Big Little Lies Staffel 2
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Mit der Episode I Want to Know alias Jetzt will ich's wissen (2x07) hat die HBO-Hochglanzseifenoper Big Little Lies kürzlich ihre zweite und vermutlich letzte Staffel abgeschlossen. Und wollen wir ganz ehrlich sein: Insgesamt war das große Finale eine ziemliche Enttäuschung, genauso wie die Bonusseason an sich. Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Erstens hatte das Drehbuch von David E. Kelley kaum was Spannendes zu bieten, zweitens drehte sich viel zu viel um Nicole Kidman und die prominente Neuverpflichtung Meryl Streep und drittens gab es offenbar gewaltige Konflikte hinter den Kulissen, was dazu führte, dass die kreative Vision der neuen Regisseurin Andrea Arnold nie wirklich zur Geltung kommen konnte.
Das Schwiegermonster
Dass die Zuschauerinnen und Zuschauer überhaupt eine Fortsetzung von Big Little Lies akzeptiert haben, ein Format, das immerhin zahlreiche Auszeichnungen als „Beste Miniserie“ abgestaubt hatte, lag wohl hauptsächlich an dem Wunsch, die dreifache Oscarpreisträgerin Streep endlich auch in einer Serie zu sehen. Sollte HBO nach der zweiten also wirklich auch noch eine dritte Staffel produzieren wollen, müsste wohl mindestens ein Gaststar vom Kaliber eines Tom Hanks verpflichtet werden. Vielleicht kann er ja den Vater von Jane (Shailene Woodley) spielen oder so...
Aber im Ernst: Die Teilnahme der Streep bot selbstverständlich viele Highlights (Stichwort Urschrei am Esstisch), zumal man der Schauspielerin regelrecht ansehen konnte, wie viel Spaß sie daran hatte, eine Schurkin zu spielen, die passend zu ihrem Repertoire natürlich auch ein wenig neurotisch rüberkommen musste. Hätte man ihre Figur der Mary Louise Wright, sprich die Mutter des Mordopfers Perry (Alexander Skarsgard), in Maßen eingesetzt, wäre wohl auch das eingetreten, was sich HBO von dem Castingcoup versprochen hatte: eine Erfrischung für die Serie. Stattdessen wurde Streep bald selbst zum ermüdenden Element, denn der Kampf um das Sorgerecht ihrer Enkel wurde zum zentralen Handlungsstrang der Staffel.
Kein Wunder also, dass sie und Kidman, die bekanntlich Mary Louises Schwiegertochter Celeste spielt, gefühlt die Hälfte aller Szenen für sich beanspruchten. Und auch das Staffelfinale drehte sich größtenteils um ihren Zwist, der letztendlich sogar vor Gericht ausgetragen werden musste. So unrealistisch die Verhandlung der ehrenwerten Richterin Cipriani (Becky Ann Baker) dabei vonstatten geht, mag man kaum glauben, dass der Chefautor Kelley die meisten seiner bis dato elf gewonnenen Emmy Awards für Justizserien wie Goliath, Boston Legal und The Practice einsacken konnte und selbst als Anwalt ausgebildet wurde. Den Höhepunkt erreicht das übertriebene Melodrama, als Celeste ihre Gegnerin selbst befragen will, was im wahren Leben in 99 Prozent aller Fälle schiefgehen würde. Doch nicht so bei Big Little Lies: Hier ist es der Wendepunkt und die Löwenmutter gewinnt den Prozess und darf ihre traumatisierten Zwillinge somit weiter großziehen.
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Auf den letzten Metern sollen wir dann auch noch Mitleid für Mary Louise eingetrichtert bekommen, doch dafür war die Figur über die gesamte Staffel hinweg schlichtweg zu eindimensional böse. Ohnehin gehören schockierende Enthüllungen in letzter Sekunde, wie hier der Tod ihres zweiten Sohnes Raymond, eher zum Baukasten einer Daily Soap. Mit Flashbacks wird uns gezeigt, wie Mary Louise einen Autounfall verursachte, wobei der kleine Raymond sein Leben verlor. Ihrem zweiten Sohn Perry gab sie derweil immer wieder die Schuld an dem Unfall und misshandelte ihn offenbar auch physisch, was ihn schließlich dazu brachte, Celeste zu misshandeln. Zumindest lautet so die Version der Geschichte, die Celeste vor Gericht vorträgt. Und die Wahrheit spielt darüber hinaus eh keine Rolle mehr, denn Mary Louise verlässt Monterey wieder.
Die zweiten Geigen
Eigentlich gelten Kidman und Witherspoon als prominente Produzentinnen von Big Little Lies ja als gleichgestellt, doch nach dieser Staffel scheint es so, als hätte Witherspoon deutlich weniger zu sagen. Anders dürfte kaum zu erklären sein, wieso sie sich mit so wenig interessantem Material zufrieden gegeben hat. Tatsächlich dreht sich alles nur um ihren Ehebruch und die Art und Weise, wie Ed (Adam Scott) damit umgeht, was aber eher komödiantisch als dramatisch dargestellt wird. Fast beiläufig kommt die Lösung des Konflikts daher: Ed will die Ehegelübde erneuern und es damit auf sich beruhen lassen.
Noch langweiliger ist dafür die Liebesstory rund um Jane, die sich in den lockigen Surferboy Corey (Douglas Smith) verguckt hat. Zwischenzeitlich will uns Kelley sogar glauben lassen, dass er derjenige sein könnte, der das dunkle Geheimnis der sogenannten „Monterey Five“ als verdeckter Ermittler aufdeckt, indem er sich an das schwächste Glied ranmacht, das tatsächlich Jane sein dürfte. Insgesamt wimmelt es in der neuen Staffel nur so vor falschen Fährten, was ebenfalls nicht für einen besonders guten Schreibstil spricht. Allerdings könnte dies auch mit den anfangs erwähnten Problemen hinter den Kulissen zu tun haben, denn angeblich wurde der Regisseurin Arnold, die sich HBO extra ausgesucht hatte, damit sie ein wenig herumexperimentieren kann, nach den Dreharbeiten die Kontrolle aberkannt. Stattdessen kehrte Jean-Marc Vallée von Sharp Objects zurück und sorgte mit ganzen 15 Cuttern dafür, dass das Ganze wieder seine Handschrift trägt.
