Boom Boom Bruno: It's a Man's World - Review der Pilotepisode

Boom Boom Bruno: It's a Man's World - Review der Pilotepisode

Mit „Boom Boom Bruno“ bringt Odeon Fiction eine witzige und einnehmende Crimedy zu Warner TV Serie, die mit rustikalem Charme und dummen Sprüchen gespickt ist. Ein weiteres Plus: Ben Becker als alternder Straßenbulle und „ganzer Kerl“. Unser Ersteindruck: unbedingt reinschauen.

Poster zur Serie „Boom Boom Bruno“
Poster zur Serie „Boom Boom Bruno“
© Warner TV Serie

Das passiert in der Pilotfolge von „Boom Boom Bruno“

Bruno Klöpel (Ben Becker) ist in Boom Boom Bruno, das, was man landläufig als ganzen Kerl ansieht. Und nicht nur das: Er ist ein harter Geselle und ein knallharter „Straßenbulle“, der gerne mal hinlangt, wenn es die Situation erfordert. In Westernhut, Lederweste und Cowboystiefel, den obersten Knopf des Polizeihemdes stets lässig offen tragend, wühlt er sich durch die Abgründe seines Viertels und tut das, was echte Sheriffs eben tun.

Wenn Bruno frei hat, liebt er einen guten Bourbon und lebt quasi im Nachtclub um die Ecke. Mit Sprüchen wie „Ein guter Polizist ist ein echter Mann. Ein echter Mann weiß, was er will und zeigt keine Gefühle. Ein echter Mann hat keine Angst, heult nicht herum und trifft Entscheidungen“, stielt er seinen jungen Kollegen Mark (Vincent Zur Linden) richtig ein und will ihn zu einem Abziehbild seiner selbst machen.

Doch Mark gehört eben jener Minderheit an, die Bruno vorgeblich verabscheut: Er ist schwul, liebt es, in seiner Freizeit Frauenkleider zu tragen und sich zu schminken. Als das ungleiche Duo den Mord an der Dragqueen Sugar Candy aufklären soll, weil die Mordkommission in Berlin keine Ressourcen hat, gerät Bruno gründlich aus den Fugen. Schließlich merkt er, dass die Welt alles andere als schwarz und weiß ist. Unbemerkt nimmt sein Leben eine Wendung vom Chauvinisten hin zu einem Menschen, der die bunte Vielfalt des Lebens zu schätzen lernt...

Bruno

Szenenfoto aus der Serie „Boom Boom Bruno“
Szenenfoto aus der Serie „Boom Boom Bruno“ - © Warner TV Serie

Um es einmal direkt vorwegzunehmen: „Boom Boom Bruno“ ist grandios. Nicht nur, weil die sechsteilige Crimedy ein wohl durchdachtes und intelligent geschriebenes Statement für Vielfalt ist. Sondern auch, weil die Serienerfinder Kerstin-Sofie Laudascher und Maurice Hübner Welten aufeinanderprallen lassen.

Da ist der alternde Straßenpolizist Bruno, der sein Leben irgendwo zwischen dem Klischee des harten Cops à la „Die Hard“, chauvinistischem Gehabe und seiner einsamen Existenz eingerichtet hat. Boom Boom, wie ihn seine Kollegen nennen, hält sich für einen harten Hund, der ein antiquiertes Männerbild lebt und dieses bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit herrlich dummen Sprüchen kommentiert.

Wenn er beispielsweise im Beisein seines neuen Kollegen Mark ins Auto furzt und diesem mit einem Lächeln erklärt, dass eben alles raus muss, „was keine Miete zahlt“, fühlt man sich direkt an diverse Actionstreifen der 80er Jahre erinnert. Witze auf Kosten vermeintlich Schwächerer, Schlägereien und natürlich hin und wieder ein herzliches „Jawoll, ihr Schweinebacken“ sind Brunos Lebensinhalt.

Dennoch ist es nicht so, dass man Bruno Klöpel auf eine verdrehte Art nicht sofort lieben muss. Trotz seiner manchmal fragwürdigen Methoden hat er das Herz am rechten Fleck und ist im Grunde genommen ein netterer Kerl, als ihm selbst bewusst ist.

Mark

Sein junger Kollege Mark, der gerade von der Polizeischule gekommen ist und nun bei ihm das Handwerk des Schupos lernen soll, ist hingegen aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er ist schwul, hat eine feminine Ader und liebt es in seiner Freizeit, Frauenkleider zu tragen und sich zu schminken. In seiner Seele ist er die geborene Dragqueen und verkörpert damit alles, was Bruno zunächst zu verabscheuen scheint.

