Detective No. 24: Anna - Review zur Pilotfolge der schwedischen Krimiserie

Detective No. 24: Anna - Review zur Pilotfolge der schwedischen Krimiserie

Die Krimiserie „Detective No. 24“ im ZDF führt mit der schwedischen Ex-Staatsanwältin Tilda Renström und dem somalischen Flüchtling Ibraahin ein ungleiches Ermittlerteam ein, das für ganz neue Töne im Genre sorgt. Mehr dazu in unserem Review zur Pilotfolge.

Szenenfoto aus der Serie „Detective No. 24“
Szenenfoto aus der Serie „Detective No. 24“
© ZDF/Niklas Maupoix

Das passiert in der Serie „Detective No. 24“

Anna Renström (Malin Levanon) hat in Detective No. 24 vor kurzem zur Enttäuschung ihres Vaters ihren gut dotierten Job als Staatsanwältin verloren und arbeitet nun in einer Flüchtlingsunterkunft bei der Einwanderungsbehörde. Sie hasst den Job und will unter allen Umständen ihren alten Posten zurück.

Das gestaltet sich aufgrund ihrer Verfehlungen allerdings recht schwierig, bis in ihrem Heimatort Karkebo ein 15-jähriges Mädchen spurlos verschwindet. Erfolglos versucht sie sich in den Fall hineinzudrängen, bis ihr der zur Abschiebung vorgesehene Asylbewerber No. 24 namens Ibraahin (Nasir Farah Dhagole) unerwartet einige wertvolle Tipps gibt.

Denn Ibraahin ist nicht nur hochintelligent, in Somalia war er zudem ein erfolgreicher Ermittler. Obwohl jeder der beiden eigene Ziele verfolgt, raufen sie sich doch zusammen.

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Ein ungewöhnliches Ermittlerduo

Detective No. 24“ gehört im Krimiserien-Genre zu den seltenen Fällen, denen es noch gelingt, das Publikum zu überraschen. Das liegt weniger an dem zwar spannenden, aber auch nicht übermäßig innovativen Fall, sondern vielmehr an dem ungewöhnlichsten Ermittlerduo, das seit langem im Fernsehen zu sehen war.

Ideengeber und Drehbuch-Autor Aron Leander erschuf mit der stark von Malin Levanon gespielten Tilda Renström eine im Grunde genommen zutiefst unsympathische Figur. Tilda ist unangenehm stur und hält sich an keinerlei Regeln. Sie ist arrogant, egoistisch und erweist sich ihren Mitmenschen gegenüber als wenig feinfühlig.

Das sind so ziemlich die schlechtesten Eigenschaften, die man einer Hauptfigur zuschreiben kann. Im speziellen Fall von Tilda funktioniert der Spagat zwischen der Gewissheit, diese Frau nicht zu mögen und dem Wunsch, mehr über sie zu erfahren, allerdings recht gut.

Als erdenden Gegenpol hat sich Leander nämlich mit dem somalischen Expolizisten und in Schweden um Asyl bittenden Ibraahin eine ganz besondere Figur ausgedacht. Äußerlich durch den gewaltsamen Verlust eines Auges entstellt, schlaksig und in sich gekehrt hinterlässt er den Eindruck eines Mannes, der schreckliche Dinge erlebt hat und nun seine Ruhe möchte.

Sein vordringlichstes Ziel ist es, nicht nach Somalia abgeschoben zu werden, da dort der sichere Tod auf ihn wartet. Er ist hochintelligent und gut ausgebildet, verbirgt diese Tatsache aber vor Anna, bis er seine Chance wittert, die bereits geplante Abschiebung aufhalten zu können. Er wird in „Detective No. 24“ der eigentliche Sherlock Holmes des Duos, während Anna in gewisser Weise eine Kombination aus Watson und Lestrade in zynisch überspitzter Form ist. Das Duo bildet damit eine überaus erfrischende Kombination, die es in der Art so noch nicht im Fernsehen gegeben hat und die allein deshalb schon für Aufmerksamkeit und Spaß sorgt.

