Colony 2x13

Colony 2x13

Das Sci-Fi-Drama Colony toppt seine sehr gelungene erste mit einer exzellenten zweiten Staffel, in der die Einsätze noch einmal drastisch erhöht werden. Das Resultat: eine packende Erzählung mit unzähligen hochdramatischen Momenten, die gleichzeitig als eine Art Warnung funktioniert.

Josh Holloway und Sarah Wayne Callies in „Colony“ / (c) USA Network
Josh Holloway und Sarah Wayne Callies in „Colony“ / (c) USA Network
© osh Holloway und Sarah Wayne Callies in „Colony“ / (c) USA Network

We made different choices, but we all made them for the same reasons.“ Als Katie Bowman (Sarah Wayne Callies) in den finalen Zügen der Episode Ronin, der Abschluss der zweiten Staffel der Sci-Fi-Dramaserie Colony, diesen Satz von sich gibt, um in einer äußerst angespannten Situation das Wohl ihrer Familie sicherzustellen, wird die oberste Devise aller menschlichen Charaktere, die sich der Alien-Diktatur in diesem Drama unterworfen haben, mehr als deutlich: Überleben. Egal wie, egal zu welchem Preis. Am Ende ist sich doch jeder selbst der Nächste. Hauptsache man kann seine eigene Haut retten, in manchen Fällen vielleicht sogar noch die seiner Liebsten.

Um dieses Überleben zu meistern, in einer Welt, in der jeder Augenblick dein letzter sein kann, wird man vor mitunter unmenschliche, moralische Herausforderung gestellt. Man lässt sich hinreißen zu Verrat und Totschlag, zu abstoßender Skrupellosigkeit und Selbsterhaltung, die auf Kosten anderer Menschen geht. Wie es so weit kommen kann? Durch Angst, Terror und Hoffnungslosigkeit. Wo die erste Staffel von „Colony“ immer wieder Ansätze einer aufkeimenden Revolution und des menschlichen Widerstands gegen die außerirdischen Unterdrücker zeigte, kristallisiert sich zum Ende der zweiten Staffel heraus, dass es in dieser Dystopie in allererster Linie um das reine Überleben geht.

Live to fight another day

Natürlich sehen wir auch in Staffel 2, wie sich einzelne Gruppen der Besatzungsmacht und ihren treuen, menschlichen Anhängern zur Wehr setzen. Terror wird mit Terror bekämpft, der Widerstand ist dabei nicht besser als das Regime, das gestürzt werden soll. Früchte tragen die Bemühungen der radikalen Freiheitskämpfer letztlich nicht, eine verpackte Botschaft der Serienmacher Carlton Cuse und Ryan J. Condal, dass Gewalt nie die Antwort auf Gewalt sein kann und darf, so ausweg- und alternativlos die Situation auch scheint. Wenn der Umsturz in „Colony“ eines Tages gelingen soll (wobei ich das Gefühl habe, dass es tatsächlich nie darauf hinauslaufen wird), dann müssen sich die Menschen ihre Menschlichkeit und Moralität bewahren.

Nightmare

Das sagt sich als Außenstehender einfacher, als es in der Realität der Serie letztlich getan ist. „Colony“ versetzt einen als machtlosen Beobachter immer wieder in die mitunter extrem schwierigen Lebenslagen seiner Charaktere und wirft wie bereits in Staffel 1 die Frage auf: „Was würdest Du tun?“ Würde man gemeinsame Sache mit den Besatzern und ihren Vertretern machen, so wie zum Beispiel Josh Holloways Will Bowman, der lange Zeit seine Integrität für die Sicherheit seiner Familie eintauschte? Oder würde man sich wehren, den Kampf gegen die Windmühlen suchen und versuchen, zumindest einen kleinen Unterschied zu machen, jedoch in dem Wissen, dass das eigene Leben und das der Liebsten jederzeit vorbei sein kann?

Während „Colony“ in seiner zweiten Staffel eine oft actionreiche, tiefgründige, mitreißende Geschichte abspult, hängen diese Gedanken wie ein paar Wolken permanent über den Köpfen der Figuren sowie über dem Zuschauer. Mit jeder Entscheidung, jeder Handlung geht automatisch ein Abwägen der Konsequenzen einher. Für die beiden zentralen Protagonisten Will und Katie ist dieses aufreibende Dasein nur noch umso schwerer, da sie stets an ihre Familie denken müssen und so viel mehr verlieren könnten als zum Beispiel der gesuchte Brussard. Oder ist es die Pflicht der Bowmans, ihren Nachwuchs in diesen Widerstand mit einzubeziehen und die Unterdrückung nicht einfach so hinzunehmen, wie die Anführerin einer terroristischen Rebellion argumentiert?

