Cruel Summer: Happy Birthday Jeanette Turner - Review der Pilotfolge

© erienposter der Serie Cruel Summer (c) Freefrom
Wer auf nicht chronologisch erzĂ€hlte, verschachtelte Mystery-Teen-Dramen steht, sollte einen Blick in Cruel Summer vom US-Kabelsender Freeform werfen. Denn genau das erwartet einen in dieser neuen Serie, die von Jessica Biels Produktionsfirma Iron Ocean Productions und dem Showrunner-Duo Bert V. Royal („Einfach zu haben“) und Tia Napolitano stammt. Das Gimmick der Serie: In jeder Folge stehen abwechselnd eine von zwei jungen Figuren und das, was diese am gleichen Tag in den Jahren 1993, 1994 und 1995 erlebt haben, im Mittelpunkt. Interessant ist dabei, wie viel sich in nur einem Jahr im Leben von Heranwachsenden verĂ€ndern kann... Aus unschuldigen Nerds werden dann plötzlich Personen mit ĂŒberraschend viel krimineller Energie...
Trigger-Warnung! Durchaus harter Tobak fĂŒr die jugendliche Zielgruppe
Jede Folge von „Cruel Summer“ kommt mit einer Trigger-Warnung wegen hĂ€uslicher Gewalt daher und es wird zudem eine Telefonnummer und eine Webseite eingeblendet, um etwaigen Betroffenen zu helfen. FĂŒr Opfer von Gewalt kann es also schwierig werden, die Serie und einige Ereignisse darin zu verfolgen.
1993

1993 wird die Protagonistin Jeanette Turner (Chiara Aurelia, Tell Me Your Secrets) in der Pilotepisode Happy Birthday Jeanette Turner 15 Jahre alt. Wie es die Familientradition will, wird die schĂŒchterne Teenagerin mit Zahnspange zu ihrem Geburtstag von ihrer Familie geweckt und plant einen unschuldigen Tag mit ihren Freunden. Ihr Ă€lterer Bruder Derek (Barrett Carnahan) hat Konzertkarten fĂŒr Boyz II Men fĂŒr sich und seine Freundin besorgt und will sich vom Familienessen entschuldigen, aber die Eltern schlagen vor, dass er einfach etwas frĂŒher geht und das Konzert dennoch mitnehmen kann.
Jeanette fĂ€hrt mit ihren Freunden Mallory Higgins (Harley Quinn Smith, „Jay and Silent Bob Reboot“) und Vincent Fuller (Allius Barnes) auf den FahrrĂ€dern durch die Gegend und spĂ€ter zum Einkaufszentrum. Von Mallory kommt der Vorschlag, etwas Illegales anzustellen, was vielleicht eine Kette von Ereignissen auslöst, die Jeanettes Leben fĂŒr immer auf den Kopf stellt. In der Mall begegnet sie dann Kate Wallis (Olivia Holt, Cloak & Dagger) und ihrem Freund Jamie Henson (Froy Gutierrez, Teen Wolf). Kate ist das, was Jeanette zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben nicht ist. Man wĂŒrde sie als hĂŒbsch und beliebt bezeichnen. Die Person, die zur Ballkönigin gewĂ€hlt wird. SpĂ€ter, im Jahr 1994 sehen wir Jamie allerdings als Freund von Jeanette.
Immer wieder wechseln im Piloten die Zeitebenen, nachfolgend möchte ich daher versuchen, die Ereignisse chronologisch zu sortieren. Bringe ich etwas zeitlich durcheinander, bitte ich um Verzeihung, es gibt zwar gewisse Marker in der Serie, die die Jahre deutlich machen, die finde ich manchmal aber trotzdem etwas unklar.
Dabei stellt man fest, dass Aurelia sehr gut die enormen Unterschiede im Wesen von Jeanette spielt, die vielleicht manchmal etwas zu sprunghaft wirken, aber wohl auch den Reiz der ErzĂ€hlung ausmachen. Es ist in gewisser Weise wie eine dĂŒstere Version des Pixar-Films „Alles steht Kopf“, wenn sich die Interessen eines Teenagers plötzlich verschieben und verĂ€ndern und wenn dieser dann in eine Art AbwĂ€rtsspirale gerĂ€t.