Es ist das auch heute immer noch viel zu klischeebeladene Bild über Polizisten, dass ihn zu der Entscheidung drängt, sich nicht zu outen. Erschwerend kommt für Mark hinzu, dass sein Vater eine Art Held war und er eigentlich in dessen Fußstapfen getreten ist, um seine Mutter stolz machen.

Anders ist besser

Ben Becker und die Dragqueen auf einem Szenenfoto aus der Serie „Boom Boom Bruno“
Ben Becker und die Dragqueen auf einem Szenenfoto aus der Serie „Boom Boom Bruno“ - © Warner TV Serie

Zusammenpassen will an dem ungleichen Duo also oberflächlich betrachtet rein gar nichts. Was dem Publikum von der ersten Minute an klar ist, dass Mark kein Draufgänger und „ganzer Kerl“ ist nämlich, übersieht Bruno geflissentlich. In seinem Wunsch, ihn für seine Methoden zu gewinnen, führt Klöpel den jungen Mann deshalb recht brachial in seine Welt ein.

Und die hat es in sich: Verhaftete Prostituierte abtasten, miese Kerle, die ihre Frau verprügeln kräftig verdreschen, während des Dienstes mal ein Bierchen zischen. All dies ist kein Problem für Bruno. Selbst die tragische Tatsache, dass er unter Prostatakrebs leidet, hindert ihn nicht daran, aus Mark die Art Polizist machen zu wollen, die für ihn Realität ist.

Dass in „Boom Boom Bruno“ also wie oben erwähnt Welten aufeinanderprallen, ist klar - und das ist gut so. Denn nur so kann die Serie ihren Kerngedanken ebenso adäquat wie gekonnt auf den Punkt bringen. So klischeehaft Bruno auch ist, so sehr er auch glaubt, Queerness zu verabscheuen und er behauptet, dass „Pimmelkrebs“ etwas für „Weicheier“ ist. Er kann sich der Veränderung, die er durch die Arbeit am Fall der ermordeten Dragqueen Sugar Candy erlebt, nicht entziehen.

Er mag und respektiert Mark und sieht ihn als eine Art Ersatzsohn an. Dass dieser sein Leben anders gestaltet als Bruno, wird sich im Verlauf der Staffel notwendigerweise für diesen immer weiter offenbaren. Die Zusammenarbeit der beiden Polizisten wird den Alt-Cop daher zweifelsfrei an den Punkt bringen, an dem er feststellt, dass die Clubbesitzerin Lady Lovelyn und ihre Mädels Shady, Honey Housten, Grazia Tella und Platina Gold Menschen wie alle anderen sind und dass ihnen Respekt und Toleranz gebührt.

Damit ist der tiefere Sinn hinter der Serie erfasst, denn wenn sich Bruno ändern kann, dann kann es jeder von Vorurteilen geprägte Mensch tun. Wenn ein lebendes Klischeebild wie er in der Lage ist, sich zu hinterfragen und zu erkennen, wie engstirnig er bislang lebte, macht das Hoffnung für unsere Zukunft. Denn von Bruno kann man etwas lernen, und man sollte es auch.

Fazit

Boom Boom Bruno ist charmant, witzig, frech und verdammt notwendig. Denn immer noch gibt es viel zu viele Menschen, die sich der Tatsache nicht bewusst sind, wie sehr Klischees verletzen. Zu oft werden queere Personen ausgegrenzt und in ihren privaten Raum verbannt.

Man spricht ihnen das Recht auf Öffentlichkeit ab und vertritt die Meinung, dass Homosexualität eine Krankheit ist, die man heilen kann, wenn zum Beispiel Schwule nur oft genug „an der Auster schnuppern“ würden, wie Bruno es so treffend vulgär ausdrückt.

Damit treibt die Serie das Klischee an sich auf die Spitze und vereint es in einer einzigen Person. Es ist Ben Beckers Verdienst, dass Bruno dennoch ein Typ zum Liebhaben ist und dass er bei aller Überzogenheit doch glaubwürdig bleibt.

Ein großes Lob gebührt zudem Vincent Zur Linden, der seine Figur einfühlsam, aber mit einem guten Gefühl für Comedy-Momente spielt. Nebendarsteller wie Sabrina Ceesay als alleinerziehende Mutter Alice, die sich ihren Lebensunterhalt im Stripclub verdienen muss, komplettieren das Bild von einer Serie, die bei gleichbleibender Qualität in die Kategorie Must-see gehören dürfte. Viereinhalb von fünf Punkten.

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