Cracked 1x01

Detective Aidan Black (David Sutcliffe) kann zupacken. Im Einsatz zertritt er versiert Türen und nimmt Drogenbosse gefangen, während er sich dabei gleichzeitig darum bemüht, einem verschreckten Kind die Angst zu nehmen. Ein toller Cop, ein toller Mann. Außerdem ist er wieder single. Allerdings sollte man Black nicht allzu penetrant reizen - denn sonst könnte er anfangen, zu gackern.
Die ungleichen Partner
Innerhalb des letzten Jahres hat Black im Einsatz bereits zwei Menschen getötet. Sein Vorgehen war gerechtfertigt und allgemein akzeptiert. Als er dann jedoch einen Auftritt als Huhn in einer Cafeteria absolviert, sieht sich seine Vorgesetzte Inspector Diane Caligra (Karen LeBlanc) dazu gezwungen, etwas gegen Aidans posttraumatische Stresssymptomatik zu unternehmen.
Von seiner SWAT-Team Einheit wird Black so in eine Abteilung für „abartige“ Gewaltverbrechen versetzt. Dort bekommt er es mit der attraktiven forensischen Psychiaterin Daniella Ridley (Stefanie von Pfetten) zu tun. Sie erhält von Caligra insgeheim den Auftrag, den mentalen Gesundheitszustand ihres neuen Partners im Zuge der Zusammenarbeit etwas genauer zu beurteilen.
Das Team
Der psychiatrische Krankenpfleger Leo Beckett (Dayo Ade) macht trotz seiner Eitelkeit auf Anhieb einen liebenswürdigen Eindruck. Die ambitionierte Polizistin Poppy Wisnefski (Luisa D'Oliveira), die ihre neue Abteilung schlicht als Sprungbrett in die Division Homicide betrachtet, komplettiert das Team.
Der Fall
Nicht nur für Aidan beginnt eine neue Etappe in seiner beruflichen Laufbahn. Danielle kann ihr Unwohlsein beim Anblick eines blutverschmierten Teppichs nicht verbergen - nach langjähriger Arbeit im Krankenhaus ist dies ihr erster Mordfall...
Ein Jugendlicher wird am frühen Morgen von einem Unbekannten im Haus seiner Eltern erstochen. Weil der Täter eine Glühbirne in die Stichwunde gesteckt hat, wird der Fall von der Abteilung Homicide an die Psych Crimes Unit übertragen.
Der Vater des Toten muss sich einer Untersuchung per Lügendetektor unterziehen, der ihn klar als Mörder des eigenen Sohnes ausweist. Daniella ist schockiert, die Anzeichen für seine Schuld übersehen zu haben. Auf überzeugende Weise werden dadurch die Selbstzweifel deutlich, von denen Ridley geplagt wird.
Doch wie sich herausstellt, hatte sie mit ihrer Einschätzung nicht falsch gelegen. Eine interessante Wendung offenbart, dass sich der Vater nur selbst für den Mörder „gehalten“ hatte.
In einem anderen Handlungsstrang wird unterdessen der wahre Täter offenbart: ein Jugendlicher, der davon besessen ist, seine todkranke Mutter „zu heilen“.
Realistische Fiktion
In Konfrontation mit dem schizophrenen Mörder zeigt Sutcliffe, dass er sich auch bei der Verkörperung von emotionalem Tiefgang sicher fühlt. In einer intensiven Sequenz nutzt Black die Erfahrungen, die er mit seinen eigenen psychischen Störungen gesammelt hat, um sich in sein verstörtes Gegenüber hineinzuversetzen. Als sich der Junge selbst mit einem Messer töten will, um auf diese Art Lebensenergie für seine Mutter freizusetzen, hält sich Black seine Dienstwaffe gegen die Schläfe.
An dieser Stelle verflüchtigt sich der Realismus auf Kosten einer packenden Inszenierung. Doch die fiktive Serienhandlung kann dafür an anderer Stelle genug von dem realitätsgetreuen Input profitieren, den der Polizist und Mit-Serienschöpfer Calum de Hartog aus seinem Alltag in Toronto zieht. Auf diese Weise beschreitet Cracked einen verlockenden Mittelweg aus Authentizität und packender Dramaturgie.
Ein dynamisches Duo
„I'll start with logic, and you can start with evil unicorns. We see who solves it first:“ Erfahrungen von der polizeilichen Front treffen auf tiefe psychologische Kenntnisse.
Die grundverschiedenen Hintergründe von Black und Ridley resultieren in einer ersten verbissenen Auseinandersetzung. Während Aidan der perfektionistischen Psychiaterin die insgeheime Suche nach dem Chaos attestiert, kann Daniella bei ihrem Partner ebenfalls eine Diagnose stellen: ein klassischer Fall von „Arschloch“.
Das Streitgespräch bricht unvermittelt und nur bedingt nachvollziehbar über die beiden herein. Doch im Hinblick darauf, dass es in Auftaktepisoden vor allem darum geht, den Zuschauern die Protagonisten näherzubringen, kann darüber ohne weiteres hinweggesehen werden - vor allem, weil sich gleichzeitig die interessante Chemie zwischen den beiden Schauspielern abzeichnet.
Fazit
Zwischen eingängiger Musik und altbewährten Kameraperspektiven absolviert das neue Drama keinen Höhenflug in puncto Innovation. Auch das dankbar bedrohliche Motiv einer mit wirren Wortschnipseln beschmierten Zimmerwand wird nicht zum ersten Mal verarbeitet.
Ein gut besetztes Ermittlerteam, so manch unorthodoxe Herangehensweise und das weiträumige Spielfeld der menschlichen Psyche bilden jedoch eine vielversprechende Grundlage für diese Serie made in Canada.
„He is not broken. But there is something - I don't know whether it's a gift or a curse.“ Blacks etwas plakativ in Worte gefasste Unberechenbarkeit birgt großes Potential. Nicht nur, weil es spannend werden dürfte, Genaueres über sein Krankheitsbild zu erfahren, sondern auch wegen des erquicklichen Humors, der in seinen unorthodoxen Reaktionen mitschwingt. Auch die Tatsache, dass Daniella Ridley für ihn ebenso als Überwacherin fungiert wie als Partnerin, ist aussichtsreich.
David Sutcliffe scheint bereits in seiner Rolle angekommen zu sein, begeistert durch unaufdringliche Vielschichtigkeit und erinnert kaum mehr an den Vater von Rory aus Gilmore Girls. Wenn es auch Stefanie von Pfetten gelingt, das Innenleben ihres Charakters langfristig etwas subtiler nach außen zu tragen, könnten sich die beiden zu einem neuen Dream-Team mausern. In weiteren Folgen werden sicherlich auch die übrigen Teammitglieder noch etwas mehr zum Leben erwachen.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit es Cracked im Serienverlauf gelingen wird, ein Gleichgewicht aus der seriösen Betrachtung psychischer Krankheiten und fernsehtauglicher Unterhaltsamkeit zu finden. Der Serienauftakt mit dem hübschen Titel How the Light Gets In macht in jedem Fall Lust, es persönlich herauszufinden.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 9. Januar 2013(Cracked 1x01)
Schauspieler in der Episode Cracked 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?