ZurĂŒck zu den Ereignissen im Jahr 1993: Dort ist Jeanette noch ein absolutes Unschuldslamm, das mit ihrem Dad Greg (Michael Landes) abends Geburtskuchen isst. AuĂerdem „leiht“ sich das Freundestrio den SchlĂŒssel zu einem Haus, das Immobilienmakler Greg kĂŒrzlich verkauft hat. Unschuldig möchte man ein Versteckspiel im Anwesen spielen. Mallory und Vince verstecken sich und Jeanette sucht. Doch sie sind nicht allein. Der neue Besitzer Martin Harris (Blake Lee) ist zugegen und erschreckt die Suchende. Jeanette versucht, die Freunde vor Ărger zu bewahren und sorgt fĂŒr eine Ablenkung. SpĂ€ter stellt sich heraus, dass Harris der neue Co-Schulleiter an der Schule ist. Noch glaubt Jeanette nicht, dass sie oft mit ihm zu tun bekommt, weil sie selten in Ărger gerĂ€t. Man sieht ihr jedoch an, dass sie den Reiz des Verbotenen irgendwie gut findet. AuĂerdem kann in einem Jahr viel passieren...
Hier kannst Du âCloak & Dagger: Staffel 1 im Streamâ bei Amazon.de kaufen
1994

Jeanette wird zu ihrem 16. Geburtstag nicht mehr von der Familie, sondern von Jamie mit einem Cupcake-Kuchen geweckt. Der musste Vater Greg offenbar dazu ĂŒberreden, mit der Tradition zu brechen. Jeanette ist anscheinend in einem Jahr deutlich gereift und mehr am anderen Geschlecht interessiert als noch ein Jahr zuvor. SpĂ€ter hören Jeanette, Jamie und auch Vincent ein GerĂ€usch, das wie ein Schuss klingt. Doch Jamie winkt die Situation ab und schiebt das auf die NormalitĂ€t in Texas. Vincent scheint sich derweil Sorgen zu machen. Greg ist nicht mehr mit Jeanettes Mutter Cindy (Sarah Drew) zusammen und befindet sich wohl seit vier Monaten mit der Barkeeperin Angela (Brooklyn Sudano) in einer Beziehung. Mit der hat Jeanette kurzzeitig ein kleines Problem, denn sie vermisst ihre Mutter. Angela will diese zwar nicht ersetzen, lĂ€sst aber auch nicht abschĂ€tzig mit sich sprechen und andererseits dennoch fĂŒr ihre Probleme da sein.
1994 ist die Freundschaft mit Mallory und Vincent offenbar auseinandergegangen. Insgeheim schwĂ€rmt Vincent wohl fĂŒr sie, will es aber nicht zugeben. Denn Jeanettes Interessen sind nun nicht mehr mit ihnen kompatibel. Bei einer Szene in einem KlamottengeschĂ€ft konfrontiert Mallory sie mit ihrem Verhalten. Doch Jeanette versucht, VerstĂ€ndnis fĂŒr die ehemalige Freundin aufzubringen und bietet ihr ein offenes Ohr und eine Umarmung an. Dennoch verbringt sie anschlieĂend lieber Zeit mit den oberflĂ€chlichen MĂ€dels, die gerne ĂŒber Jungs und Beziehungen sprechen.
Zwischenzeitlich wird etabliert, dass Kate vermisst wird. Immer wieder sieht man auch, wie sich Jeanette sehr interessiert und verĂ€rgert ein VHS-Tape anschaut. Dann verbringt sie Zeit mit den beiden MĂ€dchen, die frĂŒher als Freundinnen von Kate galten. Eine von ihnen telefoniert und bringt die Botschaft mit, dass Kate gefunden wurde: Sie lebt und ihr EntfĂŒhrer wurde umgebracht. Der TĂ€ter stellt sich als der Konrektor Martin heraus und Jeanette scheint mehr ĂŒber den Fall zu wissen, als sie bisher zugegeben hat... Denn es ist merkwĂŒrdig, wie sie auf die Nachricht des Fundes von Kate reagiert, da sie annimmt, dass man eine Leiche gefunden habe. Wenig spĂ€ter besuchen die MĂ€dchen Jamie, der seiner Exfreundin die Nase blutig schlĂ€gt.
1995
1995 scheint das Leben von Jeanette eine dĂŒstere Wendung genommen zu haben. Die Farbe ist aus dem Kinderzimmer gewichen und Vater Greg weckt sie im wĂŒtenden Ton, da eine AnwĂ€ltin sie sprechen will. Diese möchte den Fall gemeinsam mit ihr aufbauen und glaubt, dass man eine Chance auf einen Sieg vor Gericht hĂ€tte. Immer wieder schaut sich Jeanette ein Tape mit den Nachrichten zur EntfĂŒhrung an und spĂ€ter auch ein Interview mit Kate.
Eine nette Montage zeigt an einer Stelle in der Folge, wie sich Jeanette in den drei Jahren wandelt, aber das Zimmer fast immer gleich bleibt. Es ist ein vermeintlich simples, aber doch beeindruckendes kleines Element im Piloten, das mir gut gefÀllt und Aurelia gelingt es recht gut, die verschiedenen Lebensstationen sehr unterschiedlich zu spielen.
