Charmed (2018): Review zum Auftakt des Hexen-Reboots

© auberhafte Reboot-Hexen im neuen „Charmed“ (c) The CW
Hexen sind aktuell wieder höllisch im Trend, weshalb es dieses Jahr, pünktlich zu Halloween, Neuauflagen von sowohl Charmed als auch Sabrina, the Teenage Witch unter die Lupe zu nehmen gibt. Den Anfang macht die Macht der Drei mit einem Reboot von The CW, welches die Halliwell-Schwestern gegen das Vera-Gespann austauscht und die Handlung von San Francisco in die kleinere Studentenstadt Hilltowne verlegt.
Wer allzu sehr an an der Vorlage aus den 90er Jahren hängt, hat sie vermutlich eine Weile nicht gesehen. Während sie als recht charmante Genrekost ihrer Zeit begann, verkam die Serie in den späteren Staffeln zum durchwachsenen Eitelkeitsprojekt der gleichzeitig als Producer fungierenden Hauptdarstellerinnen. Die Magieregeln waren von Anfang an ärgerlich inkonsistent und der oberflächliche Popfeminismus beschränkte sich meist auf ein genervtes Augenrollen samt des Ausspruchs „Urgh, Männer...“, was durch zweidimensionale, frauenfeindliche Strohmannfiguren legitimiert wurde.
Vom neuen Charmed (2018) durfte man also zuallermindest Hollywood-Lippenbekenntnisse zur #MeToo-Bewegung erwarten. Damit gab sich Showrunner Jennie Snyder Urman (Jane the Virgin) jedoch nicht zufrieden. Die Serie bekennt sich stattdessen vollkommen zu ihrer Rolle als Kommentar zum aktuellen Kampf um Frauenrechte, macht ihre Politik selbstbewusst zum Herzstück des Auftakts und beweist somit von Anfang an richtig Eier(stöcke). Wird das Ganze ganz schön mit dem Hexenhammer serviert? Natürlich. Es ist eine US-amerikanische Networkserie über Magierinnen, die zähnefletschende Männerdämonen auseinanderzaubern. Daran hat sich nichts geändert.
The Pilot of Three
Anders als in der Originalserie ist es nicht die Großmutter, deren Tod die Handlung in Gang setzt, sondern der Mord an der weitaus jüngeren Mutter Marisol (Valerie Cruz), was das Leben der Schwestern Mel (Melonie Diaz) und Maggie (Sarah Jeffery) komplett aus der Bahn wirft. Mels Beziehung zu ihrer Freundin Niko (Ellen Tamaki) geht daraufhin in die Brüche und Maggie wendet sich voller Schuldgefühle ihrer Studentinnenbewegung zu. Die Dritte im Bunde ist Halbschwester Macy (Madeleine Mantock), die für ihr Studium gerade erst nach Hilltowne gezogen ist und das Vera-Haus zufälligerweise aus einem alten Foto wiedererkennt. Bisher hatte sie angenommen, ihre leibliche Mutter sei, als sie klein war, ums Leben gekommen. Anschluss findet sie nun zumindest bei Mel und Maggie.

