Dexter 7x04

Dexter Morgan (Michael C. Hall) selbst kĂŒndigt zu Beginn der Episode Run an, was das ĂŒbergeordnete Thema sein wird: „Werden Deb und ich zurĂŒck zueinander finden?“
Dass sich auch seine Schwester mit diesem Problem herumschlĂ€gt, wird anhand einer Traumsequenz deutlich. Was im Zuge der handlungsreichen letzten Episoden vollstĂ€ndig in den Hintergrund gerĂŒckt war, kehrt nun unheilschwanger auf die BildflĂ€che zurĂŒck: Debs (Jennifer Carpenter) unplatonische GefĂŒhle fĂŒr Dexter sind durch die schockierende Wahrheit nicht einfach ausgemerzt worden, weswegen ihr Adoptivbruder als blutlĂŒsterner BrĂ€utigam in Erscheinung tritt.
Die Guten und der Bitterböse
Stripclubmanager George Novikov (Jason Gedrick) bemĂŒht sich derweil darum, Quinn (Desmond Harrington) zu bestechen. Doch nur weil der Ermittler Probleme damit hat, sein Privatleben vom Job und den körperlichen VorzĂŒgen der Zeuginnen zu trennen, ist er nicht automatisch fĂŒr alle ethischen Entgleisungen zu gewinnen. In diesem uninteressantesten Handlungsstrang kann lediglich Quinns selbstgefĂ€lliges Grinsen im Anschluss das Entlarven seiner Machenschaften durch eine aufmerksame Kollegin erfreuen.
Isaac Sirko (Ray Stevenson) stellt wĂ€hrend der gesamten Episode seinen pragmatisch-sadistischen Arbeitseifer zur Schau. WĂ€hrend er einen willkĂŒrlich erwĂ€hlten und gĂ€nzlich liebenswerten Barkeeper dazu zwingt, sich als SĂŒndenbock fĂŒr die Morde an Mike und Kaja zu opfern, ist er gerade wegen seiner ruhigen SelbstverstĂ€ndlichkeit so bedrohlich.
Angel Batista (David Zayas) ĂŒbernimmt beim Verhör von dem Minotaurenfan Ray Speltzer (Matt Gerald) zunĂ€chst die Funktion des Good Cop, bevor ihm Deb - die lĂ€ngst Speltzers gestörtes VerhĂ€ltnis zu seiner Mutter als Softspot identifiziert hat - gekonnt den Rest gibt und zu einem GestĂ€ndnis bringt. An ihren beachtlichen provokativen FĂ€higkeiten wird veranschaulicht, wie gnadenlos sie sein kann - wenn es nicht gerade um ihren persönlichen wunden Punkt namens Dexter geht.
Die Suche nach dem Guten
Wie bereits in der vorangegangenen Episode „Buck the System“ dient die Betonschlucht vor dem Miami Metro Police Department als symboltrĂ€chtiger Austragungsort fĂŒr den Kampf, der zwischen den Geschwistern entbrannt ist. Wie sich durch Debs blutigen Badewannentraum angedeutet hatte, fĂ€llt ihr Interesse jetzt auch auf Ritas Tod.
Debs Sorge um ihren Neffen Harrison veranlasst sie dazu, mit einer neuen HĂ€rte gegen ihren Bruder vorzugehen. Wie zuvor in dem Verhör von Speltzer bedient sie sich der Provokation, um ihr GegenĂŒber zu reizen. So kommt hinter Dexters Fassade nach den Reizthemen Rita und Harrison fĂŒr einen Moment auch der Dark Passenger zum Vorschein, der auf gröĂenwahnsinnige Weise angibt, „alles“ kontrollieren zu können. Dabei ist Halls schauspielerische Leistung bei der Verkörperung eines sichtlich um Beherrschung ringenden Dexters wieder einmal lobend hervorzuheben.
Hannah McKay
Im GesprĂ€ch mit Hannah McKay (Yvonne Strahovski) versucht Dexter zu ergrĂŒnden, inwiefern es möglich ist, ein Monster zu lieben.
Die Schilderungen der jungen Frau ĂŒben fĂŒr Dexter eine besondere Faszination aus, weil sie ihm ein anderes Leben vor Augen fĂŒhren. Das, was Hannah in der Vergangenheit bereits an der Seite von Wayne Randall gelebt hat, ist das, wonach sich Dexter insgeheim zu sehnen scheint: Ein unkomplizierter Neustart ohne die stĂ€ndige ZurĂŒckhaltung, die Debra ihm auferlegt. Denn: So unschuldig, wie sich Hannah zu diesem Zeitpunkt auch geben mag, symbolisiert sie in Dexters Augen nach wie vor eine zĂŒgellose - weil von moralischen ZwĂ€ngen befreite - Freiheit.
Nach lĂ€ngerer Zeit tritt auch Harrison wieder einmal in Erscheinung. Wieder kann seine Figur dazu herhalten, auch Dexters weiche Seite zum Vorschein zu bringen. GestĂ€rkt durch die starke Verbindung zu seinem Sohn, geht Dexter daraufhin gegenĂŒber seiner Schwester zögerlich in die Offensive, indem er auch ihr Verhalten in Frage stellt: „Maybe the question is whether you will be there for me.“
Die Rache des Minotaurus
Als das amerikanische Rechtssystem bei Speltzer versagt, schĂŒrt dies Debs Zorn so weit, dass auch sie fĂŒr einen Moment die Beherrschung verliert. In ihrem Wutausbruch entlĂ€dt sich sicherlich auch ein Teil der hilflosen Frustration und der SelbstvorwĂŒrfe, die sich seit dem Tod der Kellnerin Melanie Garrett in ihr aufgestaut haben. SchlieĂlich hĂ€tte der Tod von Melanie von Dexter verhindert werden können.
