Castle 6x23

Das passiert in der Castle-Episode For Better or Worse:
Die Hochzeit von Castle (Nathan Fillion) und Beckett (Stana Katic) steht unmittelbar bevor. Nur noch drei Tage, dann sind sie Mann und Frau. Bis dahin sind jedoch noch einige Vorbereitungen zu treffen. Während Alexis (Molly C. Quinn) und Martha (Susan Sullivan) die Organisation der Feierlichkeiten fest in ihren Händen halten, machen sich Richard und Kate auf zum Standesamt, um die Heiratslizenz zu bekommen. Dabei erleben sie jedoch eine böse Überraschung: Rick hat seinen Scheidungsnachweis dabei; Kate jedoch nicht. Sie wusste bislang noch nicht einmal, dass sie verheiratet ist! Vor 15 Jahren hat sie in Las Vegas einen verhängnisvollen Fehler begangen: sie hat in einer saufseligen Nacht ihrem damaligen Freund, einem Taugenichts namens Rogan O'Leary (Eddie McClintock, Warehouse 13), das Ja-Wort in einer Drive-Through-Kapelle gegeben. Von Castles Anwalt erfahren sie: egal, ob Kate das Ganze damals nur für einen Witz gehalten hat, die Ehe ist rechtskräftig.
Kate macht sich also auf den Weg, um ihren angetrauten Gatten zu finden. Dieser ist mittlerweile ein vorbestrafter Betrüger und nutzt Kates Notlage für eine Erpressung: er will die Scheidungspapiere nur unterschreiben, wenn sie aus dem Auto seiner Ex-Freundin einen Garagenschlüssel klaut. Zu allem entschlossen, um endlich zu ihrer Hochzeit mit Richard zu kommen, tut Kate das auch. Bevor Rogan jedoch dazu kommt, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen, wird er von zwei maskierten Männern entführt. Die örtliche Polizei hält den Vorfall angesichts seines Lebenswandels für wenig bemerkens- und ermittelnswert. Dehalb müssen Kate und Richard nun auf sich allein gestellt versuchen, Rogan aufzuspüren...
Es muss nicht immer Mord sein
For Better or Worse ist, wie man im Vorfeld bereits erwarten konnte, eine ungewöhnliche Castle-Episode. Ausnahmsweise gibt es keinen Mordfall aufzuklären. Das wäre der Hochzeitsstimmung auch eher abträglich gewesen. Das einzige „Opfer“, das bei Lanie (Tamala Jones) auf dem Seziertisch landet, ist Kates von Wasserschäden ruiniertes Hochzeitskleid. Stattdessen bekommen es Kate und Richard bei ihrer Suche nach Kates Angetrauten mit einem Entführungs- und Erpressungsfall zu tun, der für viele amüsante Momente gut ist. Beckett hat sich da in ihrer Studienzeit mit einem echten Tunichtgut eingelassen; allein die Ratschläge diverser Frauen am Ort, dass Kate von Rogan besser die Finger lassen sollte (da spricht offenkundig die - schlechte - Erfahrung), geben schon Anlass zum Schmunzeln.
Die Folge kommt als heitere Krimikomödie daher. Zu ihren Zutaten gehören eine fister-schräger Rocker-Gang und ein Mafiakiller im Ruhestand. Wahrhaft grandios ist die Auflösung dieser Geschichte, als Rick und Kate zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - und die Schulden bei der Rockerbande durch die Auslieferung des (mit reicher Belohnung gesuchten) Mafioso begleichen. Witzig und voller Energie - so präsentiert sich Castle in diesem Staffelfinale.
Ich will!
Angetrieben wird die Folge natürlich von dem unbändigen Drang der beiden Protagonisten, endlich vor den Traualtar zu treten - und sich dabei von keinem Hindernis aufhalten zu lassen. Egal ob es sich um einen abgängigen Noch-Nicht-Ex-Ehemann oder um eine feuerspeienden Zirkusartisten zum Opfer gefallene Hochzeits-Location handelt. Kate und Rick wollen heiraten, wirklich heiraten. Und sie erlauben nichts und niemanden, ihnen dabei in den Weg zu kommen.
