Bridgerton 3x08

© Netflix und Liam Daniel
Verehrte Leserschaft, endlich ist es so weit, diese Autorin freut sich darüber, Euch mit dem SERIENJUNKIES.DE®-Review zur dritten Staffel des Netflix-Hits Bridgerton erfreuen zu können. Wir sind bereits zum dritten Mal eingeladen, uns auf den ausladenden Bällen des Regency-Englands zu amüsieren. Es wird dekadent, romantisch und an manchen Stellen ganz schön sexy...
Am 16. Mai startete der erste Teil der dritten Staffel von „Bridgerton“ bei Netflix. Teil Zwei folgte dann am 16. Juni. Jede Staffel der Romance-Serie erzählt die Geschichte eines der acht Bridgerton-Geschwister, wie sie die feine Gesellschaft navigieren und ihre große Liebe finden. Genau wie sich jede Staffel einem der Brüder oder Schwestern widmet, orientiert sich jede Staffel auch an einem Klischee aus der Romantik-Literatur: Diesmal sehen wir, wie der drittgeborene Colin (Luke Newton) endlich lernt, seine Liebe zu Mauerblume Penelope Featherington (Nicola Coughlan) zum Ausdruck zu bringen.
Endlich kommt zusammen, was zusammengehört

Die Romanze der beiden bahnt sich bereits seit der ersten Staffel an und war daher lang ersehnt. Penelope wird uns Zuschauer:innen in der ersten Staffel als beste Freundin Eloises (Claudia Jessie), die zweitgeborene Tochter der Bridgertons, vorgestellt. Schon damals ist es offensichtlich, dass sie im Stillen in Colin verliebt ist, der sieht sie allerdings nur als Freundin. Generell scheinen sich Männer nicht besonders für Penelope zu interessieren.
Das soll sich jedoch in dieser Staffel ändern: Penelope ist es leid, unter dem Dach ihrer giftigen Mutter und Schwestern leben zu müssen und beschließt: In dieser Saison wird auch sie endlich einen Ehemann finden. Colin verspricht, ihr dabei zu helfen.
Das verspricht uns als Zuschauer:innen wiederum viel Zeit alleine mit den beiden, die sich auch auszahlt: Es kommt zu allerlei Momenten, der Sehnsucht, romantischen Situationen und unterdrückten Gefühlen. Es wäre schön, mehr davon zu sehen. Denn Colins tatsächliches Liebesgeständnis fühlt sich leider etwas voreilig an... Die außerordentliche Chemie zwischen Luke Newton und Nicola Coughlan ist allerdings auch hier nicht von der Hand zu weisen.
Generell wäre es wünschenswert gewesen, wenn das Pärchen dieser Season etwas mehr Zeit für sich gehabt hätte. Zwar gibt uns Staffel drei einige der heißesten Sexszenen der ganzen Show, die Romanze bleibt dabei jedoch etwas liegen. Selbstverständlich hatten Colin und Penelope jetzt bereits zwei Staffeln und ein ganzes Leben Zeit - in ihrer eigenen Staffel scheint sich ihre Romanze eher im Hintergrund abzuspielen. Stattdessen passieren viele Neben-Plots gleichzeitig - zu viele... Und nicht alle davon werden zufriedenstellend aufgelöst.
Hier schon mal der deutsche Trailer zur zweiten Hälfte der dritten Staffel von „Bridgerton“:
Zu viel auf einmal

