Catch-22 Staffel 1 Episodenguide: Alle Folgen im Überblick!

Catch-22 Staffel 1

Catch-22 Staffel 1 Episodenguide

Review zu Catch-22 Staffel 1

Der wahre Feind eines jeden Soldaten ist die Willkür der Entscheidungsmacht. Für den fiktiven amerikanischen B-25-Bomber John Yossarian, der während des Zweiten Weltkrieges auf der italienischen Insel Pianosa stationiert ist, sind tatsächlich nicht die Deutschen das Problem, sondern seine Vorgesetzten, die ihn von einer Selbstmordmission zur nächsten schicken. Wenn es doch nur einen Ausweg gäbe, doch - und das macht Joseph Heller in seinem legendären Roman „Catch-22“ überdeutlich: Einen Ausweg gibt es nicht, abgesehen vom Tod natürlich.

Absurdität im Konzept Krieg zu finden, ist einfach - denn, was ist schon absurder als Krieg? -, aber echte Komik da zu finden, wo sonst nur Gewalt und Elend herrschen, ist nahezu unmöglich. Hierzulande scheint es geradezu ungeheuerlich, den schlimmsten Krieg der letzten hundert Jahre und die Gräueltaten Nazi-Deutschlands auch nur im Entferntesten mit Humor in Verbindung zu bringen. Obwohl natürlich jeder weiß, dass einen Tyrannen wie Hitler vermutlich nichts mehr verärgert haben dürfte als Charlie Chaplins Parodie seiner lächerlichen Selbstinszenierung im Film „Der große Diktator“.

Der Autor Heller, der selbst im Krieg mitkämpfte, bewies in seinem viel gelobten Werk aus dem Jahr 1961 trotz der genannten Risiken großes Fingerspitzengefühl. Nazis spielen in seiner Geschichte ohnehin eine untergeordnete Rolle, vielmehr geht es um die amerikanischen Kombattanten und italienische Zivilisten. Und trotzdem ist die mediterrane Idylle nur ein Trugbild, denn der Tod lauert an jeder Ecke - oder im Fall der tapferen Männer des 256. Fluggeschwaders der U.S. Air Force: hinter jeder Wolke. Die neue Hulu-Miniserie Catch-22, die das Buch nun einmal mehr adaptiert, macht diese allgegenwärtige Gefahr fraglos spürbar, lässt dafür aber andere Aspekte etwas unausgegoren.

Hinter dem Format steht niemand Geringeres als George Clooney, der nicht nur den Fiesling Colonel Scheisskopf (sic!) spielt, sondern auch bei zwei der insgesamt sechs Episoden Regie führt. Die anderen vier übernehmen Grant Heslov, der zudem als Doc Daneeka zu sehen ist, und Ellen Kuras. Das Drehbuch steuern derweil Luke Davies und David Michôd bei.

„He was going to live forever, or die in the attempt."

Zunächst zum Titel der Serie, der derselbe wie beim Buch ist. Der sogenannte „Catch-22“ beschreibt ein Dilemma, das in Sachen Ungerechtigkeit seinesgleichen sucht. Es funktioniert wie folgt: Soldaten, die geistig unzurechnungsfähig sind, dürfen nicht am Krieg teilnehmen. Die Regularien verlangen allerdings, dass sie selbst um ihre Entlassung bitten müssen. Doch die Bitte um Entlassung selbst beweist im Umkehrschluss, dass der Soldat zurechnungsfähig sein muss, da er klar genug denken kann, um sein eigenes Leben schützen zu wollen. Soll heißen: Egal, ob geistig gesund oder nicht, jeder Soldat muss kämpfen.

Szenenbild aus Catch-22: Colonel Cathcart (Kyle Chandler) schmuggelt feinste italienische Tomaten.
Szenenbild aus Catch-22: Colonel Cathcart (Kyle Chandler) schmuggelt feinste italienische Tomaten. - © Hulu

Jeder Soldat hat seine eigene Überlebensstrategie: Der eine stürzt sich furchtlos ins Gefecht, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden (oder, weil er tatsächlich geistig unzurechnungsfähig ist), der andere versucht, so schnell wie möglich im Rang aufzusteigen, um die Zeit statt an der Front am Schreibtisch abzusitzen. Wieder andere versuchen sich hingegen in der Kunst der Täuschung, indem sie etwa Verletzungen vorspielen, die gar nicht existieren. Unser Protagonist Yossarian, gespielt von Christopher Abbott, gehört zu dieser dritten Kaste, wechselt später aber in eine der anderen beiden...

Wann immer er einen Plan ausheckt, um endlich nach Hause reisen zu können, sind die Konsequenzen katastrophal. Nicht zufällig sterben rechts und links von Yossarian alle seine besten Freunde - der wohl traurigste der vielen Running Gags der Serie. Deutlich besser ergeht es da seinem Kameraden Milo Minderbinder (Daniel David Stewart), der mit Cleverness zum Verpflegungsoffizier der Einheit aufsteigt und gemeinsam mit dem autoritätssüchtigen Colonel Cathcart (Kyle Chandler) ein internationales Handelsimperium aufbaut. Auch er hat einen Running Gag: Wann immer er jemandem erklärt, wie sein Geschäft genau funktioniert, überschallen Flugzeugrotoren das Gespräch.

Doch Catch-22 macht humortechnisch auch hin und wieder vom Holzhammer Gebrauch. Bestes Beispiel ist die Figur eines gewissen Sergeant Major Major Major (Lewis Pullman), der seinen Vor-, Mittel- und Nachnamen einem Witz seines Vaters verdankt. Wer weiß, ob dieser so vorausschauend gedacht hat, aber aufgrund der Verwirrung rund um den Namen seines Sohnes wird Sergeant Major Major Major zum Major Major Major Major befördert. Dieser Gag wurde wie das meiste Material direkt aus der Buchvorlage übernommen, allerdings wird er in der Serie deutlich weniger subtil ausgespielt.

„Just because you're paranoid doesn't mean they aren't after you."

Mehr als 50 Flugeinsätze absolviert Yossarian im Lauf der Serie. Und jedes Mal, wenn sein Soll fast erfüllt ist, stockt der cholerische Colonel Cathcart das Pensum weiter auf. Anfangs wollte Clooney den Charakter spielen, entschied sich aber später dann für Scheisskopf und ließ somit seinem Kollegen Chandler den Part, der als Motivationsredner ein paar lustige Antiparallelen zu seiner alten Rolle als Coach Taylor in Friday Night Lights darbietet. Statt „Clear eyes, full hearts, can't lose!“ heißt es diesmal: „Wer hat Lust für sein Land zu sterben? Hurra!“ Auch diesen Punkt soll die Geschichte untermauern: Je höher der Rang, desto bekloppter der Mann. Dieses Dilemma wäre dann wohl ein „Catch-23“ oder so ähnlich.

Auch der dritte hochrangige Charakter, nämlich Major de Coverley, gespielt von Hugh Laurie, ist ein wenig durchgeknallt. Auch er gehört zur Fraktion der Opportunisten. Wann immer die USA eine neue Stadt in Italien eingenommen haben, fliegt er als Allererster hin, um sich günstige Immobilien zu erschleichen. Somit findet er letztendlich auch sein ironisches Ende: Nachdem der listige Yossarian die Angriffslinie in den Norden von Bergamo verschiebt, um einen Luftangriff auf die Faschistenhochburg abzublasen, denkt der Major, dass die Stadt nun den Amerikanern gehört und spaziert schnurstracks in feindliches Gebiet. Ob er stirbt oder nur gefangen genommen wird, erfahren wir nicht. Dass Laurie als wohl geübtester Komödiant im Cast so früh verschwindet, ist allerdings ein herber Verlust für die Serie.

Szenenbild aus Catch-22: Captain Yossarian (Christopher Abbott) in seinem stillen Protest.
Szenenbild aus Catch-22: Captain Yossarian (Christopher Abbott) in seinem stillen Protest. - © Hulu

Tatsächlich werden die meisten Tode in der Serie zunächst als Witz inszeniert, selbst, wenn die Umstände objektiv betrachtet noch so tragisch sind. Der erste Tod mit emotionaler Auswirkung ereignet sich erst im Finale. Ein wenig unglaubwürdig ist das schon, zumal es sich hierbei um eine Figur handelt, die Yossarian kaum kennt, während viele andere Opfer enge Freunde von ihm waren. Allerdings soll hiermit wohl auch unterstrichen werden, wie sinnlos und repetitiv die Tragödien im Krieg erscheinen. Heute stirbt der eine und morgen der andere. Der Draufgänger McWatt (Jon Rudnitsky) spricht sogar von einem Zahlenspiel.

