Bridgerton: Review zum Start der der Netflix-Serie

© zenenfoto zur US-Serie Bridgerton (c) Liam Daniel/Netflix 2020
Seit vielen Jahren fragt sich ein kleiner Teil der SERIENJUNKIES.DE®-Redaktion, warum es eigentlich nicht mehr Liebesroman-Adaptionen in der Serienwelt gibt. Outlander hat mit einer Prise Fantasy bewiesen, dass das mit einem gewissen Budget und engagierten Machern hervorragend in einer Serie funktionieren kann. Eine weiterhin treue Fangemeinde und gute Quoten weltweit bestätigen die Arbeit.
Das Budget muss dabei nicht ausschlaggebend sein, wie an den Beispielen Virgin River und When Calls the Heart zu sehen ist. Ein Drittel der in den USA verkauften fiktionalen Romane zählen mittlerweile zum Genre der Liebesromane und liefern jährlich einen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar. Ein Trendzug, auf den die Serienmacher vorurteilsfrei aufspringen...
Hier finde Ihr alle Tracks des Soundtracks zur Netflix-Serie Bridgerton
Nachdem Shonda Rhimes, die Queen der Liebes-Network-Procedurals - man denke nur an den Dauerbrenner Grey's Anatomy oder die Politiksoap Scandal - ihren Heimatsender ABC verließ und mit ihrer Produktionsfirma Shondaland einen 100-Millionen Deal mit dem US-Streamer Netflix unterschrieb, wartete man gespannt auf die ersten Projekte.
Derweil liefert Ryan Murphy gefühlt monatlich neue Serien wie Ratched, Hollywood oder The Politician durch seinen Exklusivdeal beim Streamer ab, doch Rhimes Output ließ auf sich warten. Letztlich überraschte sie nicht nur die Liebesromanwelt mit der Adaption der „Bridgerton“-Reihe von Julia Quinn, die sie ihrem langjährigen Vertrauten Chris Van Dusen (Scandal) als Showrunner anvertraute.
XOXO, Gossip Lady here...
1813, ganz London ist in heller Aufregung zum Beginn der neuen Saison. Die Debütantinnen werden herausgeputzt und die verzweifelten Mütter, machen sich Sorgen, dass ihre älteren Töchter nicht verheiratet werden. Dowager Viscountess Violet Bridgerton (Ruth Gemmel) muss sich diese Sorgen nicht machen, wurde ihre älteste Tochter Daphne (Phoebe Dynevor) bei der Audienz von der Königin Queen Charlotte (Golda Roseuvel) als quote („fehlerlos“) bezeichnet und gilt seitdem als neuer Juwel der Ballsaison. Wäre da nicht der älteste Bridgerton-Sprössling Anthony (Jonathan Bailey), der seine Schwester schnellstmöglich mit dem eindeutig unangenehmen Lord Berbrooke vermählen möchte...
Derweil erscheint Simon Basset (Rege-Jean Page), der Duke of Hastings, auf der Balloberfläche und bekommt es mit den heiratswilligen Töchtern und deren Müttern zu tun. Nachdem er Daphne vor einem Übergriff im dunklen Garten beschützt hat beziehungsweise sie ihren Angreifer k. o. schlägt, vereinbaren die beiden einen Pakt. Sie treten als Paar auf, so dass Daphne ohne den brüderlichen Einfluss wieder von der Gesellschaft begehrt wird, einen Ehemann finden kann und Simon von den Müttern und ihren Töchtern verschont bleibt. Auch die kommentierende Skandalnudel Lady Whistledown (Stimme von Julie Andrews) scheint diese Paarung zu unterstützen.
Regeln zur Übersichtlichkeit
Im Piloten wird in einem kleinen Nebensatz erwähnt, dass die Bridgertons ihre acht Kinder alphabetisch benannt haben. Dies hilft ungemein, den Überblick bei der riesigen Anzahl von Familienmitgliedern zu behalten. Da sind zum einen die drei ältesten Brüder Anthony, Benedict und Colin. Darauf folgen die drei Töchter Daphne, Eloise, Francesca, dann Sohn Gregory und Hyacinth, die jüngste im Bunde. Bei den Featheringtons herrscht der Buchstabe P, neben den gelben und grünen Kleidern, vor. Philipa, Prudence und Penelope (bezaubernd: Nicola Coughlan, Derry Girls). Außerdem befindet sich Marina Thompson (Ruby Barker) zu Besuch im Hause Featherington.

Fazit
Hier wird schon das größte Problem der Pilotepisode deutlich. Es sind einfach zu viele Charaktere, die in den ersten 50 Minuten vorgestellt werden. Der Zuschauer versucht, sich zwanghaft an kleinen Nuancen wie unterschiedliche Frisuren oder Kleider die Charaktere zu merken und man fragt sich, warum wirklich alle sofort auf einen losgelassen werden müssen...
Hinzu gesellt sich der durchaus gewöhnungsbedürftige Look von bonbonfarbigen Kleidern und teils schlechten digitalen Effekten, die dann wieder von kolossalen Kulissen und Sets abgelöst werden. Der diverse Cast im historischen Kontext fördert die anfängliche Verwirrung, schmiegt sich nach einigen Minuten aber überraschend passend in das Geschehen ein und spätestens, wenn das Orchester beim ersten Ball die klassische Adaption des Hits „Thank U, Next“ von Ariana Grande anstimmt, ist man in dem soapigen Bann von Bridgerton gefangen.
Wenn sich die Serie im weiteren Verlauf auf die durchaus gelungene Chemie von Daphne und Simon fokussieren kann, unnötiger Plotballast (Anthony und seine Geliebte?) abgeworfen und eine gewisse Konsistenz in den technischen Effekten realisiert wird, könnten die Bridgertons den passenden Eskapismus zum Ende eines turbulenten Jahres liefern.
Du kannst die Serie Bridgerton jetzt sofort bei Netflix streamen.
Hier abschließend der Trailer: