Candy: Review der Pilotepisode der True-Crime-Serie

Candy: Review der Pilotepisode der True-Crime-Serie

Eigentlich haben Betty und Candy alles: liebende Ehemänner, niedliche Kinder und Häuser in einem ruhigen Teil von Texas. Doch statt den Traum zu leben, wird eine von beiden ihre Freundin ermorden. Die Hulu-Serie Candy erzählt diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer Tragödie.

Jessica Biel als Candy in der gleichnamigen Serie (c) Hulu
Jessica Biel als Candy in der gleichnamigen Serie (c) Hulu
© essica Biel als Candy in der gleichnamigen Serie (c) Hulu

Der Serientitel Candy bezieht sich auf den Spitznamen von Candace Montgomery, einer Frau aus Texas, die ihr Leben im Griff hat. Zumindest scheint es so zu Beginn der Miniserie, die nun auf Hulu startet und die Geschichte eines wahren Mordes erzĂ€hlt. Der Fall aus dem Jahr 1980 hat lĂ€ngst Einzug in die Popkultur gefunden. Noch in diesem Jahr plant HBO, eine weitere Serie namens Love and Death basierend auf dem Stoff auf die Mattscheibe zu bringen. In beiden FĂ€llen leihen hochkarĂ€tige Darstellerinnen der verurteilten Mörderin ihr Gesicht: FĂŒr HBO springt Elizabeth Olsen in die Rolle, in „Candy“ dĂŒrfen wir uns ĂŒber Jessica Biel in der Titelrolle freuen.

Wovon handelt die Serie Candy?

Wir lernen Candy (Biel) kennen, als sie eine Geschichte ĂŒber einen Baum erzĂ€hlt, aus dem das Kreuz Jesu gemacht wird. Vom ersten Moment an fĂŒhlt man, dass hinter ihrer zufriedenen, glĂŒcklichen Fassade etwas lauert. Doch fĂŒr den Moment ist alles in Ordnung in der Vorstadt in Texas. Candys etwas naiver Ehemann Pat Montgomery (Timothy Simons) freut sich ĂŒber jede Aufmerksamkeit, die er von seiner Frau bekommt. Die hat es als Hausfrau geschafft. Die anderen MĂŒtter bewundern sie fĂŒr ihre FĂ€higkeit, den Laden am Laufen zu halten. Neben der Familie ist die Gemeinde, in der sie Mitglied des Kirchenchores ist, ihr zweites wichtiges BetĂ€tigungsfeld. Der Pastor ist von ihrer Art, Grenzen zu ignorieren, zwar weniger begeistert, aber ans Ziel kommt sie damit halt dennoch meistens.

Auf der anderen Seite lernen wir Betty Gore (Melanie Lynskey) kennen. Sie hat zwei Kinder und mit Alan Gore (Pablo Schreiber) einen Ehemann, der sie liebt, aber öfter mal auf GeschĂ€ftsreise muss. Sie verlĂ€sst ihr Haus nur selten, ist mit ihrem schreienden Baby ĂŒberfordert und wirkt so depressiv und apathisch, dass man vermuten mĂŒsste, sie schnappt ĂŒber, anstatt dass es ihre Freundin tut.

Die beiden Frauen sind unter anderem durch ihre gleichaltrigen Töchter miteinander verbunden. Candy genießt es, die Tochter der Freundin bei sich zu haben. So auch an dem Tag des Mordes. In der Nacht zuvor hatten die MĂ€dchen eine Pyjama-Party im Montgomery-Haus gemacht und Candy ruft Betty an, um ihr zu sagen, dass deren Tochter auch eine weitere Nacht bei ihnen bleiben werde. Über Mittag will Candy bei Betty vorbeifahren, um den Badeanzug der Tochter zu holen, damit diese am Schwimmtraining teilnehmen kann.

Mitten in der Pilotepisode findet dieser Besuch statt, von dem wir jedoch nichts sehen. Wir treffen Candy kurz darauf wieder, in ihrem Auto, mit nassen Haaren. Sie fĂ€hrt heim, wĂ€scht ihre Klamotten, macht sich frisch und fĂ€hrt weiter zur Gemeinde, bei der sie erwartet wird. Sie wiederholt eine Geschichte davon, dass sie nach dem Besuch bei Betty wie abgesprochen zu Target gefahren ist, aber ihre Uhr sei stehengeblieben und weil sie das GefĂŒhl hatte, schon zu lange fort zu sein, sei sie direkt zur Kirche gefahren. Diese Geschichte gibt sie gebetsmĂŒhlenartig auch ihrem Ehemann zum Besten.

SpĂ€ter am Abend ruft Alan an, der seine Frau telefonisch nicht erreichen kann. Doch statt Candy zu bitten, nach dem Rechten zu sehen, bittet er einen widerwilligen Nachbarn, rĂŒberzugehen. Zu dritt nĂ€hern sich die MĂ€nner, die bereits Böses ahnen, dem Haus, in dem Licht brennt, aber kein Leben zu sein scheint. Sie finden das Baby in seinem Bett und die Hunde im Garten. Doch in einem kleinen Raum neben dem Wohnzimmer erkennen sie durch einen schmalen Ritz die blutĂŒberströmte Betty...

Wie kommt es rĂŒber?

Die Serie Candy schlĂ€gt in einen bereits voll ausgebreiteten Trend: Echte Verbrechen, die die Öffentlichkeit faszinieren, als fiktionalisierte Serien auf die Mattscheibe zu bringen. Sie ist dabei nicht die erste Produktion, die mit einer bekannten Darstellerin von einem Mord unter Freundinnen in der Vorstadt erzĂ€hlt. Im MĂ€rz sahen wir in der Serie The Thing About Pam Renee Zellweger als Pamela Hupp, die 2011 ihre beste Freundin umbrachte. „Candy“ ist nicht einmal die einzige Serie ĂŒber den Fall Montgomery. Auf HBO geht bald, wie bereits geschrieben, ja eine weitere Serie ĂŒber den Fall an den Start.

Doch von dem Druck des Trends lassen die Serienmacher sich nicht verunsichern. Sie gehen mit einem Plan ans Werk. Sie erzĂ€hlen den Fall von hinten. In der Pilotepisode sehen wir den Tag des Mordes, wenn auch nicht die Tat selbst. Über die Episoden hinweg werden die Ereignisse enthĂŒllt, die zu dem tragischen Besuch gefĂŒhrt haben.

Das Tempo ist dabei trotz fehlendem TĂ€ter-RĂ€tsel so nervenzehrend langsam, dass die Spannung mit den HĂ€nden greifbar scheint. Dazu trĂ€gt in der Pilotepisode besonders Pablo Schreiber bei, der als sorgender Ehemann vom Hotel aus versucht, herauszufinden, was mit seiner Frau ist. Wie bei den meisten True-Crime-Serien lebt und atmet die Serie etwas durch das Talent des Casts. Denn: Was passiert, das weiß man schon oder könnte es einfach im Internet rausfinden. Doch die AtmosphĂ€re, die Dringlichkeit und das DĂŒstere, das die Darsteller:innen und das Drehbuch in die Story bringen, ist auch in diesem Fall durchaus sehenswert.

Candy: Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Candy“:

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