Kritik der neuen Comedy-Central-Serie Corporate

Kritik der neuen Comedy-Central-Serie Corporate

Schon mit der ersten Episode des neuen Comedy-Central-Formats Corporate landen die Serienschöpfer Pat Bishop, Matt Ingebretson und Jake Weisman einen Volltreffer. Die bissige Persiflage des öden Daseins als Konzernangestellter glänzt mit rasantem Witz und scharfer Satire.

Ein erfülltes Arbeitsleben sieht anders aus. (c) Comedy Central
Ein erfülltes Arbeitsleben sieht anders aus. (c) Comedy Central
© in erfülltes Arbeitsleben sieht anders aus. (c) Comedy Central

Wie hellsichtig ist die neue Comedy Central-Comedy Corporate? Steht uns die Dystopie, die uns darin präsentiert wird, bald bevor? Die Dystopie, in der es nur noch eine Megafirma gibt, die alles herstellt? Werden uns die Monopolisierungstendenzen des Spätkapitalismus bald zu Arbeitsdrohnen machen wie Matt (Matt Ingebretson) und Jake (Jake Weisman)? Noch besteht die Hoffnung, dass sich der Kapitalismus wieder zügeln, wieder sozialdemokratischer machen lässt. Alleine daran liegt es wohl, dass man über dieses neue Format herzhaft lachen kann - noch.

We encourage confrontational criticism!

Das Gefühl, das an Matt und Jake, zwei Nachwuchsmanager beim Alleshersteller Hampton DeVille, nagt, können wohl schon heute viele Angestellte von weltumspannenden Konzernen - und bestimmt auch von kleineren Unternehmen - nachvollziehen. Ihre Arbeit ist mitunter sinnentleert - es gibt sie nur, damit sie eine Arbeitsstelle haben und am Geld- und Warentausch teilnehmen können. Sie stellen nichts her, was für das Überleben der Menschheit wichtig wäre, in vielen Fällen sogar Produkte, die ein besseres Leben erschweren. Sie sind, wie Matt feststellt, „a cog in a soulless corporate machine“.

Die daraus resultierenden Angstgefühle - manche würden sie Depression nennen - lassen ihn nachts nicht schlafen, was sich wiederum schlecht auf seine Arbeit auswirkt. Allerdings wirkt sich auch der Umgang der Mitarbeiter untereinander, das „confrontational work environment“, schlecht auf sein Seelenleben aus, wie er gegenüber seinen Vorgesetzten Kate (Anne Dudek) und John (Adam Lustick) unumwunden zugibt: „Sometimes confrontation hurts my job performance and damages my well-being.“ Daraus wiederum resultieren seine Schlafprobleme - ein einziger Teufelskreis.

Freilich findet sich bei Hampton DeVille niemand, den das auch nur im Geringsten interessieren würde. Während Matt den dauergrinsenden Vorgesetzten („Question!“) sein Leid klagt, tippen die schon wieder wie Wahnsinnige in ihre Handys. Die Uni hat er einst als idealistischer Lehrer für unterprivilegierte Kinder verlassen, dann führten ihn persönliche Bequemlichkeit und wahrscheinlich auch der Wunsch nach einem besseren Gehalt auf diesen vermaledeiten Karrierepfad. Sein Bürokollege Jake ist bereits ein paar Schritte weiter. Folgende bittere Wahrheit hat er schulterzuckend akzeptiert: „Life is meaningless and nothing we do matters.

Dafür, dass Jake eine solch nihilistische Lebenseinstellung hat, legt er bemerkenswerten Eifer an den Tag, als ihm und Matt die einzige greifbare Aufgabe der gesamten Episode gegeben wird. Ein Mitarbeiter aus der Social-Media-Abteilung hat einen höchst unglücklichen Tweet abgesetzt, mit dem er versuchte, eine Hurrikankatastrophe für den Verkaufsstart des neuesten Produkts aus dem Hause Hampton DeVille auszunutzen. Es handelt sich dabei um ein Tablet, dessen Bildschirm achtmal so groß ist wie der eines normalen iPads. Das Gerät ist natürlich völlig unhandlich, aber das spielt in dieser Gesellschaft offenbar keine Rolle mehr. Hauptsache, etwas ist neu.

Capitalize ambition!

Es ist wunderbar witzig, mit anzuschauen, wie unbeholfen Firmenchef Christian DeVille (Lance Reddick) und seine Untergebenen mit dem nutzlosen Gadget hantieren. Ebenso witzig ist ihr Krisenmanagement. Weil die Öffentlichkeit laut einer sinnbefreiten Umfrage den Tweet schlimmer findet als die eigentliche Katastrophe, befindet sich der gesamte Konzern im Panikmodus. Weil aber gleichzeitig niemand einen Kollegen entlassen möchte, mag der auch noch so obskur sein, bleibt die unangenehme Aufgabe an Matt und Jake hängen.

Bei der Suche nach dem bemitleidenswerten, aber auch sehr dämlichen Kuchenliebhaber Richard (Matt McCarthy) sind sie ganz entgeistert ob der omnipräsenten Trostlosigkeit: „These were children once, happy, innocent children.“ Kurzzeitig lassen sie sich daraufhin von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken, weil Richard ein so netter Kerl zu sein scheint. Am Ende können sie seine Entlassung jedoch nicht verhindern, ihm wohl aber das Leben retten. Und zu allem Überfluss auch noch die brand awareness erhöhen sowie die Verkäufe des Obelisk um vier Prozent steigern.

Gratulation, gut gemacht! Aber was eigentlich? Das können die beiden wohl nicht so recht beantworten, weswegen sie sich gleich wieder in ihre Blase aus Hoffnungslosigkeit, apology bukkake und Tentakelpornos flüchten. Man weiß da schon gar nicht mehr, ob man noch lachen soll oder schon weinen, und genau das ist das Großartige an Corporate. Die Serie ist zwar eine Art Dystopie, aber keine allzu weit entfernte. Das Lachen bleibt uns also mehrmals im Halse stecken, denn jeder, der schon einmal in einem Großraumbüro oder sonst wo in einem Konzern gearbeitet hat, der wird hier manches wiedererkennen. Großen Spaß macht es trotzdem.

Diese Serie passen auch zu «Corporate»