Council of Dads 1x01

© ouncil of Dads (c) NBC
Als seine Zwillinge drei Jahre alt sind, wird bei dem Autor Bruce Feiler eine seltene Art von Knochenkrebs diagnostiziert. Als Reaktion darauf schreibt er einen Brief an sechs seiner Freunde, um sie zu bitten, für seine jungen Töchter als Vaterfiguren zu fungieren, sollte er die Krankheit nicht überleben. Aus dieser schmerzhaften Situation entsteht 2010 der Bestseller Council of Dads und nun, zehn Jahre darauf, bringt NBC eine gleichnamige Fernsehserie auf die Mattscheibe, die von Feilers Buch inspiriert ist. Darin wird aus der Familie mit Zwillingen eine Großfamilie mit Patchwork-Hintergrund.
Worum geht es?
Die Dramaserie „Council of Dads“ erzählt uns in der Pilotepisode von Scott Perry (Tom Everett Scott), einem Mann mit einer großen Familie, bei dem im Sommer durch eine Routineuntersuchung eine aggressive Form von Krebs diagnostiziert wird. Um genau zu sein, am Ufer des Sees des idyllischen Familienhauses, als die Familie sich versammelt hat, um das jüngste Kind der Familie JJ (Blue Chapman) dabei anzufeuern, sich per Seil ins Wasser zu schwingen. Nun braucht es jedoch Scott, um auf die Plattform zu klettern und sich mit seinem jüngsten Sohn im Arm in die Fluten zu stürzen. Aus dem rührseligen Familienmoment werden Scott und wir von einem Anruf mit der Hiobsbotschaft gerissen, ein Anruf von seinem Arzt und guten Freund Oliver (J. August Richards).
Doch fahren wir einen Moment zurück: Wer genau gehört zu der vielköpfigen Patchwork-Familie Perry? Als Erstes gibt es da Scott und seine Tochter Luly (Michele Weaver). Die Mutter des Mädchens war nicht bereit für eine Mutterrolle und so zog Scott das Kind in jungen Jahren alleine auf. Bis er acht Jahre später auf Robyn (Sarah Wayne Callies) traf, seine große Liebe. Gemeinsam haben die beiden Theo (Emjay Anthony) und JJ. Außerdem adoptieren sie Charlotte (Thalia Tran).
Dann geht alles ganz schnell. Kurz nach der Diagnose wird Robyn erneut schwanger, kurz nach der Geburt der kleinen Hope stirbt Scott.
Doch dazwischen legt er den Grundstein für das Council of Dads, mit welchem er sicherstellen will, dass seine Kinder nicht ohne Vaterfigur aufwachsen müssen. In Absprache mit seiner zunächst widerwilligen Frau schreibt er drei guten Freunden einen wichtigen Brief, in dem er sie bittet, für das Jahr nach seinem Tod seiner Familie Zeit und Rat zu spenden, für sie da zu sein, nicht nur an den großen Feiertagen. Er will sicher sein, dass seine Familie auch im Alltag genug Unterstützung erfährt.
Die drei Männer lernen wir bereits vor der Bildung des Rats kennen. Der erste ist der bereits genannte Arzt, ursprünglich ein Studienfreund von Robyn, mittlerweile ein guter Freund der ganzen Perry-Familie. Oliver ist Afroamerikaner, der glücklich in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt. Das zweite Mitglied des Rats ist Larry (Michael O'Neill). Er ist älter und schweigsamer als die anderen und taucht schon während der Krankheit Scotts immer wieder im Perry-Haus auf, um Essen zu liefern, einen Weihnachtsbaum aufzustellen oder dem Teenagersohn Autofahren beizubringen. Wer er ist, weiß dennoch keines der Kinder so richtig, bis wir erfahren, dass Scott einst der Sponsor im Rahmen der Anonymen Alkoholiker für Larry war.
Dritter im Bunde ist ein alter Freund von Scott, Anthony (Clive Standen). Die beiden kennen sich aus Jugendtagen und Anthony ist der Einzige, der schon bei Lulys Geburt mit von der Partie war. Er eilt sofort an die Seite seines alten Freundes, als er von der Diagnose erfährt, auch wenn die beiden über die Jahre immer weniger Kontakt miteinander hatten. So erfährt er erst vor Ort, dass Scott den Imbiss Crab Shack gekauft hat, der während seiner Krankheit von seiner ältesten Tochter geführt wird. Sie ist es auch, die das letzte Mitglied zum Stammcast und damit auch zum Familienverbund hinzufügt. Drei Monate nach dem Tod des Vaters heiratet sie Evan (Steven Silver), den sie kurz nach der Diagnose kennengelernt hatte.
Derart gewappnet geht die erweiterte Perry-Familie aus der Pilotepisode und wartet auf zahlreiche höchstwahrscheinlich rührselige Abenteuer entlang ihres Weges.
Wie kommt es rüber?
Das Buch und die Story der Serie sind nicht neu, aber an der Ausrichtung als Patchwork-Großfamilie kann man kaum übersehen, dass NBC mit Council of Dads versucht, an den This Is Us-Trend anzuknüpfen. Im direkten Vergleich schneidet die Serie jedoch überaus schlecht ab, denn zumindest in der Pilotepisode sind die meisten sentimentalen Momente nicht verdient. Die Ereignisse überschlagen sich geradezu und trotz der Ankündigung von Luly, die uns die Geschichte aus dem Off schildert, werden nur selten die kleinen Momente und Alltäglichkeiten erzählt. Wir werden ohne Einordnung in die großen Momente geworfen und dürfen die Figuren vorher nur unzureichend kennenlernen. Damit gehen eventuelle Tränen eher auf das Konto der emotionalen Hintergrundmusik als auf das Drehbuch. Einen guten Job machen immerhin die Darsteller, von denen niemand nach unten oder oben ausschlägt. Das ist durchaus willkommen in dieser Art Ensembleserie.
