Chicago Justice 1x01

Chicago Justice 1x01

In den USA ist ein weiterer Ableger des Chicago-Franchise gestartet. Chiacgo Justice feiert seine Premiere mit einer Crossover-Folge mit Chicago Fire und Chicago PD, die emotional in den Fall involviert sind.

Philip Winchester und Monica Barbaro in „Chicago Justice“ / (c) NBC
Philip Winchester und Monica Barbaro in „Chicago Justice“ / (c) NBC
© hilip Winchester und Monica Barbaro in „Chicago Justice“ / (c) NBC

Letzte Woche erweiterte sich das Chicago-Franchise von NBCs Dick Wolf um eine weitere Fernsehserie - Chicago Justice. Diese stellt den vierten Ableger des Franchise dar und wird bereits in der ersten Episode mit zwei der anderen Mitglieder durch eine Crossover-Folge mit Chicago PD und Chicago Fire verknüpft.

Konflikt der Moral

Die erste Folge startet damit, dass der Zuschauer sofort ins Geschehen geworfen wird und erst einmal gar nicht weiß, was genau los ist. Man bekommt eine aufgewühlte Pressemeute vorgesetzt, die den Staatsanwalt, der sich dem Gerichtsgebäude nähert, mit Fragen drangsaliert. Im Gerichtssaal ist dieser sichtlich überrascht, als der Angeklagte keinen Anwalt will. Dabei sind im Hintergrund aufgelöste Angehörige seiner Opfer zu hören, die ihn mit seine Tat konfrontieren. Was er genau getan hat, ist bis dahin noch nicht klar, wird jedoch Stück für Stück in der Pilotfolge offenbart: Der Angeklagte hat angeblich bei einem Rave ein Lagerfeuer in Brand gesetzt, dabei mehrere Jugendliche verletzt und 39 getötet - darunter auch Olinskys (Elias Koteas) Tochter Lexi (Alina Jenine Taber).

Dieser tragische Umstand führt dazu, dass die stets angewandte Methode des Chicago PD und deren Umgang mit moralischen Dingen thematisiert und durch den Staatsanwalt hinterfragt wird. Denn die Ermittler des Chiacgo PD sind wie immer so vorgegangen, dass sie den Befragten entweder auf unkonventionelle und illegale Art und Weise dazu bringen, ein Geständnis abzulegen oder ihm einfach ein Geständnis unterschieben. In diesem Fall wollte Voight (Jason Beghe) seinem Freund und Kollgen Olinsky die Rache gewähren, die er verdient, indem er ihm ein Geständnis unterschiebt. Wie so oft lässt sich das Team also von unprofessionellen und emotionalen Entscheidungen leiten, die in diesem Fall Konsequenzen haben. Denn Peter Stone, der Staatswanwalt, der für diesen Fall zuständig ist, will das „Geständnis“ für die Gerichtsverhandlung nicht zulassen, da er es unmoralisch findet und es auch eine Verletzung des Gesetzes darstellt, dem er sich stets beugt. Dadurch entsteht ein offenkundiger Konflikt. Denn der Staatsanwalt muss seinen Fall ohne ein Geständnis aufbauen, will dabei aber trotzdem noch seinem Polizisten-Kollegen zur Gerechtigkeit verhelfen.

Dabei findet Stone schnell eine andere Strategie, um den Angeklagten dingfest zu machen. Sein Plan ist es, das Gericht auf einen Artikel aufmerksam zu machen. In diesem wurden Vorwürfe geäußert, dass es bei den Raves in dem Lagerhaus, in dem der Brand gelegt wurde, zu sexuellen Übergriffen kommen würde. Stones Gedanke hierbei ist, dass der Angeklagte Dylan Oates (Peter Coventry Smith) als Kind sexuell missbraucht wurde und sich nun rächen wollte, indem er einen Ort, an dem solche Übergriffe passieren, niederbrannte.

Hierfür will er den Journalisten, der diesen Artikel geschrieben hat, aussagen lassen. Der jedoch erpresst ihn mit einer Affäre, die er mit einer verheirateten Frau hatte. An dieser Stelle des Verfahrens muss sich der Staatsanwalt einer Entscheidung stellen - soll er den Journalisten aussagen lassen und riskieren, dass er die Affäre publik machen wird oder soll er den Mantel des Schweigens über seine Affäre legen und dabei aber auch riskieren, dass er den Fall verlieren wird? Stone entscheidet sich letzten Endes dazu, den Journalisten zu einer Aussage zu zwingen, da er sich den Opfern gegenüber verantwortlich sieht und seine Affäre an dieser Stelle unwichtig ist.

Staatsanwalt Stone (Philip Winchester)
Staatsanwalt Stone (Philip Winchester) - © NBC

Als dieser nun vor Gericht aussagt und der Anwalt des Verdächtigen ihn nicht in ein Kreuzverhör bringen will, wird der Staatsanwalt argwöhnisch und verdächtigt den Anwalt, dass er das die ganze Zeit geplant hatte. An dieser Stelle wird deutlich, wie sowohl der Anwalt als auch der Staatsanwalt gestrickt sind. Der Anwalt wird an dieser Stelle als ein rational denkender Mensch dargstellet, der die Welt und Gerichtsverfahren in schwarz-weiß sieht. „What happens in the court room is a zero-sum-game. There are winnes and losers. Period.“ Im Gegensatz dazu sieht Stone die moralische Seite des Falles - 39 Kinder sind tot - und versucht diesen die Gerechtigkeit zu geben, die sie verdienen, indem er ihren Mörder zu Fall bringt. Er sieht sich als Underdog, der an die Opfer denkt, während er im Gericht steht. Er ist der Einzige, der den Opfern ihren Frieden und Gerechtigkeit bringen kann und wird alles dafür tun.

