Chucky 1x01

Chucky 1x01

Die Mörderpuppe Chucky ist zurück, aber nicht in Film-, sondern in Serienform. Doch gleich die erste Episode des Syfy-Horrorformats macht es kompliziert, denn: Tötet wirklich das mörderische Püppchen oder der gehänselte Teenager, der in Chuckys Besitz kommt?

Szenenfoto aus der Serie Chucky (c) Syfy
Szenenfoto aus der Serie Chucky (c) Syfy
© zenenfoto aus der Serie Chucky (c) Syfy

Die Horrorkomödienreihe „Child's Play“ aka „Chucky - Die Mörderpuppe“ läuft fast durchgängig seit 1988, wobei Franchise-Schöpfer Don Mancini seit „Seed of Chucky“ („Chuckys Baby“) von 2004 zwar dreimal Regie führte, allerdings nichts mit dem Reboot von 2019 zu tun hatte. Mit der Syfy-Serie Chucky, die als mehr oder weniger direktes Sequel zum bisher letzten Teil „Cult of Chucky“ von 2017 gilt, meldet sich Mancini nun zwar zurück, aber keine Sorge: Die angenehme Horrorüberraschung, welche passend in den Halloween-Monat Oktober gelegt wurde, benötigt keinerlei Vorkenntnisse.

Als der offizielle Trailer zur Serie veröffentlicht wurde, vermuteten wir ganz richtig, dass man sich scheinbar eine dicke Scheibe bei „A Nightmare on Elm Street 2: Freddy's Revenge“ abgeschnitten hat, der etwas aus der Reihe tanzt, was die Slasher-Reihe angeht und mehr oder weniger offenlässt, ob die Hauptfigur Jesse (Mark Patton) tatsächlich von Traumkiller Freddy Krueger (Robert Englund) besessen ist oder ob sich die mörderischen Tendenzen metaphorisch als Teil seiner unterdrückten Bedürfnisse manifestieren. Dass eine Menge homoerotischer Subtext in dem Film steckt, gilt heutzutage als Horrorkonsens und wurde unter anderem in der Doku „Scream, Queen! My Nightmare on Elm Street“ aufgegriffen, in der es um den schwulen Hauptdarsteller und seine komplizierten Gefühle zur Rolle geht. Doch während „Elm Street 2“ hauptsächlich mit Subtext arbeitete, schnappt die „Chucky“-Serie sich dieses Konzept und drückt sich etwas konkreter aus.

Syfy
Syfy - © Syfy

Wir lernen den 14-jährigen Teenager Jake Wheeler (Zackary Arthur) kennen, der eine alte Good-Guy-Puppe auf einem Gartenflohmarkt ersteht, um sie in einem seiner makabren Kunstwerke zu verarbeiten. Jake steht auf Horrorkram, ist nicht ganz Goth, aber wenigstens etwas Emo-mäßig angefinstert und versucht mit seiner Kreativität, seiner verstorbenen Mutter ein wenig nahe zu sein, die ebenfalls Künstlerin war. Sein verständnisloser Dad Lucas (Devon Sawa), der auch ein Trunkenboldrabenvater aus einer Stephen-King-Geschichte sein könnte, macht sich eher Sorgen, dass sein Junge mit Puppen spielt und will gar nicht erst hören, dass Jake schwul sein könnte...

An seiner Schule, die von klassischen TV-Bullys besiedelt ist, nimmt man ebenfalls an, dass Jake auf Jungs stehen könnte, aber das scheint nicht der einzige Grund zu sein, warum er am laufenden Band gehänselt wird, denn schließlich hat sein geouteter Kumpel es viel leichter im Alltag und auch sein wohlhabender Onkel Logan (ebenfalls Sawa) scheint beim unangenehmen Familiendinner kein größeres Problem mit der Vorstellung zu haben, auch wenn Überfliegercousin Junior (Teo Briones) sich die eine oder andere Spitze nicht verkneifen kann. Hinzu kommt aber, dass Jake eben ein bisschen sonderlich rüberkommt und darüber hinaus aus einem armen Haushalt stammt, was das Abzieh-Mean-Girl Lexy (Alyvia Alyn Lind), die Freundin des populären Cousins, regelrecht riechen kann und keinen Versuch auslässt, ihn zu demütigen. Beste Bedingungen also für ein doppelbödiges bis schizophrenes Puppentheater der blutigen Art...

Immer wieder gibt es Momente, in denen Chucky seine Augen bewegt oder nicht mehr an der Stelle zu finden ist, an der man ihn abgestellt hat. Richtig in Bewegung kommt die sprechende Retro-Puppe aber erst, als Jake während einer Talentshow von Lexy bloßgestellt wird und er kurzerhand mit seinem neuen besten Freund die Bühne betritt, um eine skandalöse, Geheimnisse enthüllende Stand-up-Show als Bauchredner abzuhalten. Doch handelt es sich wirklich um einen Teenager mit besessener Dämonenpuppe oder drückt Jake nur seinen heruntergeschluckten Hass auf seine Mitschüler:innen durch Chucky aus? Zwar wird der „Origin Story“ aus den Filmen und Serienkiller Charles Lee Ray, dessen Seele klassischerweise in Chucky verweilt, Tribut gezollt (und Genre-Liebling Brad Dourif ist sogar wieder als Stimme der Puppe dabei), aber die vermeintlich übernatürliche Angelegenheit scheint hier nicht komplett eindeutig zu sein.

Die Pilotfolge Death By Misadventure tut ein Gutes daran, diese Frage nicht konkret zu beantworten und hat nicht nur unglaublich viel Spaß mit dieser köstlichen Ambivalenz, sondern auch mit ihrer gesamten Präsentation. Wir bekommen klassische wipes als Übergänge, Spinnenweben vor der Kamera, amüsante Kamerawinkel aus Chuckys Perspektive, gelungene Schnitte, die seine unsichtbaren Bewegungen in der ersten Hälfte der Folge kaschieren und gegen Ende gibt es sogar eine visuelle Tapetenreferenz auf Twin Peaks, weil Harley Peyton neben Mancini als Executive Producer fungiert.

Vibes, die schon früh andeuten, dass an Jakes queerness wohl doch etwas dran sein wird (ehe seine Schwärmerei für einen True-Crime-Podcaster und Schulkameraden offensichtlich wird) gibt neben Details in seinem mit Bedacht ausgerichteten Schlafzimmer übrigens auch der Soundtrack ab, der mit „Copycat“ von Billie Eilish den Auftakt einläutet, aber auch „Personal Hell“ von Kim Petras erklingen lässt und clever „How Villains Are Made“ von Madalen Duke platziert, als Jakes Vater dessen Kunstprojekt zerstört. Befriedigenderweise wird Dad dann aber auch das erste Opfer von Chucky und/oder Jake, was durch einen kreativen Kill am Ende der Episode geschieht, der dem Slasher-Genre auf amüsante Weise mehr als gerecht wird, denn Puppenkotze plus offene Leitungen ergibt „AUTSCH“!

Fazit

Wer mit dem Chucky-Reboot, das 2019 in die Kinos kam, nichts anfangen konnte, könnte mit der neuen Mörderpuppenserie von Syfy versöhnt werden. Franchise-Vater Don Mancini übernimmt hier erneut das kreative Ruder der Horrorcomedy und liefert neben absolut solider Regie, die nur so vor witzigen Einfällen und cleveren Genre-Eigenheiten strotzt, einen interessanten Spin, was die Story über die mörderische Puppe angeht. Vorkenntnisse scheinen dabei nicht notwendig zu sein, Fans des Kultklassikers „Nightmare on Elm Street 2“ werden allerdings die Ambivalenz des angerichteten Blutbads zu schätzen wissen, das eventuell auf Konto des psychisch labilen Besitzers geht. „Chucky“-Fans hingegen können sich in den übrigen Folgen auf einige Referenzen und Cameo-Auftritte altbekannter Charaktere aus der Filmreihe freuen.

Hier abschließend der Trailer zur Serie „Chucky“, die seit gestern auf dem amerikanischen Syfy ausgestrahlt wird:

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Cult of Chucky

Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 13. Oktober 2021

Chucky 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Chucky 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Killer im Kleinformat
Titel der Episode im Original
Death by Misadventure
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. Oktober 2021 (Syfy)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 19. Januar 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 19. Januar 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 19. Januar 2022

Schauspieler in der Episode Chucky 1x01

Darsteller
Rolle
Zackary Arthur
Bjorgvin Arnarson
Alyvia Alyn Lind
Teo Briones
Brad Dourif
Alex Vincent

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