Trailer zur zweiten Staffel von „Colony“:

USA Network
USA Network - © USA Network

All in

Was in Staffel 1 bereits sehr gut funktionierte, wird in der zweiten Staffel von Colony nahezu perfektioniert: Die Zuschauer werden auf wunderbare Weise in das Geschehen und dieses abscheuliches Szenario mit einbezogen. Nur, um dann immer wieder daran erinnert zu werden, dass es derartige Schreckenswelten, wie zum Beispiel Nazi-Deutschland, schon in Wirklichkeit gegeben hat und dass die Menschheit von der hier dargestellten Fiktion keineswegs gefeit ist. „Colony“ spricht fast schon eine deutliche Warnung aus, dass wir es nie so weit kommen lassen dürfen, uns von Angst, Misstrauen und reinen Selbsterhaltungstrieb steuern zu lassen.

Gleichzeitig zeigen die Macher aber auch in gewisser Weise ein Verständnis dafür, wie schwer es ist, in einer Welt wie der in „Colony“ standhaft zu sein und stets seinem moralischen Kompass zu folgen. Dieses Dilemma und die damit einhergehende Komplexität macht das Format so sehenswert, wenn auch immer wieder niederschmetternd und demoralisierend. Doch dann gibt es sie, diese kleinen Momente der Menschlichkeit, so zum Beispiel im Staffelfinale, als eine Eskalation an einem Checkpoint gerade noch verhindert werden kann, weil sich jeder der Beteiligten darauf besinnt, dass es ums Überleben geht und man nicht blind den Befehlen gesichtsloser Overlords folgen sollte, die sich eh nicht wirklich um das Wohl und Wehe ihrer menschlichen Untergebenen scheren.

The greatest day

In dieser Hinsicht präsentiert sich „Colony“ in seiner zweiten Staffel übrigens wesentlich brutaler und schockierender als noch zuvor. So hervorragend die Inszenierung von Regisseur Juan José Campanella in Ronin auch ist, die Szenen von den Menschenmassen, die jede Sekunde ausgelöscht werden, gehen unter die Haut und jagen einem einen Schauer über den Rücken. Ein anderes Beispiel ist der vermehrte Einsatz der Drohnen, die Delinquenten im Bruchteil einer Sekunde pulverisieren. Auch der Auftritt einer gespenstischen Sondereinheit der globalen Regierung, die sogenannten Back Jacks, tragen im letzten Drittel zu einem permanent bedrückenden Gefühl bei. Was sich in der ersten Staffel vergleichsweise „zahm“ gestaltete, nimmt nun neue, abstoßende Dimensionen an, um zu verdeutlichen, wie gefährlich und gnadenlos diese Welt ist.

Rats on a sinking ship

Was es wiederum nur umso schwieriger für unsere „Helden“ macht, zu bestehen und nicht komplett zu resignieren. Angetrieben von den Sorgen um ihre Kinder suchen Will und Katie einen Ausweg aus der Hölle. Zu Beginn der Staffel steht zunächst die Suche nach dem verschollenen Charlie im Mittelpunkt, was den Aspekt des Familiendramas von „Colony“ in den Vordergrund rückt. Dies gestaltet sich hier und da etwas holprig, aber es dauert nicht lange, da sind die Bowmans (teilweise) wiedervereint und ein neuer Schwung geht durch das Format, das sich dann mehr und mehr zu einem aufregenden Action-Drama wandelt, in dem sich die unterschiedlichen Charaktere auf den verschiedensten Seiten wiederfinden.

Dank durchgehend starker Kameraarbeit (den zwischenzeitlichen Höhepunkt markiert eine mehrminütige Plansequenz in der achten Episode, Good Intentions, als das Haus der Bowmans attackiert wird) und engagierten Darbietungen der Darstellerriege reißt einen die Serie folglich immer wieder ungemein mit. Da die Probleme, Ängste und Motive der Figuren so nachvollziehbar ausgearbeitet sind, bangt man stets mit ihnen mit. Die Identifikation mit den Charakteren ist ein Leichtes, weil eben wiederholt Bezug auf die Realität genommen und Situationen kreiert werden, in die man sich als Zuschauer ohne große Mühe hineinversetzen kann.