Da wäre zum einen der schrullige Lord Debling (Sam Phillips), welcher sich zu Beginn der Saison für Penelope interessiert. Dieser soll natürlich einen Rivalen zu Colin darstellen und er wäre die praktikable Option für Penelope: Ein Mann, der sie und ihre Interessen respektiert, der allerdings auch den Großteil des gemeinsamen Lebens in der Wildnis verbringen würde. Das gäbe Penelope natürlich genug Zeit, sich ihrem Alias der Gerüchte-Schreiberin Lady Whistledown (Julie Andrews) zu widmen.
Debling wäre definitiv praktisch, aber eben nicht die große Liebe. Nachdem Colin ihr dann am Ende des ersten Teiles seine Liebe gesteht, verschwindet Debling allerdings einfach. Wir erfahren nie, was aus ihm geworden ist. Ein Muster, das wir mit den Rivalen der Hauptfiguren immer wieder sehen. Oder weiß noch jemand, was aus Daphnes preußischem Prinz geworden ist? Es ist fast so, als wüssten die Schreiber:innen nicht, was sie mit diesen Figuren anstellen sollen, nachdem sie ihre Rolle gespielt haben.
Wo wir gerade von Lady Whistledown sprechen: Diese wird in dieser Season zu einem immer größeren Problem. Wir wissen schon länger, dass Penelope die Feder der Autorin schwingt. Auch Eloise durfte dies in der letzten Staffel erfahren. Dies sorgt für Spannungen zwischen den beiden. Und während sich Penelope einem Bridgerton annähert, verliert sie immer mehr den Draht zu einer anderen...
Am Ende der Staffel gesteht Penelope vor allen, dass sie hinter allem steckt. Gleichzeitig beschließt sie nun, unter ihrem echten Namen weiterzuschreiben. Wie genau das funktionieren soll, ist unklar, denn wer verrät der berühmt-berüchtigten Lady Whistledown nun seine Geheimnisse? Aber wer weiß, vielleicht findet sich in der nächsten Staffel eine Lösung...
Mit dem Lady-Whistledown-Reveal sowie Colins und Penelopes Vereinigung lösen sich auch noch einige der anderen Probleme der Season: Die finanziellen Probleme der Featheringtons sind durch Penelopes Verdienste gelöst. Die Frage danach, wer den Featherington-Titel erben wird, klärt sich auch von selbst, als Penelope einen Sohn gebärt.
Die Sache mit Cressida Cowper...

Statt mit Penelope bandelt Eloise diese Staffel mit Cressida Cowper (Jessica Madsen) an. Die beiden passen offensichtlich nicht zusammen, doch für einige Folgen wirkt es so, als könne sich das ändern. Cressida kennen wir bisher nur als oberflächliche Mobberin. In dieser Season ändert sich das. Wir lernen eine unsichere junge Frau kennen, die unter dem immensen Druck ihrer Eltern steht, gut zu heiraten. Dies bietet somit auch eine Erklärung für ihr Verhalten aus den vorherigen Staffeln. Durch Eloises Einfluss scheint sie etwas empathischer zu werden und zwischen beiden entwickelt sich eine echte Freundschaft... bis zum zweiten Teil der Staffel.
Cressida lernt, dass sie nun, da sie es nach drei Saisons noch nicht geschafft hat, einen passenden Ehemann zu finden, den alten Lord Creed heiraten soll. Als die Queen (Golda Rosheuvel) dann ein Kopfgeld auf Lady Whistledown aussetzt, beschließt sie, sich selbst als Whistledown zu outen, um ihrem Schicksal zu entkommen. Ein Plan, der scheitert. Letztendlich muss Cressida sich ihrem dunklen Schicksal beugen.
Cressidas Arc hätte besser gestaltet werden können und kam bei der überwiegend weiblichen Zuschauerschaft der Show nicht gut an. Auch diese Autorin muss sagen, dass es der Geschichte um Cressida Cowper an Biss fehlt. Cressidas Storyline hätte mehr über Sexismus und die Behandlung von Frauen in dieser und unserer Gesellschaft aussagen können. Die Show traut sich allerdings kaum, dies voll auszuschöpfen. Cressidas Verzweiflung treibt sie dazu, wieder schreckliche Dinge zu tun; am Ende framt die Show es allerdings so, dass sie ihr Schicksal trotzdem verdient hätte. Schließlich hatte sie ihre Chance auf einen redemption-Arc.
Weder die selbsterklärte Feministin Eloise noch die einflussreiche Lady Danbury (Adjoa Andoh), die einst ein ähnliches Schicksal ereilte, setzen sich für Cressida ein. Gerade im Falle von Eloise ist dies etwas schade und lässt den Charakter einige Schritte in seiner Entwicklung zurückgehen. Wir können nur darauf hoffen, dass die vierte Staffel uns neue Einblicke in Cressidas Leben und ihr eine neue Chance gibt.
Cressidas Storyline macht allerdings ein Problem, das die Show seit Beginn hat, ein bisschen klarer: „Bridgerton“ ist als historisches Drama angelegt, hält sich allerdings kaum an historische Authentizität. So entstand in den ersten Seasons eine aufregende und erfrischend neue Welt, die moderne Elemente mit der Romantik der Vergangenheit verbindet. Dazu trägt auch bei, dass es in der Welt von „Bridgerton“ kaum Rassismus gibt, zumindest nicht in den Ausmaßen, wie es historisch akkurat gewesen wäre.
Was uns in der Pandemie jedoch noch half, der grausamen Realität zu entkommen, wird jetzt zum Stolperstein. Sozialkritik wie im Falle von Cressida Cowper funktioniert in der Welt von „Bridgerton“ nicht. Ich finde es seit Season eins etwas störend, dass wir Rassismus vermeintlich ausgemerzt haben, andere Formen der Unterdrückung allerdings so existieren, wie sie das auch in der realen Welt tun. Cressida Cowpers Storyline zeigt: Die Kritik an historischen Begebenheiten fällt schwer, wenn dadurch die Fantasie einer perfekten Vergangenheit durchbrochen wird.
Endlich mehr Diversität
Das klingt, als ob diese Autorin wenig Positives über die dritte Staffel zu sagen hat - das entspricht allerdings nicht der Wahrheit.
Man merkt dieser Staffel an, dass sich die Macher:innen Mühe dabei gegeben haben, mehr auf Fans zu hören. Wir sehen nun mehr Diversität, die auch über die Hautfarbe hinausgeht. Gleich in der ersten Folge sehen wir eine junge Debütantin, die in „British Sign Language“ mit ihrer Mutter spricht. Auch in Penelope selbst sehen wir etwas, das wir sonst selten sehen: eine Plus-Size-Frau in einer romantischen Hauptrolle.
Endlich auch Repräsentation für die LGBTQIA+-Community?

