Dead Boy Detectives: Der Fall Crystal Palace - Review der Pilotepisode der Netflix-Comicadaption

© Netflix
Es dauert zwar offenbar eine ganz schöne Weile, bis die Serie The Sandman beim Streamingdienst Netflix weitergeht, doch immerhin gibt es nun eine kleine Überbrückung durch eine neue Comic-Adaption, die im gleichen Universum spielt. Diese stammt teilweise auch von den gleichen Kreativen: Dead Boy Detectives ist nun mit den ersten acht einstündigen Fällen beim Streamingmarktführer zu sehen.
Sie stammt wie der Sandmann des Traumreiches aus den DC/Vertigo-Comics und wurde von Neil Gaiman und Matt Wagner geschaffen. Eigentlich sollte das alles mal bei HBO Max respektive Max laufen, doch im Hause DC gab es ja einen Führungswechsel sowie das neu aufgestellte DC Studios, was dann mit den Plänen der Altstoffe kollidierte... Das ist gut für die Fans, denn nun kommt man zum Start direkt weltweit in den Genuss des Formats - und das bei dem Dienst, bei dem eben auch schon „The Sandman“ seine Premiere feierte oder Lucifer fortgesetzt wurde.
Die Produktions-Firma ist ebenso bei allen Warner Bros TV. „Dead Boy Detectives“ wird hierbei von Steve Jockey („Supernatural“, The Flight Attendant) als Autor und Executive Producer mit Unterstützung von Beth Schwartz (Arrow) realisiert. Beide bekleiden gleichzeitig auch den Posten als Showrunner.
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Worum geht es in der Serie „Dead Boy Detectives“?

Die „Dead Boy Detectives“ sind die Busenfreunde und Geister Edwin (George Rexstrew) und Charles (Jayden Revri), die zwar in ganz unterschiedlichen Jahrzehnten geboren und verstorben sind, aber seit vielen Dekaden gemeinsam als Geister paranormalen Fällen nachgehen. Dabei müssen sie sich vor bösen Hexen, der Hölle und sogar dem Tod höchstpersönlich in Acht nehmen.
Unterstützung erhalten sie in ihrem Job von Hellseherin Crystal (Kassius Nelson) und ihrer Freundin Niko (Yuyu Kitamura, Expats), wobei Letztere im betrachteten Auftakt namens Der Fall Crystal Palace keine Rolle spielt. Ebenso mit dabei in der Debütfolge ist Briana Cuoco (die Schwester von The Big Bang Theory-Star Kaley Cuoco) als „Jenny the Butcher“, die Crystal eine billige Bleibe vermietet und eine Fleischerei betreibt.
Die Reviews zur Serie „The Sandman“ bei Serienjunkies.de
G-Faktor: Das Unfassbare

In der ersten Folge werden wir direkt in ein paar Beispielfälle geworfen: etwa ein Geist aus dem Ersten Weltkrieg, der somit schon ein gutes Jahrhundert keine Ruhe findet oder besagte Crystal, die auch einen Fall für die Jungs darstellt, denn sie wurde von einem Dämonen besessen, der sich als ihr merkwürdiger Ex herausstellt... Dann ist da noch der Fall der vermissten Becky, die von Hexe Esther, gespielt von Jenn Lyon (Claws), gefangen gehalten wird...
Nebenbei erfahren wir noch, dass die beiden ihre Arbeit aufgenommen haben, weil ihre Mordfälle/Tode nie gelöst wurden und dass Punker Charles seine Eltern weiterhin im Geheimen beobachtet. Eigentlich haben sie bisher zu zweit gearbeitet, doch ein Medium wie Crystal bringt völlig neue Möglichkeiten beim Lösen der Fälle mit sich. Charles scheint schnell Sympathie für sie aufzubringen, während Edwin immer eher der Skeptische von beiden ist. Ohnehin scheint Edwin eher das Köpfchen und Charles die Muskeln darzustellen.
Hier schon mal eine englische Version des Trailers zur Serie „Dead Boy Detectives“:
Crime Busting Ghosts!

