
Während das US-Network mit seiner mitlerweile fünffach als „beste Comedy“ emmyprämierten Comedyserie Modern Family bereits den homosexuellen und den hispanoamerikanischen Teil der US-Bevölkerung anspricht, soll Black-ish nun anscheinend speziell die afroamerikanische, moderne Familie in den Mittelpunkt stellen. Diese Idee ist leider weder neu noch sonderlich eindrucksvoll. Im Mittelpunkt steht dabei der von Anthony Anderson gespielte Andre „Dre“ Johnson, der auf der Suche nach der afroamerikanischen Identität seiner Familie im Serienpiloten vor allem um die Frage kreist, was die Phrase keeping it real bedeutet.
I need my family to be black
Andre hat es zusammen mit seiner Frau Rainbow (Tracee Ellis Ross), die als Ärztin arbeitet, geschafft, sich einen stattlichen Status zu erwirtschaften und wohnt mit seiner siebenköpfigen Familie in einem gut situierten, „weißen“ Viertel. Er selbst arbeitet in der Werbefirma „Stevens & Lido Advertising“ und steht zu Beginn des Serienpiloten kurz vor der Beförderung zum Vizepräsidenten. Dabei sitzt ihm vor allem sein penetranter, besserwisserischer Vater Pops (Besetzungshighlight Laurence Fishburne) im Nacken und zieht ihn mit dem Job in der „weißen“ Firma auf.
Entgegen seiner Erwartungen wird Andre allerdings nicht zum Vizepräsidenten der Werbefirma befördert, sondern bekommt seine eigene Abteilung, die indirekt-direkt ebenfalls nach der Hautfarbe zugeteilt wurde: Er ist fortan der „Senior Vice President of the Urban Division“ (zu Deutsch: Seniorvizepräsident der urbanen Abteilung). Dieser Posten stimmt ihn alles andere als zufrieden, wollte er doch der erste afroamerikanische Mitarbeiter der Firma sein, der es an die Spitze schafft. Wie Andre nämlich mit wiederkehrender Offstimme erklärt, ist die Firma unterteilt in zwei Lager: das des afroamerikanischen, tieferen Managements und das des „weißen“, höheren Managements.
Not black-ish but black!
Andre wird jedoch nicht nur im Berufsleben mit seiner afroamerikanischen Kultur konfrontiert. In Form seines Sohnes Andre Jr. (Marcus Scribner) spitzt sich diese kulturelle Identifikation noch weiter zu. Dieser wählt nämlich statt Basketball Feldhockey als Schulsport, wird Andy statt Andre genannt und will auch noch zum Judentum konvertieren, um eine eigene Bar Mitzwa feiern zu können. Andre sieht die afroamerikanischen Wurzeln seiner Familie dahinschwinden und schlüpft schnurstracks in afrikanische Gewände, um seinem Sohn ebendiese Wurzeln nahezubringen.
Nachdem Andre jedoch erfährt, dass sein pubertierender Sohn bei seinen kulturellen Entscheidungen vor allem im Kopf hat, wie er seine ersten sexuellen Erfahrungen machen kann, sieht er ein, dass er es übertrieben hat und dass keeping it real nur bedeutet, sich selbst nicht zu verleumden. Somit feiert Andre Jr. schließlich eine „Hip Hop Ba Mitzvah“ und Andre lernt aus dieser Selbstfindungssuche, dass auch sein Posten in der „Urban Division“ eine Frage des Kompromisses ist.
Fazit-ish
Die neue ABC-Comedyserie Black-ish schneidet in ihrer Pilotepisode das Fass der Integrationsdebatte an. Andre Johnson ist der Stellvertreter der afroamerikanischen Kultur im mehr oder minder modernen Amerika. Dadurch, dass er sich durch seinen finanziellen Aufstieg aus diesem Kreis distanziert, muss er sich mit seiner eigenen Integration auseinandersetzen. Während der Kindergeneration in der Serie die Integration ihrer Umwelt wesentlich leichter fällt und diese zum Beispiel nicht weiß, dass Barack Obama der erste US-Präsident war, steigert sich Andre ins gegenteilige Extrem und fordert die afroamerikanische Kultur seiner Familie wieder ein.
Dabei werden vor allem ein Haufen Klischees angesprochen und zum Teil auch bedient. Andre wird von seinen Mitarbeitern mit high fives begrüßt, will, dass sein Sohn Basketball spielt und fühlt sich, als wäre seine Familie ein Ausstellungsstück in seiner „weißen“ Nachbarschaft. Indem diese Klischees jedoch im Zuge der Geschichte entrückt werden, wird die subjektive Erzählweise dieser durch den Icherzähler Andre deutlich. Dass diese vor allem durch seine Kinder und seinen zynischen Vater ironisch vorgeführt wird, gehört auf jeden Fall zu den humoristischen Stärken von Black-ish.
Die überdrehte Darstellung von Anthony Anderson dagegen ist Geschmackssache. Die Rolle des erwachsenen Kindes, das überstürzt die Situationen wechselt, wirkt auf Dauer ziemlich anstrengend. Hier wäre es entweder ratsam, seinen Charakter im Laufe der Staffel etwas ruhiger werden zu lassen oder den Fokus auch auf die anderen Familienmitglieder zu richten.