Cowboy Bebop: Review der Pilotepisode

Cowboy Bebop: Review der Pilotepisode

Die Adaption des jazzigen Animehits Cowboy Bebop ist nun bei Netflix verfügbar und tritt in die großen Fußstapfen der Vorlage. Kann die Realserie die Erwartungen der Zuschauer erfüllen und den besonderen Charme ihres Vorbilds einfangen?

Cast der Serie Cowboy Bebop auf einem Poster (2021) (c) Netflix
Cast der Serie Cowboy Bebop auf einem Poster (2021) (c) Netflix
© ast der Serie Cowboy Bebop auf einem Poster (2021) (c) Netflix

In der Pilotepisode Cowboy Gospel der neuen Netflix-Serie Cowboy Bebop (2021) machen sich Kopfgeldjäger Spike Spiegel (John Cho) und sein Partner Jet Black (Mustafa Shakir) auf, um sich ein auf der Flucht befindendes Mitglied des Verbrechernetzwerks Syndicate und dessen Freundin zu schnappen. Diese widersetzen sich allerdings gewaltsam ihrer Ergreifung und ziehen eine Schneise der Verwüstung hinter sich.

Worum geht es im Auftakt von Cowboy Bebop?

Sich eine Zielperson zu schnappen, die sich mit ihrer Crew mitten in einem Casinoraub befindet, ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Auch wenn Spike und Jet solch einer Herausforderung ohne gravierende Schwierigkeiten gewachsen wären, heißt das natürlich längst nicht, dass ihre Aktion ohne Komplikationen verläuft. Da kann es schon einmal passieren, dass die Kollateralschäden von ihrer Bezahlung abgezogen werden und sie sich nach einem lukrativeren Job umsehen müssen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Und schließlich braucht Jet auch noch ein Geburtstagsgeschenk für seine kleine Tochter...

Dafür überredet er Spike sogar, ihr nächstes Ziel bis auf den heruntergekommenen Planeten New Tijuana (übrigens designt als Hommage an den Film „Desperado“) zu verfolgen, auf dem es zuletzt gesichtet wurde. Dort versuchen Gangster Asimov (Jan Uddin), der eine beachtliche Menge der Droge Redeye vom Syndicate abgezwackt hat, und dessen Freundin Katarina (Lydia Peckham), ihre Beute weiterzuverkaufen, um sich zusammen abzusetzen. Spike ist schon drauf und dran sie zu schnappen, wobei ihm allerdings Kopfgeldjägerin Faye Valentine (Daniella Pineda) als Konkurrenz in die Quere kommt, die ihrerseits hinter Katarina her ist.

Dadurch macht sich das gesuchte Paar noch einmal aus dem Staub und begibt sich auf eine bleihaltige Flucht, denn auch die bis an die Zähne bewaffneten Kommandos des Syndicate haben noch ein Wörtchen mitzureden, was schließlich in einer dramatischen Verfolgung gipfelt. An einem anderen Ort in der Galaxie betritt zur selben Zeit ein mysteriöser Mann namens Vicious (Alex Hassell) die Bühne, der für die Crew der Bebop kein Unbekannter ist...

Eine groovige Adaption

Die Erwartungen an Cowboy Bebop (2021) könnten unterschiedlicher kaum sein: Einige Fans wünschen sich ein eigenständiges Werk als Ergänzung zu einer der beliebtesten und besten Animeserien der späten 90er Jahre, während viele präferieren, dass sich die neue Serie möglichst eng an ihre Vorlage hält. Die Realserie schreitet dabei überwiegend auf letzterem Pfad, wobei man mit zehn längeren Episoden arbeitet, im Vergleich zu den 26 Episoden des Animes, die eine für das Format relativ typische Laufzeit von circa jeweils 25 Minuten haben gegenüber denen der Netflix-Serie, die sich so zwischen 40 bis 50 Minuten pro Folge einpendeln. Dadurch kann die neue Serie natürlich insgesamt nicht ganz so viel unterbringen, weswegen man sich auf die wichtigsten Eckpfeiler der Story konzentriert und hier und da an der Reihenfolge des Gezeigtem dreht. So schließt die Season etwa mit einem berüchtigten Showdown ab, der im Anime eine Ecke früher zu sehen ist, welcher aber an dieser Stelle sehr gut als Abschluss der Staffel funktioniert. Aber kommen wir auf die Pilotepisode selbst zurück, die sich alles in allem ziemlich eng an ihre Vorlage hält. Zusätzlich dabei sind die actionreiche Einstiegsszene sowie die Einführungen von Faye (Daniella Pineda) und Vicious (Alex Hassell), die im Anime erst etwas später auftauchen.

Was die Produktion anbetrifft, gibt es natürlich auch einige Elemente, die man hier unter die Lupe nehmen kann, so wäre es sicher nicht die erste Realadaption einer Animeserie (gleiches gilt auch für Videospielumsetzungen), die etwa alleine schon daran scheitert, dass die Kostüme wie billiges Cosplay aussehen. Das ist hier zum Glück nicht der Fall: Die Darsteller und Darstellerinnen können sich in ihrer Garderobe wirklich sehen lassen. Auch die Kulissen und das Set der Bebop, welches den handgemachten, bewohnten und rauen Charme des Schiffes hervorlockt - anstelle eines sterilen Looks und anstatt viele blinkende Anzeigen sowie Monitore zu präsentieren -, liefert den Eindruck, als ob sich jemand darüber Gedanken gemacht hat. Generell lässt sich vermuten, dass hier mit einem ordentlichen und ausreichenden, wenn auch nicht riesigen, Budget gearbeitet wurde. Auf Hochglanz getrimmte Bilder sollte man trotz guter visueller Qualität so oder so nicht erwarten, denn sowohl in der Auftaktepisode als auch generell ist die Welt von Bebop eher geerdet und vielerorts kein Sci-Fi-Utopia.