Bereits nach 15 Minuten war mir klar, dass mein Interesse an „Dead Boy Detectives“ geweckt ist, denn anders als bei der Combo Lucifer und „The Sandman“, deren Figuren in den Comics ja auch unter ein Dach gehören, steht hier fest, dass die Handlung vollkommen verknüpft mit der Welt von Morpheus und seinen Geschwistern ist, denn Death (Kirby Howell-Baptiste) schaut vorbei.
Dabei wird demonstriert, dass die beiden Detektive ihr seit geraumer Zeit erfolgreich von der Sense springen. Doch auch andere Gestalten, wie zum Beispiel Katzen, die insgeheim sprechen können, sind ähnlich wie beim anderen Gaiman-Werk gestaltet, so dass man als Fan der Serie und der Vorlage gleichermaßen abgeholt wird.
Insgesamt würde ich die Serie den Fans von „Lucifer“, „The Sandman“, Constantine, Supernatural, aber auch von Sherlock ans Herz legen. Das alles wirkt wie ein spritziges Procedural an Mysteryserie mit einer heftigen Portion Fantasy, Mythologie und Comicelementen, wie zum Beispiel gewaltige Augen, Riesenschlangen, Dämonen, Hexen, Gottheiten, Geistern und viel mehr - was im Piloten bisher jedoch nur angeschnitten wurde...
Charmante britische Geister-Boys
Viel charmanten Brit-Charme und Lokalkolorit gibt es obendrauf, genauso wie sympathische Jungdarsteller und Synchronsprecher, beispielsweise für die Katzen. Die CG-Effekte sind in der ersten Folge nicht immer ganz perfekt, passen aber, denke ich, zum angesetzten Budget, das wahrscheinlich ein wenig unter dem Sandmann liegt... Ein paar witzige Texttafeln, Experimente mit Flashbacks, Reisen durch Spiegel und auch sonst einige Eigenheiten, die man aus den Comics kennt, runden den Sehspaß ab.
Die weiteren Episodentitel legen hierbei nahe, dass man in jeder der acht Folgen wohl mindestens einen Fall zu sehen bekommt, was ich als gute Idee ansehe, weil ich Brüche mit dem etablierten Krimiformat meistens schätze und mich diese mehr abholen als konventionelle Ermittler.
Auf Anhieb ist mir nicht ganz klar, wie es funktioniert, wenn Edwin und Charles als andere Personen erscheinen, denn am Ende der Folge wird klargemacht, dass das Übernehmen von Menschen einen Tabubruch darstellt, der sie auf den Radar einer Unterweltorganisation bringt. Und auch wenn man Crystal im Zusammenspiel mit einem oder beiden sieht, gibt es Shots, in denen wohl nur sie die wahre Welt sieht... Aber das klärt sich sicher alles noch.
Auch der humorige Vorspann mit den Skeletten, die zu Unfug aufgelegt sind, hat mich direkt abgeholt. Es gibt also wenig zu bemängeln, außer man mag seine Ermittlerfiguren eher älter und nicht im Teenalter, wobei diese Figuren ja teils älter sind, als sie scheinen... Allerdings hat einst auch Veronica Mars schon vorgemacht, dass das keine Hürde für eine gute Serie darstellen muss.
Fazit

Der Auftakt von „Dead Boy Detectives“ holt die Fans von „The Sandman“, „Lucifer“, „Supernatural“ oder ähnlichen Mysteryserien mit Fantasyeinschlag hervorragend ab und besetzt eine Lücke, die länger nicht mehr mit ähnlicher Qualität vorhanden war. Man kann hoffen, dass die restlichen acht Episoden ähnlich kreativ, spritzig und kurzweilig sind - dann kann man sich womöglich auf eine schöne Ergänzung zum „Sandman“-Verse freuen.
Vier von fünf teleportierende Spiegel.
Hier abschließend noch die deutsche Version des Trailer zur Serie „Dead Boy Detectives“: