Project Blue Book: The Fuller Dogfight - Review

© ??Project Blue Book“ (c) History
In der Pilotepisode The Fuller Dogfight der neuen History-Dramaserie Project Blue Book beauftragt das US-Militär in den 50er Jahren den ehemaligen Kampfpiloten Captain Michael Quinn (Michael Malarkey, The Vampire Diaries) damit, Gerüchte um UFO-Sichtungen zu widerlegen. Dieser rekrutiert deswegen wiederum den Astrophysiker Dr. Allen Hynek (Aidan Gillen, Game of Thrones) und untersucht mit ihm diverse Phänomene.
Was geschieht in der Staffelpremiere?
Das Forscher- beziehungsweise Ermittlerduo zieht es nach Fargo im Bundesstaat North Dakota, wo ein Kampfpilot nach seinen Angaben in einen Luftkampf mit einem außerirdischen Objekt verwickelt gewesen ist. Auf der Suche nach einer rationalen Erklärung für dessen Aussage versuchen sie die Geschehnisse so gut wie möglich zu rekreieren. So möchten sie Quinns Theorie untermauern, dass sich der Pilot lediglich mit einem Wetterballon angelegt hat, den er für ein leuchtendes feindliches Objekt hielt.
Dafür begeben sie sich sogar selbst in die Luft und legen prompt eine Bruchlandung hin. Daraufhin erscheint Quinns Vorgesetzter General James Harding (Neal McDonough; Arrow, Justified) höchstpersönlich, um Quinn klarzumachen, dass es ihm weniger um die Wahrheit geht, als darum, den Fall abzuschließen, damit die Zivilbevölkerung nicht in panische Verschwörungstheorien verfällt. Hynek spricht unterdessen noch einmal mit dem abgestürzten Kampfpiloten, der mit der Behauptung, er sei gesteuert worden und das Objekt oder Wesen habe über Radio mit ihm kommuniziert, sogar noch einmal nachlegt. Kurz darauf zieht ihn General Harding ohne das Wissen der Ermittler aus dem Verkehr.
Wenig später lockt ein mysteriöser Mann Hynek in ein verlassenes Gebäude, wo ihm ein Film mit mysteriösen Zahlenabfolgen und Symbolen vorgespielt wird, die wiederum seinen Verdacht nur noch weiter anheizen. Er ist sich nun sicher, dass hinter der ganzen Sache viel mehr steckt, als er zunächst angenommen hatte. Ein wenig Paranoia könnte auch seiner Frau Mimi (Laura Mennell) guttun, denn ihre neue Freundin Susie (Ksenia Solo, Lost Girl) hat ebenfalls mehr als reine Freundschaft im Sinn und spioniert den Hyneks hinterher...
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen
Gleich zu Beginn wird betont, dass die Serie auf den Aufzeichnungen von Dr. J. Allen Hynek und seinen Ermittlungen im Auftrag der US Air Force beruht. Vielleicht vor allem deshalb, um zu begründen, warum eine Mysteryserie bei History gelandet ist, die - zumindest nach dem Trailer für die nächste Episode zu urteilen - deutlich stärker in den Sci-Fi-Bereich abzudriften scheint, als es noch in der ersten Episode der Fall ist. Diese startet nämlich noch vergleichsweise bodenständig in einem relativ gelassenen Tempo, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen.
Dabei sollen sicherlich nicht unabsichtlich Assoziationen an The X-Files, verpackt in die Zeitperiode der 50er Jahre, geweckt werden. Wobei das Vorbild vor allem wegen seiner beiden Protagonisten Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) und deren Ausgeglichenheit zwischen Skeptiker und offenem Theoretiker so gut funktionierte. Captain Quinn (Michael Malarkey) und Dr. Allen Hynek (Aidan Gillen) haben noch ein wenig mehr eine Dynamik irgendwo zwischen Draufgänger und Wissenschaftler, die aber zum Glück nicht wie in vielen Copshows auf dem Prinzip des durchschnittlichen Ermittlers beruht, der vom genialen Berater mit viel Techno- oder Wissenschaftsbabbel alles erklärt bekommt. Quinn hat nämlich auch einiges auf dem Kasten, weswegen zwischen den beiden intelligentere und durchaus sinnvolle Konversationen entstehen können. Ihre Chemie ist bisher zumindest wirklich ordentlich, hat aber auch noch Raum, um die Staffel über zuzulegen.
Aidan Gillen spielt ausnahmsweise einmal keinen Bösewicht, denn diese Rolle wird von einem weiteren Schurkenveteranen in Gestalt von Neal McDonough übernommen, dessen Charakter neben der Militärkarriere wahrscheinlich „Vertuschung“ als Hauptfach studiert hat. Das ist einer der kleinen Dämpfer der Pilotepisode, denn man bedient sich doch ziemlich vieler Verschwörungsklischees, sowohl, was die Geschichte selbst als auch das Kostümdesign inklusive auftauchender mysteriöser Männer in schwarzen Anzügen und Hüten betrifft. Ganz, wie man sich klassisch ominöse Verschwörer eben so vorstellt... Ebenso wartet keine wirkliche Überraschung in der Staffelpremiere auf den Zuschauer, denn, dass sich hinter dem Fall noch etwas mehr versteckt, versteht sich ja quasi von selbst. Genauso, wie es ziemlich offensichtlich war, dass die bereits erwähnte neue Freundin von Hyneks Ehefrau keine Zufallsbekanntschaft ist...

Dennoch ist das Ganze sehr solide umgesetzt: Die Sets und Kostüme fangen die Atmosphäre der 50er gelungen ein, das bisherige Mysterium und die Aussicht auf weitere Fälle sind durchaus motivierend und die beiden Hauptdarsteller sind charismatisch beziehungsweise sympathisch genug, um ihre Geschichte weiterverfolgen zu wollen. Wohin die Qualitätsreise mit diesem soliden Fundament geht, wird ganz darauf ankommen, wie glaubwürdig und gelungen die übernatürlichen oder außerirdischen Elemente in den kommenden Stoff integriert sein werden.
Fazit
Obwohl Project Blue Book sich gelegentlich aus der Klischeekiste bedient, so macht die erste Episode doch einen durchweg stimmungsvollen Eindruck. Aidan Gillen und Michael Malarkey ergänzen sich als Ermittlerduo mit ordentlicher Dynamik bisher gut und auch die Story ist mit ihrem vorhandenen Potential einladend genug, um erst mal weiter zu schauen. Das gilt zumindest dann, wenn man mit dieser Art von Mysterium etwas anfangen kann und sofern noch etwas an der Spannungsschraube gedreht wird. Solange man von der Serie keine großen Innovationen erwartet, kann man sich aber auf jeden Fall auf eine unterhaltsame Mysteryserie freuen.
Der Trailer zur Serie „Project Blue Book":