Black Summer 1x01

© aime King in „Black Summer“ (c) Netflix
In der ersten Episode mit dem Titel Human Flow wirft Black Summer seine Charaktere und die Zuschauer mitten in eine sich rasend ausbreitende Zombie-Epidemie. Allen voran sehen wir, wie Mutter Rose (Jaime King) darum kämpft, ihre Tochter wiederzufinden, nachdem ihre Familie nach einem Schicksalsschlag gewaltsam auseinandergebrochen ist.
Startschuss zur Apokalypse
Die Evakuierung ist in vollem Gange, als Rose, ihr Mann und ihre Tochter sich aufmachen, um vom Militär an einen sicheren Ort gebracht zu werden. Doch, als die Soldaten am Kontrollpunkt herausfinden, dass ihr Mann verwundet ist, bricht ein Tumult aus und die Soldaten machen sich vorzeitig mitsamt der Tochter von Rose aus dem Staub, bevor ihre Eltern mit auf die Ladefläche des Trucks springen können. Beide flüchten sich danach in ein scheinbar verlassenes Haus, um Unterschlupf zu suchen und einen neuen Plan zu fassen, zum Stadion zu gelangen, in welchem sich Militär und Überlebende sammeln.
Doch kurz darauf verwandelt sich ihr Mann in einen tobenden Kannibalen, weswegen Rose die Beine in die Hand nehmen muss, um nicht Teil von dessen neuem Ernährungsplan zu werden... Nachdem sie sich in eine Sackgasse geflüchtet hat, ist es ein Mann namens Spears (Justin Chu Cary), der sie vor ihrem eigenen Mann rettet und sie fortan begleitet. Später werden wir in dessen Geschichte eingeweiht, denn er ist nicht der Mann, der er vorgibt zu sein. Seine Militäruniform gehörte ursprünglich jemand anderem, den er getötet hat, um der Gruppe von Soldaten zu entkommen, die von ihm den Ort eines Geldverstecks in Erfahrung hatte bringen wollen.
Zudem lernen wir noch die Überlebenden Ryan (Mustafa Alabssi), Kyungson (Christine Lee) und Lance (Kelsey Flower) kennen, die zusammen mit Rose und „Spears“ einen Kontrollpunkt überrennen, um in Richtung des Stadions zu kommen. Sie schließen sich am Ende der Episode als kleine Gruppe zusammen, zu der möglicherweise auch Barbara (Gwynyth Walsh) Anschluss findet, welche zuvor versucht hatte, sich gegen mehrere Fremde zu wehren, die ihr Auto hatten stehlen wollen.
Zombie-Déjà-vu
Black Summer stammt von den Machern von Z Nation und kann als Spin-off und gleichzeitig als chronologisch lange vor der Mutterserie angelegtes Prequel auch ohne Kenntnisse dieser angeschaut werden. Produktionstechnisch erwartet man hier am besten nicht zu viel, wenn man bedenkt, dass beide Serien von der Trashfabrik The Asylum hergestellt werden. Die Pilotepisode, die atmosphärisch ein wenig von der Anfangssequenz des Films „Dawn of the Dead“ (2003) inspiriert zu sein scheint, ist zwar budgetbedingt kein riesiger Hingucker, kann aber im Vergleich zu anderen Werken von The Asylum durchaus als passabel eingestuft werden.
Was mich hingegen gestört hat, war das stellenweise grenzwertige Kameragewackel bei einigen etwas dynamischeren Szenen. Dynamik an sich ist ja schön und gut, aber, als Rose und ihr Mann beispielsweise in Richtung des verlassenen Hauses sprinten, hat man beinahe das Gefühl, die Kamera wurde in eine moblie Wäschetrommel geworfen. Das ist natürlich eine sehr subjektive Empfindung, aber mir kam es in dem Moment sehr anstrengend vor, der Sache zuzusehen.

Das Szenario und die sonstige Umsetzung der Einstiegsepisode ist dabei gar nicht mal so schlecht geglückt: Die düstere Situation an sich und die stellenweise panische Hektik werden den Zuschauerinnen und Zuschauern gut vermittelt. Im Gegensatz zu Z Nation setzt „Black Summer“ allerdings auf pures Drama ohne den Humor der Mutterserie, was im Prinzip bisher aber auch gut funktioniert. Schauspielerisch macht Hauptdarstellerin Jaime King ihre Sache bisher ordentlich, während es durch minimale Dialogeinsätze bei den anderen Figuren bisher noch zu früh ist, um deren Darbietung aussagekräftig beurteilen zu können. Wem The Walking Dead zu langweilig (geworden) ist, der könnte an der Serie seine Freude haben, denn anstelle versuchter Charaktertiefe konzentriert man sich eher darauf, den chaotischen und turbulenten Wahnsinn einer Zombie-Apokalypse auf den Zuschauer zu übertragen, was bisweilen auch ordentlich funktioniert.
Kennt Ihr schon diese Monster namens „Zombies"?
Auch, wenn Spannung durchaus aufkommt, so gibt es ein begleitendes Gefühl, welches die gesamte Episode dominiert: das Szenario, die damit zwangsläufig einhergehenden Klischees und die Charaktere - das alles hat man mittlerweile schon gefühlt tausendmal gesehen. Und das ja nicht nur bei „The Walking Dead“ oder dessen Spin-off Fear the Walking Dead. Sich die circa 40-minütige Episode anzuschauen, hat mir vermehrt ins Gedächtnis gerufen, wie ausgelutscht das Zombiegenre mittlerweile doch ist. Dass die ewig gleiche Apokalypse mit dezent anderem Anstrich so frisch ist wie eine ausgehungerte Horde Untoter nach monatelangem Fasten...
Fazit
Das Problem von Black Summer ist nicht, dass es nicht ordentlich umgesetzt wurde, denn im Großen und Ganzen ist der Einstand ja in Ordnung. Zwar einerseits ohne großartig in eine Richtung des Qualitätsspektrums auszuschlagen, während andererseits Spannungspotential vorhanden ist. Vielmehr ist es die Übersättigung des Genres, welche durch ein permanentes Déjà-vu-Gefühl das Gezeigte völlig generisch herüberkommen lässt. Die Archetypen der Charaktere, deren Probleme und Schicksalsschläge, die immer währende Bedrohung durch die lebenden Toten, das überforderte Militär, die Offenbarung der grausamen Natur und Unmenschlichkeit mancher Menschen im Angesicht der Katastrophe, das alles haben wir schon viel zu oft gesehen...
Wer mittlerweile immer noch nicht genug von Zombieserien hat und eine simplere, aber dafür actionreichere Alternative zu The Walking Dead sucht, für den könnte „Black Summer“ zumindest etwas kurzweilige Unterhaltung bieten. Denn mit acht direkt veröffentlichten Episoden auf Netflix ist man auch schnell wieder durch mit der kompletten ersten Staffel. Alle anderen, für die Zombies kein Neuland (mehr) sind, wissen bereits nach wenigen Minuten genau, was auf sie zukommt und ob sie sich davon noch hinterm Ofen hervorlocken lassen wollen.
Der Trailer zur neuen US-Serie „Black Summer":
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 11. April 2019Black Summer 1x01 Trailer
(Black Summer 1x01)
Schauspieler in der Episode Black Summer 1x01
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