Chambers: Review der Pilotepisode

© ivan Alyra Rose in „Chambers“ (c) Netflix
In der von Akela Cooper (Grimm, The 100) als Showrunner betreuten Netflix-Mysteryserie Chambers von Leah Rachel erleidet die lebenslustige Schülerin Sasha (Sivan Alyra Rose) trotz ihres jungen Alters einen Herzinfarkt, als sie gerade zum ersten Mal mit ihrem Freund schlafen möchte. Dank eines befremdlich schnell organisierten Spenderherzens überlebt sie den medizinischen Notfall und ist einige Zeit später wieder auf den Beinen, als die wohlhabende Familie Lefevre Kontakt zu ihr und ihrem Vater (Marcus LaVoi) aufnimmt. Ihrer Tochter Becky (Lilliya Scarlett Reid), die kurze Zeit zuvor ums Leben kam, gehörte das rettende Spenderorgan...
Organspenden in Filmen und Serien sind immer so eine Sache. Vor allem, wenn wir uns im Genre Mystery oder Horror befinden, denn zumeist bekommt man nicht nur das benötigte Organ, sondern obendrein ungewollte Visionen der verstorbenen Vorbesitzer, die einem irgendetwas sagen sollen. Anders ist es auch nicht im Fall von „Chambers“, bei welchem Sasha bald von Albträumen und Halluzinationen inklusive Spenderin Becky heimgesucht wird. Unangenehmer wird die Situation nur noch dadurch, dass Familie Lefevre zum gemeinsamen Essen ins Nobelanwesen einlädt und ganz offenbar Aspekte der toten Tochter in der Empfängerin des Herzens sehen möchte. Hier prallen dann doch Welten beziehungsweise Gesellschaftsschichten aufeinander. Man bietet ihr sogar das hochkarätige Stipendium der Tochter an, das Sasha, die mit ihrer besten Freundin viel bodenständigere Pläne geschmiedet hatte, nur widerwillig annimmt.

Hauptattraktion im Cast ist ohne Frage Uma Thurman, die als trauernde Mutter Nancy Lefevre in wenigen Momenten der Auftaktfolge Into the Void einiges aus ihrer Rolle herausholt. Schon in ihrer ersten Szene, in der sie vor einem Spiegel trainiert, durch ihr Trauergesicht hindurch freundlich zu lächeln, macht sich ihr Engagement bezahlt. Der Rest des Casts wirkt noch etwas hölzern und gestelzt, besonders die beiden Vaterrollen.
Der von Tony Goldwyn gespielte Ben Lefevre macht sich im Übrigen durch gleich mehrere Auffälligkeiten verdächtig. Deuten seine kryptischen Tätowierungen und der esoterische Schnickschnack im Anwesen auf eine Art übernatürlichen Kult hin? Wozu hatte er eine Kamera in Sashas Zimmer versteckt, wenn nicht aus offensichtlichen Spannergründen? Und wie konnte Sasha überhaupt ein Spenderherz von Becky erhalten, wenn sie angeblich durch einen tödlichen Elektroschock in der Dusche ums Leben gekommen war, der die Transplantation unmöglich machen müsste?
Fazit
Chambers muss sich auf den ersten Blick den Vergleich zur herrlich verschwurbelten Netflix-Mysteryserie The OA gefallen lassen, will aber im Gegensatz dazu mehr in die Horrorecke und tappt dabei leider in ein paar gängige Genrefallen. Viel zu abgedroschen wirken Stilmittel wie die unheimliche Klimpermusik oder die Gruselvisionen mit der Vorbesitzerin des verfluchten Spenderorgans. Effektiv kommen hingegen die klaustrophobischen Close-ups während der unangenehmen Dinnerszene herüber und auch sonst kann sich die Produktion auf technischer Ebene sehen lassen. Von der Ästhetik bis hin zum Synthpop-Soundtrack, der direkt aus der Black Mirror-Folge San Junipero stammen könnte, fühlt sich alles sehr nach der Marke Netflix an. Um zu fesseln, muss die Serie aber spätestens ab der zweiten Folge mehr auffahren als aufgewärmte Horrorklischees.
Hier abschließend der Trailer zu „Chambers":