Am Besten bringt es der Rolling-Stone-Kritiker Alan Sepinwall auf den Punkt, der feststellt, dass sich die zweite Staffel von Big Little Lies so anfühlt, als hätte man einen Haufen von Deleted Scenes aus der Auftaktstaffel gefunden und neu zusammengeschnitten. Völlig zusammenhangslos wirkt beispielsweise auch alles, was rund um Bonnie (Zoe Kravitz) passiert, die als Mörderin von Perry eigentlich den interessantesten Konflikt auszutragen hätte, stattdessen aber stundenlang am Sterbebett ihrer verhassten Mutter herumsitzt und der Komapatientin ihre tiefsten Geheimnisse verrät. Auch hier gibt es wieder viele falsche Fährten, die etwa andeuten, dass Bonnie bald stirbt.
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Die unterhaltsamste B-Story wurde diese Staffel noch Renata (Laura Dern) zuteil, die mit ihrem A****loch von Ehemann, das sich Gordon (Jeffrey Nordling) nennt, wirklich einiges durchmachen muss. Erst verzockt er all ihr Geld und dann stellt sich auch noch heraus, dass er sie jahrelang betrogen hat. Als er ihr dann auch noch sagt, sie solle sich gefälligst beruhigen, platzt ihr endgültig der Kragen, sodass sie in bester Beyoncé-Manier mit der Baseballkeule all seine Lieblingsspielzeuge zerstört. Passenderweise fasst sie unfreiwillig sogar noch das Problem der Staffel selbst zusammen: „Das wäre nicht passiert, wenn du einer Frau mal ein wenig Respekt gezeigt hättest!“ Mit der Frau ist hier natürlich die Regisseurin Arnold gemeint...
Die Lüge ist die Freundschaft
In den letzten paar Minuten der neuen und hoffentlich letzten Staffel von Big Little Lies erklingt eine Coverversion des berühmten CCR-Hits „Have You Ever Seen The Rain?“ und Arnold/Vallée will uns damit zeigen, dass sich der Großteil der Monterey Five mit einem Happy End verabschieden kann: Renata hat endlich mit Gordon gebrochen, Jane ist glücklich mit Corey, Madeline hat Ed zurückerobert und Celeste hat ihre Söhne. Bonnie trennt sich derweil von Nathan (James Tupper), was für sie aber ebenfalls eher einer Erlösung gleichkommt, da sie ihn nie wirklich geliebt hat. Doch endgültig frei ist sie natürlich nicht, lastet immerhin der Tod eines Mannes auf ihrem Gewissen, so böse dieser auch gewesen sein mag.
Ganz zum Schluss versammeln sich die fünf Frauen, die uns die Serie immer wieder erfolglos als Freundinnen verkaufen wollte, ein letztes Mal. Celeste behauptet selbst sogar, dass ihr Zusammenhalt einzig und allein auf dem gemeinsamen Geheimnis beruht. Und Madeline gibt ihr Recht, indem sie beweist, dass sie nie wirklich ein Auge auf ihre vermeintlich engste Freundin hatte, denn sonst hätte sie ihr Leid kaum übersehen können. Wie alles in Monterey ist auch die Beziehung der Figuren immer nur oberflächlich. Vielleicht unabsichtlich lässt Kelley in intimen Gesprächen die Frauen daher auch meist nur mit leeren Worthülsen kommunizieren. Als Celeste ihre eigenen Qualitäten als Mutter hinterfragt, antwortet Madeline beispielsweise: „Das darfst du nicht mal denken. Du bist eine unglaubliche Mutter.“ Ähnliche Dialogzeilen könnte vermutlich auch eine KI aufs Papier bringen, die vorab mit unzähligen Filmklischees gefüttert wurde.
Warum versammeln sich die Monterey Five ein letztes Mal? Ganz einfach: Sie wollen der Polizei nun doch alles gestehen. An sich natürlich ein nettes Abschiedsbild, das aber viele Fragen aufwirft, denn, wenn nun rauskommt, dass die Fünf doch etwas mit dem Tod von Perry zu tun haben, müssten eigentlich auch alle ihre Happy Ends wieder ins Wanken geraten. Celeste würde wohl doch noch ihre Kinder verlieren, Ed würde eine weitere Lüge von Madeline aufdecken und auch Corey müsste erkennen, dass Jane nicht ehrlich mit ihm war. All das interessiert Kelley aber scheinbar nicht, falls das Ganze nicht sogar auf Vallées Mist gewachsen ist. Die einzige Lösung: „Release the Arnold cut!“ Ob ihre Version der zweiten Staffel Big Little Lies besser gewesen wäre, werden wir vermutlich nie erfahren. Insgesamt hat sich HBO aber sicher keinen Gefallen getan, ihr das Vertrauen zu entziehen. Und vielleicht auch damit nicht, die Serie überhaupt fortzusetzen. Klar ist sie auch jetzt noch besser als vieles, was im Genre sonst so existiert, doch, wenn bei einem Projekt Namen wie Kidman, Witherspoon, Dern und Streep involviert sind, erwartet man eben nicht weniger als höchstes Niveau auf allen Ebenen.
«Big Little Lies» Trailer
Big Little Lies Staffel 2 Episodenguide
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