Chucky 1x08

Chucky 1x08

Chucky- und Horrorfans sollten sich die Serie über die Mörderpuppe aus der bekannten Slasher-Filmreihe nicht entgehen lassen. Im Gegensatz zum Kino-Reboot von 2019 kehrte hier Franchise-Schöpfer Don Mancini mit vielen seiner Stars zurück, um weiterzuspielen. Was für ein Mordsspaß das ist, verraten wir Euch im Staffelreview.

Poster zur Serie Chucky (c) Syfy/USA Network
Poster zur Serie Chucky (c) Syfy/USA Network
© oster zur Serie Chucky (c) Syfy/USA Network

Serien zu beliebten Filmfranchises oder Revivals älterer Formate sind heute nichts Besonderes mehr, sondern im Gegenteil oft ein Ärgernis, und sie kommen im seltensten Fall an das Original heran. So rollten nicht wenige Horrorfans mit den Augen, als es hieß, Syfy und das USA Network würden eine TV-Serie zum Thema „Chucky - Die Mörderpuppe“ produzieren lassen. Umso erfreulicher ist es, nun berichten zu können, dass die Chucky-Serie nicht nur eine würdige Fortführung der „Child's Play“-Saga darstellt, sondern der größte Horrorspaß sein könnte, den man in diesem Jahr auf dem Fernseher miterlebt.

Franchise-Schöpfer Don Mancini, der seit 1988 an Bord ist und auch oft Regie führte, kehrte dafür in vollem Umfang zum Stoff zurück und erzählt zwar eine komplett neue Geschichte mit einem jungen Nachwuchs-Cast, knüpft aber auch direkt an „Cult of Chucky“ von 2017 an und lässt dazu altbekannte Gesichter sowie Fanfavoriten am Slasher-Spaß teilhaben. Staffel eins ging gerade nach acht Episoden im US-Fernsehen zu Ende und eine zweite wurde zum Glück auch schon bestellt. Hidey-ho!

Wanna Play?

Nach der ersten Episode war ich in meinem Pilotreview noch davon überzeugt, die Serie würde für sich stehen, einen ganz eigenen Weg einschlagen und Chucky früher oder später als psychologisches Hirngespinst von Protagonist Jake (Zackary Arthur) entlarven, der zum Killer wird, weil ihm die eingebildete Good-Guy-Puppe blutrünstig zuredet. Stattdessen entpuppt sich die Serie als direkte Fortsetzung zur Filmreihe, was es Neulingen nicht immer einfach macht, auf Fans aber umso befriedigender und attraktiver wirkt. Chucky ist Chucky in all seiner tapsigen, mörderischen Puppenpracht und alles, was wir sehen, passiert wie gesehen ohne doppelten Boden. Das ist auch völlig in Ordnung, denn die Serie weiß ganz genau, wo sie im B-Movie-Pantheon des Horrormediums einzuordnen ist und hat unendlich viel Vergnügen mit ihren oft charikaturgleichen Charakteren, grotesk-kreativen Kills und ihrem ungehobelten, mordgeilen, zuckerputzigen Titelschurken.

Syfy/USA Network
Syfy/USA Network - © Syfy/USA Network

Als einer der wenigen prominenten, schwulen Horror-Autoren ließ Mancini auch einige persönliche Erfahrungen und Gefühle in seinen oft gehänselten Teenhauptcharakter Jake aus der Kleinstadt Hackensack einfließen. So ist das erste Chucky-Opfer der homophobe Vater Lucas (Devon Sawa), woraufhin Jake bei seinem Onkel Logan (ebenfalls Sawa) und seinem Cousin Junior (Teo Briones) einzieht, denn seine Mutter ist auch schon lange nicht mehr am Leben. Juniors Freundin ist ausgerechnet das populäre Mean-Girl Lexy (Alyvia Alyn Lind), die Jake als Hänselopfer schon immer auf dem Schirm hatte, im Laufe der Handlung aber zu seiner unverhofften Alliierten im Kampf gegen Chucky wird.

Der dritte im Bunde Eingeweihter ist der junge True-Crime-Podcaster Devon (Björgvin Arnarson), in den Jake ein wenig verliebt ist, was sogar erwidert wird, wie sich herausstellt. Wer braucht schon unzählige, generisch-attraktive The CW-Gays und ihre langweiligen Liebschaften, wenn man zwei adorkable Teenagern beim ersten Crush zusehen kann und wie sie sich darüber unterhalten, wer das beste final girl in Horrorfilmen ist? Endlich normale Leute, wie ein deutscher Philosoph einst sagte, und ein sehr effektives Stück aufrichtiger Repräsentation, durch das einem regelrecht Angst und Bange um unsere liebenswerten, queeren Horrorkids wird, die ausnahmsweise nicht von Mittzwanzingern, sondern echten Jugendlichen gespielt werden. Der erste ungeschickte Kuss der beiden ist dann auch reinster Zucker und, wie Mancini seinen beiden Darstellern verriet, nicht der erste Kuss, wie er ihn hatte, sondern wie er ihn sich gewünscht hätte...

