Dexter 7x10

„You are not a puppet. Of course you have a choice.“ In der Dexter-Episode The Dark... Whatever stellt sich Dexter endlich der Verantwortung, die mit seinen blutigen Taten einhergeht. Was bei anderen Menschen einen moralisch vertretbaren Weg eingeleitet hätte, hat auf Mr. Morgan im Gegenzug einen befreienden Effekt.
Das Verantwortungsdilemma
Hannah McKay (Yvonne Strahovski) und Dexter Morgan (Michael C. Hall) diskutieren und zanken wie ein Durchschnittspärchen - wenn man davon absieht, dass ihre Auseinandersetzungen um den „Killerfaktor“ ergänzt werden. Bevor sich die beiden darüber einig werden können, inwiefern sich ein Mensch der Verantwortung für seine Taten entziehen kann, erscheint plötzlich Hannahs Vater Clint (Jim Beaver) auf der Bildfläche. Der Mann, der sie fast ertränkt hätte und als kleines Kind für drei Tage allein in einem Hotelzimmer zurückließ, um seiner Spielsucht zu frönen. Doch der augenscheinliche Vertreter des Tough Love-Prinzips folgt nun der Weisung seines Gefängnispsychologen und will endlich die Verantwortung für seine pädagogische Misswirtschaft übernehmen.
Immer wieder Masuka
Wie so oft sorgt der konsequent unangebrachte Vince Masuka (C.S. Lee) auch in dieser Episode für Atempausen, in denen man erfreut die Augen über seine verquere Persönlichkeit verdrehen kann: „When I was fifteen, my parents thought that I was retarded.“
Neben seinem verheerenden Mangel an Feingefühl für sexuelle Themen enthüllt Masuka zudem, dass Dex und Hannah nun ein Paar sind.
Debs eisiger Blick, der daraufhin den sympathisierenden Angel Batista (David Zayas) ins Straucheln bringt, ist dabei einer der ganz großen Momente von Jennifer Carpenter in ihrer Rolle der leidgeplagten Ermittlerin.
Debras Fluch
Unmittelbar auf die Enthüllung von Dexters Beziehung folgt Debs eindrucksvolle Standpauke: „I have compromised the shit out of myself for you. I am sure as fuck not going to do it for Hannah McKay.“ Als Debra ihrem Bruder diese Worte ins Gesicht schleudert, wird bereits deutlich, dass sie weit davon entfernt ist, seiner Beziehung ihren Segen auszusprechen. Doch wie tief die Spuren der permanenten Belastung bei ihr wirklich gehen, zeigen die Alprazolam-Tabletten. Das Medikament zur Behandlung von Angstzuständen und Panikattacken ist zu ihrem ständigen Begleiter geworden.
Das Feuer-Phantom
Sieben Menschen haben in zwei Wochen ihr Leben durch den Feuerteufel verloren. Darunter war auch ein sechsjähriges Kind.
Während Quinn (Desmond Harrington) und Batista sich mit unproduktiven Zeugenbefragungen herumplagen müssen, begibt sich Dex unverzüglich auf Spurensuche.
Die vielen verdächtigen Blicke, die den Brandsachenexperten Phil Bosso (Brett Rickaby) verdächtig gemacht hatten, lösen sich vor dem Hintergrund von nachgespielten Kriegshandlungen in Luft auf. Dabei verschafft sich der Nostalgiker Bosso mithilfe von Fotos fast schon auf aufdringliche Weise ein Alibi für die Phantom-Morde.
Obwohl Bosso in seiner verschrobenen Art einen interessanten Gegner für Dexter hätte abgeben können, ist es doch angenehm, dass sich die Kreativlinge der Serie nicht für die offensichtlichste Täter-Option entschieden haben. Nachdem die falsche Fährte als solche enttarnt ist, wird der tatsächliche Mörder präsentiert. Gnadenlos und routiniert macht sich Joseph Jansen (Mike Foy) in einem Bus wieder an sein grausiges Werk. Die Beiläufigkeit, in der er willkürliche Passagiere mit dem Brandbeschleuniger bespritzt, ist mehr als gruselig.
Als Dex das echte Brand-Phantom auf seinem Tisch eingewickelt hat, um ihn abzuurteilen, spricht er dabei in Wahrheit seinen eigenen Schuldspruch. Bevor er den tödliche Messerstich ausführen kann, wird sich Dexter dessen bewusst. Wie der Mann vor ihm, entzieht sich auch Dex selbst der Verantwortung. Sein Bobby ist der Dark Passenger.
Anstatt einen weiteren Mord auf seinem Kerbholz zu verbuchen, präsentiert er das Phantom Deb und der Miami Metro Police. Dabei riskiert Dexter zwar, dass der Mann den Polizisten von dem Übergriff berichtet. Gleichzeitig stellt der gnädige Akt - ganz nebenbei - auch ein Entgegenkommen an Debra dar, von dem sie sich jedoch nicht beeindrucken lässt.
Vater des Jahres
Ein netter Nachmittag mit ihrem Vater reicht für Hannah aus, um dessen unzählige Untaten wettzumachen. Daran wird wieder einmal deutlich, dass sich hinter Hannahs Killerfassade ein Mädchen mit Ängsten und Hoffnungen verbirgt. Selbst als es offensichtlich wird, dass Clint in Wirklichkeit eher an Geld, als an einer gesunden Beziehung zu seiner Tochter interessiert ist, will sie davor die Augen verschließen.