USA Network
USA Network - © USA Network

Loyal soldiers

Den Großteil der Arbeit schultern die überzeugenden Hauptdarsteller Josh Holloway und Sarah Wayne Callies, die in Staffel 1 von Colony ein Ehepaar im Konflikt miteinander spielte, jetzt aber gemeinsam an einem Strang zieht, um das Überleben ihrer Familie zu gewährleisten. Die Bowmans befinden sich nun zusammen auf der Flucht, nachdem Will endgültig bei seiner Arbeit auffliegt (es ist die absolut richtige Entscheidung der Macher, diesen Moment nicht unnötig hinauszuzögern). Wie zwei nimmermüde Dampfloks tankt sich das Duo von einer Stresssituation durch die nächste. Der absolute Wille beider Figuren, die Schreckensherrschaft der „Colony“ hinter sich zu lassen und ihren Kindern ein besseres, sichereres Leben zu bieten, macht sich hervorragend als Treibstoff für die Erzählung.

Sohnemann Bram (Alex Neustaedter) bekommt indes für weite Strecken einen eigenen Handlungsstrang, sehen wir ihn doch in einem Arbeitslager ein eher trostloses Dasein fristen. Die Geschichte dient vor allem dazu, Brams Bewusstsein für den Widerstand zu wecken und einen Einblick in das Geschehen hinter den Kulissen des Alien-Regimes zu gewähren. Brams Frustration ob der aktuellen Lage ist verständlich, sein Alleingang (er schließt sich einer Terrorgruppe an) aber etwas frustrierend, weil er trotz nobler Intentionen doch ein Stück weit wie ein bockiger Teenager dargestellt wird, der zu kurzfristig denkt und dabei seine Familie vergisst.

Wrong way

Als zwei vermeintliche „Underdogs“ der Serie, die der zweiten Staffel immer wieder ihren Stempel aufdrücken können, tun sich derweil Peter Jacobson als ehemaliger Proxy Snyder und Amanda Righetti als Katies Schwester Maddie hervor. Ersterer bekommt deutlich mehr als noch in der ersten Staffel zu tun und erfährt eine gründlichere Charakterisierung. Am Ende glaubt man tatsächlich kurz, dass er die Taten der Alien-Overlords nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann, nur um sich wenig später doch nicht wirklich zu wundern, dass er weiterhin sein eigenes Süppchen kocht und vor allem an sich selbst sowie seine persönlichen Ambitionen denkt. Snyder ist und bleibt die Inkarnation eines totalen Opportunisten, wobei die Serie zwischendurch immer wieder durchscheinen lässt, dass er die brutalen Methoden (die Kolonie ist eine reine Ressource für sie, gibt es zu viel Ärger, werden einfach alle Subjekte ausgelöscht) der außerirdischen Besatzer hinterfragt.

Outside

Hinsichtlich Maddie zeigt sich vor allem zum Ende der Staffel, dass ihr Charakter fast schon als ein warnendes Beispiel fungiert. Anstelle beherzt ihrem Gewissen und moralischen Überzeugungen zu folgen (so wie ihre Schwester), ist sie wie eine Fahne im Wind. Am Ende hat sie alles verloren, ihre zwischenzeitliche soziale Stellung, ihre Reputation, ihren Sohn. Es scheint wie eine überdeutliches Mahnmal der Macher, das in keiner Weise so verstanden werden sollte, als hätte sich Maddie dieses Ende aufgrund ihrer Taten völlig zurecht verdient. Vielmehr zeigt man uns nur einen von vielen verschiedenen Wegen, wie man in einer derartigen Welt überleben kann, zumindest für längere Zeit. Eine definitive Lebensgarantie besitzt jedoch niemand.

Eine dritte Staffel von „Colony“ wurde von Sender USA Network postwendend nach dem Finale der zweiten Staffel bestellt. Für die Bowmans geht es nun an der Seite des durchtriebenen Snyders raus aus der verdammten Kolonie. Im Gepäck haben sie eventuell den Schlüssel, um der Menschheit neue Hoffnung zu geben, während es nach wie vor mehr als genug Geheimnisse zu lüften gibt - sei es der Umstand, dass Will explizit im System der Besatzer vermerkt ist oder dass wir immer noch nicht wissen, wie diese wirklich aussehen oder ob sie denn gar existieren (die erste Szene von Ronin zeigt, dass sich unter der Maske eines „Host“ nur Schaltkreise befinden). Colony wird diese Fragen vielleicht beantworten. Vielleicht aber auch nicht. Und vielleicht muss sie es auch nicht. Das Sci-Fi-Drama wird von mehr als nur überraschende Wendungen und Schockmomenten definiert. Es sind die Charaktere, die erschreckenden Parallelen zu unserer Wirklichkeit und die Aufforderung an uns Zuschauer, uns mit diversen schwierigen Themen auseinanderzusetzen, die „Colony“ so sehenswert machen.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 14. April 2017

Colony 2x13 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 13
(Colony 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Totale Auslieferung
Titel der Episode im Original
Ronin
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. April 2017 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 20. Dezember 2017
Regisseur
Juan José Campanella

Schauspieler in der Episode Colony 2x13

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?