Es dauert natürlich nicht lange, bis Jake als Besitzer von Chucky, den er auf einem Gartenflohmarkt aufgegriffen hat, um seinen Kopf für eine Kunstskulptur zu verwenden, verdächtigt wird, da Leichen seinen Weg pflastern. Chucky versucht auch, ihn zum Killer auszubilden, merkt aber bald, dass er sich an Jake die Zähne ausbeißt, der durchaus schlummernden Groll gegen einige Mitmenschen hegt, aber doch irgendwo einen Schlussstrich zieht. Sogar, wenn es darum geht, Lexy den Garaus zu machen. Warum Chucky sich nicht nur selbst durch die Serie schnetzelt und killt, sondern auch den Nachwuchs rekrutieren will, hat übrigens einen guten Grund, wie am Ende der Season herauskommt...

Your Friend 'Til the End

Können wir kurz darüber reden, wie toll Brad Dourif ist? Der unvergleichlich Chucky-Sprecher, ohne dessen Stimme das Franchise zur halb so viel Charme besäße, wurde schon für seine frühe Rolle in „Einer flog über das Kuckucksnest“ für einen Oscar nominiert, mischte in David-Lynch-Projekten wie „Dune“ und „Blue Velvet“ mit, machte Grima Schlangenzunge aus „Der Herr der Ringe“ zu einer der erinnerungswürdigsten Performances der Saga und Beyond the Sea zu einer der besten Episoden von The X-Files. Dass ein Schauspieler seines Kalibers nach all den Jahren immer noch zu einer Horroralbernheit wie „Chucky“ zurückkehrt (sogar im Rahmen einer Serie) und er sich stimmlich immer noch so ins Zeug legt, wenn er das kleine, charismatische Puppenarschloch vertont, ist ihm hoch anzurechnen.

Seine Tochter Fiona Dourif ist seit „Curse of Chucky“ in der Rolle der querschnittsgelähmten Nica Pierce an Bord, die seit „Curse of Chucky“ von einem Teil der Chucky-Seele besessen ist. Fiona spielt hier also ihre alte Filmfigur, imitiert aber gleichzeitig ihren Vater mit dessen Sprechweise und Manierismen. Das ist aber immer noch nicht alles: In Flashbacks wird die Hintergrundgeschichte des notorischen Serienkillers Charles Lee Ray beleuchtet, ehe er seine Seele per Voodoo in die erste Chucky-Puppe transferierte. In diesen Rückblenden wird Charles ebenfalls von Fiona dargestellt, die mit ein paar Gesichtsprothesen und etwas Bart-Make-up tatsächlich wie ihr Vater früher aussieht. Das Übersynchronisieren mit der Originalstimme funktioniert nicht zu hundert Prozent, insgesamt ist der Effekt aber wirklich beeindruckend. Ganz abgesehen von der tollen Idee, die natürliche Familienähnlichkeit auszunutzen, wie es zuletzt auch im The Sopranos-Film „The Many Saints of Newark“ geschah. Hier ein Featurette über den familiären Casting-Clou:


Wer allerdings absolut die Schau stiehlt und on screen mehr Spaß hat als alle anderen, ist Jennifer Tilly. Die Schauspielerin und professionelle Pokerspielerin mit der schrillen Stimme spricht die Chucky-Gefährtin Tiffany Valentine seit „Bride of Chucky“, ist aber mittlerweile als sie selbst zu sehen, nachdem Tiffs Seele in die fiktionalisierte Version der Darstellerin geschlüpft ist. Sie steckt noch immer mit Chucky unter einer Decke und hat große Pläne mit einer ganzen Armee von Good-Guy-Puppen, auch wenn sie insgeheim immer mehr Gefallen an Nica findet. Fragt mich aber nicht, ob die Tatsache, dass Tiffany im Körper von Nica Sex mit Charles hat, während die Figur von der Tochter des Originaldarstellers gespielt wird, eher auf ein übernatürlich-queeres Spektrum oder in eine Meta-Inzest-Kategorie fällt. Sagen wir: It's complicated...

