Das Boot 1x08

Das Boot 1x08

Nach einer Staffel auf hoher See läuft Das Boot von Sky nun wieder in den Hafen ein. Haben sich die acht Episoden der Eventserie gelohnt? Und wie stehen eigentlich die Chancen für eine Fortsetzung des deutschen Kriegsdramas?

Überzeugt „Das Boot“ auch bei längerer Betrachtung? (c) Sky Deutschland/Bavaria Fiction/Sonar Entertainment
Überzeugt „Das Boot“ auch bei längerer Betrachtung? (c) Sky Deutschland/Bavaria Fiction/Sonar Entertainment
© ?berzeugt „Das Boot“ auch bei längerer Betrachtung? (c) Sky Deutschland/Bavaria Fiction/Sonar Entertainment

Die erste Euphorie hat sich gelegt und es ist nun an der Zeit für eine Abrechnung. Abrechnung (1x08) lautet zufällig auch der Titel der Abschlussepisode der achtteiligen Auftaktstaffel von Das Boot. In Wahrheit hat das Finale der angeblichen Miniserie jedoch gar nichts Endgültiges, sondern lässt stattdessen Spielraum für eine mögliche Fortsetzung. Besonders die allerletzte Szene kann von Sky Deutschland und Bavaria Fiction im Prinzip als Einladung für Staffel zwei verstanden werden, obwohl die noch nicht offiziell bestellt worden ist. Aber alles der Reihe der nach...

Das Boot begann die erste Feindfahrt eigentlich sehr vielversprechend (Das Boot: Kritik zum Start der neuen Sky-Serie). Zwar schien es anfangs sinnlos, den wahrscheinlich größten deutschen Filmklassiker der Nachkriegszeit neu aufzulegen, aber der Regisseur Andreas Prochaska und seine Autoren Tony Saint und Johannes W. Betz boten durchaus Anreize, um dem Format wenigstens eine Chance zu geben. Neue Facetten deuteten sich durch die Résistance und US-Stars wie Lizzy Caplan an. Inzwischen wissen wir allerdings, wohin die Reise geht und wären vielleicht doch lieber an Land geblieben.

Schaut man eine Serie über den Zweiten Weltkrieg und die Schreckensherrschaft der Deutschen in Frankreich, darf natürlich nicht allzu viel Hoffnungsvolles erwartet werden. Und trotzdem wirkt Das Boot bereits nach wenigen Folgen erschreckend fatalistisch und grausam. Vor allem die weiblichen Charaktere, die anfangs so viel Interesse weckten, erleben bald ein Leid, das sich kaum beschreiben lässt. Hätte man die Geschichte hingegen beschönigt, wäre das ebenso verwerflich gewesen. Fragt sich also, ob es überhaupt Sinn hat, eine solche Serie zu drehen?

Die völlige Verrohung

Wie gesagt: Die Ausgangslage nach der Auftaktepisode namens Neue Wege (1x01) hatte durchaus Potential: Die U-612 zog mit einer jungen Crew, angeführt von Kaleun Klaus Hoffmann (Rick Okon), in den ersten Einsatz und auch in La Rochelle gab es dank Simone Strasser (Vicky Krieps) eine sympathische Protagonistin. Mit der von Caplan porträtierten Freiheitskämpferin Carla Monroe mischte sich zusätzlich ein Joker ins Spiel, der den bösen Nazikommandeuren Gluck (Rainer Bock) und Forster (Tom Wlaschiha) das Leben schwer zu machen drohte. Doch anders als im Tarantino-Streifen „Inglourious Basterds“ wird bei Das Boot nicht vom realen Rahmen abgewichen, womit die Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

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Simone Strasser (Vicky Krieps) ist in Das Boot zwischen zwei Welten gefangen.
Simone Strasser (Vicky Krieps) ist in Das Boot zwischen zwei Welten gefangen. - © Sky Deutschland/Bavaria Fiction/Sonar Entertainment

Aber die Serienmacher lassen den Widerstand nicht einfach scheitern, sondern nehmen ihm auch noch die letzte Würde. Viele sogenannte Prestigeserien schlagen mit nur einer Vergewaltigungsszene bereits über die Stränge, doch Das Boot zeigt mindestens drei davon: Erst trifft es die französische Wirtsfrau Natalie (Clara Ponsot), dann Simone durch ihren widerlichen „Verehrer“ Forster und schließlich ein jüdisches Mädchen, angekettet auf einem russischen Schiffswrack. Besonders das letzte Beispiel ist an Zynismus kaum zu überbieten: Ein junger deutscher Soldat vergeht sich an seinem wehrlosen Opfer, um den „Fluch der Jungfräulichkeit“ loszuwerden. Als er fertig ist, wird sie erschossen und ihr Boot versenkt.

Die Intention hinter derartigen Gewaltdarstellungen ist klar: Man will den Krieg und die Verbrechen der Nazis angemessen grausam porträtieren. Gleichzeitig betrügt die Serie so aber auch die Zuschauer, die mit den Heldinnen mitfiebern und sich eine gewisse Form von Triumph für sie erhoffen. Besonders sinnlos und ernüchternd endet die Geschichte von Carla, die von der Gestapo fast beiläufig erschossen wird. Ein größerer Plan erschließt sich bei alldem jedenfalls nicht, zumal auch Simone als letzte Überlebende des Aufstands und verzweifelte Geliebte von Carla keine Wunder zuzutrauen sind. Im besten Fall gelingt ihr und ihrem Bruder Frank (Leonard Scheicher) vielleicht die Flucht nach Amerika.

