das Verschwinden von Dexters (Michael C. Hall) jüngstem Opfer Matt (Steve M. Robertson) untersucht.
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Darüber hinaus lernen wir ganz neue Facetten beim jungen Harrison (Jack Alcott) kennen, der sich in immer klischeehaftere Highschool-Geschichten verstrickt. Während sein Vater einem waschechten Bären über den Weg läuft. Der erste Schock der neuen Folge: In dem Wald, wo die Tat geschah, waren offenbar Kameras installiert. Ist Dexter also aufgeflogen?
Was passiert?
Zunächst lernen wir den exzentrischen Blutspurenanalytiker Damian (Aaron Andrade), der leichte Vince Masuka (C. S. Lee) versprüht, was irgendwie erfreulich ist. Etwas peinlich ist die Szene, in der dieser Damian und Dexter als Seelenverwandte gegenseitig ihre Sätze vollenden (zumindest im Geiste). Auch bedeutet der CSI-Mann für Dexter oder Jim Lindsay einige Probleme, denn er macht aus dem Vermisstenfall einen Mordfall. Hitzkopf Kurt Caldwell (Clancy Brown), der Vater des Opfers, fühlt sich bestätigt und macht nun noch mehr Druck bei Chief Angela Bishop (Julia Jones), Dexters Freundin - die übrigens verblüffend große Ähnlichkeiten mit seiner Stiefschwester Debra (Jennifer Carpenter) aufweist, wie mir erst jetzt auffiel.
In der vielleicht besten Szene des bisherigen Revivals sehen wir später, wie Dexter nachts den Tatort manipuliert. Wie in einem Tanz (zum tollen Leonard-Cohen-Song „Avalanche“) fingiert er neue Spuren, die zu einer Höhle führen. So viel zum vermeintlichen Tierfreund Dexter, der den Mord nun einem unschuldigen Bären anhängen will. Die Leiche landet später in einem Ofen und schneit friedvoll auf das kalte Iron Lake als Asche nieder. Komisch ist nur, dass ein betrunkener Kurt ganz am Ende der Episode behauptet, er hätte mit seinem Sohn videotelefoniert. Wie kann das sein? Das erfahren wir erst nächste Woche, doch traurigerweise würde man dieser neuen Dexter-Serie fast sogar den billigen Zwillingstrick zutrauen...

Im zweiten großen Handlungsstrang sehen wir, wie Harrison seinen Platz an der Schule findet. Nachdem ihn die coolen Kids mit offenen Armen empfangen haben, schlägt er sich nun auf die Seite der Loser. Konkret geht es um den Supernerd Ethan (Christian Dell'Edera), der von Zach (Oscar Wahlberg, der Neffe von Marky Mark) und Co brutal gemobbt wird. Harrison unterbindet dies und nimmt die Täter in den Würgegriff. Erstaunlich, wie kräftig der blasse, dünne Junge ist. Und genauso erstaunlich, dass die Macher eine so plumpe Szene heutzutage noch für verkaufbar halten. Bedauernswert ist aber auch, dass sich der Außenseiter Ethan tatsächlich als Weirdo entpuppt, der bedenkliche Rache-Comics zeichnet.
Ganz nebenbei erfahren wir zudem, dass Harrison hochbegabt ist (ähnlich wie sein Vater). Besonders amüsant in diesem Zusammenhang, mit welchem Desinteresse Dexter diese Neuigkeit aufnimmt. „Hey, ich bin ein Genie!“ „Glückwunsch, räum' dein Zimmer auf.“ So ungefähr lief der Dialog ab, zumindest im Gedächtnisprotokoll. Die Vater-Sohn-Beziehung will, wie so vieles, einfach nicht funktionieren. So klingt es vollkommen unglaubwürdig, als Dexter im inneren Monolog später beteuert, wie stolz es ihn mache, dass sein Sohn ihn seinen Vater nennt. „Dad is my new favorite word.“ Süß, Dexter.
Im Hintergrund entwickelt sich auch der Entführungsplot rund um die arme Lily (Kimmy Anne Dunn) etwas weiter. Ein Mann mit Skimaske, dessen Augen aber aussehen wie die des bösen Ölunternehmers Edward Olsen (Frederic Lehne), lässt sie überraschend frei. Aber nur, um zum Spaß mit seinem Jagdgewehr auf sie zu schießen. Man ist gewissermaßen erleichtert, dass sexuelle Gewalt hier nicht zum Hauptthema wird. Die Theorie vom Prostitutionsring ist damit widerlegt, wobei man sich nun fragt, was stattdessen dahintersteckt. Will sich der Klimakiller einfach an jungen Ökoaktivistinnen rächen?
Wie ist es?
Die neue Dexter-Episode Smoke Signals schlägt viele neue Pfade ein, die zumindest nicht langweilig sind. Trotzdem wirkt das Revival nach drei Folgen noch immer mehr als unstimmig. Vieles kommt unfreiwillig komisch rüber, wobei sich die Serie auch an ungewohnte absichtliche Witze wagt. Wenn Debra zum Beispiel einen Fleischwolf als Lösung für das Leichenproblem vorschlägt und dabei einen auf Harley Quinn macht. Das schwächste Glied der Kette bleibt Harrison, auch wenn er super starke Arme und einen hohen IQ hat. Für Folge vier wünsche ich mir vor allem eines: Tempo.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode, H Is for Hero (9x04), der Serie Dexter: Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 22. November 2021Dexter 9x03 Trailer
(Dexter 9x03)
Schauspieler in der Episode Dexter 9x03
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