Bridgerton 1x08

Bridgerton 1x08

Die Romanverfilmung Bridgerton ist in aller Munde: Die Mischung aus bekannten Viktorianismus-Formaten wie Stolz und Vorurteil und moderneren Ansätzen à la Gossip Girl scheint eine anziehende Wirkung auf die Zuschauer/-innen zu haben.

Serienposter zur neuen Netflix-Serie Bridgerton (c) Netflix
Serienposter zur neuen Netflix-Serie Bridgerton (c) Netflix
© erienposter zur neuen Netflix-Serie Bridgerton (c) Netflix

Auf Netflix ist eine neue Serie namens Bridgerton an den Start gegangen, die einen regelrechten Hype mit sich bringt. Die Serie stellt eine Mischung aus altbekannten Formaten wie „Jane Eyre“, Downton Abbey et cetera mit einem poppigeren und moderneren Ansatz dar. Dabei kommt die Serie, die auf der gleichnamigen Buchreihe von Julia Quinn basiert, wie die Viktorianische Variante von Gossip Girl rüber. An der Verfilmung ist die Macherin von Grey's Anatomy, Scandal, How to Get Away with Murder und Co, Shonda Rhimes, beteiligt, was dem Stil der Serie auch anzumerken ist.

Darum geht's in Bridgerton

Im Viktorianischen London geht die Ballsaison los. Das einzige Ziel der Adelsgesellschaft ist es, ihre heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bekommen. Dabei ist das Ansehen der Damen das Wichtigste überhaupt und alle Mittel sind erlaubt, um das Ziel zu erreichen. Bei diesen Heiraten geht es weniger um Liebe als um finanzielle Mittel.

Doch Daphne Bridgerton (Phoebe Dynevor) möchte, so wie ihre Eltern, aus Liebe heiraten. Um ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt zu erhöhen, schließt sie einen Deal mit dem (äußerst gutaussehenden) Herzog Simon Basset (Regé-Jean Page): Sie geben vor, aneinander interessiert zu sein, so dass sich das Interesse der Männer an Daphne erhöht und der Herzog nicht von der Gesellschaft über seine Heiratszukunft ausgefragt wird. Auch die drei Töchter der Featheringtons versuchen, einen Mann abzubekommen, haben dabei jedoch nicht so viel Glück wie Daphne. Ihre hübsche Cousine Marina Thompson (Ruby Barker) ist bei den Männern beliebt, doch, wie sich herausstellt, ist sie schwanger - eine absolute Schande in der damaligen Gesellschaft.

Das passiert in der 1. Staffel von Bridgerton

Damit Marina nicht auf die Rückkehr des Vaters ihres Kindes wartet, fälscht Portia Featherington (Polly Walker) einen Brief des Liebhabers, in dem er nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte.

Dabei steht ihr die ganze Zeit Penelope Featherington (Nicola Coughlan, bekannt aus Derry Girls) als wahre Freundin an der Seite. Penelope ist etwas molliger und hat deshalb nicht so viel Glück bei den Männern (so wird es in der Serie dargestellt). Sie ist mit zwei Mitgliedern der Bridgerton-Familie befreundet - mit der feministischen und emanzipierten Eloise (Claudia Jessie), die sich gegen die Regeln des Systems wehrt, und mit Colin (Luke Newton), in den sie verliebt ist. Dieser macht nach kurzer Zeit Marina den Hof, das allerdings sehr zum Missfallen von Penelope; insbesondere, da sie weiß, dass ihre Ehe auf einer Lüge aufgebaut ist: auf dem Vorwand, Marina vor einem Leben in Unehre zu bewahren.

Schließlich enthüllt Lady Whistledown Marinas Geheimnis, wodurch die bevorstehende Heirat platzt. Somit bleibt ihr keine andere Wahl, als den Bruder ihres Geliebten, der im Krieg gefallen ist, zu heiraten. Auch Daphne tritt vor den Traualtar, zusammen mit dem Herzog. Ihre Heirat aus Liebe entwickelt sich jedoch schnell zu einem Rosenkrieg, da er ihr keine Kinder schenken möchte und sie sich aber nichts sehnlicher wünscht in ihrem Leben. Nach mehreren Gesprächen können sie sich einigen und gründen eine Familie miteinander. In der Zwischenzeit versucht Daphnes Schwester, hinter die Identität von Lady Whistledown zu kommen. Doch so sehr sich Eloise auch bemüht, sie kommt nicht dahinter, dass Lady Whistledown niemand anderes als ihre beste Freundin Penelope Featherington ist...

Hier unser Pilotreview zur Netflix-Serie

So kommt die 1. Staffel der Netflix-Serie Bridgerton rüber

An sich ist die Geschichte nichts wirklich Neues. Das Viktorianische England wurde schon zur Genüge in Büchern, Filmen und Serien dargestellt. Doch „Bridgerton“ wählt eine neue und damit auch erfrischende Darstellungsweise, so dass sie sowohl für Viktorianismus-Fans als auch für Zuschauer/-innen, die sich eher für modernere Themen und Inszenierungen interessieren, spannend ist.

