Debris: Review der Pilotepisode

Debris: Review der Pilotepisode

Fringe-Showrunner J. H. Wyman hat ein neues Projekt namens Debris, dessen erste Episode diese Woche bei NBC gelandet ist. Kann die Serie über außerirdische Raumschifftrümmer mit seltsamen Kräften an seine alte Show oder sogar dessen ältere geistige Serienschwester The X-Files anschließen?

Serienposter zur US-Serie Debris (c) NBC
Serienposter zur US-Serie Debris (c) NBC
© erienposter zur US-Serie Debris (c) NBC

Vor drei Jahren wurden in unserem Sonnensystem Bruchstücke eines zerstörten Alien-Raumschiffs entdeckt, die seit sechs Monaten auf die Erde herunterregnen. Das ruft Agents verschiedener staatlicher Organisationen der Welt auf den Plan, die sich auf die Suche nach den Trümmern machen, welche mysteriöse Phänomene in ihrer Umgebung verursachen. Darunter auch Bryan Beneventi (Jonathan Tucker, City on a Hill, Snowfall) von der amerikanischen CIA und Finola Jones (Riann Steele, Crazyhead, The Magicians) vom britischen MI6, die im Rahmen einer transatlantischen Partnerschaft zusammenarbeiten müssen. So weit die Prämisse der neuen NBC-Sci-Fi-Mysteryserie.

In den ersten Minuten von „Debris“ könnte man durch den experimentellen Soundtrack und die Bildästhetik mit ungesättigten Farben fast auf die Idee kommen, man wolle so etwas wie „Arrival“ in Serienform auf die Beine stellen. Zuzutrauen wäre es NBC, nachdem man sich schon mit Hannibal ungewohnt aus dem Fenster gelehnt hatte, was eine Networkserie angeht. Im Laufe der ersten Episode wird aber klar, dass man doch etwas weniger Abenteuerliches vorhat und in die konventionelleren Fußstapfen von Genregrößen wie The X-Files treten möchte. Ist ja auch kein Wunder: Die Serie stammt von J. H. Wyman, dem die Serienwelt Fringe zu verdanken hat, das damals die von den X-Akten hinterlassene Lücke bei FOX ausgefüllt hat, und sogar Brad Anderson, der viele Episoden für die Grenzfälle des FBI inszenierte, ist erneut als Regisseur beteiligt.

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NBC - © NBC

Wir steigen ein mit zwei zwielichtigen Gestalten, die von einem Schwarzmarkthändler Bruchstücke des außerirdischen Materials erwerben. Der Deal im Hotelzimmer wird jedoch jäh von der Ankunft des Agentenduos und ihres Teams unterbrochen. Der Händler stürzt kurz darauf vom Dach, seine Kunden entkommen und eine arme Reinigungskraft wird durch das von ihr aufgelesene Raumschiffstück durch 14 Stockwerke transportiert, was sie nicht überlebt. Es wird etabliert, dass jedes dieser „Nacho“ genannten Teile eine andere Kraft besitzt und in den falschen Händen unglaublich gefährlich sein kann. Das Herzstück des Auftakts dreht sich aber um ein viel größeres Fragment, das die Agenten nach Kansas führt, wo es dank gekonnt eingesetzter Visuals (Snails on a Bike!) zuweilen ganz schön gruselig wird.

Vermeintlich ermordete Menschen schweben eingefroren wie Kirmes-Heißluftballons über der Erde und werden zu einem Vortex gezogen. Verantwortlich scheint der kleine Junge namens Kieran (Benjamin Goas) zu sein, der von Person zu Person wandert, die jeweils davon ausgehen, ein Elternteil zu sein, bis der Knabe sich ihnen entledigt. Die tragische Hintergrundgeschichte dieses phantomhaften Phänomens wird erst durch die ältere Schwester Isla (Alisha Newton) des Jungen enthüllt, die den Ermittlern offenbart, dass ihr Bruder vor sieben Monaten gestorben ist und sogar kremiert wurde. Offenbar hat sich die überwältigende Trauer der Mutter über das Bruchstück manifestiert und richtet nun Schaden an, wobei im Raum stehenbleibt, wie bewusst es dem Geschöpf ist, auch wenn es sehr als Creepy-Filmkind in Szene gesetzt ist.