Zum anderen bietet sich fĂŒr Dex so endlich wieder die Gelegenheit, seinen Trieb auszuleben und Speltzer auf seine Weise seiner gerechten Strafe zuzufĂŒhren. Doch auch ein notorischer Planer wie Dexter ist nicht vor ZufĂ€llen gefeit und sieht sich plötzlich etwas zu schnell mit dem gefĂ€hrlichen Kraftpaket konfrontiert. Seine gewohnt nĂŒchterne Analyse der Lage („I don't run, I make people run. However, I do run if there is a bull coming after me with an axe.“) dient hier als kurze Entspannungspause, bevor sich die Handlung wieder dem Horror in einem dĂŒsteren Labyrinth zuwendet.
AtmosphĂ€risch ist auch diese Sequenz - angefangen beim Kratzen der Axt an der Wand ĂŒber das Licht bis hin zur musikalischen Untermalung - wieder höchst wirkungsvoll inszeniert, auch wenn Elemente wie ein hingebungsvoll in der Ecke platzierter Fernseher mit Bildstörung nicht sonderlich realistisch wirken. AuĂerordentlich verstörend sind dennoch die Schaufensterpuppen, die einen Abschnitt des Labyrinths wie eine Disco aus der Hölle aussehen lassen.
Nach kurzer Verzögerung sitzt aber wieder Dex am lĂ€ngeren Hebel beziehungsweise Holzpflock. WĂ€hrend er nebenbei die Machenschaften Speltzers mit seinem „Stay!“-Schild gewitzt parodiert, macht Dexter dem Minotauren endgĂŒltig ein Ende.
In einer Szene, die einen tiefen Frieden verströmt, ist der Rauch des Krematoriums das einzige, was von Speltzer - und auch von Dexters blutigen ObjekttrĂ€gern - ĂŒbrigbleibt. Nicht zuletzt wird an Debs RĂŒhrung offenbar, dass sich die Geschwister Morgan wieder aufeinander zubewegen: Dex verabschiedet sich mit seiner TrophĂ€ensammlung gleichzeitig von einer Angewohnheit, die ihn mit so vielen anderen Serienmördern verband. Debra hingegen gesteht es sich zu, sich ĂŒber Gerechtigkeit zu freuen - obwohl diese nicht auf das Urteil einer Jury zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Batista erwacht
Nach einer langen Phase der resignierten ZurĂŒckhaltung kommt wieder Batistas ermittlerisches GespĂŒr zum Einsatz, als er hinter dem inszenierten Selbstmord des Barkeepers die Wahrheit erahnt. Dabei kann er nicht nur auch Quinn fĂŒr sich gewinnen, sondern hat nach den blassen Auftritten der Vergangenheit auch die Gelegenheit, sich mit einem flotten Spruch wieder in der Gunst der Zuschauer zu rehabilitieren: „I'm already a clichĂ©. Don't need to add fucking a stripper to that list.“
The battle may begin!
Harrison wird nach Florida und somit aus der Schusslinie manövriert. Zur gleichen Zeit offenbart auch Isaac, dass ihm durchaus jemand am Herzen liegt beziehungsweise lag. In Anbetracht der generellen Umgangsformen des ukrainischen Gangsterbosses, darf man sich in den schillerndsten Farben ausmalen, wie er mit jenem verfahren wird, der seinen geliebten Viktor auf dem Gewissen hat.
Fazit
Die Episode Run hat auf spannende - wenn auch teils in die LĂ€nge gezogene - Weise den Störfaktor Speltzer aus dem Weg gerĂ€umt. Der Minotaurus-Mörder ist eine ĂŒberzeichnete Figur. Doch dadurch, dass er nichts Gutes beinhaltet, ist der Killer perfekt dazu geeignet, um in Debra ein weiteres StĂŒck VerstĂ€ndnis fĂŒr ihren Bruder wachzurufen. Es bestehen weder Zweifel an Speltzers Schuld noch an seiner Grausamkeit oder der Tatsache, dass Melanie Garrett im Angesicht einer ohnmĂ€chtigen Polizei nicht sein letztes Opfer gewesen wĂ€re. All diese Faktoren tragen dazu bei, Debs Rechtsbewusstsein zu modifizieren.
Wenn auch nur „vorĂŒbergehend“, so ist Harrison jetzt auĂerhalb der Gefahrenzone, was Dexter zusĂ€tzlich einen Pluspunkt bei seiner Schwester verschafft. Trotz des Abgrundes, der die Geschwister nach wie vor entzweit, ist es zu einer weiteren AnnĂ€herung zwischen Dex und Deb gekommen.
Es wird spannend, zu sehen, inwieweit sich Debs romantische GefĂŒhle gegenĂŒber Dex wieder an die OberflĂ€che drĂ€ngen werden, wenn sie erst einmal den schlimmsten Teil des Schocks verdaut hat. In diesem Zusammenhang birgt auch Yvonne Strahovskis Charakter der Hannah McKay groĂes Potential.
Auch die vierte Episode der siebten Staffel von Dexter regt durch viele kleine Details zum Schmunzeln an („I am going to kill you!“ - „That... would be a twist.“) und bleibt auch abseits des Dex/Deb-Konflikts packend. Nicht zuletzt konstruiert sie die Basis fĂŒr den groĂen Kampf zwischen Isaac und Dex. Man darf weiterhin gespannt bleiben!
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 22. Oktober 2012(Dexter 7x04)
Schauspieler in der Episode Dexter 7x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?