Castle 6x07

Das passiert in der Castle-Episode Like Father, Like Daughter:
Alexis (Molly C. Quinn) nimmt im Rahmen ihres Studiums am „Innocence Review“-Projekt ihres Strafrechtsprofessors (David Wells, Shameless) teil. Dabei geht es darum, dass Fälle von zum Tode Verurteilten überprüft werden. Ein Fall hat es Alexis besonders angetan: Frank Henson (James Carpinello, The Mob Doctor) soll 1998 die Nachbarstochter ermordet haben. Er wurde von der Polizei festgenommen, wie er mit ihrem Blut an seiner Kleidung den Tatort verlassen wollte. Frank schwört jedoch, dass er unschuldig ist. Seine Freundin Maggie (Joelle Carter, Justified) setzt sich sehr für eine Revision des Urteils ein.
Drei Tage vor der angesetzten Hinrichtung, nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, wendet sich Alexis schweren Herzens an ihren Vater, Castle (Nathan Fillion). Wegen des Streits um ihren Freund Pi spricht sie zwar schon seit Wochen nicht mehr mit ihm. Sie weiß jedoch: Wenn noch jemand einen genialen Einfall haben kann, um Frank zu retten, dann ist es ihr Vater...
Kein Road Trip
Like Father, Like Daughter lässt den Zuschauer etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist es eine sehr unterhaltsame Folge: Zum ersten Mal sehen wir, wie Castle und Alexis gemeinsam an einem Fall arbeiten. Selbst für einen bekennenden Caskett-Shipper ist das eine sehr interessante und willkommene Abwechslung! Dass der Familiensegen zwischen den beiden schief hängt und sie am liebsten überhaupt nicht mit ihm sprechen würde, verleiht dem Ganzen zusätzlich Würze. Es ist kein netter Familienausflug, den wir hier sehen. Allein die Dringlichkeit des Falls - mit der bevorstehenden Hinrichtung vor Augen - zwingt die beiden zusammen. Das ist eine spannende und dramatische Konstellation wie aus dem Lehrbuch!
Timing
Damit kommen wir aber auch schon zum Andererseits: das Timing der Folge. In den Kommentaren zu vergangenen Folgen ist dies bereits kritisch angemerkt worden und muss auch hier gesagt werden: die Autoren kreieren zwar Konflikte zwischen den Hauptfiguren, lassen ihnen dann aber überhaupt keine Zeit, sich zu entwickeln. Am Ende der vergangenen Episode, Get a Clue, kam es zum Zerwürfnis zwischen Castle und Alexis. Und voilà, schon in der nächsten wird der Konflikt de facto wieder einkassiert. Die beiden lösen einen Fall zusammen und haben sich am Ende wieder lieb.
Das ist ja sehr schön. Nur wäre es noch schöner gewesen, wenn wir die „Wochen“, die Alexis angeblich mit ihrem Vater nicht gesprochen hat, auch von Zuschauerseite her als solche erlebt hätten. Wenn wir in dazwischenliegenden Folgen gesehen hätten, wie es ihn quält. Wie viel befriedigender wäre es gewesen, dann diese Auflösung zu erleben? Wir hätten uns diese Folge, in der Vater und Tochter endlich wieder vereint sind, herbeigesehnt! So kommt alles einfach nur Knall auf Fall, ähnlich wie es zu Beginn der Staffel mit Becketts (Stana Katic) D.C.-Storyline passiert ist.
Was ist ihr Problem?
Alexis' Drang danach, von ihrem Vater als selbständige, erwachsene Frau respektiert zu werden, war in der vergangenen Woche sehr gut nachzuvollziehen - und ist es in dieser Folge auch („What are you doing?“ / „Overreacting?“). Ihr Problem mit Beckett erscheint dagegen etwas rätselhaft.
Ganz ehrlich: die Nicht-Anwesenheit Becketts bei dem Abendessen in Get a Clue hatte ich als pure Drehbuchökonomie (damit Castle ihr in der nächsten Szene davon berichten und sich über Pi aufregen kann) und Alexis' Klage darüber, dass sie nicht direkt von Casketts Verlobung erfahren, nur als argumentatives Beispiel interpretiert. Doch Like Father, Like Daughter legt ja nahe, dass es da tatsächlich einen Graben zwischen den beiden Frauen gibt, was von beiden auch so erlebt und wahrgenommen wird. Das ist seltsam, weil wir nie wirklich vermittelt bekommen haben, dass Alexis ein Problem mit Beckett hat. Die beiden schienen immer so freundlich, ja freundschaftlich miteinander.
Nun, was auch immer das Problem gewesen ist, es wird am Ende von Like Father, Like Daughter mit einer (für uns nicht hörbaren) Aussprache und einer innigen Umarmung gelöst. Da freuen wir uns mit beiden - und mit Castle -, selbst wenn wir die Sache nicht wirklich verstanden haben!
Happy End
Der Fall-der-Woche ist gut gemacht. Spannend und ernsthaft, mit genügend Gravitas, ohne dabei jedoch all zu düster zu werden. Dabei hätte vielleicht sogar ein bisschen mehr Düsternis nicht geschadet. So ist es im Grunde fast ein bisschen enttäuschend, dass nicht der Bruder der Mörder war. Dass Frank sich absichtlich für ihn opfert, wäre sicherlich das dramatischere Ende gewesen: Castle und Alexis entdecken die Wahrheit, können die Hinrichtung aber nicht mehr verhindern.
Das tatsächliche Ende der Folge ist dagegen etwas sehr bemüht auf Happy End gebürstet. Mit Applaus im Gerichtssaal und Menschen, die sich in den Armen liegen. Nicht dass Happy Ends per se eine schlechte Sache wären. Aber in diesem speziellen Fall, vielleicht auch angesichts der Todesstrafe-Thematik wäre das weniger Happy Ending das bessere Ende gewesen.
Fazit
Fast das gleiche Fazit wie in der Vorwoche: eine Folge, die ein, zwei Wochen später besser platziert gewesen wäre.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 5. November 2013(Castle 6x07)
Schauspieler in der Episode Castle 6x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?