Casual 1x01

Casual 1x01

In der Pilotepisode der neuen Hulu-Comedy Casual erzählen Serienschöpfer Zander Lehmann und Regisseur Jason Reitman von den Unwägbarkeiten des Singlelebens. Das machen sie so warmherzig und klug, dass man sofort mehr davon sehen möchte.

Die Hauptfiguren von „Casual“ pflegen eine ungewöhnlich intime Beziehung. / (c) Hulu
Die Hauptfiguren von „Casual“ pflegen eine ungewöhnlich intime Beziehung. / (c) Hulu

Nachdem der amerikanische Streamingdienst Hulu nun auch immer stärker ins Geschäft mit fiktionalen Serienformaten eingestiegen ist, könnte man davon ausgehen, dass man dort dem Ausstrahlungsmodell der Konkurrenz folgt. Macht man aber nicht. Statt wie bei Netflix und Amazon an einem einzigen Tag werden die neuen Episoden von Casual im Wochenrhythmus zur Verfügung gestellt. Der große Vorteil dieses ursprünglichen Modells liegt auf der Hand: Es wird länger darüber geschrieben, geredet, diskutiert.

Cold and alone

Der Nachteil jedoch ist: Als Zuschauer kann man nicht einfach weiterschauen, wenn man das gerne möchte. Einen solchen Nachteil gab es bis vor wenigen Jahren gar nicht, da es für uns alle der Normalzustand war, eine Woche (oder länger) auf neue Episoden unserer Lieblingsserien zu warten. Derzeit versuchen die neuen cool kids in town - Netflix und Amazon - aber, uns umzuerziehen, zu mehr Binge-Watching, mehr Individualisierung, weniger kommunalem Erlebnis. Bei mir sind diese Versuche bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen. Immer, wenn Netflix eine neue Serie veröffentlicht (und das ist mittlerweile sehr oft), überwiegt eher das Gefühl, ein 13-stöckiges Hochhaus erklimmen zu müssen, und weniger die Freude über ein neues, frisches Format.

Nach Sichtung des Piloten von Casual, der neuen Hulu-Comedy von Zander Lehmann und Jason Reitman („Juno“), hat sich bei mir nun erstmals das unbedingte Verlangen nach mehr gemeldet. Serienschöpfer Lehmann und Regisseur Reitman erzählen darin von Valerie (Michaela Watkins), einer 39-jährigen Psychotherapeutin, die wegen einer Jüngeren von ihrem Ehemann Drew (Zak Orth) verlassen wurde. Nun wohnt sie mit ihrer Tochter Laura (Tara Lynne Barr) im Haus ihres hochgradig zynischen Bruders Alex (Tommy Dewey).

Der hat eine Datingseite programmiert, die gerade an Fahrt aufnimmt, was ihn aber nicht wirklich glücklich zu machen scheint. Obwohl das Onlinedating als Plotelement herhalten muss - Alex und Valerie überreden sich gegenseitig zu Dates, wobei er die eigene Seite ausnutzt, um attraktive Frauen in sein Bett zu locken -, handelt die Serie von etwas anderem. Sehr warmherzig und witzig porträtiert sie das Leben dreier Singles und die inhärente Traurigkeit ihrer (und unserer aller) Existenz. So richtig glücklich ist hier niemand - wirklich liebenswert auch nicht.

Die Beziehung der drei Hauptfiguren ist der unverrückbare Kern der Serie. Dabei stellt sich allmählich heraus, dass ihre engen Verflechtungen nicht den üblichen familiären Verhältnissen entsprechen. Charaktere, die von außen auf das ungewöhnliche Gebilde schauen, äußern das schon in der Pilotepisode ständig. Zwischen Valerie und Alex passt in ideologischer und auch körperlicher Hinsicht kein Blatt Papier, während Mutter und Tochter viel eher wie beste Freundinnen miteinander umgehen: „I've had her on the pill since she was 12. I buy her condoms.

Even in my dreams I don't relate to people

Und obwohl es nicht leicht fällt, diese Figuren zu mögen, sind es doch meist die anderen, die noch komischer sind (wie es zum Beispiel auch schon in Curb Your Enthusiasm der Fall war). Valerie behandelt einen Patienten, der verzweifelt nach einer Bedeutung für seinen Traum sucht, in dem er Sex mit dem eigenen Vater hat. Sie schaut ihm zunächst scheinbar genussvoll dabei zu, wie er sich im eigenen Leid windet, um ihm dann endlich Absolution zu erteilen: „You want to please your father.“ So einfach ist es manchmal - Tom (Scott Beehner) lächelt zufrieden.

Es sind diese Szenen mit Außenstehenden, die für den größten Spaß sorgen. Alex und Valerie besuchen mit ihren Dates zur selben Zeit das selbe Restaurant, um sich währenddessen auf der Toilette über die Eigentümlichkeiten ihrer Begleitungen auszulassen. Valerie kann sich nicht vorstellen, den gutaussehenden Ergrauten mit nach Hause zu nehmen („He smells like college.“), während sich Alex über die Diät seiner Fitnesstrainerin („I only consume foods that were available during the paleolithic era.“) lustig macht, darin aber einen besonderen Reiz sieht, sie doch noch zu verführen.

Sämtliche Hauptfiguren scheinen von einem undurchsichtigen Schleier aus Zynismus und Überheblichkeit umweht zu sein. Das ist bei manchen so weit fortgeschritten, dass persönliche Grenzen kaum noch eingehalten werden. Laura hat mit Emile (Evan Crooks) Sex im Pool, während Mutter und Onkel im Haus schlafen. Alex wacht auf, hört die beiden - und schaut ihnen interessiert beim Kopulieren zu. Valerie klopft indes nicht einmal an, bevor sie ins Zimmer ihrer Tochter kommt, obwohl sie genau weiß, dass Laura gerade Besuch von ihrem fuckbuddy hat.

Das ist witzig, ziemlich weird und sehr, sehr interessant. Casual mag kein revolutionäres Comedy-Fernsehen wie Transparent sein - sehenswertes ist es allemal.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 21. Oktober 2015

Casual 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Casual 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 7. Oktober 2015 (Hulu)
Regisseur
Jason Reitman

Schauspieler in der Episode Casual 1x01

Darsteller
Rolle
Michaela Watkins
Tara Lynne Barr
Nyasha Hatendi

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