Bluff City Law: Kritik zum neuen Anwaltsdrama mit Jimmy Smits auf NBC

© luff City Law (c) NBC
Warum eigentlich Bluff City Law? Bevor ich mir die Auftaktepisode des NBC-Neustarts vorgeknöpft habe, beschäftigte mich vor allem die Frage nach dem Titel dieser Serie. Eine kurze Internetrecherche später war ich sogleich schlauer: „Bluff City“ ist der Spitzname der Südstaaten-Metropole Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, die Geburtsstätte der Blues-, Soul- und Rock'n'Roll-Musik sowie der Handlungsort des neuen Anwaltsdramas aus der Feder von Dean Georgaris und Michael Aguilar. Bluff (im Deutschen: Steil- oder auch Felsufer) bezieht sich dabei auf den „Chickasaw Bluff“ am Ufer des Fluss Mississippi, eine Anhöhe bestehend aus vier einzelnen bluffs (Memphis liegt auf dem vierten), die sich zwischen der Stadt Fulton und eben Memphis erstreckt. Daher: „Bluff City“.
Damit haben wir doch alle schon einmal weitaus mehr gelernt, als man im Vorfeld von „Bluff City Law“ erwartet hätte. So erhellend dieser kleine Fakt am Rande ist, so uninteressant und uninspiriert ist leider die Serie selbst, die sehr unspektakulär den guten alten „Legal Drama“-Stiefel runterspielt, welcher inzwischen mehr als nur ein bisschen ausgelatscht ist. Mit Hauptdarsteller Jimmy Smits, bekannt aus Serien wie „L.A. Law“, „NYPD Blue“, The West Wing, Sons of Anarchy, Dexter und so vielen mehr, konnte man zwar einen sehr prominenten Namen von diesem Projekt überzeugen, das allein davon aber wohl kaum überleben kann. So rührt man noch eine ordentliche Portion Familiendrama in diese fade Network-Suppe, ebenso wie eine Prise Pathos, stehen die Rechtsvertreter in „Bluff City Law“ doch mit all ihnen verfügbaren Mitteln für die hilflosen US-Bürgerinnen und Bürger ein, die von seelenlosen Großunternehmen drangsaliert werden.
Sydney Strait (Caitlin McGee), die zweite Hauptfigur der Erzählung, findet sich zu Beginn der Serie auf ebenjener „dunklen Seite“ wieder und verdingt sich als skrupellose Firmenanwältin, die die Interessen ihres Arbeitgebers rigoros vertritt. Zuvor arbeitete sie mit ihrem Vater zusammen, Elijah Strait (Jimmy Smits), der sich mit seiner in Memphis ansässigen Kanzlei nicht nur einen Namen gemacht hat, sondern mittlerweile längst als regelrechte Instanz hinsichtlich kontroverser Bürgerrechtsklagen gilt. Zwischen Vater und Tochter gab es jedoch vor geraumer Zeit einiges an Ärger, die Wege trennten sich. Nun, nachdem Elijahs Frau und Sydneys Mutter verstorben sind, geht der Herr Papa erneut auf seine Tochter zu, um das Kriegsbeil zu begraben und fortan wieder Seite an Seite für Gerechtigkeit zu kämpfen. Die problematische Vergangenheit zwischen den beiden, Sydneys eher gegensätzlicher Arbeitsansatz und neue, pikante Geheimnisse, versprechen jedoch, dass diese erneute Kollaboration auf wackligen Beinen steht...
Das möchte man uns zumindest im Laufe der Pilotepisode und insbesondere zum Ende der Folge, als kurz vor der Abblende noch fix eine kleine dramatische Bombe platzt, glauben lassen. Großartig mitgerissen von der potentiell schwierigen Vater-Tochter-Dynamik, die sich im Auftakt von „Bluff City Law“ letzten Endes als recht erfolgreich herausstellt, wird man als Zuschauer jedoch nicht. Ohnehin vermisst man die gesamten 42 Minuten Laufzeit über ein treibendes Element, das die Zuschauer in die Geschichte eintauchen und uns diese interessiert verfolgen lässt. Die recht simple Agenda der Figuren, Gutes zu tun, und zwar für diejenigen, denen Unrecht getan wurde und denen sonst keiner helfen möchte, lockt einen in dieser blutleeren Umsetzung heutzutage nicht mehr wirklich hinter dem Ofen hervor.

