CopStories 1x01

CopStories 1x01

Am vergangenen Dienstag ging im österreichischen Fernsehen ORF die neue eigenproduzierte Polizeiserie CopStories mit einer Doppelfolge an den Start. Serienjunkies.de hat einen Blick darauf geworfen.

Auf den Straßen Wiens unterwegs: Die Streifenbeamten in „CopStories“ / (c) ORF
Auf den Straßen Wiens unterwegs: Die Streifenbeamten in „CopStories“ / (c) ORF

CopStories spielt auf einem städtischen Polizeikommissariat im Wiener Bezirksteil Ottakring. Uniformierte Streifenpolizisten und in Zivil agierende Kriminalpolizei tun hier neben- und miteinander ihren Dienst. Die Serie handelt von den alltäglichen Einsätzen der Beamten, einschießlich der Belastung, die damit für sie persönlich einhergeht.

In der Pilotfolge werden Roman (Holger Schober) und seine junge Kollegin Tina (Cornelia Ivancan) wegen einer vermeintlichen Bagatelle gerufen: ein Auto versperrt eine Einfahrt. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass dahinter ein Vorfall von ziemlicher Brisanz steckt: Ein Taxifahrer versucht zu verhindern, dass eine ausländische Familie in die Wohnung über ihm einzieht. Mit der Blockade der Einfahrt will er erreichen, dass sie das Klavier der Tochter nicht nach oben schaffen können. Roman und Tina versuchen die Situation zu schlichten. Da taucht auf einmal eine Gruppe türkischer Jugendlicher auf. Und auch der Taxifahrer erhält von Berufskollegen Verstärkung. Auf eine Provokation folgt die andere. Und plötzlich droht die Lage gewaltsam zu eskalieren...

Die ORF-Serienstrategie

Bereits seit einiger Zeit setzt der ORF sehr erfolgreich auf die Strategie, die naturgemäß begrenzten Mittel, die ihm für fiktionale Eigenproduktionen zur Verfügung stehen, auf einige wenige, dafür aber hochwertig produzierte Serien zu konzentrieren. Herausgekommen sind dabei Titel wie etwa „Vier Frauen und ein Todesfall“, „Braunschlag“ und „Schnell ermittelt“, welche beim einheimischen Publikum großen Zuspruch gefunden haben und mittlerweile auch international beachtet werden.

Mit CopStories versucht der Sender an diese Tradition anzuknüpfen, was von den Zuschauerzahlen her auch schon durchaus gelungen ist. Mit 611.000 Zuschauern war die Pilotfolge von CopStories die erfolgreichste Serie und (abgesehen von den Nachrichten) publikumsträchtigste Sendung im österreichischen Fernsehen am Dienstagabend. Weder die Champions League (351.000 Zuschauer) noch Two And A Half Men (192.000) kamen da auch nur annähernd heran. Schon vor dem Serienstart hatte der ORF nach Sichtung der Folgen die Bestellung einer zweiten Staffel beschlossen.

Adaption

Das Konzept zu CopStories basiert auf der holländischen Serie „Van Speijk“, welche 2006/2007 auf dem niederländischen Sender Talpa (heute RTL 8) gelaufen ist. Für die österreichische Fassung wurden laut Sender Drehbücher und Figuren „grundlegend adaptiert“. Ein naheliegender Vergleich mit einer deutschen Produktion wäre die RTL-Serie Abschnitt 40, auch wenn CopStories sicherlich nicht ganz so finster und grimmig daherkommt.

Der Piefke

Die Serie zeigt vielversprechende Ansätze, aber auch ein paar Schwachpunkte.

Kommen wir zunächst zum Positiven. Hier ist vor allem der durchgehende Handlungsstrang mit dem türkischstämmigen Polizisten Altan Uslu (Fahri Yardim, „Hannah Mangold & Lucy Palm“ und ab Sonntag neben Til Schweiger einer der neuen Ermittler im Hamburger Tatort) zu nennen.

Altan ist ohnehin schon die interessanteste Figur der Serie, da er gleich drei kulturelle Identitäten unter einen Hut bringt: Er ist ein Österreicher türkischer Abstammung, der in Deutschland aufgewachsen ist (für den deutschen Zuschauer hat das den faszinierenden Nebeneffekt, dass ausgerechnet „der Türke“ diejenige Hauptfigur ist, die man am besten versteht...). In den Augen seiner Kollegen ist er damit - nicht zuletzt wegen seiner eher liberalen Einstellung - sogar mehr ein „Piefke“ als ein „Türke“. In der Pilotfolge muss Altan feststellen, dass der Laden seines kleinen Bruders Efe (Deniz Cooper) von dem Heroindealer Theo (Dirk Riessberger) als Zwischendepot benutzt wird. Und schon bald wird klar, dass seine Familie in Wahrheit sogar noch sehr viel tiefer im organisierten Verbrechen drinsteckt.

