Castle 6x22

Das passiert in der Castle-Folge Veritas:
Neben ihrem Job ist Beckett (Stana Katic) noch mit einem sehr speziellen Projekt beschäftigt: sie versucht, der Verbindung zwischen dem Drogenhändler Vulcan Simmons (Jonathan Adams) und Senator Bracken (Jack Coleman) auf die Spur zu kommen. Dazu verfolgt sie eines Nachts einen Politberater, der jedoch kurze Zeit später ermordet aufgefunden wird. Niemand außer Castle (Nathan Fillion) weiß von Becketts klandestinen Ermittlungen. Selbst gegenüber Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) hält Beckett sich bedeckt.
Aufzeichnungen einer Verkehrskamera legen nahe, dass der Berater kurz vor seinem Tod mit Simmons in einem Auto gesessen hat. Doch es fehlt der endgültige Beweis, dass Simmons ihn auch ermordet hat. Beckett zieht alleine los, um diesen Beweis zu finden. Da wird auf einmal auch Simmons ermordet. Und in seiner Leiche findet sich eine Kugel aus Becketts Waffe. Kate steht damit unter dringendem Tatverdacht. Castle hilft ihr dabei unterzutauchen, während Captain Donovan (Alex Fernandez) von der Abteilung Interne Ermittlungen alles daran setzt, ihrer habhaft zu werden. Am schlimmsten ist jedoch, dass nun auch Bracken weiß, dass Kate - entgegen ihrer Vereinbarung eines Waffenstillstands - weiter gegen ihn ermittelt.
Castle und Beckett haben jedoch noch einen Verbündeten, von dem alle Welt - und auch sie selbst - bislang dachte, dass er tot sei...
Schlag auf Schlag
Veritas ist eine überaus spannende und wendungsreiche Folge, die es mächtig in sich hat: der falsche Verdacht gegen Kate; die Enthüllung, dass Mr. Smith (Geoff Pierson) seinen Tod nur vorgetäuscht hat; Captain Gates (Penny Johnson Jerald) wird endlich in die Bracken-Affäre eingeweiht; ihr Vorgänger, Captain Montgomery (Ruben Santiago-Hudson), kommt in einer Rückblende noch mal zu Ehren - und darf einen handlungsentscheidenden Hinweis liefern; und am Ende stürzt Bracken über eine Elefanten-Familie, die seit Beginn der Serie als Porzellan-Figur auf Becketts Schreibtisch zu Hause war.
Es geht wirklich Schlag auf Schlag. Als wollten die Macher einen Ausgleich dafür schaffen, dass sie den Handlungsstrang um Senator Bracken und den Mord an Becketts Mutter so lange vernachlässigt haben.
Holterdiepolter
Genau darin liegt die einzige substanzielle Kritik, die man an Veritas üben kann: die Auflösung des Bracken-Plots bricht doch ziemlich holterdiepolter über uns herein. Statt Schritt um Schritt auf diesen Höhepunkt zuzusteuern, überfällt uns die Serie damit regelrecht. Das wird der Bedeutung dieses Plots nicht so ganz gerecht. Und auch in anderer Hinsicht lässt es uns die Stirn runzeln: Der Zuschauer soll also glauben, dass die ganze Zeit über, in der wir dachten, die Serie (und auch die Figuren) hätten von der Angelegenheit vergessen, Kate in Wahrheit still und heimlich mit Ermittlungen gegen Bracken beschäftigt war? Neben den Hochzeitsvorbereitungen und ihren anderen Fällen? Meine Herren... kein Wunder, dass sie so müde ist!
Caskett
Wenn man diesem Vorgehen etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die Art, wie dadurch Caskett in Szene gesetzt wird. Kate hat ihre Ermittlungen allen gegenüber verheimlicht. Selbst der sonst gut informierte Zuschauer wusste nichts davon. Der einzige Mensch in ihrem Leben, der eingeweiht und ihr Komplize ist, ist Richard. Mehr noch als alle Worte („Ich hätte es ohne Dich nicht geschafft...“) und Umarmungen, die natürlich auch sehr schön anzusehen sind, sagt dies etwas über ihre Beziehung aus, welche kaum enger und vertrauensvoller sein könnte. Selbst als Kate gegenüber Richard ihren Besuch bei Simmons verschweigt, zweifelt er nicht wirklich an ihr, sondern ist sofort auf ihrer Seite - und verhilft ihr zur Flucht aus dem Polizeirevier.
Gerade die Tatsache, dass sie sogar uns gegenüber ein Geheimnis hatten, unterstreicht: Kate und Rick sind eine unverbrüchliche Einheit. Das „In guten wie in schlechten Zeiten“, das sie in der kommenden Folge sicher sprechen werden, haben sie gerade in Veritas wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Wie blind sie sich als Paar verstehen, wird auch dadurch deutlich, dass sie, ohne sich dazu sichtbar verabredet zu haben, an der Schaukel wiederfinden, wo Rick ihr den Heiratsantrag gemacht hat. Seufz.
Öffentliche Demütigung
Natürlich ist eine spannende Geschichte nichts ohne einen guten Bösewicht. Und Senator Bracken ist dafür ein perfekter Kandidat. Zum einen dadurch, dass er so mächtig und überlegen ist. Zum anderen dadurch, dass sein Unverständnis gar nicht mal gespielt scheint: er versteht wirklich nicht, warum Kate es immer noch auf ihn abgesehen hat, wo er sie doch sogar (in In the Belly of the Beast) gerettet hat. In seiner Wahrnehmung ist er der Gute; das ist genau das, was ihn zu einem so guten Bösewicht macht.
Psychologische Studien zeigen, dass die Befriedigung des Publikums über den Sturz des Bösewichts am Ende einer Geschichte besonders groß ist, wenn dieser Sturz auch noch mit einer öffentlichen Demütigung verbunden ist. In diesem Sinne kann das Ende von Veritas als äußerst befriedigend gelten: Mitten in einem Fernsehinterview steht plötzlich die von ihm eigentlich totgeglaubte Kate vor ihm und nimmt ihn vor den Augen der TV-Nation fest. Damit wird wohl Brackens größter Albtraum Wirklichkeit. Und die Zuschauer können sich über Kates beispiellosen Triumpf freuen.
Fazit
Veritas bleibt seinem Titel treu: die Folge bringt die Wahrheit über den Mord an Becketts Mutter an das Licht der Öffentlichkeit. Etwas überhastet, aber trotzdem sehr spannend bringt Castle damit den staffelübergreifenden Handlungsbogen der Serie zu Ende. Damit stellt sich natürlich die Frage: Wenn Rick und Kate tatsächlich in der kommenden Episode vor den Traualtar treten, dann sind eigentlich alle Bögen abgeschlossen. Was will die Serie dann noch erzählen?
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 6. Mai 2014Castle 6x22 Trailer
(Castle 6x22)
Schauspieler in der Episode Castle 6x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?