Auch die Action kann sich unterm Strich gut sehen lassen, die eine Mischung aus Kugelhagel und Gun-Fu seitens Spikes auszeichnet und die gebührend inszeniert ist, auch wenn es natürlich immer noch eine Nummer spektakulärer geht. Eines der wichtigsten Elemente der Serie sind aber vor allem ihre Charaktere, wobei wir beim Casting und der Leistung der Darsteller wären.

Die lockeren Dialoge und das verbale Hin und Her zwischen den Crewmitgliedern geht in der ersten Episode zumindest auf, denn die Chemie der Schauspieler und Schauspielerinnen miteinander stimmt. John Cho verkörpert Spike mit der nötigen Coolness, die man von der Figur erwartet, aber wie gelungen er den Rest seiner Aufgaben schultert und ob er insgesamt die richtige Präsenz mit sich bringt, muss man bezüglich der weiteren Episoden natürlich noch abwarten. Daniella Pineda weiß als Faye bisher wirklich zu gefallen und scheint mir eine exzellente Wahl zu sein, denn sie bringt gerade ihren in dieser Episode humorvolleren Part äußerst natürlich rüber. Und, was Jet anbetrifft: Für mich ist es bei „Gender“- oder „Raceswaps“ aus Diversitätsgründen immer das wichtigste Kriterium, dass es auch zum Charakter passt und sich natürlich einfügt. Im Falle von Mustafa Shakir und der Art, wie er Jet porträtiert, geht die Änderung vollkommen auf, denn er bleibt nicht nur dem Kern der Figur treu, er verleiht ihr auch eine authentische Note. So ist er ebenso eine gute Wahl in Bezug auf das Casting.

Noch ein ganz zentraler Part der Cowboy-Ballade ist der Soundtrack, der erfreulicherweise wieder von Yoko Kanno stammt, die mit ihren jazzigen Klängen Dynamik und Melancholie in den entsprechenden Szenen entfacht. Diese beiden Zutaten ließen schon damals das atmosphärische Western-Feeling und einen Hauch Noir miteinander verschmelzen, was der Serie eine ganz besondere Note verlieh. Und wenn im schmissigen Intro zu „Tank“ Realfilm und Anime eine Symbiose eingehen, kann einem schon ein Lächeln über die Lippen kommen.

Jan Uddin und Lydia Peckham in Cowboy Bebop
Jan Uddin und Lydia Peckham in Cowboy Bebop - © Netflix

Will man der Realserie etwas vorwerfen, das sie zumindest nur bedingt Schuld hat, dann ist es, dass sie sich weder durch ihr Konzept noch durch Action oder sonst eine Eigenschaft besonders von anderen Serien mit ähnlichen Merkmalen abheben kann. Das ist zum einen der Eigenschaft geschuldet, dass man sehr auf Nummer sicher geht und sich nicht traut, markant von seinem Vorbild abzuweichen. Zum anderen war das Original-Bebop zu einer Zeit eben auch noch einzigartig und erspielte sich einen prägenden Einfluss, den die neue Serie so heute nicht wirklich rekreieren kann. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob man das Zeug dazu hat, die atmosphärischen Schlüsselstücke der Serie sowie die immer wieder eingestreute Melancholie zwischen all der Action und dem Humor so gekonnt wie die Vorlage einzufangen.

Vor allem stellt sich noch die Frage, ob man eigenes Material und Storys eingefügt hat und ob diese qualitativ mit dem Rest mithalten können. Wenn die erste Episode ein Indikator dafür ist, dürfen wir generell mit einem schnelleren Pacing und mehr Dynamik rechnen, was einerseits keine Langeweile aufkommen lässt, aber vielleicht etwas über die Momente mit mehr Substanz drüberbügeln könnte. Und noch fehlen zudem unser Lieblings-Corgi Ein und auch Ed, um das Gesamtbild zu komplettieren. Wie man hier verfahren hat, hebe ich mir aus Spoiler-Gründen aber lieber für die Staffelkritik (hättet Ihr gerne eine?) auf.

Fazit

Man merkt „Cowboy Bebop“ ab der ersten Minute an, dass die Macher sich nicht nur mit ihrer Vorlage auseinandergesetzt haben, sondern selbst Fans dieser sind. Denn die Mühe, den berüchtigten Charme des Sci-Fi-Westerns aufzufangen, ist dem Ergebnis deutlich anzumerken. So passen die Darsteller und Darstellerinnen mit ihren guten Leistungen, die Optik, die Action und der Humor wundervoll zusammen. Ob sie wirklich alle in die großen Fußstapfen treten können, ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehbar. Zwar wird man die Brillanz der Animeserie ganz sicherlich nicht erreichen, dennoch lässt sich aber festhalten, dass der Auftakt jederzeit unterhaltsam ist. Genau das ist auch die essentielle Erkenntnis aus der ersten Episode: Erwartet man ein Meisterwerk auf gleicher Ebene, so muss man diesen Anspruch sicher zurückschrauben. Erwartet man einfach nur gute Unterhaltung im Geiste der Vorlage, so ist man mit der Realserie gut aufgehoben.

Cowboy Bebop - der offizielle Serientrailer:

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Cowboy Bepop“:

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