Stilistisch mutig

„Detective No. 24“
„Detective No. 24“ - © ZDF/Niklas Maupoix

Eher ungewöhnlich gestaltet sich auch die Inszenierung von Kamerafrau Linda Wassberg und Regisseurin Zaida Bergroth. Das Setting kommt zwar im Großen und Ganzen im gewohnten Nordic-Noir-Look daher, weist aber hier und da kleine Farbtupfer auf, die manchmal in Annas Kleidung, manchmal auch an den Locations selbst zu entdecken sind.

Hinzu kommt ein außergewöhnlicher Score von Matti Bye und Anders af Klintberg (Folge eins bis vier), der in einigen Szenen Thrillerserien-lastig daherkommt, bisweilen aber auch einen Hang zur Comedyserie nicht verleugnen kann. So ergibt sich ein ebenso interessanter wie unterhaltsamer Stil, der - wie in der Pressemappe des ZDF ganz richtig zu lesen ist - „eine besondere Tonalität aufweist.

Hier könnte sich allerdings auch ein Problem von Detective No. 24 verbergen, denn so hervorstechend dieser Stil auch ist, könnte er doch manche Zuschauenden unter Umständen abschrecken. Man muss sich schon auf das Besondere der Serie einlassen, um sie entsprechend genießen zu können.

Der Fall

Wie oben bereits angedeutet, hebt sich der für die Serie konstruierte erste Fall nicht sonderlich von den etablierten Genrekonventionen ab. Zwar führen Bergroth und Leander die Geschichte mit der vermeintlichen Erschießung der Hauptfigur in Somalia ein und sorgen damit für Interesse, der zu untersuchende Mord in Schweden gestaltet sich bisher jedoch genretypisch für Krimiserien nach dem Whodunit-Prinzip.

Ein ortsbekannter Lokalpolitiker findet auf dem Weg ins Asylbewerberheim von Karkebo das blutverschmierte Fahrrad seiner Tochter am Straßenrand. Die beiden Kriminalbeamten Mats Drevlid (Kristofer Kamiyasu) und Laila Blixt (Ellen Jelinek) setzen alles daran, das Mädchen zu finden, doch stoßen an ihre Grenzen. Doch Ibraahin findet eine Spur, die die beiden bisher übersehen haben.

Dank seines Tipps findet Tilda an einer Tankstelle in einem Gully das Smartphone des Teenagers, womit der Fall Fahrt aufnimmt. Das Brisante: Der Politiker hatte einst entgegen dem Willen der Dorfgemeinschaft den Bau der Asylanteneinrichtung durchgeboxt. Hat sich jemand an ihm gerächt? Ist ein Flüchtling für die Tat verantwortlich? Oder liegen die Hintergründe anderswo im Dunkeln verborgen?

Diese Art der Plot-Konstruktion ist zwar nicht außergewöhnlich, wirft aber doch genug Fragen auf, um eine:n bei der Stange zu halten und erfahren zu wollen, wie Ibraahin und Tilda den Fall schließlich lösen werden. Interessant ist zudem, dass sich im Verlauf der Pilotfolge von „Detective No. 24“ in kurzen Rückblendehappen Ibraahins leidvolle Vergangenheit offenbart und wir mehr über die Menschen in der Einrichtung der Migrationsbehörde erfahren. So kombiniert die Serie nicht nur das Schicksal der Hauptfigur mit einer unterhaltsamen Ermittlung, sondern geht auch auf die europaweit schwierige Migrationsthematik ein.

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Fazit

Die Serie „Detective No. 24“ lebt in erster Linie von den beiden Hauptfiguren der Miniserie, weist aber anderweitig genug Qualitäten auf, um das Prädikat sehenswert zu verdienen. Wer Schweden-Krimis im Nordic-Noir-Stil mit trockenen Humoreinlagen mag und einen Schuss Ernsthaftigkeit nicht scheut, kann bedenkenlos einen Blick riskieren.

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