Obwohl, für einen trifft das natürlich nicht zu, nämlich für Yossarian, der trotz der waghalsigen Luftschlachten stets die sprichwörtliche Drehbuchrüstung („plot armor“) trägt, da er als Hauptfigur nicht so einfach sterben kann. Um ihn macht man sich wirklich selten Sorgen, was problematisch ist, da sich die gesamte Serie um seinen absurden Überlebenskampf dreht. Nur einmal gerät er tatsächlich in Gefahr, doch selbst da endet das Ganze in einem Witz: Die Schusswunde hätte ihn nur beinahe seine Testikel gekostet, was wohl auch als Anspielung darauf zu verstehen ist, dass die Figur sich feige verhält. Gelingt es ihm am Ende trotzdem noch, den Dienst zu quittieren, dessen er so überdrüssig ist?

Fazit

Alles in allem präsentiert die Hulu-Miniserie Catch-22, die nach dem Mike-Nichols-Film von 1970 und dem Comedypilot mit Richard Dreyfuss von 1973 nun die dritte Adaption des berühmten Joseph-Heller-Buches darstellt, ein zerrissenes Gesamtbild. Die Regisseure Clooney, Heslov und Kuras fangen zweifelsfrei die Schrecken des Krieges ein, was man beispielsweise über den Film „Monuments Men - Ungewöhnliche Helden“, der auch im Zweiten Weltkrieg spielt und ebenfalls von Clooney inszeniert wurde, nicht behaupten kann. Auf der anderen Seite gelingt es nicht ganz so gut wie in der Vorlage, den für die Geschichte charakteristischen Humor auf intelligente Weise einzuflechten.

Dass es sich hierbei um ein Herzensprojekt von Clooney handelt, merkt man bereits an der Musikauswahl. Aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauern dürfte nicht entgangen sein, dass durch den Song „No Love No Nothin'“ so etwa seine Tante Rosemary Clooney zum Einsatz kommt. Ebenfalls zu hören sind Klassiker wie „We'll Meet Again“ von Vera Lynn und „Massachusetts“ von Anita O'Day. Insgesamt unterstreichen die Lieder den distinkten Stil der Serie, eine Mischung aus traurigen Texten und beschwingten Rhythmen - oder mit Blick auf die Serie selbst: traurige Bilder und beschwingte Texte.

Auch, wenn das Buch wie so oft auch im Fall der neuen Miniserie Catch-22 deutlich besser gelungen ist als die Adaption, lohnt sich das Ansehen trotzdem. Für Hulu, ein Streamingservice, der in Deutschland gar nicht erhältlich ist, ist die hochwertige Produktion nach The Handmaid's Tale ein weiteres Ausrufezeichen hinter den eigenen Ambitionen. Einen Filmstar wie George Clooney nicht zurück ins Fernsehen, sondern sogar ins Internet zu holen, ist eine Leistung für sich.

Hierzulande erscheint die Miniserie in ihrer Gänze am kommenden Freitag, den 24. Mai beim Prime-Video-Channel Starzplay.

Hier abschließend noch der deutsche Trailer zur neuen Hulu-MiniserieCatch-22:

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«Catch-22» Trailer

Catch-22 Staffel 1 Episodenguide

1x01 – Episode 1
24. Mai 2019

Yossarian (Christopher Abbott) und seine Freunde wollen Flieger in Kalifornien werden, bevor sie zum militärischen Stützpunkt der Air Force, der italienischen Insel Pianosa, gesandt werden. 19... weiterlesen

1x02 – Episode 2
24. Mai 2019

Yossarian (Christopher Abbott) wendet sich an einen Freund, um nach Hause gesendet zu werden. Unterdessen sieht Milo Minderbinder (Daniel David Stewart) den Krieg mit anderen Augen: als eine... weiterlesen

1x03 – Episode 3
24. Mai 2019

Yossarian (Christopher Abbott) bringt unnötig viel Energie auf, um eine gefürchtete Mission zu vermeiden. Doch eine Katastrophe kommt trotzdem auf ihn zu, genau als er es am Wenigsten erwartet. weiterlesen

1x04 – Episode 4
24. Mai 2019

Auf einem surrealen Ausflug realisiert Yossarian (Christopher Abbott) das Ausmaß und den Einfluss, den Milos (Daniel David Stewart) Firmenimperium besitzt. weiterlesen

1x05 – Episode 5
24. Mai 2019

Noch von der gewalttätigen Tragödie schockiert, trifft Yossarian (Christopher Abbott) auf eine unfassbare Dunkelheit in Rom und steht vor einer unmöglichen Entscheidung. weiterlesen

1x06 – Episode 6
24. Mai 2019

Lebendig und unversehrt wird Yossarian (Christopher Abbott) von einem alten Widersacher hintergangen. Ein niederschmetternder Verlust ruft eine grundlegende Veränderung in ihm hervor. weiterlesen

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