Willkommen im Sommercamp Little Otter! Wer sich einschreibt, bekommt sympathische Figuren, einen See voller Klischees und Klamauk, aber auch die herzerwärmenden Geschichten eines goldenen Sommers im Camp.

Cast der Serie „Camp“. / (c) NBC
Cast der Serie „Camp“. / (c) NBC

Mit der Sommerserie Camp hat NBC sich wohl keinen Quotenkönig angelacht, aber vielleicht eine Prinzessin der Herzen für diejenigen Zuschauer, die mit einer Mischung aus Parenthood und Hart of Dixie glücklich werden können. Zwischen Teenager-Romanzen und Scheidungsdramen erlebt der altersmäßig ordentlich durchmischte Cast einen goldenen Sommer - holpriger Humor und massenweise Klischees inklusive. Doch hier geht es ums Herz und um Familiensinn. Und wer sich nach zwanzig Minuten der Pilotepisode dabei erwischt, sich für die Story des einen oder die Romanze der anderen erwärmen zu können, der kann sich schon mal ein babyblaues Shirt mit Little Otter-Logo drucken lassen - die neue Lieblings-Guilty-Pleasure-Serie ist gefunden.

Wer ist dabei?

Es ist Sommer und im Familiencamp Little Otter beginnt das große Wuseln. Wir lernen Mackenzie Granger (Rachel Griffiths, Six Feet Under, Brothers & Sisters), genannt Mack, kennen, die das Little Otter-Camp managt. Nicht nur, dass ihr Mann Steve (Jonathan LaPaglia, The District, Cold Case) sie jüngst verlassen hat, er hat sich auch einer halb so alten Russin zugewandt, die in einem Schönheitssalon arbeitet und nun Kinder mit ihm haben möchte. Darum verlangt Steve nun, dass Mack ihm seinen Anteil des Camps auszahlt. Gut, dass der Besitzer des Snob-Camps auf der anderen Seite des Sees sich bereitwillig für Rebound-Sex zur Verfügung stellt. Blöd nur, dass Mack Roger (Rodger Corser, Spirited, McLeod's Daughters) eigentlich verabscheut und als arrogant einstuft, obwohl er eigentlich wie ein recht netter Typ erscheint.

Richtig blöd ist das jedoch für Cole (Nikolai Nikolaeff, Sea Patrol), einen seltsam alterslosen Betreuer im Camp, der seiner Chefin allenfalls von der Seite weicht, um mit den Jugendlichen einen drauf zu machen. Ist er mit Robbie unterwegs, der sich gerade für ein Jurastudium eingeschrieben hat, dann wirkt er wie sein älterer Bruder. Flirtet er jedoch betont sensibel Mack an, die immerhin einen Teenagersohn hat, dann erscheint er wie der sexy, erwachsene Handwerker. Könnte seltsam wirken, funktioniert aber in der familienfreundlichen Atmosphäre von Little Otter, in der alle Altersstufen gut miteinander auskommen.

An unserem ersten Tag im Camp treffen wir außerdem auf Kip (Tom Green, Dance Academy), der von seinem Vater mehr oder weniger ins Camp gezwungen wurde und sich zunächst lieber umbringen würde, statt an Gruppenaktivitäten teilzunehmen. Überzeugen kann ihn schließlich Marina (Lily Sullivan), die ebenfalls das erste Mal im Sommercamp ist und von der gemeinen Mädchenclique geschnitten wird. Sie scheinen zunächst nicht in die Umgebung zu passen, beide haben jedoch ein Geheimnis, das sie hergebracht hat.

