Castle 4x20

Castle 4x20

Als hätten Stewardessen im Programm von ABC nicht schon genug angerichtet! Jetzt hält eine Vertreterin dieses Berufsstands auch noch bei Castle Einzug - und lässt Kate daran zweifeln, ob sich Richard wirklich so sehr geändert hat.

Sehen buchstäblich nicht, was sie vor Augen haben: Die perfekte Metapher für Caskett. / (c) ABC
Sehen buchstäblich nicht, was sie vor Augen haben: Die perfekte Metapher für Caskett. / (c) ABC

In einem Motel wird ein totes britisches Model aufgefunden. Ein Mann, scheinbar der Mörder, flieht vom Tatort, nachdem er in den Sachen der Toten einen Schlüssel entdeckt hat. Die Beschreibung, die sie von einem Zimmermädchen erhalten, führt Beckett (Stana Katic) und ihr Team zu Colin Hunt (Brett Tucker, McLeod's Daughters). Dieser stellt sich jedoch als ein britischer Kollege von Scotland Yard heraus. Hunt kannte die Tote, ihr Vater war nämlich sein erster Partner. Er besteht darauf, an dem Fall mitarbeiten zu dürfen - und erweist sich schon bald als eine große Hilfe.

Castle (Nathan Fillion) hat damit offenbar keine größeren Probleme. Ausgerechnet in dem Augenblick, als Beckett - nach einer eingehenden Konversation mit Lanie (Tamala Jones) - bereit ist, ihm ihre Gefühle zu gestehen, hat er scheinbar jedes Interesse an ihr verloren und schenkt auch dem Fall nur eher beiläufig Aufmerksamkeit. Viel wichtiger ist ihm eine Flugbegleiterin, mit der er intensiv herumturtelt...

Nachdem Caskett lange Zeit auf der Stelle trat, kommt nun endlich wieder Bewegung in ihre Beziehung. Leider in die völlig falsche Richtung. Das fällt auch Kate auf. Gleich zu Beginn sagt sie in dem Gespräch mit Lanie, dass sie das Gefühl habe, Castle halte mehr und mehr Abstand zu ihr. Doch gerade, als sie dagegen etwas unternehmen möchte, da scheint es auch schon zu spät zu sein: Wir sehen wieder den „alten“ Castle, der im Ferrari vorfährt und eine Blondine bei sich hat.

An keiner Stelle wird die emotionale Entfremdung der beiden deutlicher, als in dem Moment, als Castle offenbart, dass er das zentrale Beweisstück des Falls mit seiner neuen Damenbekanntschaft erörtert hat. Mehr noch als in der Tatsache, dass Castle sich überhaupt mit einer anderen Frau trifft, ist das etwas, das Kate offenbar als einen Vertrauensbruch begreift. Den Fall miteinander zu diskutieren, das clevere Hin und Her, der Schlagabtausch - das ist schließlich das, was sie und Castle zu allererst miteinander verbindet.

Als wollten die Castle-Autoren die Fans absichtlich quälen, stellen sie Kate dann auch noch in Gestalt von Colin eine exquisite Versuchung aus dem Land des Fünf-Uhr-Tees zur Seite. Colin ist entschlossen, gescheit und - wovon sich Kate in jeder Einzelheit überzeugt - gut gebaut. Und auch im Smoking macht er etwas her. Er lässt am Ende der Folge sein Interesse an ihr durchblicken, ohne jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt aufdringlich zu sein. Mit anderen Worte: Wäre das hier nicht Castle, sondern irgendeine andere Serie, dann würde man sich als Zuschauer wünschen, dass die beiden zusammenkommen. Herrgottnochmal - in der Szene, in der die beiden das Tänzchen auf dem Konsulatsparkett hinlegen, ist man wirklich und wahrhaftig versucht zu denken: Eigentlich wären die beiden gar nicht so verkehrt füreinander...

Das ist eine Sorge, die für einen kurzen Augenblick auch bei Castle durchscheint. Da hat er gerade angefangen, Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) einen „Ocean's Eleven“ würdigen Masterplan zur Beschaffung der benötigten Fingerabdrücke vorzustellen, da tauchen auf einmal Colin und Kate in Abendgarderobe auf. Mag Castle auch noch so sehr tun, dass er über Kate hinweg ist und ein neues (Privat-) Leben beginnt. Der Blick, den er den beiden hinterherwirft, straft ihn Lügen.

Das Gemeine an der Entwicklung in dieser Episode ist: Eigentlich kann man Richard sehr gut verstehen. Im Grunde genommen tut er sogar genau das Richtige: Statt sein Herz weiterhin an eine Frau zu hängen, welche seine Gefühle (vermeintlich) nicht erwidert, ordnet er sein Leben und seine Prioritäten neu. Das ist ein psychisch sehr gesundes und empfehlenswertes Verhalten. Das Problem ist nur, dass es auf einer grundlegend falschen Schlussfolgerung beruht (Weil Kate nicht auf sein Liebesgeständnis reagiert hat, deshalb liebt sie ihn nicht; vielleicht sollte er sich einfach mal in die Brust schießen lassen, um vergleichbare Ausgangsbedingungen zu schaffen. Immerhin hat er auch bis zum beinahe letzten Augenblick mit seinem Geständnis gewartet...).

Ach so, ein Kriminalfall wurde in The Limey auch noch gelöst, wobei die Geschichte rund um ein Model, das einem Waffenschmuggel zu dicht auf die Spur kam, zwar nicht schlecht, aber auch nicht wirklich übermäßig clever gestrickt war. Hauptsächlich, so viel ist klar, diente die Story nur als Kulisse für die Caskett-Wirren, woran im Prinzip auch nichts auszusetzen ist. Wirklich bemerkenswert war am Krimi-Plot allenfalls noch der Auftritt von „Mr. Sheffield“ (Charles Shaughnessy, The Nanny) als etwas schmieriger Gentleman-Badie.

Fazit

Folgen, die unser liebstes Krimi-Paar auseinanderzubringen versuchen, sind immer nur schweren Herzens anzuschauen. Der einzige Trost: Je größer die Entfremdung zwischen den beiden jetzt ausfällt, desto schöner muss doch die Versöhnung werden, oder?

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 3. April 2012
Episode
Staffel 4, Episode 20
(Castle 4x20)
Deutscher Titel der Episode
Der Brite
Titel der Episode im Original
The Limey
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 2. April 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 16. November 2012
Autor
Elizabeth Beall
Regisseur
Bill Roe

Schauspieler in der Episode Castle 4x20

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