So ist die Netflix-Serie zum Beispiel audiovisuell total poppig. Die Outfits, die Kleider, die Kostüme, erscheinen äußerst farbenfroh. Auch die Haare der Frauen der Featheringtons sind durch ihre Röte auffallend. Durch diese Mischung wirken sie fast karikativ, doch auch das Set selbst wirkt insgesamt sehr bunt und passt dadurch zu diesem eher fröhlichen Eindruck.

Auf der tonalen Ebene entsteht das Poppige durch die Viktorianisierung moderner und berühmter Lieder wie von Billie Eilish und Taylor Swift. Diese Songs werden verlangsamt, Streicher kommen dazu, der Gesang fällt weg und schon passen sie perfekt in das ältere England. Solche Inszenierungen haben für uns Zuhörer aber auch gleichzeitig einen tollen Wiedererkennungswert, der uns vor Augen führt, wie neuartig diese Serie sein möchte.

Eine andere ungewöhnliche Note, die hier enthalten ist, ist der ständige Tratsch der Elite über andere Mitglieder. Das erinnert stark an die berühmte Teenserie Gossip Girl, bei der auch eine anonyme Quelle über das Leben der Reichen und Schönen berichtete. Dieses Format wird nun ins 19. Jahrhundert verlagert. Während die Identität des Gossip Girls erst in der einst finalen Staffel enthüllt wird, geschieht dies bei „Bridgerton“ um einiges früher... Für die Serie wurde auch schon eine zweite Staffel bestellt. Diese wird aber erst 2022 erscheinen. Wie wird es dann mit Lady Whistledown weitergehen?

Die frühe Enthüllung ihrer Identität ist zumindest etwas irritierend, schockierend und auch spannend zugleich. Nun, da uns das bekannt ist, ist Lady Whistledown nicht mehr so geheimnisvoll wie vorher. Doch das war eigentlich die wichtigste Eigenschaft ihres Charakters. Was denkt ihr, wie nun mit Lady Whistledown verfahren wird? Wird sie sich Stück für Stück anderen anvertrauen und so ihr Netzwerk aus Spionen ausbauen? Oder werden wir nun generell mehr über ihre Arbeit erfahren?

Dass „Bridgerton“ keine klassische oder konservative Inszenierung des Viktorianischen Zeitalters ist, zeigt sich auch an der Darstellung von Sexualität. So wird die Netflix-Serie in den Flitterwochen von Simon und Daphne ganz schön freizügig und erinnerte mich damit beinahe schon an „verruchte“ Serien wie The Borgias und The Tudors. Bei diesen Liebesszenen wurden die unglaubliche Leidenschaft und Anziehungskraft der beiden füreinander zum Greifen nahe. Ich fand es wichtig, dass den Zuschauern dieser Teil ihrer Beziehung verdeutlicht wurde, um so ihre Bindung besser verstehen zu können. Hieran soll auch die sexuelle Emanzipation der Frau - Daphne - hervorgehoben werden, indem sie auch mal die Führung im Bett übernimmt. Das steht jedoch im Gegensatz zu ihrer Unwissenheit über Sex. Das könnte man andererseits wiederum als Kritik an der Aufklärungsarbeit der Mutter, aber vielleicht auch an der damaligen Zeit, auffassen.

Netflix
Netflix - © Netflix

Im Gegensatz dazu steht für mich aber die Inszenierung des Blicks des Mannes auf die Frau. So werden diese überdeutlich und für mich fast schon übertrieben inszeniert. Das verstärkt hier den Gedanken, dass Frauen sich für Männer hübsch machen müssen. Wenn sie nicht hübsch sind, bekommen sie keinen Mann ab. Und Männer sind eben nur an Frauen aufgrund ihres Aussehens interessiert. Das sind alles für mich veraltete Rollenbilder, die man im 21. Jahrhundert nicht weiter verbreiten sollte und was dann wieder nicht zum modernen Stil der Produktion passt. In diesen Tenor verfällt die Serie glücklicherweise nur in den Ballsaalmomenten. Dahingegen zeichnet sie in den privaten Szenen ein doch eher realistisches Bild. Diesen Unterschied in der Darstellung könnte man auch als die verdeutlichte Diskrepanz des männlichen Verhaltens im öffentlichen, gesellschaftlichen und von Erwartungen geprägten Raum im Gegensatz zum privaten Raum interpretieren.

Eine der für mich größten Handlungsschwächen stellt der Handlungsstrang rund um Simons Unwillen, ein Baby zu bekommen, dar. Er und sein Vater verabscheuen sich gegenseitig. Diesem schwört er aus Rache an dessen Totenbett, dass seine Familie mit ihm aussterben wird, da er kein Kind zeugen will. Diese Logik ist für mich und auch für Daphne nur bedingt verständlich - vor allem dann nicht mehr, wenn Simon eine Frau geheiratet hat, die er abgöttisch liebt und die ihn über alles liebt und unbedingt eine Familie mit ihm gründen möchte. Wie Daphne es so passend ausdrückt, beweist er hier, dass seine Abscheu für seinen Vater größer als seine Liebe zu ihr ist. Zudem führen die beiden kein einziges Mal ein ausführliches Gespräch über diesen doch überaus wichtigen Umstand. Weder sucht sie diesbezüglich das Gespräch und nimmt einfach an, dass er impotent ist, noch versucht er, ihr zu erklären, was „Ich kann keine Kinder bekommen“ bedeuten soll. Dass es deshalb zu einer Eskalation kommt, war vorherzusehen. Doch, dass es zu einem solch langen Streit kommt und dieser Umstand ein scheinbar unüberwindbares Hindernis darstellt, ist mir unbegreiflich.

Nicht nur die Rolle von Frauen im Viktorianischen England, sondern auch deren Darstellung in diversen Medien - wenn es um historische Stoffe geht - stört mich. Unter anderem aus diesem Grund bin ich oft Erzählungen mit solchen Inhalten abgeneigt. Doch ich muss zugeben, dass Bridgerton, dessen Erzählfokus eindeutig auf den weiblichen Figuren liegt, diesbezüglich eine Ausnahme darstellt: Die Protagonistin möchte aus Liebe heiraten und setzt sich mit diesem Wunsch auch durch. Abgesehen davon gibt es für mich vier Frauen beziehungsweise Frauengruppen, die aus der üblichen Darstellung von Frauen des 19. Jahrhunderts herausstechen und aus den vorurteilsbehafteten 08/15-Rollen herausbrechen. Dazu gehört die Feministin Eloise, die sich gegen die zeitgenössischen Konventionen wehrt: Sie fängt an herumzuspionieren, ist also eigenständig, selbstbestimmt. Sie liest und schreibt viel, ist also gebildet. Und sie traut sich auch, den Mund gegenüber denjenigen aufzumachen, die nicht ihrer Meinung sind (wie ihre Schwester Daphne, die für sie alles verkörpert, was sie selbst hasst).

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Mich hat auch die Darstellung von arbeitenden Frauen wie Madame DeLaCroix und die Opernsängerin erfreut: Sie sind sowohl finanziell als auch sexuell frei, indem sie an keinen Mann gebunden sind. Dabei führen sie aber auch - in gewissem Sinne - ein Leben außerhalb der Gesellschaft. Dieses ist, zumindest von der Opernsängerin, selbst gewählt. Sie verweigert es damit letztlich, in diese Gesellschaft, die voller Zwänge ist, einzutauchen und bleibt lieber ihrem aktuellen Leben treu.

Lady Whistledown (oder eben Penelope Featherington) bricht mit den damaligen Konventionen, indem sie Klatsch verbreitet und indem sie eine anonyme Quelle als Frau und auch als Mitglied der Elite darstellt. Das bringt das steife Gerüst der Viktorianischen Elite ins Wanken.

Zu guter Letzt verstößt (auch) Marina Thompson gegen einige damalige Regeln, indem sie, eine Frau von Ehre, vor der Ehe Sex hatte, davon schwanger wird und der Vater des Kindes nicht gewillt ist, sie zu heiraten. Nun muss schnellstmöglich ein Mann her, bevor das Geheimnis ans Licht kommt und sie für immer als ehrenlose und arme Frau durch das Leben geht...

Fazit

Der Hype um „Bridgerton“ lässt sich durch die Handlungsparallelen zu Gossip Girl, die audiovisuell poppige und moderne Aufmachung, die Inszenierung von willensstarken Frauen und der Emanzipation dieser erklären. Dabei ist die Serie zwar unterhaltsam, aber auch etwas vorhersehbar. Das Netflix-Drama ist sowohl Fans von „Gossip Girl“ als auch von Formaten wie „Stolz und Vorurteil“ zu empfehlen.

Hier abschließend noch der Season-Trailer zur ersten Staffel der neuen Shondaland-Netflix-Serie „Bridgerton“:

Verfasser: Maike Karr am Samstag, 9. Januar 2021
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Bridgerton 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Nach dem Regen
Titel der Episode im Original
After the Rain
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 25. Dezember 2020 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 25. Dezember 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 25. Dezember 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 25. Dezember 2020
Regisseur
Alrick Riley

Schauspieler in der Episode Bridgerton 1x08

Darsteller
Rolle
Adjoa Andoh
Ruby Barker
Sabrina Bartlett
Ruth Gemmell
Claudia Jessie
Luke Newton
Golda Rosheuvel
Julie Andrews

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