Seit Jahren Stammgäste im Camp sind dagegen Robbie (Tim Pocock, Dance Academy) und Sarah (Dena Kaplan, Dance Academy, Tricky Business), beide so attraktiv, dass sie auch bei The Vampire Diaries gut aufgehoben wären. Das Jahr über haben sie keinen Kontakt, aber seit ihrer Kindheit finden sie jeden Sommer zu einer zärtlichen Romanze zusammen. Diese wird in diesem Jahr jedoch durch Sarahs Zusammentreffen mit dem ebenfalls schwer reizvollen Schriftsteller Miguel Santos (Juan Pablo Di Pace, „Mamma Mia!“) bedroht, der in der Nähe des Camps in einem Haus sein neues Werk schreibt.

Zur Gruppe der abenteuerlustigen Jugendlichen gehört außerdem Macks Sohn, Buzz (Charles Grounds), der sich für diesen Sommer nichts weniger vorgenommen hat, als seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Er ist der Clown der Gruppe - und dank komödiantischem Talent auf Seiten des Schauspielers gelingt das auch gut.

Huch; wo kommt denn der Joint her? Marina (Lily Sullivan); Buzz (Charles Grounds) und Kip (Tom Green) © NBC
Huch; wo kommt denn der Joint her? Marina (Lily Sullivan); Buzz (Charles Grounds) und Kip (Tom Green) © NBC

Die ersten Tage im Camp

Während Buzz einem schon mal ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann, verpuffen die anderen Gags im Großen und Ganzen im Nichts. Peinlich berührt versucht man die meisten zu ignorieren.

Die Drama-Seite der Geschichte geht in der Pilotepisode ebenfalls noch nicht besonders tief: romantische Verwicklungen, Teenager, die ihre berufliche Zukunft ausloten und im Mittelpunkt immer wieder: das Camp.

Jegliche Sommercamp-Klischees werden schamlos bedient, angefangen bei Buzz und dem Kondomkauf über die Erwachsenen, die während eines Gesprächs über Sex ständig von den Kindern gestört werden, bis hin zu Kip, der seinem Vater zu Beginn der Episode sagt, dass das hier ganz sicher nicht der beste Sommer seines Lebens wird und der dann durch einen Angelhaken sein Nasenpiercing verliert.

Die Dramedy ist also nicht gerade ein Schwergewicht, aber immerhin auch nicht so leicht, dass man direkt genervt abschalten möchte. Anders als andere US-Familienserien spielt Camp nicht ausschließlich in einer unerträglich überidyllischen Scheinwelt. Es darf Gras geraucht werden, es wird die Anwendung von Ausdrücken wie „Fag“ (Beleidigende Bezeichnung für Schwule) diskutiert, Sex unter den jugendlichen Betreuern ist zumindest im Fall von Robbie und Sarah kein Problem.

Die Idylle holt einen dennoch unweigerlich ein, besser gesagt: Die Feind- und Selbstbilder fügen sich einfach nahtlos in ein oberflächliches Schwarz-Weiß-Schema ein. Dem Little Otter-Camp gegenüber liegt Ridgefield, ein Luxuscamp, in dem man edle, rote Poloshirts mit goldenem Logo trägt und Hummer am Büffet bekommt. Selbstredend sind die Jugendlichen aus dem Ridgefield-Camp arrogante Schönlinge, die ohne Grund die Little-Otter-Kinder angreifen und rücksichtslos mit ihren Jetskis auf dem See herumrasen.

Spaß im Sommercamp: Die Jugendlichen auf großem Abenteuer © NBC
Spaß im Sommercamp: Die Jugendlichen auf großem Abenteuer © NBC

Woher also das neue Sound-Equipment nehmen, wo doch das eigene den Winter nicht überlebt hat. Cole, Robbie und die anderen überlegen nicht lange, sondern schwingen sich in ein Boot, um die reichen Nachbarn ein wenig zu erleichtern.

Fazit

Die Serie Camp bringt den idyllischen Traum eines Sommers auf den Bildschirm. Das geht nicht ohne Klischees und Oberflächlichkeit über die Bühne. Mit hoher Toleranzgrenze in diese Richtung kann man sich jedoch recht begeistert mit ans Lagerfeuer setzen.

Trailer zur Serie Camp:

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