Als Kate die vielen Pannen und Katastrophen im Vorfeld der Hochzeit als ein schlechtes Omen deutet, da ist Rick zur Seite, um ihr zu versichern: Nein, nein, Hindernisse gehören zu einer großen Liebesgeschichte! Und davon hatte Castle in der Vergangenheit für die beiden ja schon eine Menge in petto. Das Gespräch der beiden auf der Bank gehört zu den schönsten Caskett-Momenten der Folge - und zeigt nachdrücklich, warum die beiden so ein gutes Paar sind. Wenn einer wankt, dann ist der andere zur Stelle, um ihn/sie zu stützen. Was dabei nicht nur Philologen zu schätzen wissen werden: Rick verändert die Perspektive auf ihre Probleme und schafft Distanz zu ihnen, indem er so tut, als wären er und Kate nur Figuren in einer fiktionalen Erzählung. Was sie ja in Wirklichkeit sind!
In Momenten wie diesem macht es sich doch wirklich für Castle bezahlt, dass die Hauptfigur ein Schriftsteller ist!
Am Ende sieht es schließlich so aus, als wären als Probleme überwunden. Kate trägt das Hochzeitskleid ihrer Mutter; Martha schenkt ihr die Castle'schen Familien-Ohrringe. Der Moment könnte kaum feierlicher und berührender sein. Es liegt so dermaßen viel Romantik in der Luft, dass auch Lanies und Espositos (Jon Huertas) Gefühle füreinander wieder offen aufflackern. Doch da drängt sich auf einmal ein dunkler Geländewagen dazwischen.
Der Cliffhanger
Und damit kommen wir zum enttäuschenden Teil von For Better or Worse. Denn statt Castle und Beckett endlich in den Ehehafen einlaufen zu lassen, durchkreuzt Autor Andrew Marlowe den romantischen Moment mit einem aus heiterem Himmel über uns hereinbrechenden Cliffhanger.
Warum konnte er uns nicht diesen einen schönen Moment einfach haben und genießen lassen? Wenn er und ABC wirklich so sehr davon überzeugt sind, dass Castle noch eine siebte Staffel lang trägt (wovon ich ehrlich gesagt nicht überzeugt bin), dann hätten sie sich diesen ach so dramatischen Cliffhanger auch sparen können. Das ist das Ärgerliche an diesem Schluss: offensichtlich waren sich die Macher nicht sicher genug, dass die Zuschauer nach der Caskett-Hochzeit (den manche wahrscheinlich als das Finale der Serie begriffen hätten) im kommenden Herbst wieder einschalten würden. Deshalb wirkt dieser Cliffhanger so... aufgesetzt und irgendwie auch billig.
For Better or Worse drehte sich einzig und allein um die Hindernisse, die Castle und Beckett zu überwinden bereit sind, um endlich miteinander als Mann und Frau vereint zu sein. Ihnen (und auch uns) dieses Happy End - vorerst jedenfalls - zu verwehren, nur um eine weitere Staffel aus der Serie herauszuquetschen, das lässt einen doch ziemlich traurig und auch ein Stück weit verärgert zurück.
Fazit
40 wunderbar unterhaltsame Minuten, die Castle in Bestform zeigen. Gefolgt von drei Minuten, die sich der Rezensent dezidiert ganz anders gewünscht hätte. Ich bin ein großer, großer Fan von Cliffhanger-Enden; aber diesen Cliffhanger hätte ich partout nicht gebraucht!
In eigener Sache
Diese Folge bestätigt mich - leider - in meinem Entschluss, die Castle-Reviews in der kommenden Season abzugeben. Ich habe die Serie in den letzten zwei Staffeln sehr gerne besprochen; ich hatte großen Spaß mit der Serie und den Diskussionen hier!
Doch in den vergangenen Wochen hat sich bei mir immer mehr das Gefühl eingestellt, dass die Serie ihren Stoff - Krimi-Schriftsteller hilft Polizistin beim Lösen von Kriminalfällen und kommt mit ihr als Paar zusammen - im Grunde auserzählt hat. Ich werde die Serie privat vermutlich auch noch in der siebten Staffel weiterverfolgen. Reviews möchte ich jedoch keine mehr schreiben, weil ich fürchte, dass sie unweigerlich in den Stil von Nörgel-Reviews verfallen würden. Und das möchte ich nicht. Dafür lag und liegt mir Castle einfach viel zu sehr am Herzen.
Deshalb habe ich die Chefredaktion gebeten, mich von den Castle-Reviews zu entbinden. Ich gehe davon aus, dass ein Kollege die Serie übernehmen wird (so wie ich sie von Vlado übernommen habe); die definitive Review-Planung für die Herbst-Season wird allerdings erst in den kommenden Wochen aufgestellt.
So oder so möchte ich uns allen aber weiterhin viel Spaß an der Serie wünschen!
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 13. Mai 2014Castle 6x23 Trailer
(Castle 6x23)
Schauspieler in der Episode Castle 6x23
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