Corporate Staffel 2
Corporate Staffel 2 Episodenguide
Review zu Corporate Staffel 2
Vor wenigen Tagen schrieb ich eine Kleinigkeit zum Serienfinale von Crashing, der vielleicht optimistischsten Komödie im derzeitigen US-Fernsehen (zumindest bis zu ihrer tragischen Absetzung). Nun soll es um Corporate von Comedy Central gehen, dem exakten Gegenteil der genannten HBO-Perle. Doch so unterschiedlich die zwei Formate in ihrer Grundhaltung zur Menschheit auch sein mögen, sie beide sind ausgesprochen lohnenswert und hierzulande leider völlig unbekannt. Aber dafür ist eine Seite wie SERIENJUNKIES.DE® ja da, um Werbung zu machen für das, was wirklich gut ist.
Damals, als mein Kollege Axel im Januar 2018 seine Kritik zur Pilotepisode schrieb, erkannte er sofort, welch großes Potential in der Kapitalismussatire der Serienmacher sowie in Hauptdarsteller Matt Ingebretson und Jake Weisman liegt. Die volle Punktzahl vergab er zum Start - und knapp 20 Episoden später ändert sich an dieser makellosen Wertung nichts. Eher ist Corporate in Staffel zwei noch ein wenig besser geworden, mit zahlreichen Highlightepisoden, die auch für sich genommen funktionieren und penibel die Schwächen einer profitorientierten Gesellschaft sezieren. Also, Vorsicht: Es wird düster!
Machiavelli lebt
Falls die Miesmacher des freien Marktes und die Skeptiker der Smith'schen Wirtschaftslehre einer unsichtbaren Hand am Ende Recht behalten sollten und der Neo-Kapitalismus unseren einzigen Planeten tatsächlich mit Stumpf und Stiel vernichtet, werden außerirdische Archäologen vermutlich zwei menschliche Serienrelikte zurate ziehen, um zu verstehen, was genau wann schief gelaufen ist: zum einen das HBO-Familiendrama Succession, das eindrucksvoll demonstriert, dass die Mächtigsten nicht unbedingt die Fähigsten sind, und zum anderen Corporate, die schonungslose Aufarbeitung der uralten Tragödie, sich vom Urteil anderer abhängig zu machen und in der eigenen Abwärtsspirale gefangen zu sein.
Alle Figuren in Corporate erfüllen ein Klischee: Matt (Ingebretson) ist der ahnungslose Optimist, der seit Jahren auf den richtigen Zeitpunkt wartet, um seinen verhassten Bürojob zu kündigen und seine Träume zu verwirklichen, wobei diese wie bei einem Teenager ständig wechseln. Sein Kollege Jake (Weisman) ist schon einen Schritt weiter: Er akzeptiert sein Schicksal, niemals etwas Besonderes zu machen, geschweige denn zu sein. Die Depression steht ihm ins Gesicht geschrieben.
Ihre immer im Doppelpack auftretenden Vorgesetzten Kate (Anne Dudek) und John (Adam Lustick) sind weniger durchschaubar, was wohl daran liegt, dass sie die Karriereleiter so schnell hochgeklettert sind, dass sie sich selbst nie hinterfragen konnten. Der einzige Unterschied: John ist dumm und Kate ist schlau, denn als Frau hätte sie im sexistischen Konzerngeflecht gar keine andere Chance. Besonders tragikomisch wird dies in der Episode Natural Beauty (2x03) dargestellt, in der die fiktive Firma Hampton DeVille vorgibt, mit Geschlechterrollen Schluss zu machen, allerdings nur, um einen millionenschweren Markt für Männer-Make-up zu erschließen.
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Was die Dichte an genialen Geistesblitzen und einzigartigen Konzepten anbetrifft, kann derzeit wohl nur die abgedrehte Animationsserie Rick and Morty mit Corporate mithalten. Als Einzelepisoden ebenfalls erwähnenswert: die Sprachanalyse Thanks! (2x04), das Spesenrätsel The Expense Report (2x05) und die Gesellschaftskritik The Tragedy (2x08). Der Clou am letztgenannten Beispiel: Die Serienmacher Ingebretson, Weisman und Regisseur Pat Bishop kreiden die amerikanische Trauerroutine nach landesweiten Tragödien an, ohne dabei den konkreten Unglücksfall jemals zu benennen.
Neben den Auswüchsen der Wirtschaft widmet sich die Eigenproduktion von Comedy Central in ihrer neuen Staffel zunehmend auch dem großen Feld der Medien. Vor allem der abgrundtief böse CEO Christian DeVille, gespielt vom MVP Lance Reddick, nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Mit seinem hauseigenen Nachrichtensender und Fox News-Verschnitt BNN rührt er im grandiosen Staffelfinale mit dem Titel The Fall (2x10) sogar die Werbetrommel für den Weltuntergang, womit er sich in seiner Laufbahn endloser Manipulationen erstmals verspekuliert. Denn, wer hätte das gedacht? Die drohende Apokalypse sorgt für schlechte Stimmung an den Börsen, egal, wie viele Gasmasken Hampton DeVille nun verkauft...
Endzeiten
Was Charlie Chaplin in den Dreißigern mit seinem Stummfilm „Modern Times“ gelang, schafft Corporate nun in der Gegenwart. Zugegeben, ein ziemlich hochgegriffener Vergleich, doch mir kommt keine andere Serie in den Sinn, die das Gefühl, nur ein ganz kleines Rädchen im großen Getriebe zu sein und an der Unaufhaltsamkeit der Fabrikation und Zeit zu verzweifeln, so niederschmetternd und zugleich zum Totlachen komisch wiedergibt. Ein anderes Wort, das perfekt auf die Serie passt, ist „kafkaesk“, denn genauso wird das Leben der Figuren hier gezeichnet.
„It's a sad, sad, sad, sad world“, heißt es in einem absichtlich unsubtilen Song, der nur im Serienuniversum von Corporate existiert. Und eigentlich will man gar nicht wissen, wie es im Inneren von Ingebretson und Weisman aussieht. Was für Menschen sind in der Lage, dermaßen zynische Gedanken zu formulieren, wie wir sie Woche für Woche zu sehen bekamen? Wie eingangs erwähnt, ist die Kernbotschaft der „Komödie“ ein Negativ derselbigen von Crashing, dessen Macher Pete Holmes dafür plädiert, immer das Beste in den Leuten zu vermuten und nett und zuversichtlich durchs Leben zu gehen. Persönlich unterstütze ich diesen Ansatz und schrieb in meiner Kritik: „Zynisch sein kann jeder. Nett sein ist die wahre Kunst.“
Im Fall von Corporate ist es aber etwas komplizierter, denn so clever zynisch sein, können nur die Macher dieser Serie. Und Zynismus erfrischend zu gestalten, ist im Jahr 2019 selbst schon ein kleines Wunder. Wer diese wunderbare, kluge, bissige und tatsächlich einzigartige Serie bislang noch nicht gesehen hat, sollte dies dringendst nachholen. Comedy Central hat hierzulande die Auftaktstaffel am Anfang dises Jahres bei YouTube hochgeladen. Zwar leider lediglich auf Deutsch, doch auch in der synchronisierten Fassung sollte klar werden, warum das Werk so sehenswert ist.
Die erste Staffel von „Corporate" auf YouTube:
«Corporate» Trailer
Corporate Staffel 2 Episodenguide
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