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Durch die psychischen Verbindungen, die Teil des Phänomens sind, geht der Fall auch nicht spurlos an Bryan und Finola vorbei, die an Verluste und Tragödien aus ihrem eigenen Leben erinnert werden und in einer einzigen Szene wie auf Kommando ihre Hintergrundgeschichten und Motivationen herausposaunen. Er ist ein ehemaliger Soldat, der seit seinem Militäreinsatz in Afghanistan nach einem Sinn im Leben sucht, sie ist die Tochter eines namhaften Wissenschaftlers, der wiederum eine große Nummer in der Bruchstück-Forschung ist, und glaubt an eine spirituelle Verbindung zwischen ihrer Arbeit und dem größeren Plan für das Universum. Hier wird offensichtlich an Mulder-Scully-Vibes gewerkelt, auch wenn das Duo bisher kaum Chemie miteinander aufweist und weniger zusammenspielt, dafür aber mehr mit dem jeweils eigenen Drama beschäftigt scheint...

Leider nehmen die Agenten Beneventi und Jones auch eher eine Nebenrolle ein, wenn es im Showdown an die Auflösung ihres ersten Falles geht. Sie machen Kiernan und seine neue gehirngewaschene „Mutter“ ausfindig, sind dem konstruierten Jungen und seinen übernatürlichen Kräften aber komplett ausgeliefert, bis dessen Schwester erfolgreich und vor allem emotional und sehr dick aufgetragen auf die eingefrorene Pseudoleiche ihrer Mutter einredet, die daraufhin die Verbindung zum von ihr geschaffenen Friedhof-der-Kuscheltiere-Sohn kappt.

Am Ende der Episode bleiben, wie es sich für das Genre gehört, viele Fragen offen. Für wen arbeiten die zwielichtigen SAS-Männer (von denen sich einer noch mit einem Alientransporter in eine Säule beamt - ups!), welche Verbindung hat Bryan zu ihrem Chef, der eigentlich nicht mehr am Leben sein dürfte und natürlich: Was hat es mit den Bruchstücken auf sich, die seine Kollegen augenscheinlich zu einem Apparat zusammensetzen, der beispielsweise ein Raumschiff, eine Doomsday-Vernichtungsmaschine oder ein Contact-Transporter sein könnte...

Fazit


Die erste Folge von Debris erfindet nicht nur das Rad nicht neu, es wandert auf derart vertrauten Pfaden, dass ich die Hälfte der Zeit „Fringe“ getippt habe, wenn ich eigentlich die neue Serie des Machers meinte. Sie wartet mit einigen interessanten und vor allem gruseligen Bildern auf, wirkt nur darüber hinaus etwas uninspiriert und auch die beiden Co-Stars sind noch zu wenig angekommen oder zu wenig eingespielt in ihren Rollen, als dass sie es allein durch ihr Zusammenspiel rausreißen würden. Ein „Arrival“ in Serienform ist es trotz des ausgewaschenen Looks und der Alien-Connection nicht, man scheint sich aber schon einer emotionaleren Erzählweise verschrieben zu haben, als es zum Beispiel beim absichtlich unterkühlten „The X-Files“ der Fall war. Bleibt an dieser Stelle wie immer für eine Mysteryserie zu hoffen, dass die Macher wenigstens aus den Fehlern von Formaten wie eben den X-Akten oder „Lost“ gelernt haben und sich im Vorfeld eine Auflösung ausgedacht haben... Somit müssten die verschiedenen Elemente am Ende nicht mehr schlecht als recht mit Klebeband und Kaugummi zusammengeflickt werden, um Sinn zu ergeben.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie „Debris“:

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