Meuterei auf der U-612

Die Ereignisse auf See sind insgesamt nicht weniger frustrierend: Erstaunlich früh eskalieren die Spannungen zwischen Hoffmann und seinem ersten Wachoffizier Tennstedt (August Wittgenstein). Dabei scheitert der grünschnäblige Kommandant des titelgebenden U-Bootes nicht zuletzt an den eigenen Wertvorstellungen, die sich partout nicht ins verrottete Moralgerüst der deutschen Marine eingliedern lassen. Ausgerechnet der Mann, den er durch einen Gefangenenaustausch mit dem Amerikaner Samuel Greenwood (Vincent Kartheiser) befreit, initiiert schließlich seine Absetzung. Aber natürlich erweist sich der vermeintliche Erlöser Ulrich Wrangel (Stefan Konarske) bald selbst als großer Unheilbringer...

Hätte die Besatzung der U-612 geahnt, dass sie ihren übervorsichtigen Kapitän mit der Meuterei gegen einen lebensmüden Leitwolf eintauscht, hätte sie sich wahrscheinlich zweimal überlegt, ihn im wahrsten Sinne des Wortes auszubooten. Unter Wrangels Führung befindet sich das Boot bald vor dem Untergang - und damit in einer ähnlichen Situation wie die U-96 im Mutterfilm. Als alle Hoffnung schon verloren scheint, darf sich Tennstedt wenig überraschend rehabilitieren und durch seinen Heldentod den Tag retten. Dabei sind zu diesem Zeitpunkt abgesehen von Frank und Oberleutnant Ehrenberg (Franz Dinda) ohnehin keine Figuren mehr an Bord, für deren Überleben man die Daumen drückt.

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Hagen Forster (Tom Wlaschiha) bekämpft in Das Boot brutal den Widerstand.
Hagen Forster (Tom Wlaschiha) bekämpft in Das Boot brutal den Widerstand. - © Sky Deutschland/Bavaria Fiction/Sonar Entertainment

Die Männer von Das Boot, der Serie, liegen einem als Zuschauer allgemein deutlich weniger am Herzen als die Männer von „Das Boot“, dem Film. Vielleicht hat es damit zu tun, dass trotz oder gerade wegen der hollywoodreifen Schauwerte vieles einfach viel zu oberflächlich bleibt, oder eben damit, dass der junge Cast die übergroßen Fußstapfen von Jürgen Prochnow und Konsorten nicht ganz auszufüllen vermag. So oder so fehlt dem Finale die emotionale Wucht, zumal die Heimkehr nach La Rochelle diesmal eher unspektakulär ausfällt. Die Verschwörung hat nämlich keine Konsequenzen.

Rückkehr und Revanche

Oder etwa doch? In der letzten Szene dieser Staffel vollzieht Kommandant Hoffmann die endgültige Transformation zum Möchtegern-Jon-Snow, denn genau wie der Held aus Game of Thrones kehrt auch er nach dem Verrat seiner eigenen Gefolgsleute wie von Zauberhand zurück. Irgendwie ist es ihm gelungen, mit dem Beiboot bis nach New York zu schippern, wo er einen alten Bekannten aufsucht, seinen einstigen Gefangenen Greenwood. Wird der Sohn des deutschen Kriegshelden nun etwa zum Überläufer? Oder ist es gar Greenwood, der die Seiten wechselt, um seinem verhassten Milliardärsvater eine Lektion zu erteilen? Mit diesem verblüffend wirkungsvollen Cliffhanger endet Das Boot dann...

Es mag daran liegen, dass Mad Men bis heute meine absolute Lieblingsserie ist, doch Kartheiser ist für mich ganz klar das Highlight dieser Staffel. Jede Szene, in der er als vorlauter Yankee den Deutschen auf die Nerven geht, macht Spaß - und mit Spaß geizt Das Boot aufgrund der ernsten Thematik generell. Der Schauspieler zeigt in seiner Darbietung wohl mit Absicht viele Ähnlichkeiten zu seinem Alter Ego Pete Campbell aus der erwähnten Matthew-Weiner-Serie, aber tatsächlich könnte er in einer durchaus wahrscheinlichen Fortsetzung zusammen mit Hoffmann zum großen game changer werden...

Sollte als Nächstes dann der Kampf gegen die Nazis im Zentrum stehen, könnte Das Boot noch einmal interessant werden. Denkbar wäre eine Herangehensweise wie in den Clint-Eastwood-Filmen „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“, in denen zwei verfeindete Seiten des Krieges beleuchtet wurden. Mit dem Kammerspiel des Originals hat die Sky-Serie ohnehin nichts mehr zu tun. Und nach all den Verbrechen, die wir mit ansehen mussten, wirkt zumindest ein Hauch von Wiedergutmachung wohl auch angebracht. Andernfalls wäre die Daseinsberechtigung dieser hochpolierten Actionversion des Wolfgang-Petersen-Klassikers endgültig fraglich. Der Film von 1981 entstand, weil der gleichnamige Erlebnisroman von Lothar-Günther Buchheim nach einer Adaption schrie. Die Serie kann und will sich darauf allerdings scheinbar nicht berufen.

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Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 3. Dezember 2018
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Das Boot 1x08)
Titel der Episode im Original
Abrechnung
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 23. November 2018 (Sky Atlantic)
Autor
Tony Saint
Regisseur
Andreas Prochaska

Schauspieler in der Episode Das Boot 1x08

Darsteller
Rolle
Vicky Krieps
Thierry Fremont
August Wittgenstein
Leonard Scheicher
Franz Dinda
Stefan Konarske
Rainer Bock
Robert Stadlober

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