Copper 1x01

Das neue Projekt von Tom Fontana (Oz, Homicide: Life on the Street) und Barry Levinson ist die erste eigenproduzierte Drama-Serie für BBC America. Dabei ist Copper eigentlich ein paar Jahre alt. Ursprünglich entwickelten die beiden Autoren den Stoff für AMC vor fünf Jahren, aber der Sender entschied sich dagegen. Vielleicht spielte die Hell on Wheels-Bestellung eine Rolle, denn beide Serien weisen Ähnlichkeiten auf. Aber dazu kommen wir gleich.
Copper wurde fast komplett in Toronto abgedreht und etliche Bilder sind natürlich mit Hilfe einer Green Screen entstanden. Hin und wieder fällt diese Tatsache beim Zuschauen auf. Die Handlung dagegen versetzt uns in das Five-Points-Viertel in New York aus dem Jahre 1860, wo der irische Cop („Detektive“) und Bürgerkriegsveteran Kevin Corcoran (Tom Weston-Jones) seinen Aufgaben nachgeht. Das macht er zusammen mit Francis Maguire (Kevin Ryan) und Andrew O'Brien (Dylan Taylor). Schon am Anfang der Episode sehen wir, wie die Drei arbeiten: Zuerst schießen und dann „Polizei“ rufen.
In den schweren Zeiten nach dem Bürgerkrieg zögert man nicht lange, um ein Leben zu nehmen oder generell Sachen, um das eigene Leben zu erhalten. Auch die drei Detektives bedienen sich aus der Beute der von ihnen erschossenen Bankräuber, bevor sie den Rest ihren Vorgesetzten übergeben. Zwar ist man ein solches Polizeiselbstverständnis im heutigen Fernsehen nicht gewöhnt, aber für die Epoche, über die „Copper“ berichtet, ist das beinahe eine Selbstverständlichkeit.
Copper handelt unter anderem von diesen moralischen Grauzonen. Aber vorwiegend scheint sich die Serie für die Stellung des Menschen innerhalb dieser sich im Wandel glaubenden Gesellschaft zu interessieren. Zur High Society zu gehören, heißt, über dem Gesetz erhaben zu sein. Schwarze sind keine Sklaven mehr, aber der fähige afro-amerikanische Arzt (und hier eine Art Forensiker) namens Matthew Freeman (Ato Essandoh) kann die von Corky geforderte Obduktion eines toten Mädchens nur heimlich durchführen.
Copper gehört zu den Serien, die Zeit brauchen, um sich zu entfalten. Aus diesem Grund reißt die Pilotenepisode nur verschiedene Möglichkeiten an, aber bleibt letztendlich bei einem bewährten Konzept: Ein Held mit traumatischer Vergangenheit versucht, sie anhand der Fälle zu bewältigen. Wir erfahren, dass Corkys Frau entführt worden ist und seine Tochter getötet. Vermutlich wird die Suche nach der Frau und den Mördern seiner Tochter die rote Linie der ersten Staffel sein.
Und Corky bekommt mit dem Mord an dem kleinen Mädchen, das als Prostituierte arbeitete, auch gleich einen Fall, in den er sich mit Leib und - von den Erinnerungen gequälter - Seele reinhängt. Er bringt die Schwester des toten Mädchens in Sicherheit, nämlich zur Bordell-Besitzerin Eva (Franka Potente), bei der er selbst Zuflucht vor dem Alltag sucht. Die Geburt einer Ersatzfamilie für Corky? Bleibt abzuwarten. Denn die Spur führt ihn zu den Reichen und Mächtigen der Stadt, die seine Bemühungen dankend ablehnen. Der einzige Zugang, den Corky zu dieser Gesellschaftsschicht hat, ist seine Kriegskamerad, dem er das Leben gerettet hat, Robert Moorehouse (Kyle Schmid), dessen Vater New York in seiner Tasche hat.
Obwohl die Geschichte einen als Zuschauer nur zaghaft in ihren Bann reißt, sind die Figuren und die Atmosphäre gut geraten. Trotzdem wird die Entscheidung zwischen Erfolg und Misserfolg damit fallen, wie gut Copper Fiktion mit tatsächlichen Ereignissen aus jener Zeit verbindet. Bestenfalls so, dass die privaten und gesellschaftlichen Konflikte mit derselben chirurgischen Präzision seziert werden, welche der Arzt Freeman in dieser ersten Episode an den Tag legt.
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Verfasser: Mariano Glas am Montag, 20. August 2012(Copper 1x01)
Schauspieler in der Episode Copper 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?