Change the world!
Es ist ja gar nicht einmal so wild, dass man den Plot und all die Wendungen in Bluff City Law innerhalb kürzester Zeit entschlüsselt hat. Der Anspruch, eine originelle Idee serviert zu bekommen, stellt sich überhaupt nicht. Jedoch wäre es dann doch nicht allzu schlecht gewesen, wenn man aus der altbewährten Formel, die diesem Anwaltsdrama zugrunde liegt, ein wenig mehr gemacht hätte als nur eine Abfolge an langweiligen Genretropen und austauschbaren Szenen. Wir springen nicht einmal munter, sondern fast schon ermüdend von Büro zu Gerichtssaal, zurück in die Kanzlei und dann sogar mal kurz in ein Gefängnis, weil die Episode ohne die vernachlässigbare Nebenhandlung nur eine halbe Stunde lang wäre. Gefühlt besteht die Pilotfolge aus vier bis fünf Szenen und der Wechsel zwischen diesen würde kaum auffallen, wenn sich die Hintergrundkulisse nicht jedes Mal verändern würde... So monoton und schleppend ist die Inszenierung von Regisseurin Jessica Yu.
Inhaltlich ist es derweil nur wichtig zu wissen, dass ein an Krebs erkrankter Hausmeister einer Schule ein zwielichtiges Unternehmen zur Rechenschaft ziehen will, da ein Produkt dieser Firma für seine derzeitige gesundheitliche Verfassung verantwortlich ist. Besagte Firma zieht natürlich alle Register, um die Klage abzuwehren und um auch in Zukunft jeden Vorwurf dieser Art sofort im Keim zu ersticken, damit kein Präzedenzfall geschaffen wird. Aber nicht mit Familie Strait! Mit Herz und unnachgiebigem Arbeitseifer (im Endeffekt findet ein Praktikant in letzter Sekunde eine Kronzeugin, was den Fall zugunsten des Klägers entscheidet) reißen Sydney und ihr Vater Elijah das Ruder heldenhaft herum, selbst wenn sie mit ihren unterschiedlichen Methoden anfänglich aneinandergeraten. Aber dieses Gefühl, wenn der Gerechtigkeit Genüge getan wurde! Man möchte vor Freude fast schreien!
Nun ja. So ist das in „Bluff City Law“. Ein kleines Ensemble rundet das Ganze letztlich ab und es ist wahrscheinlich nicht zu wild spekuliert, wenn man jetzt schon sein Geld darauf setzt, dass sich zwischen Elijahs Protegé Jake Reilly (Barry Sloane) und Sydney in absehbarer Zeit eine romantische Beziehung entwickeln wird, was mit Sydneys Exmann in unmittelbarer Schlagdistanz sicherlich durchaus heikel werden könnte. Doch zunächst müssen sich die beiden Alphas Elijah und Sydney noch die Stirn bieten, ausreichend Munition dafür häuft man bereits in der Auftaktepisode an. Wie interessant das ist, wage ich nicht zu beurteilen, bisher bleibt uns ja nur die erste Folge des neuen NBC-Titels. Nehmen wir jedoch diese als Gradmesser für zukünftige Episoden von „Bluff City Law“, dann können wir unsere kostbare Freizeit wohl anderweitig verplanen.
Denn selbst wenn die Besetzung von Bluff City Law völlig solide ist, alles andere an dieser Serie schreit förmlich nach abgegriffener Schablone und einschläfernder Network-Monotonie. Am witzigsten ist hier noch, wie man unentwegt versucht, den Flair des Handlungsortes Memphis einzufangen. Und zwar, indem man zwischendurch ein paar passende Schnittbilder einstreut und obendrein im Hintergrund immer wieder Musik einspielt, die dieser Stadt entsprungen ist. Dadurch entsteht jedoch kein authentisches Bild, sondern vielmehr ein trauriger Versuch, sich irgendwie ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen, ohne sich wirklich Mühe zu geben. Aber immerhin haben wir gelernt, warum die „Bluff City“ „Bluff City“ heißt. Das ist doch was.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie „Bluff City Law“: