The Big Bang Theory 8x10

Die Episode The Champagne Reflection bietet uns drei Handlungsstränge, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb zusammen gut funktionieren.
Niedlich und böse
Im kleinsten Plot werfen wir einen Blick auf Bernadettes Charakter und ihre zunehmende Art, alle um sich herum zu dominieren. Das bringt eine gute Anbindung an die vorangegangenen Episoden, denn Bernadette (Melissa Rauch) war nicht immer so. Sie hat sich von den anderen schon immer unterschieden, weil sie nie die gemobbte Einzelgängerin war. Sie hat ihren Weg erfolgreich zurückgelegt, was wohl unter anderem darauf zurückzuführen ist, wie ihr Vater sie erzogen hat: stark sein und sich von niemandem etwas bieten lassen.
Das ist eine gelungene Einsicht in einen uns vertrauten Charakter und wirft ein neues Licht auf die jüngsten Ereignisse. Bernadette hat es als Frau und noch dazu mit einem übertrieben harmlosen Aussehen gesegnet in einer Männerdomäne zu Erfolg gebracht. Sie musste sich wohl nicht selten durchkämpfen, man kann sich einfach vorstellen, dass sie oft übergangen oder unterschätzt wurde. Doch sie hat gelernt, wie sie bekommt, was sie will. Oft ist dieser Weg auch bei Howard (Simon Helberg) richtig. Er braucht ganz klar eine Frau, die ihm die Richtung zeigt.
Doch seit Beginn dieser Staffel ist Bernadette weniger stark und durchsetzungsfähig, als vielmehr unbegründet gemein und fies. Das Ganze wird in der Episode The Champagne Reflection auf die Spitze getrieben als Penny (Kaley Cuoco-Sweeting) erfährt, dass Bernadette kleine Kinder mobbt und einer Kollegin im Rollstuhl einen verletzenden Spitznamen verpasst hat. Hier ist hoffentlich der Drang nach Gags ein bisschen mit den The Big Bang Theory-Autoren durchgegangen, denn diese Art von Boshaftigkeit sieht auch der Bernadette dieser Staffel nicht ähnlich. Schön ist allerdings, dass der angefangene Plot um das Wolowitz-Ehepaar und ihren unendlichen Streit nicht einfach im Sande verläuft. Bernadette wirft einen langen Blick auf ihren Charakter und das könnte auch für ihren Umgang mit Howard Folgen haben.
Am Ende finden die Serienautoren wie zu erwarten einen entwicklungstechnisch enttäuschenden, aber amüsanten Weg aus dem Konflikt: Statt andere zu dominieren, setzt Bernadette nun ihre Niedlichkeit ein, um sich Vorteile zu verschaffen. Doch der Stein ist ins Rollen gekommen und früher oder später werden wir dem Thema wohl noch einmal begegnen.
Die großen Fragen
Unterdessen stellen Howard, Leonard (Johnny Galecki) und Raj (Kunal Nayyar) sich den ganz großen, existenziellen Fragen des Lebens: Was ist der Sinn des Lebens und was hinterlassen wir einst, wenn wir sterben? Die Idee, Sheldon (Jim Parsons) für diese Unterhaltung aus der Gruppe zu nehmen, bietet den anderen drei die Möglichkeit, wirklich in sich zu gehen. Und das tun sie auf überraschend ernsthafte Weise. Der Plot um den toten Professor hat richtiggehend tragikomische Züge. Während sie händeringend nach etwas Wichtigem suchen, das der Professor hinterlassen hat, stoßen sie auf seinen ehemaligen Kollegen und stellen fest, dass sich hinter dem mysteriösen Blättern etwas mehr als Profanes versteckt, das Essenstagebuch des Verstorbenen. Es ist amüsant, aber auch - gerade für TBBT-Verhältnisse - nicht wenig nachdenklich.
Besonders als die drei anschließend auch noch einen Blick auf ihre eigenen Leben werfen. Schließlich finden sie ihre eigene Antwort auf diese großen und unlösbaren Fragen in der Freundschaft und der Hoffnung darauf, dass nicht jeder für sich alleine kämpfen muss. Sie verabreden, dass wenn jemand von ihnen einen Durchbruch feiern kann, sie gemeinsam auf den Professor anstoßen. Auch in diesem Plot versuchen die The Big Bang Theory-Autoren uns mit einem abschließenden Gag aus der ungewohnten Ernsthaftigkeit zu entlassen. Statt ihrem edlen Plan zu dienen, wird die Flasche von Sheldon geöffnet als er die Wiedergeburt seiner Internetserie „Fun with Flags“ feiert.
Obwohl der Plot wirklich düstere Seiten hat, zumindest für eine Sitcom, funktioniert es gut. Das liegt nicht zuletzt daran, dass gegen die ernsten Themen eine durch und durch sinnlose und komische Story gesetzt wird. Sheldon feiert die letzte Episode seiner Flaggenserie und gönnt uns dabei einen Blick auf die besten Szenen. Dabei verspricht er nicht zu viel. Es ist nicht so einfach, sich zu entscheiden, was überhaupt die amüsanteste Szene ist, die wir sehen. Sheldon als amerikanische Ikone Betsy Ross oder Sheldon und Amy (Mayim Bialik) in amüsanter Strandbekleidung? Auch Amys kurzer Auftritt als Australierin kann sich sehen lassen.
Fazit
Die Episode The Champagne Reflection setzt einen ungewöhnlich ernsten Plot gegen einen unbeschreiblich amüsanten und puzzelt dazwischen noch eine interessante Charakterentwicklung. Alleine für die „Fun with Flags“-Ausschnitte darf die Episode als überaus sehenswert gelten.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 21. November 2014(The Big Bang Theory 8x10)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 8x10
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