Der Konflikt per se erinnert natürlich ein bisschen an „Im Angesicht des Verbrechens“, was aber nichts daran ändert, dass die Story spannend umgesetzt ist - und am Ende der zweiten Folge mit einem überraschenden Cliffhanger aufwartet (der hier nicht gespoilert werden soll), welcher den Zuschauer auf jeden Fall mit gespannter Neugier die Fortsetzung erwarten lässt. Es gibt wahrlich Schlechteres, was man über eine Serie sagen kann.

Johannes Zeiler und Fahri Yardim in %26bdquo;CopStories%26ldquo; © ORF
Johannes Zeiler und Fahri Yardim in %26bdquo;CopStories%26ldquo; © ORF

Rassismus

Thematisch wagt sich CopStories an einige durchaus heiße Eisen, wie etwa Integration und Rassismus. Das ist an sich schon mal eine sehr begrüßenswerte Sache. Wie die Serie mit diesen Themen umgeht, kann einem dagegen schon mal etwas Bauchschmerzen bereiten. Gerade in der Pilotfolge kommt die Auflösung viel zu überhastet und wenig plausibel daher: die Polizei spielt Weihnachtsmann und sorgt für ein neues Klavier. Das kleine Mädchen trägt mitten auf der Straße ein bisschen Bach vor. Die ethnischen Konfliktparteien, die sich gerade noch verprügeln wollten, lauschen andächtig Seit an Seit. Applaus. Konflikt gelöst. So so. Hier machen es sich die Autoren vielleicht ein bisschen sehr leicht.

Gleichzeitig kann man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass CopStories beim Alltags-Rassismus auf Seiten der Polizei gern mal ein Auge zudrückt. Die schikanöse Verkehrskontrolle bei einem dunkelhäutigen Autofahrer - nicht so schlimm. Außerdem ist er ja auch noch so frech und droht sogar mit dem Anwalt. Nein, so was aber auch! In CopStories hat man Autoritäten besser zu respektieren (der Verlust dieses Respekts ist auch wiederholt Gegenstand in Episoden-Subplots).

Autoritärer Führungsstil

Das demonstriert vor allem der neue Chef des Kommissariats, Oberst Bergfeld (Johannes Zeiler). Bevor er das Kommando übernimmt, herrscht auf dem Revier das reinste Chaos. Dann kommt er, der Macher, der starke Mann, die autoritäre Führungspersönlichkeit mit den klaren Ansagen - und schon läuft alles wie am Schnürchen. Er hält die gemeine, von political correctness verblendete Integrationsbeauftragte (Proschat Madani, Der letzte Bulle) in Schach. Und ist für seine Untergebenen die ebenso strenge wie beschützende Vaterfigur.

Es ist ja durchaus lobenswert, dass die Macher von CopStories über eine Alternative zum anti-autoritären Cop im Stile Schimanskis nachgedacht haben, der seit den 80er Jahren das Leitbild für den deutschsprachigen Fernsehkrimi gewesen, nun aber schon seit einiger Zeit in allen nur denkbaren Varianten auserzählt ist. Dass sie deswegen gleich zu Erik Ode zurückgehen mussten, ist dann aber vielleicht doch etwas übertrieben.

Fazit

Thematisch interessant, von den Lösungen her nicht immer überzeugend. So lässt sich der Eindruck zu CopStories eigentlich ganz gut zusammenfassen. Was die Serie auf jeden Fall schon mal über die meisten deutschen Copserien heraushebt, ist der Mut zu einem großen fortgesetzt erzählten Handlungsbogen, den man nicht zuletzt dank des gleichermaßen sympathischen wie interessanten Protagonisten gerne weiter verfolgt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 9. März 2013
Episode
Staffel 1, Episode 1
(CopStories 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Bahöh
Titel der Episode im Original
Bahöh
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 5. März 2013 (ORF 1)
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 5. März 2013
Regisseur
Paul Harather

Schauspieler in der Episode CopStories 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?