„Bridgerton“ scheint auch endlich seine queere Identität zu entdecken. Gleich zwei Storylines scheinen darauf hinzudeuten, dass wir endlich zwei queere Romanzen erleben dürfen: Lasst uns mit Benedict (Luke Thompson) anfangen. Dieser lernt auf einer Ballonshow eine junge Witwe (Hannah New) kennen, die ihn ihrem Freund Paul Suarez vorstellt. Dabei hat sie Hintergedanken - und wir bekommen „Bridgertons“ erste Ménage-à-trois zu sehen. Dies könnte darauf hindeuten, dass Benedict bisexuell ist oder zur ersten polyamoren Lovestory führen.
Auch Francesca (Hannah Dodd) überrascht diese Season. Die Entwicklungen zwischen der eher zurückgezogenen Francesca und dem ähnlich introvertierten John Stirling dürfte Fans der Bücher kaum überraschen. Dass aus dessen Cousin Michael in der Show nun Michaela geworden ist, sorgte bei Fans eher für Verwirrung. In den Büchern verliebt sich Francesca nach dem unerwarteten Tod Johns in dessen Cousin Michael. Die Änderung in der Show deutet darauf hin, dass auch Francesca bisexuell oder lesbisch sein könnte. Das stieß bei Fans auf gemischte Reaktionen.
Und auch diese Autorin ist sich nicht sicher, ob die Autor:innen die Finesse besitzen, die es braucht, um diese Geschichten weiter auszuführen. Ich schaue allerdings vorsichtig optimistisch in die Zukunft und möchte hier zumindest den Versuch loben.
Sehenswert trotz aller Fehler
Alles in allem war diese Staffel „Bridgerton“ nicht schlecht, hätte an einigen Stellen allerdings etwas mehr Feinschliff vertragen können. So würde die Königin sie wohl nicht zu einem Diamanten ernennen können. Es passieren zu viele Dinge auf einmal, was es schwer macht, sich auf die eigentliche Romanze zu konzentrieren. Viele Dinge bleiben ungeklärt, andere lösen sich etwas zu schnell oder nicht befriedigend auf.
Trotzdem ist diese Staffel sehenswert, nicht zuletzt, weil es viele Details gibt, mit denen sich Mühe gegeben wurde. Die Showrunner:innen versuchen offensichtlich, den Wünschen der Fans zu folgen und auch die Leser der Bücher zu überraschen.
Wie die Staffeln davor ist auch diese ein Augenschmaus, weswegen es sich lohnt, sie sich anzusehen.
Hier außerdem noch der Originaltrailer zur dritten Staffel der Serie „Bridgerton“:
Staffel vier lässt sich Zeit
Auf die nächste Staffel müssen wir wohl noch etwas warten. Eine vierte Staffel wurde zwar bereits 2021 mit der dritten angekündigt, das Produktions-Team möchte sich allerdings Zeit lassen. Nach Angaben der Showrunnerin Jess Brownell ist nicht vor 2026 mit neuen Episoden zu rechnen. Fans bleibt also nichts anderes übrig, als sich auf ihren Landsitz zurückzuziehen und zu warten, bis Netflix sie zum nächsten Ball einlädt.
Wir vergeben daher dreieinhalb von fünf Diamanten.
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 17. Juli 2024(Bridgerton 3x08)
Schauspieler in der Episode Bridgerton 3x08
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