They are all irrelevant to me

Während der Folge können die Polizisten des Chicago PD einen entscheidenden Hinweis finden, der zur Lösung des Falles beiträgt. Der Angeklagte hat kurz vor der Brandstiftung länger mit einem der Opfer - Tamra Collins (Jazlyn Yoder) - geredet. Dylan Oates hat dieses Mädchen per Facebook gestalkt. Nachdem er von ihr einen Korb erhalten hatte, baute er über Monate so viel Wut auf sie auf, dass er sich dazu entschied, einen Brand zu legen, mit dem er sie verletzen oder sogar umbringen könnte.

Der Angeklagte Dylan Oates (Peter Coventry Smith)
Der Angeklagte Dylan Oates (Peter Coventry Smith) - © NBC

Während er ein Einsiedler-Leben führte, lebte sie ein Leben mit Freunden und Spaß - etwas, das er nicht hatte und dafür sollte sie büßen. Der Staatsanwalt kann schließlich den Angeklagten dazu zwingen, auszusagen, da er bereits vorher unbeabsichtigt eine Aussage vor Gericht gemacht hat. In diesem Verhör konfrontiert er Dylan so direkt mit seinem einsamen Leben und dem wundervollen und erfüllten Leben seiner Obsession Tamra, bis dieser schließlich vor Gericht in einen Wutanfall ausbricht und sein vorher so perfektes Pokerface zerfällt, womit der Fall quasi entschieden ist. Diese Szene wird, wie so viele Szenen der Folge, emotional dargestellt, indem die Kamera immer wieder auf Olinsky gerichtet wird, der sich verzweifelt danach sehnt, dass Oates so schnell wie möglich und so lange wie möglich hinter Gitter kommt. Die Folge endet damit, dass der Angeklagte den Staatsanwalt während seines Schlussplädoyers angreift, als ihn dieser erneut provoziert, indem er sein Motiv für die Brandstiftung darlegt.

Fazit

In der ersten Folge des neuen Mitglieds des Chicago-Franchise steht die Moral im Vordergrund. Diese wird durch die Hauptrolle der Serie - den Staatsanwalt - repräsentiert. Der Staatsanwalt besitzt einen starken Moralkompass und hält sich im Gegensatz zu den Polizisten des Chicago PD auch an die Regeln. Während die Einheit von Hank Voight gerne auch mal eine gesetzliche Grenze beim Lösen eines Falles überschreitet, lässt das Staatsanwalt Stone nicht zu. Dadurch präsentiert uns „Chicago Justice“ einen starken, zielstrebigen und sympathischen Charakter, der den Fokus und den moralischen Leitfaden für die Serie, aber auch für die Zuschauer darstellt. Somit wird hier ein klarer Gegenpol zu der Serie „Chicago PD“ gesetzt.

Die restlichen Charaktere der Serie bleiben in dieser Folge zunächst nur karge Zeichnungen, die jedoch in den nächsten Folgen noch genauer beleuchtet werden können - schließlich hatte Chicago Justice nur 40 Minuten Zeit, um die Grundpfeiler für die Serie zu legen und hat dabei eben eindeutig den Fokus auf den sympathischen Hauptdarsteller gelegt. Ein weiteres Element der Episode ist die starke Dramatisierung des Falles durch die Betonung der Emotionen durch Olinsky. Jedoch ist das für das Chicago Franchise nicht ungewöhnlich. Es ist wohl kein Geheimnis, dass dieses zur dramatischen Darstellung neigt. Ob diese übertrieben ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Für den weiteren Verlauf der Serie stellen sich mehrere Fragen: Inwieweit wird der moralische Kompass von Stone in den weiteren Folgen eine Rolle spielen bzw. ein Problem darstellen, wenn er wieder mit einem Fall zu tun bekommt, in dem die Polizisten des „Chicago PD“ die Grenzen des Gesetzes etwas ausgedehnt haben? Wird sich dieser Konflikt in den nächsten Folgen vielleicht noch vergrößern? Und inwieweit wird sich das neue Mitglied in das Chicago-Franchise einbinden? Wird wie sonst auch eine Beziehung (Familie, Liebe, …) zu einem Charakter aus einer anderen Chicago-Serie hergestellt? Und wird die Serie dem Schema der anderen Serien des Chicago-Franchise folgen?

In der Pilotfolge von Chicago Justice wird uns ein dramatischer und emotionaler Fall geboten, in dem uns der Staatsanwalt als Moralkompass dient.

Verfasser: Maike Karr am Montag, 6. März 2017

Chicago Justice 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Chicago Justice 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Im Namen des Volkes
Titel der Episode im Original
Fake
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 1. März 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 13. Juni 2017
Autor
Michael S. Chernuchin
Regisseur
Donald Petrie

Schauspieler in der Episode Chicago Justice 1x01

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