Yvonne Strahovski überzeugt in ihrer Rolle der Hannah während der gesamten Episode. Doch besonders, als sie mit zittrigen Händen die zu Boden gefallenen Orchideen in ihrem Gewächshaus wieder herrichten möchte - als seien es die Scherben ihrer Vergangenheit - kann die Schauspielerin in ihrer intensiven Darstellung berühren.
George ist tot
George Novikov (Jason Gedrick) hat das Ende des Ausnahmebösewichts Isaak Sirko (Ray Stevenson) zu verantworten. Weil der Mord am liebenswerten Ukrainer die Handlung der siebten Staffel von Dexter um eines ihrer besten Elemente beraubte, scheint George seinen unspektakulären Quickie-Tod irgendwie verdient zu haben.
Zu seinem Henker wird ausgerechnet Quinn, der bis zur Episode Helter Skelter (7x09) nicht wirklich überzeugen konnte. Was haben die Drehbuchautoren nur mit dem Dreieck aus dem Verdacht schöpfenden Batista, dem liebestollen Quinn und der nun befreiten Nadia im Sinn? Kommt es durch Quinns Lüge gegenüber Batista endgültig zum Zerwürfnis zwischen den Kollegen oder soll sein Übergriff ein neuerliches Aufbegehren der Koshka Brotherhood einleiten? In jedem Fall gewinnt der Handlungsstrang von Quinn durch die neuerlichen Entwicklungen an Dynamik.
Der wahre Bay Harbor Butcher
María LaGuerta (Lauren Vélez) und Tom Matthews (Geoff Pierson) kommen bei ihren Bay Harbor Butcher-Ermittlungen ein gutes Stück voran. Santos Jimenez - einer der Mörder von Dexters und Brians Mutter - hatte das Land gepachtet, auf dem Dexter einst Doakes gefangen gehalten hatte. Während Matthews noch zweifelt, verfestigt sich auf Seiten von LaGuerta der richtige Verdacht.
So vielversprechend diese bahnbrechende Erkenntnis auch ist - die Inszenierung ihrer Ermittlungen verläuft ein wenig unrund. Dass Tom von „irgendwie kommt mir der Name Jimenez bekannt vor“ ohne weitere Recherche sofort auf „ach ja, das war einer der Mörder von Mrs. Moser“ kommen kann, macht einen konstruierten Eindruck. Die leichte Ungereimtheit ist in dieser wichtigen Episode jedoch ohne Weiteres zu verschmerzen.
Maybe the Dark Passenger is just a feeling
Wie spitzbübisch sich Dexter darüber freut, ganz selbstbestimmt über Leben und Mord zu entscheiden, ist eines der Highlights der Episode. Als er Clint auf seiner Slice of Life den Garaus macht, lässt er nicht nur den Dark Passenger hinter sich, sondern verabschiedet sich auch - zumindest zeitweise - von seinem altgedienten Code. Schließlich war Clint zwar ein Erpresser und ausgemachter Widerling, aber eindeutig kein Mörder.
Fazit
Die Episode The Dark... Whatever fügt sich gekonnt in den Rest der Staffel ein. Besonders der Titel „Because I Want to“, den die vorvorletzte Folge der siebten Staffel ursprünglich tragen sollte, bringt ihr Thema auf den Punkt: Dexter akzeptiert seine blutigen Triebe als Teil seiner selbst. Da sich die Belastung für sein Gewissen - gelinde gesagt - in Grenzen hält, sind die Möglichkeiten, die mit diesem Befreiungsschlag einhergehen, mehr als verlockend.
Ein einziger Wermutstropfen besteht in dem verfrühten Ausscheiden von Sirko, neben dem das impulsive Feuerphantom trotz seiner bedrohlichen Ausstrahlung recht blass erscheint.
Die Tatsache, dass Dex Hannah über seinen Mord an Clint im Dunkeln lässt, wirft Schatten auf das zukünftige Glück des „cutest little couple“. Es ist anzunehmen, dass Hannah recht giftig reagieren könnte, falls sie die Wahrheit herausfinden sollte. An den nicht zurückhaltbaren Mutmaßungen der Rezensentin wird deutlich, wie großartig es den Machern von Dexter gelingt, Spannung und Mutmaßungen über den Fortgang der Handlung heraufzubeschwören.
Schließlich ist der Vatermord bei weitem nicht die größte Bedrohung für die Liebenden: Clint hatte als letzten Akt seiner unorthodoxen Vaterrolle bereits die Polizei über Arlene Schram in Kenntnis gesetzt. Hannahs frühere Mitbewohnerin kann deren Mord an einem Bewährungshelfer bezeugen. Und jetzt hat Deb den ausgefuchsten Spürhund Batista auf Arlene angesetzt, um Hannah endlich dingfest zu machen. Zusammen mit der großen Bedrohung, die das Duo aus LaGuerta und Matthews für Dexter bedeutet, sind die Weichen für die beiden letzten Episoden dieser ausgezeichneten Staffel gestellt.
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 3. Dezember 2012(Dexter 7x10)
Schauspieler in der Episode Dexter 7x10
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