An manchen Stellen wirkt es so, als wenn die Serienmacher die richtig guten Szenen für später aufbewahren wollen und sich dabei ein bisschen zu sehr an This Is Us orientieren. So sehen wir nicht, wie Scott stirbt, sondern erfahren von seinem Ableben nur, weil Luly es ihrem neuen Freund Evan berichtet. Doch anders als „TIU“ gibt es kein Rätsel um den Tod des geliebten Vaters, es ist einfach ein seltsamer Kunstgriff, uns ebendiesen Moment oder den Weg durch die Verzweiflung vorzuenthalten. Stattdessen bekommen wir eine seltsam leere Beerdigungsfeier und eine überraschende Hochzeit nur drei Monate später zu sehen.
Die Entscheidung für eine schnelle Eheschließung führt uns zum zweiten großen Problem der Serie, das weniger auf eine eventuelle Pilotkrankheit zurückzuführen ist als das erste.
Je mehr man über die Familie erfährt, desto mehr kann man das Reißbrett erahnen, an dem die Autoren die Serie entworfen haben. Es gibt alleine in der Kernfamilie drei verschiedene ethnische Hintergründe, fast jedes Kind muss genau ein Alleinstellungsmerkmal bekommen, das die Serie an Diversität bereichert. Neben dem Offensichtlichen ist das auch JJ, der als Mädchen geboren wurde und entschieden hat, als Junge zu leben. Von seiner Familie wird das kommentarlos akzeptiert und umgesetzt, nur seine Großmutter (Becky Ann Baker) tut sich schwer damit. Ebenfalls praktisch im Sinne der Alles-abdecken-Agenda ist, dass Oliver homosexuell ist.
Doch „Council of Dads“ will keine Serie sein, die in die Konflikte der Diversität wirklich eintaucht. Sie will eine Wohlfühlserie sein, in der schon der Grundschüler statt durch die Ignoranz seiner geliebten Großmutter gekränkt zu sein, ihr weise sagt, dass es für Menschen ihrer Generation halt schwieriger ist, die neue Lebenswirklichkeit zu begreifen. Das alles, so darf man nicht vergessen, sagt das Kind auf dem Weg zu der Trauerfeier des eigenen Vaters. Keine Spur der Wut oder anderer großer Gefühle, die man an diesem Tag erwarten würde.
Die Wut, das ist nämlich das Alleinstellungsmerkmal des einzigen Perry-Kindes ohne Diversitätsmarker. Theo ist so wütend, dass er es kaum schafft, Autofahren zu lernen. Natürlich nur, bis einer der Väterräte zur Stelle ist, in diesem Fall Larry, um es mit der Wut aufzunehmen.
Für Fans des Lead-ins „This Is Us“ könnte es schwierig werden, umzustellen. Wo die beiden Serien nach außen so überaus ähnlich wirken, da sind sie doch nach innen sehr weit voneinander entfernt. Council of Dads ist im besten Falle eine ziemlich starr konstruierte Wohlfühlserie, in der jeder nach seiner Vorstellung glücklich werden kann, schwierige, unterliegende oder gar widersprüchliche Gefühle nicht inbegriffen. Das, was „TIU“ so besonders macht, das hochkomplizierte zwischenmenschliche Beziehungskonstrukt zu durchleuchten, sucht man im Väterrat bisher vergebens.
Fazit
Zwischen ziemlich starren Diversitätsbemühungen und einseitiger Charakterzeichnung kommt in der Pilotepisode genau das zu kurz, was Gefühle hervorruft: das Eintauchen in menschliche Widersprüche und Besonderheiten. So bleibt Council of Dads genau das, was es von Anfang an war, lange, bevor es eine Serie wurde: eine konstruierte Trostüberlegung, um die Schmerzen der Realität zu mildern. Ein todkranker Mann spannt seine Freunde ein, damit seine Familie nicht alleine zurückbleibt, wenn er stirbt. Das ist eine noble Idee, die sich aber an den Herausforderungen des wahren Lebens beweisen müsste. Im Falle der Serienumsetzung tut sie das nicht. Stattdessen spinnen die Drehbuchautoren das Gedankenkonstrukt weiter, wie alles idealerweise laufen müsste im Falle eines einzigen traumatischen Ereignisses. Doch ohne echte Konflikte und Fallhöhe entstehen auch nur wenige Emotionen. Darunter leidet die Story, die Charakterzeichnung und damit die Serie als Ganzes. Wer eine Serie zum Sich-rundum-Wohlfühlen sucht und wenig Berührungsängste mit Kitsch hat, der könnte hier richtig sein. Das verstecken die Schreiber im Übrigen auch gar nicht weiter. Ein Beispiel: Als die jüngste Tochter geboren wird, sagt Robyn zu Scott: „Ich weiß, es klingt kitschig, aber sie sieht für mich aus wie eine Hope.“ Darauf entgegnet er wiederum: „Das ist ein bisschen kitschig, aber wir sind kitschig. Ja, es ist wahr, sie ist unsere Hope, unsere Hoffnung.“
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten, bisher titellosen Episode (1x02) der US-Serie „Council of Dads“:
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Mittwoch, 25. März 2020Council of Dads 1x01 Trailer
(Council of Dads 1x01)
Schauspieler in der Episode Council of Dads 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?