Der Gärtner 1x01

Der Gärtner 1x01

„Der Gärtner“ bei Netflix ist düster und bitterböse, lässt aber auch eine Welle von Emotionen auf das Publikum herunterstürzen. Und das macht großen Spaß.

Szenenfoto aus der Serie „Der Gärtner“
Szenenfoto aus der Serie „Der Gärtner“
© Netflix

Das passiert in der Serie „Der Gärtner“

Die aus Mexiko stammende La China Jurado (Cecilia Suárez), war in Der Gärtner einst eine erfolgreiche Künstlerin, geriet aber aufs Abstellgleis und wanderte nach Spanien aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn Elmar (Alvaro Rico), der nach einem schweren Unfall unfähig ist, Emotionen zu empfinden, betreibt sie eine Gärtnerei.

Hinter der Fassade steckt aber noch etwas anderes, denn La China nutzt die Alexithymie ihres Sohnes schamlos aus und hat ihn zu einem Auftragskiller ausgebildet. Mit dem Geld will sie ihr altes Haus in Mexiko zurückkaufen und dort wieder Fuß fassen.

Alles scheint gut zu laufen, bis Elmer plötzlich merkt, dass sich etwas verändert. Zunächst ist ihm nur schwindelig, doch schon bald spürt er, dass sich etwas für ihn Unbekanntes in ihm regt. Als er die hübsche Grundschullehrerin Violeta (Catalnia Sopelana) kennenlernt und sich in sie verliebt, gerät er in gleich mehrfacher Hinsicht in einen Konflikt.

Einerseits will er sein neu gewonnenes Glück genießen, andererseits ist da aber seine Mutter, die starken Druck auf ihn ausübt. Doch das Schlimmste ist, dass er ausgerechnet die Frau ermorden soll, die ihm das größte Geschenk überhaupt macht - ihre Liebe...

Bitterböse und düster

Düstere und böse Serien haben derzeit offensichtlich Hochkonjunktur, wie ein Blick auf die Bestenlisten der großen Streaminganbieter offenbart. Vor allem der Streamingdienst Netflix ist derzeit mit Die Glaskuppel (hier geht es zum Review), Adolescence (Kritik zum Netflix-Hit) und eben der „Der Gärtner“ gleich dreimal in Sachen Düsternis und Dramatik vertreten.

Nun haben die drei Formate bis auf eine gewisse Grundstimmung nicht viel gemeinsam, dennoch ist klar, wohin die Richtung derzeit im Unterhaltungssektor geht. Und das ist gar nicht mal verkehrt, denn gerade Miniserien wie der hier besprochenen gelingt es mit verhältnismäßig wenig finanziellem Aufwand, spannende und gleichermaßen unterhaltsame Geschichten zu erzählen.

Was das spanische Format angeht, werden in den sozialen Netzwerken gerne Vergleiche zum Erfolgshit Dexter gezogen, die aber tatsächlich nur oberflächlich zutage treten. Einige Grundprämissen wie die eines unter Alexithymie leidenden Auftragsmörders sind ähnlich, das Narrativ ist jedoch ein vollkommen anderes. Die Hauptfigur ist weder freiwillig zum Killer geworden noch macht er diesen doch recht ausgefallen Job gerne.

Vielmehr wird er von einer geldgierigen und machtbesessenen Mutter gesteuert, die sein Defizit schamlos ausnutzt, weil sie davon ausgeht, dass ihr eigener Sohn ohnehin kein Gewissen hat und deshalb das perfekte ausführende Organ ihrer perfiden Pläne ist.

Geld spielt dabei eine Rolle, wie sich aber im Verlauf der Geschichte herausstellt, eine nur zweitrangige. In erster Linie geht es darum, die Zügel in der Hand zu halten und einen Menschen an sich zu binden, der eigentlich schon längst hätte auf eigenen Beinen stehen sollen.

Insofern kommt La China das Handicap ihres Sohnes in mehrfacher Hinsicht zugute: sie vereinsamt nicht, kann den Frust ihres Misserfolgs als erfolgreiche Auftragsmordagentur ausbügeln, wird reich und hält Elmer unter der Fuchtel.

Gefühle

So betrachtet ist La China die einzige Figur, die aus rein egoistischen und moralisch missachtenswerten Gründen handelt. Das bedeutet nicht, dass Elmer ein Engel ist, denn er macht sich seine speziellen Fähigkeiten durchaus zunutze. Doch er hat es schließlich nicht anders gelernt.

Das Kartenhaus der fiesen Mutter beginnt langsam in sich zusammenzusinken, als Elmer nach vielen Jahren genest und sich nun doch Emotionen in ihm regen. Der Prozess beginnt in der Serie langsam mit Schwindelgefühlen und bricht sich endlich eine Bahn, als er die hübsche Violeta kennenlernt, die sofort Interesse an ihm signalisiert.