Jeanette ist offenbar landesweit als schlechte Person gebrandmarkt und wird von anderen Gleichaltrigen als Psycho beschimpft. Beim Treffen mit der AnwĂ€ltin berichtet sie ĂŒber die Welle des Hasses, der ihr seit einiger Zeit entgegenschwappt. Neben den Beleidigungen wird sie wohl angespuckt und das Zuhause stĂ€ndig mit Graffiti beschmiert, die ihr Dad dann ĂŒbermalt. Auch ein Artikel im National Enquirer ist ĂŒber sie erschienen.
Jeanette Turner, I hope you rot in hell
Wie es dazu kam, sehen wir, als sie sich das Interview anschaut, das auch ihr Leben verĂ€ndert hat. Denn drei Monate nach ihrer Befreiung trat Kate im Fernsehen auf. Gegen den expliziten Ratschlag ihres rechtlichen Beistands enthĂŒllt sie etwas, das ihr auf der Seele brennt. Sie kannte Jeanette kaum, erzĂ€hlt jedoch davon, dass die MitschĂŒlerin zwischenzeitlich von ihrer Gefangenschaft im Keller des Konrektors wusste und ihr somit Hoffnung auf Befreiung gemacht hatte. Doch viele weitere Monate passierte nichts, weswegen sie Jeanette zum Teufel wĂŒnscht und somit - ob verdient oder nicht -, denn wir kennen noch nicht alle Details, ihr das Leben zur Hölle macht, die sie im Jahr 1995 lebt. Jeanette spult derweil immer wieder den einen Satz ab: „Jeanette Turner, I hope you rot in hell.“ Die zweite Folge A Smashing Good Time spielt sich dann komplett aus Kates Perspektive ab, deren Leben natĂŒrlich auch nicht perfekt verlĂ€uft...
Fazit

Ich bin positiv ĂŒberrascht von der Serie. Durch das Drei-Jahres-Gimmick kann man in kurzer Zeit relativ viel Stoff abdecken, auch wenn die Wechsel manchmal doch plötzlich sind und man viel auf Details achten muss, um alles zu begreifen. Auch der Perspektivenwechsel, den es so natĂŒrlich auch bei Formaten wie The Affair, Lost oder The Wilds gab, ist eine clevere und gut umgesetzte Idee. Die schauspielerischen Leistungen sind fĂŒr eine Freeform-Produktion in meinen Augen ebenfalls ĂŒberraschend solide, wobei manche Zuschauer von Harley Quinn Smith sicherlich nicht ganz so begeistert sein könnten. Ich finde, dass sie die vom Drehbuch geforderten Anweisungen völlig okay rĂŒberbringt und nicht nur kichern darf, sondern spĂ€ter auch eine ernstere Seite zeigt. Holt und Aurelia sind aber völlig verdient im Mittelpunkt, weil sie trotz junger Jahre sehr gut abliefern. Die erwachsenen Darsteller unterstĂŒtzen die Jungen ebenfalls in den meisten FĂ€llen ordentlich. Die Hintergrundmusik ist der Dekade entsprechend passend gestaltet und mit RnB und auch Rock-KlĂ€ngen (in Folge zwei dann durch den The-Cranberries-Song „Zombie“) unterlegt.
Das verhandelte Thema ist ebenfalls nicht einfach, denkt man doch an reale FĂ€lle, wie zum Beispiel Natascha Kampusch, die einst „3096 Tage“ eingesperrt worden war.
Man darf hier gespannt sein, was im Detail dazu gefĂŒhrt hat, dass Jeanette vom schĂŒchternen Nerd zum Vamp mit Hang zu unterlassener Hilfeleistung oder Beihilfe zur EntfĂŒhrung werden konnte und wie „Der talentierte Mr. Ripley“ Kates Leben ĂŒbernahm. Bislang steht nĂ€mlich nur Kates Aussage im Raum.
Die Serie könnte etwas sein fĂŒr Fans von Serien wie 13 Reasons Why, The Sinner, The Affair, aber auch Pretty Little Liars und The Wilds, wobei sie bisher einen bodenstĂ€ndigeren Eindruck als die beiden letztgenannten macht. In Deutschland wird Cruel Summer bei Amazon Prime Video seine Premiere feiern. Wann genau das sein wird, ist aber momentan noch offen.
Hier noch ein ausfĂŒhrlicher Trailer zu der Serie „Cruel Summer“:
Hier kannst Du â3096 Tage - Die wahre Geschichte der Natascha Kampuschâ bei Amazon.de kaufen