Der Tod der Mutter und das erste Aufeinandertreffen der drei Schwestern aktiviert ihre Zauberkräfte und ruft den Wächter des Lichts (Whitelighter) Harry (Rupert Evans) mit einigen Erklärungen auf den Plan. Mel kennt ihn bereits aus der Universität, an der er zu ihrem Ärger zum Chef der Instituts für Women's Studies gemacht wurde. Anders als Schutzengel Leo wirkt er mit seiner britischen, lehrerhaften Art mehr wie Mentor Giles aus Buffy the Vampire Slayer. Er erklärt den Schwestern das Buch der Schatten, ihre Rolle als Charmed Ones und dass sie 48 Stunden haben, um zu entscheiden, ob sie ihre Kräfte annehmen. Gleichzeitig sind mit dem Tod ihrer Mutter und der Wahl des aktuellen US-Präsidenten (ja, wirklich) zwei von drei Zeichen der Apokalypse erfüllt worden. Das dritte zu verhindernde Zeichen sei das Erwachen der Quelle des Bösen (Source of All Evil) - damals ein Staffelendgegner, der sich mehrfach als überraschend leicht zu besiegen entpuppte.
Was ihre Persönlichkeiten angeht, lassen sich keine direkten Parallelen zwischen den Halliwells und den neuen Charmed Ones ziehen, es fallen lediglich Ähnlichkeiten auf. Während die feministische Aktivistin Mel mit ihrer kämpferischen Art ein wenig an die aufbrausende Piper (Holly Marie Combs) erinnert und auch ihre Kraft des Zeiteinfrierens besitzt, ist Maggie das gedankenlesende Girly-Girl der Gruppe. Diese ist am ehesten mit Phoebe (Alyssa Milano) zu vergleichen, die sich auch stets ein normales Leben wünschte und zu Anfang die entfremdete Schwester darstellte. Macy hingegen ist pragmatisch wie Prue (Shannen Doherty) und besitzt ihre Telekinese, nimmt aber eher die Rolle der später hinzugedichteten Halbschwester Paige (Rose McGowan) ein. Ihr Charaktergimmick ist es, der skeptische Nerd zu sein, der sämtliche Zauberei am liebsten wissenschaftlich wegrationalisieren oder zumindest erforschen möchte.

Über den Anhaltspunkt eines Dämonenhundes nehmen die Schwestern zunächst an, das Oberhaupt der Studentenverbindung sei ein von bösen Geistern besessener Mensch, der es auf sie abgesehen hat. Stattdessen entpuppt sich kurz darauf Maggies aufdringlicher Exfreund Brian (Charlie Gillespie) als erster Gegner, was nicht subtil, aber effektiv mit einer Lektion zum Thema consent bei sexuellen Handlungen gekoppelt wird. Als big bad entpuppt sich jedoch der alte Professor Thaine (Robert Pine), der trotz Anschuldigungen sexueller Belästigung gerade seinen Job zurückbekommen hat und in Wirklichkeit ein Eisdämon ist, der inklusive seines Frostspeers mehr als nur ein wenig an einen gewissen White Walker aus Game of Thrones erinnern soll...
Die zauberhaften Schwestern nehmen schließlich ihre magische Bestimmung an und wenden erstmals die Macht der Drei an, um es mit dem eisigen Patriarchat-Buhmann aufzunehmen. Für den Mord an der Mutter will er aber nicht verantwortlich sein. Stattdessen wirft der erste Cliffhanger Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Mentor Harry auf...
Fazit
Die Pilotfolge von Charmed (2018) vollbringt noch nicht viel mehr, als die zentralen Charaktere sowie die aktivistische und leichtherzige Gesinnung der Serie vorzustellen. Das tut sie aber sehr gründlich und mit einem sehr angenehmen Erzählfluss, der die erste Stunde wie im Besenflug vergehen lässt. Auch kann bereits echte Chemie zwischen den neuen „Charmed Ones“ festgestellt werden, ohne dass sie zu allzu offensichtlichen Vergleichen zu den Figuren aus der Urserie einladen.
Mit ihrem feministischen Anstrich hält die Serie angenehmerweise kein bisschen hinter dem Berg, was dermaßen selbstbewusst geschieht, dass man es eigentlich nur respektieren kann. Zuschauer werden sehr schnell merken, ob sie hierbei mit an Bord sind oder eben nicht. Substantieller als in der Originalserie fühlt sich der Ansatz jetzt schon an, auch wenn er natürlich seine Grenzen hat. Schließlich lassen sich systemische Ungerechtigkeiten gegen Frauen nicht einfach aus der Welt zaubern. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Platz für kathartische Unterhaltung gibt, in der drei junge Damen dem Patriarchat stellvertretend eins auf die Zwölf geben.
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