Bloodline 1x03

Bloodline 1x03

Der narrative Schwung geht in der dritten Episode von Bloodline ein bisschen verloren, obwohl sich neue Geheimnisse zu den alten gesellen. Danny sorgt weiter für Trubel unter den Mitgliedern der Familie Rayburn, während seine Geschwister versuchen, ihn unter Kontrolle zu halten.

Familie Rayburn beim Abendessen / (c) Netflix
Familie Rayburn beim Abendessen / (c) Netflix
© (c) Netflix

Meine anfängliche Begeisterung über die neue Netflix-Dramaserie Bloodline hat sich nach dieser dritten Episode erst einmal gelegt. Hätte ich nach dem Piloten gewusst, dass jede Episode nach der gleichen Struktur aufgebaut ist (eine Klammer aus Voice-overs, Rück- und Vorblenden), wäre ich mit meiner Bewertung wohl etwas vorsichtiger gewesen. Dabei ist es nicht mal der gleiche Aufbau, der mich am meisten stört - es ist die Tatsache, dass John Rayburn (Kyle Chandler) stets in sehr einfach gehaltenen Monologen erklären muss, was sowieso schon klar ist.

No one can change the past

Die eherne dramaturgische Regel „Show, don't tell“ wird hier ziemlich unverhohlen missachtet. Dabei ist die Geschichte wahrlich nicht so kompliziert, dass man sie durch zusätzliche Erklärungen verständlicher machen müsste. Trotzdem raunt John zu Beginn und am Ende verschwörerisch Sätze aus dem Off, die banaler kaum sein könnten: „She's my sister. And I trust her with my life.“ („Sie ist meine Schwester. Und ich vertraue ihr mein Leben an.“) Gemeint ist natürlich Meg Rayburn (Linda Cardellini), die ihrerseits einige dunkle Geheimnisse mit sich herumschleppt.

Mehrere Rückblenden und alte Videoaufnahmen legen nahe, dass es wohl noch ein anderes Kind des Ehepaars Robert (Sam Shepard) und Sally (Sissy Spacek) Rayburn gab, Sarah. Sie muss wohl gestorben sein, was bei Robert ein tiefes Trauma hinterließ. Für Familien-bad boy Danny (Ben Mendelsohn) ist daher klar, dass Meg ihren Vater niemals wird zufriedenstellen können, weil sie ihr Leben lang an ihrer toten Schwester gemessen werde - und wie wir wissen, kann es mit den heiligen Toten niemand aufnehmen.

Statt diese Geheimnisse aber nun weiter zu erforschen, beharren die Bloodline-Schöpfer Todd Kessler, Glenn Kessler und Daniel Zelman darauf, uns immer nur winzige Happen vorzuhalten, die uns wohl heiß auf die nächste Episode machen wollen. Das hat bei ihrer letzten Serie Damages (die wohl ähnlich aufgebaut war - ich habe sie nicht gesehen) angeblich noch ganz gut funktioniert, bei Netflix könnte das indes schwieriger werden, kann ein jeder Zuschauer doch sofort die nächste Episode einschmeißen.

Und so kam es denn auch, dass ich bei dieser dritten Episode ein Gefühl verspürte, das in der Pilotepisode gar nicht und in der zweiten Episode nur kurz aufgetreten war: Langeweile. Die Folge hat eine stolze Laufzeit von einer Stunde, obwohl weder der Plot bemerkenswert voranschreitet noch die Figuren nennenswert ausgeleuchtet werden. Wir erfahren ein bisschen mehr über Meg - sie arbeitet als Anwältin für Alec (Steven Pasquale), einen reichen Typen aus New York, mit dem sie eine Affäre hat, weil sie sich nicht entscheiden kann, ihren Freund zu heiraten.

Treat me like family, maybe I'll stick around

Nach Johns Entscheidung, Danny doch zum Bleiben zu überreden, ist sie es nun, die sich über seine einseitige Entscheidungsfindung aufregt. Der ursprünglich entschieden gegen Dannys Verbleib votierende Kevin (Norbert Leo Butz) hat damit hingegen plötzlich kein Problem mehr. Meg überlegt sich dann, dass es eine gute Idee sei, das Testament ihres Vaters endlich umzuschreiben und Danny zu enterben - wie sie es eigentlich schon längst hätte tun sollen. Nun ist es jedoch erst einmal zu spät, weil Robert nach seinem Schlaganfall nicht in der Lage ist, einen klaren Gedanken zu fassen.

Danny übernimmt indes die väterlichen Aufgaben im Strandhotel, regt sich über seinen ersten - seiner Meinung nach zu niedrigen - Gehaltsscheck auf und schnüffelt ansonsten im Privatleben seiner Schwester herum. Seinem partner in crime Eric (Jamie McShane) erteilt er eine Absage für zukünftige gemeinsam zu drehende krumme Dinger, weil Sheriff John das so will. Mit Erics Schwester Chelsea (Chloe Sevigny) unterhält er aber weiterhin Kontakt. Von ihr erfährt er auch Details über das Leben seiner Schwester, die er nicht wissen kann, weil er zu diesem Zeitpunkt längst aus den Florida Keys abgehauen war: „No one's ever good enough for her. Just like the rest of your family.“ („Niemand ist jemals gut genug für sie. Genau wie beim Rest deiner Familie.“)

Die Rückblenden in die Nacht, als Danny starb, legen erneut nahe, dass er von seinen Geschwistern getötet wurde. Im strömenden Regen erhält Meg einen Anruf vom Handy des Toten, während sie ihren Kofferraum öffnet, um auf seine Leiche zu starren. Oder so ähnlich - genau wissen wir das nicht. Wie sich nun immer mehr herauskristallisiert, ist Bloodline plot- und cliffhangergetriebenes Fernsehen, was im Netflix-Modell eventuell weniger gut umsetzbar ist als in der klassischen wochenbasierten Ausstrahlungsform. In dieser Episode habe ich bereits erste Ermüdungserscheinungen bezüglich dieses Aufbaus verspürt. Ich hoffe, dass kommende Folgen wieder mehr Wert auf die Charakterarbeit legen.

Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 28. März 2015
Episode
Staffel 1, Episode 3
(Bloodline 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Teil 3
Titel der Episode im Original
Episode 3
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 20. März 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. März 2015
Regisseur
Adam Bernstein

Schauspieler in der Episode Bloodline 1x03

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