Zunächst versteht er nicht, was mit ihm los ist, doch spätestens nach dem ersten Kuss der beiden ist klar, dass Elmer von nun an nie wieder der eiskalte Killer sein kann. Alles, was er von nun an tut, ist emotional kompromittiert und kann daher zu einer Gefahr werden. Das Problem verstärkt sich noch, weil seine Mutter einen Riesenauftrag an Land gezogen hat, der ausgerechnet darauf abzielt, Violeta zu ermorden. Damit ist der große Konflikt der Miniserie komplett und wird sich über die restlichen vier Folgen bis zum großen Finale ausweiten.

Was geschieht nun?

Szenenfoto aus der Serie „Der Gärtner“
Szenenfoto aus der Serie „Der Gärtner“ - © Netflix

Dass Elmer sein junges Liebesglück nicht für den schnöden Mammon oder den Willen seiner herrschsüchtigen Mutter opfern wird, ist letztlich evident. Vielmehr zielt das Format darauf ab, Mutter und Sohn einer immer stärker zutage tretenden Konfrontation auszusetzen, die möglicherweise darin mündet, dass Elmer ernsthaft über einen letzten Mord nachdenken wird - den an seiner Mutter.

Neben den beiden Beziehungssträngen La-China/Elmer sowie Elmer/Violeta gesellt sich mit dem Polizistenduo Carrera (María Vázquez) und Torres (Francis Lorenzo) noch ein weiterer hinzu. Die beiden bei der Vermisstenstelle arbeitenden Cops untersuchen einen Fall, der sie zu einem der letzten Morde von Elmer führt, haben aber auch privat einiges zu klären. Carrera mag Torres und glaubt, entsprechende Signale von ihrem Kollegen zu empfangen. Als sie ihm aber eindeutige Avancen macht, lehnt dieser mit dem Argument ab, seine Frau nicht betrügen zu wollen.

Wie sich diese interessante Einleitung weiter ausnimmt, bleibt abzuwarten, doch die übergeordnete Idee, angeblich unangemessene Emotionen in den Vordergrund zu stellen, klingt auch in diesem Zusammenhang gar nicht ungeschickt an.

Die Inszenierung

Auf der inszenatorischen Ebene arbeiten die Serienmacher sowohl narrativ als auch audiovisuell mit starken Kontrasten. So kann Elmer etwa zwar seine eigenen Emotionen nicht einordnen und beschreiben, weiß aber durchaus die Schönheit von Musik oder Pflanzen zu schätzen. Da er sich selbst kaum wahrnimmt und seine Empfindungen nicht verbal auszudrücken vermag, ist er darüber hinaus ein geschickter Gärtner, dessen Kreationen wahre Kunstwerke sind. Wenn Elmer ein neues Beet anlegt, spielt die Serie geschickt mit der düsteren Thematik des gewaltsamen Todes der Opfer und stellt sie den farbenfrohen Schöpfungen des jungen Mannes direkt gegenüber, da die Leichname nun als Dünger dienen.

Solche Gegenüberstellungen tauchen in den ersten beiden Teilen auf verschiedenen Ebenen öfter aus und zeigen durchaus humorige Anspielungen, die aber in der Erzählung nie wirklich ausgereizt werden. Sicherlich ist der eine oder andere Kommentar beabsichtigt bitterböse und sogar zynisch, aber wirklich witzig wird es an keiner Stelle.

Das wird in den sozialen Netzwerken von einigen Zuschauenden kritisiert, hat aber Sinn, da die düstere Grundstimmung und das hochwertige dramatische Element nicht konterkariert werden sollen. Vielleicht würde ein wenig mehr psychologische Tiefe hier und da für eine noch dichtere Atmosphäre sorgen. Doch „Der Gärtner“ will seine Figuren nicht in einer Art erforschen, wie es aktuell „Die Glaskuppel“ bei Netflix tut. Dem Serienerfinder und Skript-Schreiber Miguel Sáez Carral geht es um düstere und böse Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fazit

Der Gärtner“ beginnt stark und geht in der zweiten Folge spannend genug weiter, so dass man sich unwillkürlich die Frage stellt, wie sich Elmer aus seiner Zwickmühle befreien wird. Der letzte große Rundumschlag in Richtung seiner eigenen Mutter scheint vorprogrammiert. Doch warum will eigentlich unbedingt jemand Violetas Tod und ist bereit, dafür eine immense Summe hinzublättern?

Wer ist Violeta eigentlich? Woher stammt sie? Was ist ihre Vergangenheit? Das alles sind Fragen, die die Serie geschickt zur Disposition stellt. Angereichert mit einem guten Cast und einer kontrastreichen Inszenierung gibt es also mehr als nur einen guten Grund, dranzubleiben.

Wir verteilen daher viereinhalb von fünf Beeten.

Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 16. April 2025

Der Gärtner 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Der Gärtner 1x01)
Titel der Episode im Original
Paisaje atlántico
Länge der Episode im Original
47 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Spanien
Freitag, 11. April 2025 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. April 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 11. April 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 11. April 2025

Schauspieler in der Episode Der Gärtner 1x01

Darsteller
Rolle
Álvaro Rico
Cecilia Suárez
Catalina Sopelana

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