The Big Bang Theory 9x20

Die neunte Staffel der CBS-Sitcom The Big Bang Theory hat viel Zeit darauf verwendet, die Beziehung zwischen Sheldon (Jim Parsons) und Amy (Mayim Bialik) zu entwickeln. Nun, da die beiden endlich glücklich sind, dürfen in der neuen Episode The Big Bear Precipitation auch die übrigen Figuren wieder etwas mehr in den Vordergrund treten. Während sich Howard (Simon Helberg) und Bernadette (Melissa Rauch) auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereiten, geraten Leonard (Johnny Galecki) und Penny (Kaley Cuoco) in einen Streit ums Thema Geld.
It's nice to get back to nature
Um seinem außergewöhnlichen Geist etwas Erholung zu gönnen, unternimmt Sheldon neuerdings Ausflüge ins Grüne, wenn auch nur via VR-Brille. Seine Freunde Amy, Leonard und Penny können ihn schließlich dazu überreden, mit ihnen ein Wochenende in der wirklichen Natur zu verbringen. Am Ziel angekommen, müssen sie jedoch feststellen, dass ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht - zu schade, denn Sheldon in der Wildnis wäre sicherlich interessant gewesen. Zum Drinnenbleiben verdammt, machen es sich die Vier in der geliehenen Holzhütte gemütlich. Als Penny dann auf eine Runde „Never Have I Ever“ besteht, wird es doch noch interessant.
Das Trinkspiel bringt allerhand Geheimnisse ans Licht. Neben kleinen Bettgeschichten und Straftaten kommt dabei auch ein geheimes Konto zur Sprache, auf dem Leonard Geld vor seiner Ehefrau Penny versteckt hält. Offenbar traut er ihr nicht zu, verantwortungsbewusst damit umzugehen und die Erfahrung gibt ihm Recht. Ein Streit entfacht, auch wenn dieser keine besonders lange Halbwertszeit hat, denn Pennys emotionale Reaktion entstand viel weniger aus Leonards Fehlverhalten, als aus einer allgemeinen Frustration über ihren beruflichen Status. Das Verkaufen von Medikamenten und Flirten mit Ärzten macht ihr scheinbar keinen Spaß mehr, so einträglich es auch sein mag. Ihren Beruf kündigen will sie aber auch nicht.
Der Konflikt, den Penny und Leonard hier durchleben, lässt mich etwas ratlos zurück. Ich verstehe zwar, dass die beiden als Ehepaar in einer Sitcom solche Situation brauchen, doch wirkt das Thema in diesem Fall ziemlich aus der Luft gegriffen und die Umsetzung erscheint halbherzig. Besonders schade ist, dass durch den Streit der beste Teil der Episode unterbrochen wurde, das Trinkspiel. The Big Bang Theory zeigte sich dabei in komödiantischer Höchstform, mit vielen lustigen Pointen und einer grandiosen Gruppendynamik. Und tatsächlich war Sheldon in dem Quartett diese Episode nicht einmal das einzige Ass, sogar Leonard und Penny durften mit guten Sprüchen glänzen. Einen kleinen Nachschlag „Never Have I Ever“ gab es zumindest noch in der letzten Szene.

Our hope for a better tomorrow
Der zweite Handlungsstrang erfüllt das Versprechen des irreführenden Episodentitels. Und eines muss man ehrlich zugeben: Das ist ein wirklich großer Bär, den Raj (Kunal Nayyar) da in das Hause der Familie Wolowitz angeschleppt hat. Der riesige Teddy ist als Ausdruck seiner grenzenlosen Vorfreude auf das Baby seiner Freunde Howard und Bernadette gedacht. Doch sein Enthusiasmus scheint so groß zu sein, dass es den werdenden Eltern kaum noch geheuer ist.
Howard zieht schließlich die Notbremse und erinnert seinen aufdringlichen Freund daran, dass nicht er das Kind bekäme, sondern sie. Natürlich ist Raj geknickt und natürlich haben Howard und Bernadette am Ende wieder Mitleid mit ihm. Mitleid ist inzwischen so ziemlich das einzige Gefühl, das man dem einsamen Junggesellen noch entgegenbringen kann und dafür haben die Autoren in den letzten Wochen hart gearbeitet. Mir ist noch immer nicht klar, was der große Plan dahinter sein könnte, zumal es einen solch erbärmlichen Charakter in Stuart (Kevin Sussman) bereits gibt. In meinen Augen wäre es zum Beispiel interessanter gewesen, wenn man Rajs übertriebene Hilfe damit begründet hätte, dass Howard zu wenig für seine Familie tut - immerhin sehen wir ihn zu Hause meist nur beim Videospielen. So wäre Raj der Held und die Wolowitz' hätten mal wieder ein wenig Konfliktpotenzial.
Letzten Endes kann man ihn aber auch so als Held interpretieren, wenn man will, zumindest als tragischen. Denn was er tut, ist im Prinzip ein Akt wahrer Freundschaft und gerade die kommt bei „TBBT“ oftmals zu kurz. Besonders zum Ende hin, als die Drei gemeinsam dem Herzschlag des ungeborenen Babys lauschen, ist man geneigt, sich der Harmonie hinzugeben und alle Werturteile fallen zu lassen. Und in Anbetracht der bekannten Charaktereigenschaften Rajs wären die Autoren ohnehin nicht daran vorbeigekommen, einen solchen Handlungsstrang zu schreiben. Zumindest ist der Konflikt also authentisch, wenn schon nicht spannend.
Fazit
The Big Bear Precipitation hatte großes Potenzial und ein paar starke Ansätze. Szenen wie die des Trinkspiels gehören in meinen Augen zum Besten, was The Big Bang Theory als Comedy leisten kann. Ohnehin gab es in dieser Woche eine überraschend große Menge an lustigen Sprüchen und dieses Mal sogar nicht ausschließlich aus Sheldons Mund. Im Vergleich dazu war die ernste Seite der Serie ziemlich enttäuschend und stand damit im Endeffekt einer möglicherweise herausragenden Episode im Weg. Enttäuscht war ich auch durch die Erkenntnis, dass Sheldon und Co. trotz der großen Verheißungen letztlich doch keine Wanderung im Grünen unternommen haben. Das sollte in einer späteren Episode unbedingt nachgeholt werden, denn eine Reise fernab der üblichen Kulissen ist mir stets willkommen.
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 8. April 2016(The Big Bang Theory 9x20)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 9x20
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