Deputy: Review der Pilotepisode

Deputy: Review der Pilotepisode

Ein grummeliger Einzelgänger wird durch ein uraltes Gesetz gegen jede Wahrscheinlichkeit zum Sheriff von Los Angeles. In der FOX-Serie Deputy mischt Stephen Dorff als Bill Hollister im Vintage-Filter die Stadt auf. Kann das bemühte Crime-Drama den Charme einfangen, den es auf die Mattscheibe bannen möchte?

Deputy
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© FOX

Die neue FOX-Serie Deputy versucht, den Wilden Westen ins Los Angeles der Selfies zu holen. Die größten Verbündeten der Serienmacher sind dabei ein bernsteinfarbener Vintage-Filter und ein grummelig-charismatischer Stephen Dorff.

Wovon handelt es?

Bill Hollister (Dorff) ist ein Mann des Gesetzes durch und durch. Er steht dabei in alter Tradition, seit fünf Generationen sorgen die Männer seiner Familie für Recht und Ordnung in Los Angeles. Doch er ist alles andere als ein Karrierecop. Statt in Politkampagnen fühlt sich der Mann mit dem Dreitagebart auf einer wilden Verfolgungsjagd in seinem Geländewagen wohl. Das beweist er schon in den ersten fünf Minuten der Pilotepisode Graduation Day. Mit seinem Wagen spannt er eine Schnur quer über die Fahrbahn, was das Fahrzeug der Kriminellen dazu bringt, über ein Brückengeländer zu fallen. Doch statt eines Krankenwageneinsatzes folgt auf den Unfall eine wilde Schießerei zwischen Bill und seinen Widersachern. Die Tonlage der Serie ist schnell und eindeutig angestimmt.

Doch dieses Mal ist alles etwas anders. Während Bill mit seinen Vertrauten Deputy Cade Ward (Brian Van Holt, Cougar Town) und Deputy Rachel Delgado (Siena Goines) zusammensteht, um darüber zu sinnieren, wieso die Kriminellen verhindern wollten, dass ein Zettel nicht in die Hände der Cops gerät, rücken die Männer in den schwarzen Anzügen an. Doch sie wollen Bill nicht wegen der wilden Verfolgungsjagd rügen, wie er vermutet. Sie sind da, um ihm Kunde zu tun von einem uralten Gesetz. Der Sheriff von Los Angeles ist einem Herzinfarkt erlegen und in einem solchen Fall rückt überraschenderweise derjenige auf den Thron nach, der am längsten im Dienst des Sterns steht, in diesem Fall also unser guter Bill. Das finden alle Beteiligten ganz schön aberwitzig, aber so steht es geschrieben und so geschieht es dann auch. Noch am Tatort der Verfolgung wird Bill eingeschworen.

Seine erste große Amtshandlung ist die feierliche Einschwörung der neuen Deputys. Zu denen gehört auch Joseph Harris (Shane Paul McGhie), der Sohn von Bills verstorbenem Partner Rick, der in die Fußstapfen seines Vaters treten will. Das gefällt der Mutter des Jung-Deputys gar nicht. Sie verlangt vom Neu-Sheriff, ihren Sohn zu entlassen, aus Sorge um dessen Leben.

Das neue Leben als Sheriff bringt auch einen persönlichen Bodyguard mit sich, Deputy Brianna Bishop (Bex Taylor-Klaus), eine erfahrene Ermittlerin, die sich nicht so leicht von Bills Art ins Bockshorn jagen lässt. Schwieriger wird es für den zweiten Mann im Sheriffsdepartment, Undersheriff Jerry London (Mark Moses), der schnell feststellen muss, dass unter Bill ein anderer Wind weht. Er will mehr Männer auf der Straße, kümmert sich nicht um Kosten oder politische Schäden, er will böse Jungs jagen, am liebsten höchstpersönlich.

Trotz neuer Marke arbeitet er an dem Fall des mysteriösen Chiffre-Papiers aus der Verfolgungsjagd weiter. Dabei wird seine Partnerin Rachel angeschossen, was irgendwie zu einem Ehestreit zwischen Bill und seiner Frau Dr. Paula Reyes (Yara Martinez) führt. Doch die Gangkriminalität hat noch andere Opfer, vor allem die Kinder, die nach den Schießereien und Festnahmen alleine zurückbleiben. Für den aktuellen Fall hat Bill da eine Idee: Sein Kollege Cade kann die Kinder ja als Pflegekinder annehmen, schließlich sind er und seine Frau gerade als Pflegeeltern vom Staat abgesegnet worden. Cade, der selbst als Pflegekind eine schwere Kindheit im System hatte, nimmt sofort an, denn, um das zu bewerkstelligen, muss der Sheriff ein paar Gefallen einsetzen.

Mr. Mayor

Stephen Dorff in Deputy
Stephen Dorff in Deputy - © FOX

Mit Vetternwirtschaft hat Bill also weniger Probleme, dafür umso mehr mit gemeinsamen Einsätzen der Behörde ICE, bei der nach dem Zufallsprinzip nach illegalen Einwanderern gefahndet werden soll. Er beendet die Aktion noch, bevor sie begonnen hat, gegen den Widerstand von Jerry London, der ihn daran erinnert, wie viel Geld dem Staat damit durch die Lappen geht.

Statt sich darüber Gedanken zu machen, rettet Bill das Kind, das im Zuge der Bandenkriminalität entführt wurde und hat am Ende der Episode noch Zeit, eine rührige Rede darüber zu halten, dass man sich über jeden Tag freuen soll.

Wie kommt es rüber?

Eines ist sicher: Die Serienmacher wissen, was ihr Produkt sein soll und sie verlieren keine Zeit, um genau das mehr als deutlich zu machen. Der Vintage-Filter, Südstaatenrock im Hintergrund, der Cowboyhut und yeehaw, es geht in den Wilden Westen, aber mit Schnellfeuerwaffen. Bills Lonewolf-Konservativismus wird nicht hinterfragt und bekommt zumindest in der Pilotepisode auch nur moralisch einfach gestrickte Fälle vor die Flinte. Am Ende geht es um die Kinder, die der Kriminellen und die der Reichen, die gerettet werden müssen, kein Diskussionsraum, bei Kinderseelen sind sich ja nun alle einig. Und wer da wirklich dagegen ist, der muss halt der Böse sein, schwarz-weiß, ganz einfach.

Unabhängig, ob einem die Sichtweise des Sheriffs gefällt oder nicht, ist die ganze Sache einfach etwas zu dick aufgetragen. Das trübt mitunter das Sehvergnügen, denn, wenn die Agenda der Serienmacher so offensichtlich auf dem Tisch liegt, fällt es schwer, sich in die Story fallen zu lassen.

Fazit

Die Pilotepisode Graduation Day der neuen Dramaserie Deputy ist etwas übertrieben - in vielerlei Hinsicht. Auch die Darsteller haben wenig Spielraum, ihren Figuren ein paar mehr Schichten zu verleihen, auch wenn immerhin zumindest einige der Darsteller dazu durchaus in der Lage sein dürften. Der einsame Wolf, der mit seiner Gang aus Underdogs gegen das Establishment antritt, fühlt sich etwas aus der Zeit gefallen an. Dabei entwickelt die Gang durchaus einen eigenen Charme, dem jedoch mehr Vielseitigkeit aufseiten des Drehbuchs guttun würde.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie „Deputy“:

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