How the Slasher Sausage Is Made

Wie bei den sympathischsten B-Movies mit praktischen Effekten, sieht man im Fall der „Chucky“-Serie immer wieder die Nähte des Filmemachens, was kein Minus, sondern ein absolutes Plus ist. Die Good-Guy-Animatronikpuppen können je nach Szene und verwendetem Modell unglaublich ausdrucksstark sein, auch wenn die eher gleitenden Schritte über den Boden nicht immer überzeugend aussehen und die kleinen Ärmchen nicht immer besonders flexibel wirken. Nur ganz selten wird mit Computeranimation nachgeholfen. Das ist aber auch gut so, denn nichts schlägt den Charme eines Schauspielers, der versucht, einen Chucky mit einfach nur monoton strampelnden Beinchen von den Schultern abzuwerfen.

Realistisch sind die Kills, so kreativ sie oft sind, sowieso nicht. Ein Opfer, das Chucky im Krankenhaus mit benutzten Spritzen ersticht, fängt zum Beispiel an, aus den Augen zu bluten, während ein anderes, das er nur von unten durch einen Kinosessel in den Hintern sticht, stirbt und durch den Mund blutet. Das ansprechend-bunte Set-Design und die verspielte Inszenierung machen allerdings von Anfang an klar, dass wir uns in einer erhöhten, comichafteren Version der Realität befinden, in der makaberes Amüsement an oberster Stelle steht. Das bezeugt auch der Soundtrack mit seinem witzigen On-the-Nose-Einsatz von Popsongs (beispielsweise Icon for Hire mit „Off with Her Head“ während einer Enthauptung) und der geradezu schamlose Einsatz von offensichtlichen Filmreferenzen, von „Cape Fear“ über „Frankenstein“ bis hin zu „The Shining“.

Syfy/USA Network
Syfy/USA Network - © Syfy/USA Network

Das Staffelfinale (An Affair to Dismember), in dem es gilt, Chucky und Tiffany davon abzuhalten, eine ganze Good-Guys-Armee auf die Welt loszulassen, bleibt leider etwas hinter den aufgebauten Erwartungen der unsagbar unterhaltsamen ersten Season zurück. Zum einen, weil es nicht zum großen Showdown mit der aktivierten Chucky-Armee kommt, zum anderen, weil manche allzu dramatischen Szenen mit dem unerfahrenen Jung-Cast im Gegensatz zum übrigen, verspielteren Ton der Serie etwas flachfallen. Hier hat man sich vielleicht etwas zu viel vorgenommen und auch die sonst absolut passable Nachwuchsbesetzung etwas überfordert. Zum Glück wurde aber schon ordentlich Vorarbeit für die zweite Staffel geleistet, die dann gerne etwas früher im Jahr starten darf, damit nicht der Großteil der Staffel wieder nach Halloween läuft...

Fazit

Die erste Staffel der Chucky-Serie von Mörderpuppenerfinder Don Mancini ist ein regelrechter Triumph, sowohl für das Horrorgenre als auch das langjährige „Child's Play“-Franchise. Kreative Kills mit praktischen Effekten, die auch Chucky mit altbekannter Stimme von Brad Dourif zum Leben erwecken, tun einiges, um bei Slasher-Fans Pluspunkte zu sammeln. Hinzu kommt ein sympathischer, wenn auch unerfahrener Cast an jungen Charakteren, die einem im Laufe der Zeit mehr ans Herz wachsen, als man es bei einem Format über Mörderspielzeug erwarten würde. Da es sich bei der Serie um eine direkte Fortsetzung zur Filmreihe handelt, in der bereits etablierte Figuren vorkommen und erwähnt werden, kann es für Neulinge etwas verwirrend werden, dank Kontexthinweisen, integrierter Flashbacks und zur Not dem Child's Play Wiki muss das aber keine unüberwindbare Hürde sein, die „Chucky“-Serie nicht gegebenenfalls zum Einstieg in das Franchise zu machen.

Wenn Ihr auch zum „friend 'till the end“ von Chucky werden möchtet, müsst Ihr nur noch bis zum 9. Januar 2022 warten, bis das hiesige Syfy die Serie als Deutschlandpremiere zeigt. Hier noch mal der Originaltrailer:

Hier kannst Du „Cult of Chucky“ bei Amazon.de kaufen

Cult of Chucky

Verfasser: Mario Giglio am Samstag, 4. Dezember 2021

Chucky 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Chucky 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Killerarmee
Titel der Episode im Original
An Affair to Dismember
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 30. November 2021 (Syfy)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 9. März 2022

Schauspieler in der Episode Chucky 1x08

Darsteller
Rolle
Zackary Arthur
Bjorgvin Arnarson
Alyvia Alyn Lind
Teo Briones
Brad Dourif
Fiona Dourif
Christine Elise
Alex Vincent

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