#blackAF 1x01

#blackAF 1x01

Der Black-ish-Schöpfer Kenya Barris nimmt sich in der neuen Netflix-Serie #blackAF selbst auf die Schippe und seziert das Thema Rassismus. Dabei erinnert seine Mockumentary an Curb Your Enthusiasm von Larry David...

Kenya Barris und Rashida Jones in #blackAF (c) Netflix
Kenya Barris und Rashida Jones in #blackAF (c) Netflix
© enya Barris und Rashida Jones in #blackAF (c) Netflix

Kenya Barris, der für ABC die Erfolgssitcom Black-ish schuf, der mit Grown-ish und Mixed-ish inzwischen sogar zwei Spin-off-Serien folgten, ist neuerdings bei Netflix beheimatet. Für den Streamingservice tritt der US-Autor, der auch die Filmkomödie „Girls Trip“ und den neuen „Shaft“-Streifen schrieb, erstmals selbst vor der Kamera auf. In der Mockumentary #blackAF (fka „Black Excellence“) spielt er eine verzerrte Version seiner selbst, die in ihrer sozialen Penetranz stark an den Seinfeld-Schöpfer Larry David in Curb Your Enthusiasm erinnert. Das zentrale Thema ist selbstverständlich Rassismus.

Acht Kapitel umfasst die Auftaktstaffel, die nun veröffentlicht wurde. Auf die deutsche Synchronisation wartet man wegen der Corona-Krise vorerst vergeblich. Nach der halbstündigen Pilotepisode mit dem bezeichnenden Folgentitel because of slavery fällt es schwer, das Ganze einzuschätzen. Wie bei „Curb“ verschwimmen auch hier die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Zwischenzeitlich gleicht die Serie aber auch eher einem TED Talk, in dem Barris seine Ansichten über Amerika loswerden will. Eine echte Geschichte ist zunächst noch nicht erkennbar, was langfristig für Probleme sorgen könnte. Dafür glänzt der Cast, allen voran natürlich die wunderbare Rashida Jones (Angie Tribeca), die die Ehefrau des Protagonisten spielt.

Der weiße Blick

Ein spannendes Schlagwort, das in der Premiere immer wieder vorkommt, ist das des sogenannten „white gaze“ (zu Deutsch: „der weiße Blick“). Barris beschreibt damit, wie weiße Amerikaner ihre schwarzen Mitbürger auch mehr als 150 Jahre nach dem Ende der Sklaverei noch immer anders ansehen. Oftmals gar nicht schlechter, allerdings ist bekanntlich auch eine positive Hervorhebung eine Form der Abgrenzung. Ähnlich beleuchtete der Horrorfilm „Get Out“ diesen modernen Rassismus der Post-Obama-Ära. Barris' Alter Ego kriegt ihn zu spüren, als er doppeldeutige Komplimente für sein Luxusauto wahrnimmt.

Es folgt eine unangenehme Diskussion mit seinem jüdischen Assistenten Danny (Gil Ozeri) und seiner Frau Joya (Jones). Barris beweist dabei ein ähnliches Talent wie der eingangs erwähnte Larry David, sich selbst zwar als privilegierte Nervensäge darzustellen, die aber durchaus in gewissen Punkten recht hat. Das geben sogar seine Töchter zu, die die Alltagsabenteuer ihres Vaters immer wieder sarkastisch kommentieren. Was den simplen Faktor Lustigkeit angeht, ist Curb Your Enthusiasm der neuen Netflix-Comedy dennoch weit überlegen. Was daran liegen könnte, dass das Grundthema von #blackAF an sich zu ernst ist, während der Witz bei „Curb“ nicht selten in der völligen Irrelevanz der zentralen Konflikte zu finden ist.

Netflix
Netflix - © Netflix

Etwas uncharmant könnte man Barris sogar vorwerfen, mit den kleinen Schwächen, die er sich selbst zuschreibt und über die sich seine Familie ärgert, nur seine eigene Eitelkeit zu kaschieren. Denn, wenn es wirklich drauf ankommt, ist er der klare Held - was Larry in Curb Your Enthusiasm eigentlich noch nie war. Das beste Beispiel ist das abschließende Abendessen in der Auftaktepisode, bei der er und Joya zwei weiße Bekannte für ihre rassistischen Kommentare ins Visier nehmen. Es ist jedem klar, wer hier die Schurken sind und wer die Sympathieträger. Zum Reiz der Serie trägt das leider nicht bei.

Außerdem kann man kritisch anmerken, dass es schwerer fällt, bei Barris' Beschwerden über systematische Benachteiligung mitzufühlen als zum Beispiel bei den Charakteren von Dear White People, einer anderen, deutlich klügeren Netflix-Serie mit ganz ähnlicher Thematik. Immerhin ist es Barris gelungen, seinen vermeintlichen Nachteil, sprich schwarz zu sein, in sein größtes Kapital zu verwandeln. Alle seine Werke drehen sich um Vorurteile und Rassismus. Wäre Barris weiß zur Welt gekommen, wäre er heute wahrscheinlich kein Multimillionär - was aber natürlich keineswegs bedeutet, dass die Probleme, die er beschreibt nicht echt wären. Ihm fehlt vielleicht einfach die passende Stimme, um sie anzusprechen...

Fazit

Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Serie im Laufe ihrer ersten Staffel bewegt. Als erstes sollte sie sich auf alle Fälle eine echte Handlung überlegen, damit sie nicht nur wie ein unstrukturierter Schmierzettel wirkt, auf dem der Autor verschiedenste Bits und Ideen gesammelt hat, die er noch nicht ganz zu Ende durchdacht hat. Die Chemie zwischen dem Hauptdarsteller Kenya Barris, der sich als Neuling vor der Kamera relativ wohl zu fühlen scheint, und seiner umso erfahreneren Kollegin Rashida Jones dürfte jedenfalls ausreichen, um gegebenenfalls auch ein paar interessante Ehehandlungsstränge zu spinnen. Auch das Thema Kinderziehung könnte bald noch mehr in den Vordergrund rücken.

Mit Ava DuVernay, Will Packer, Tyler Perry, Issa Rae, Tim Story und Lena Waithe haben sich allerdings auch schon einige Gaststars angekündigt, die noch mehr Einblicke in die amerikanische Medienwelt versprechen. Auch in dieser Hinsicht gleicht #blackAF wieder dem oft zitierten Vergleichsobjekt Curb Your Enthusiasm. Wobei derartige Ähnlichkeiten immer Fluch und Segen sind, denn natürlich kann es die neue Netflix-Serie nicht so schnell mit dem HBO-Dauerbrenner aufnehmen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie #blackAF:

Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 17. April 2020
Episode
Staffel 1, Episode 1
(#blackAF 1x01)
Titel der Episode im Original
because of slavery
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 17. April 2020 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. April 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 17. April 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 17. April 2020
Autor
Kenya Barris
Regisseur
Ken Kwapis

Schauspieler in der Episode #blackAF 1x01

Darsteller
Rolle
Genneya Walton
Scarlet Spencer
Justin Claiborne
Ravi Cabot-Conyers
Cam
Richard Whitney Gardenhire Jr.

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