Colony 1x10

Colony 1x10

Das Sci-Fi-Drama Colony feierte am letzten Freitag einen sehenswerten Staffelabschluss und ließ viele Frage für die bereits bestellte zweite Staffel offen. Ein starke Prämisse, politisch aktuelle Brisanz und eine gute Darstellerriege machen die USA Network-Serie definitiv einen Blick wert.

Da kann man schon mal anstoßen: Josh Holloway und Sarah Wayne Callies in der sehenswerten 1. Staffel von „Colony“. / (c) USA Network
Da kann man schon mal anstoßen: Josh Holloway und Sarah Wayne Callies in der sehenswerten 1. Staffel von „Colony“. / (c) USA Network

Als vor einigen Wochen die Pilotepisode von Colony, dem Sci-Fi-Drama aus der Feder von Carlton Cuse und Ryan J. Condal, ausgestrahlt wurde, zeigte ich mich zunächst sehr angetan. Gleichzeitig machte sich aber auch ein wenig Skepsis breit: Würde man in der Lage sein, die Komplexität der Prämisse - die Menschheit steht unter der Kolonialherrschaft einer außerirdischen Diktatur - erfolgreich „auszuschlachten“? Können die Darstellerinnen und Darsteller der großen Herausforderung gerecht werden, die komplizierten Leben und vielschichtigen Probleme ihrer Charaktere glaubhaft zu tragen?

In beiden Fällen lautet die Antwort: ja. „Colony“ avanciert in seiner ersten Staffel zu einem spannenden Familiendrama, in dem der Sci-Fi-Unterbau nur zu einer Kulisse wird. Natürlich gibt es auch Phasen, in denen die Macher den Plot mit großen Tempo und gewaltigen Wendungen vorantreiben; Episoden, in denen Twist auf Twist folgt und man vielleicht sogar etwas zu viel des Guten will. Kehrt das Format jedoch zu seinen Protagonisten zurück, zeigt sich immer wieder ein hochinteressantes Dilemma für die Charaktere, die in unzumutbaren Umständen ein deprimierendes Dasein fristen, aus dem ein jeder versucht, auf seine Art und Weise einen Ausweg zu finden.

Real danger

Besonders erstaunlich ist dabei, dass die Prämisse - die Präsenz von außerirdischen, gesichtslosen Invasoren, die die Erde kolonialisiert haben und mit harter Hand über die Menschen herrschen - über die gesamte Staffel nicht an ihrem Reiz verliert und immer wieder ein Quell für packende Geschichten ist. Cuse und Condal gehen sehr geschickt mit diesem Element um und werfen zwischendurch immer wieder die Frage auf, wie man sich selbst in Zeiten dieser Unterdrückung verhalten würde. Würde man zum Schutz der eigenen Familie wie Will Bowman für die Alien-Besatzungsmacht und ihren verlängerten, menschlichen Arm auf Erden arbeiten und sich ihnen fügen? Oder würde man den Außerirdischen den Kampf ansagen, für Grund- und Menschenrechte eintreten und dem Widerstand beitreten, so wie Wills Ehefrau Katie?

Josh Holloway in %26bdquo;Colony%26ldquo;. © USA Network
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Pick a side

Colony“ gelingt es, stets beide Seite in gleichem Maße nachvollziehbar zu verbildlichen - mit all ihren Vor- und Nachteilen. Dies macht wohl auch eine der unbestrittenen Stärken der Serie aus. Das Format könnte dabei in der nahen Zukunft oder aber auch im frühen Imperialismus des 16. Jahrhunderts spielen, die Prämisse bleibt zeitlos fesselnd: Was würdest du tun, wenn eine außerordentliche Kraft dich deiner Rechte und Freiheiten beraubt und deinesgleichen brutal unterjocht?

Diese sehr einfache Frage ist der Treibstoff, der „Colony“ so viel Kraft und erzählerische Wucht gibt. Hervorragend und extrem angsteinflößend sind dann die vielen, fast schon beiläufigen Aufnahmen von den menschlichen Einsatztruppen, die gnadenlos die neue Ordnung des totalitären Alien-Regimes durchsetzen. Es sind oftmals nur kleine Augenblicke, die aber dermaßen effektiv sind und durch Mark und Bein gehen, dass es einen schon beinahe an Vorfälle brutaler Polizeigewalt durch hochmilitarisierte „Gesetzeshüter“ in unserer Realität erinnert. Friedvolle Versammlungen werden niedergeknüppelt. Bevor gefragt wird, wird geschossen. Bücher, die den Widerstandsgeist befeuern könnten, werden verboten, und diejenigen, die sie verbreiten, werden in die geheimnisvolle Factory jenseits der Erde abgeschoben oder sofort getötet. Eine grausige Vorstellung, die natürlich Erinnerungen an die dunkelsten Kapitel der eigenen Menschheitsgeschichte weckt.

Honourable men

Im Zusammenspiel mit dem ständigen Hin und Her zwischen Will und Katie, die eigentlich nur das Beste für sich und ihre Familie wollen, ihre persönlichen Überzeugungen aber nicht ignorieren können, zeigt sich Colony immer dann von seiner besten Seite, wenn die beiden Eheleute im Rahmen dieser Welt mit ihren Zielen und Sorgen aufeinandertreffen. Während sich die erste Staffelhälfte noch vornehmlich um die Jagd nach dem vermeintlichen Oberhaupt der Widerstandsbewegung widmet - weshalb den Autoren vor allem ein zackiger, wendungsreicher Plot wichtig ist -, rücken später (auch, weil Katie alsbald mit offenen Karten spielt und der fähige Will ihr ohnehin auf die Fersen kommt) die beiden Charaktere mehr in den Fokus - was zahlreiche nachdenklich stimmende Situationen nach sich zieht.

Lobende Wort gibt es vor allem auch für Josh Holloway, der waschechte Leading Man-Qualitäten an den Tag legt, als auch für Sarah Wayne Callies, bei der ich aufgrund früherer Darbietungen in anderen TV-Produktionen meine Zweifel hatte. Zum Ende der Staffel übertrumpft sie aber Holloway durch ihre oftmals sehr emotionale, authentische und kraftvolle Performance, bei der ihr innerlichen Kampf mit sich selbst - wenn sie gegen die Aliens ist, wird sie ihren verlorenen Sohn wohl nie wieder sehen, andererseits kann sie nicht tatenlos mit ansehen, welches Leid der Bevölkerung angetan wird - stets greifbar ist.

Uprising

Holloways Will zeichnet indes sein unbändiger Antrieb aus, seine Liebsten zu schützen. Doch sein Dasein als Ehemann und Familienvater geht über diese Verantwortung hinaus. Was für ein Mensch möchte er in dieser Welt sein, in der das Hausmädchen seine eigene Tochter mit Propaganda hirnwäscht und seine Mitbürger auf offener Straße niedergeschossen werden? Gerade zum Ende der Staffel sieht man eine gewisse Nachdenklichkeit in Will, die in der bereits bestellten zweiten Staffel noch viel mehr zum Tragen kommen könnte. Während seine Frau im Widerstand ihre Bestimmung gefunden zu haben scheint und dafür sogar einen temporäre Trennung von ihrem Gatten in Kauf nimmt.

Will (Josh Holloway) mit seinem Sohn Bram (Alex Neustaedter) in %26bdquo;Colony%26ldquo;. © USA Network
Will (Josh Holloway) mit seinem Sohn Bram (Alex Neustaedter) in %26bdquo;Colony%26ldquo;. © USA Network

Not in vain

So gut mir Holloway und Callies sowie die Entwicklung ihrer beiden Charaktere, die eigentlich das Gleiche erreichen wollen (die Sicherheit ihrer Kinder), gefallen hat, so sehr gibt es noch Luft nach oben bei den anderen Figuren. Der Handlungsstrang um Katies Schwester Madeline (Amanda Righetti) dümpelt zum Beispiel eine ganze Zeit vor sich hin und wird erst im letzten Moment sinnvoll mit der Hauptgeschichte verknüpft. Ähnliches gilt für den jungen Bram Bowman (Alex Neustaedter), der seiner Mutter in nicht viel nachsteht und Veränderungen bewirken will. Auch diese Figur wird zu Gunsten von Will und Katie leider etwas zu stiefmütterlich behandelt, wobei sich dies nach seiner Verhaftung am Ende der Staffel mit Blick auf die zweite Staffel verändern könnte.

Einen interessanten Versuch startete man unterdessen anhand des Charakters Proxy Alan Snyder, der zunächst wie ein kleines, machthungriges Ekel daherkommt, peu à peu aber vermenschlicht wird, indem man uns einen Einblick in dessen Leben gewährt. Sein Leben als Marionette der Besatzer ist bei Weitem nicht so prickelnd, wie angenommen, hängt er doch stets am seidenen Faden. Snyders Nebengeschichte und Charakterisierung fühlt sich dennoch etwas halbgar an, auch wenn die Idee richtig gewesen ist und Peter Jacobson ordentlich aufspielte. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir neben Wills und Katies Perspektive weiterhin die Sichtweise der anderen Seite bekommen würden, was in der Causa Snyder zwar probiert wurde, aber nicht immer vollends zufriedenstellend war. Wie wäre es zum Beispiel, den Blickpunkt eines „Redhead“ zu zeigen, der seine Berufung aufgrund seiner täglichen Gräueltaten immer mehr hinterfragt?

Dark ages

Die Möglichkeit für Cartlon Cuse und Ryan J. Condal für den weiteren Verlauf von Colony sind nahezu unendlich, was Fluch und Segen zugleich ist. Zum einen müssen die alten Stärken bewahrt und vielleicht sogar der ein oder andere Aspekt getilgt werden, um die Geschichte nicht zu sehr zu überladen. Zum anderen steht dann die schwierige Entscheidung an, die richtigen Prioritäten in dieser komplexen Welt und Erzählung zu setzen und sich zu überlegen, was die Zuschauer wirklich sehen wollen, ohne sich dabei als Serienmacher in einem Wust an vielversprechenden Ideen zu verstricken, die im schlimmsten Fall nur unzureichend ergründet werden. Die Factory ist so ein Beispiel. Eigentlich ist es eine ungemein spannende Frage, was diese genau ist. In der ersten Staffel bleibt das gesamte Konzept aber wahnsinnig abstrakt, sodass manch einer die Station auf dem Mond zum Ende der Staffel vielleicht sogar schon wieder vergessen hat.

Doch gehen wir positiv an das Ganze heran: Nach der mitunter extrem aufregenden ersten Staffel von „Colony“ ist nur bedingt abzusehen, wohin die Reise gehen wird - was in diesem Fall aber auch gut ist. Will macht sich auf die Suche nach seinem Sohn Charlie, der in Santa Monica als Straßenkind lebt, während Katie unter der Beobachtung versteckter Kameras (haben die außerirdischen Invasoren die gesamte Zeit von ihrer Delinquenz gewusst?) im Familienhaus verbleibt - im Übrigen ein großartiges Schlussbild, wie die verlassene Katie am gedeckten Familientisch steht und langsam gen Boden sinkt. Bram droht ein unschönes Schicksal, Maddy könnte dank ihrer amourösen Beziehung zu Burgess (Adrian Pasdar) gesellschaftlich aufsteigen und Broussard (Tory Kittles) - ein skrupelloser, felsenfest entschlossener und konsequenter badass - bleibt wohl dem Widerstand treu.

Lockdown

Zugegeben, ich war schon ein klein wenig frustriert, als uns der Blick auf das tote Alienwesen verwehrt blieb, das Broussard und seine Truppe so mühevoll besorgt haben. Doch dieses Geheimnis hat man sich wohl nicht umsonst aufgespart, ebenso wie ein etwas genauerer Blick hinter die Mauern der Kolonie, von deren Art es in den USA und der Welt anscheinend noch viele andere gibt. Man merkt dem Format hier den deutliche Mystery-Charakter an (Carlton Cuse bleibt Carlton Cuse). Spannend wird nun sein, ob man den richtigen Zeitpunkt finden kann, die verschiedenen Mysterien aufzulösen, oder alles unnötig in die Länge zieht, was dann eher zu Frustmomenten führen würde.

Sarah Wayne Callies in %26bdquo;Colony%26ldquo;. © USA Network
Sarah Wayne Callies in %26bdquo;Colony%26ldquo;. © USA Network

Retribution

Die Serienmacher haben aber mit ihrer ersten Staffel von „Colony“ bewiesen, dass sie über ein gutes Gespür verfügen und einer bekannten, zeitlosen Ideen etwas Frisches und Unverbrauchtes geben können. Das Geheimnis dafür liegt wie so oft im Seriengeschäft in den Charakteren, mit denen man immer wieder mitfühlt und für deren Probleme, Dilemmata und Herausforderungen man sich interessiert. Zusammen mit einem schlichten visuellen Stil, der das urbane Setting sehr effektiv einfängt, wird „Colony“ zu einem sehenswerten Low Sci-Fi-Format, das so manchen emotionalen Volltreffer landen kann.

Verbesserungspotential gibt es ohne Frage, gleichzeitig nötigt mir Colony aber auch Respekt ab, hat man doch selten im Fernsehen ein derartig realistische, furchterregende Umsetzung einer dystopischen Kolonialherrschaft, in der der Mensch wie ein Käfer jederzeit von einer übergeordneten Macht zerquetscht werden könnte, gesehen. Diese in jedem verankerte Grundangst machen die Serienschöpfer Cuse und Condal zu ihrer Triebfeder, sodass das Publikum nicht nur teilnahmelos zusieht, sondern selbst zu einem Teil der Geschichte wird, zumindest gedanklich. Und wenn einer Serie dies gelingt, dann ist sie definitiv auf dem richtigen Weg.

Wie hat Euch die erste Staffel von „Colony“ gefallen? Welche Momente fandet Ihr besonders gut, welche weniger toll? Und was wünscht Ihr Euch für die zweite Staffel? Schreibt es in die Kommentare!

Trailer zur ersten Staffel von „Colony“:

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 21. März 2016

Colony 1x10 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 10
(Colony 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Der VIP
Titel der Episode im Original
Gateway
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. März 2016 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 8. November 2017
Regisseur
Nelson McCormick

Schauspieler in der Episode Colony 1x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?