The Big Bang Theory 10x08

Allmählich verdichten sich die Anzeichen, dass es sich bei der zehnten Staffel der CBS-Sitcom The Big Bang Theory um die letzte der Erfolgsserie handeln könnte. Neben der Anfang der Woche bekannt gewordenen Nachricht über ein geplantes Sheldon-Spin-off, das die Erbschaft antreten könnte, schien zuletzt die Entwicklung der Handlung verdächtig auf ein Ende zuzusteuern. Sheldon (Jim Parsons) zeigte plötzlich ungewohnte Neugier, deutete sogar an, dass er in eine andere Stadt ziehen wollen würde. Die neue Episode The Brain Bowl Incubation setzt nun noch einen drauf: Er will Vater werden!
She's the mean one, I'm the fun one
Die Episode beginnt an einem Ort, den wir in letzter Zeit viel zu selten gesehen haben: im Labor. Amy (Mayim Bialik) hat Sheldon dorthin eingeladen, um ihn in den Dienst ihrer neurologischen Forschung zu stellen. Er lässt sie Hautzellenproben von sich nehmen, damit sie diese, vermischt mit ihren eigenen, zu Neuronen entwickeln kann. Als deutlich wird, wie hoch die produzierte Gehirnzelle den anderen Exemplaren überlegen ist, erfüllt ihn das mit schöpferischem Stolz. Ein Gedanke macht sich in ihm breit: Ihre DNS ist mehr als kompatibel.
Für Sheldon ist der nächste logische Schritt damit klar: Er und Amy müssen sich fortpflanzen. Und die nüchterne Art und Weise, wie er mit der Idee herausrückt, macht nicht nur Amy, sondern auch uns Zuschauer sprachlos. Man könnte nun annehmen, dass die Aussicht auf eine Familiengründung mit Sheldon und vor allem der damit verbundene Beischlaf für Amy die Erfüllung aller Träume ist, tatsächlich reagiert sie aber zögerlich und dann sogar streng ablehnend. Sie sei einfach noch nicht bereit dafür, Mutter zu sein und wahrscheinlich hält sie Sheldon noch für viel weniger bereit dafür, Vater zu werden.
Es liegt nun also an ihm, sie umzustimmen. Doch dabei versucht er nicht etwa, gute Argumente für ein Baby zu finden, sondern appelliert an Amys sexuellen Appetit. Wer hätte gedacht, dass wir Sheldon jemals bei dem Versuch erleben, eine Frau zu verführen? Er selbst hätte wohl auch nie damit gerechnet und so bedient er sich plumpen Strategien, die er in Film und Fernsehen aufgeschnappt haben muss - er lässt zum Beispiel einen Stift fallen, um sich lasziv danach zu bücken oder führt ihr einen leidenschaftlichen Flamenco-Tanz vor. Sein Meisterstück dürfte allerdings die Imitation des Mad Men-Womanizers Don Draper (Jon Hamm) sein.

Doch wie wirkt das Ganze? Wie eingangs erwähnt, handelt es sich schließlich um ein nicht sonderlich charakterkonformes Verhalten. Meine persönliche Antwort lautet: überraschend gut. Sheldons Verführungsversuche sind tatsächlich ausgesprochen komisch, selbst wenn sie auf dem Papier zunächst zum Fremdschämen einzuladen scheinen. Den größten Verdienst hat daran sicherlich Jim Parsons, der den notwendigen Charme von Natur aus mitbringt. Und da Sheldons Kinderwunsch zudem nicht über eine plötzliche persönliche Neigung, sondern ein rein wissenschaftliches Denken erklärt wird, halte ich den Verstoß gegen den jahrelang etablierten Charakter für nicht allzu schwerwiegend.
Außerdem ist es etwas Neues und dafür sollte man nach so vielen Staffeln stets dankbar sein. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle das Thema Fortpflanzung bei Sheldon und Amy künftig spielen wird. Sollte die Serie tatsächlich auf ein Finale im kommenden Jahr zulaufen, wird es sicherlich eine große. Dann könnte man bald auch mit einem Heiratsantrag Sheldons rechnen, der Amy schließlich vom Nachwuchs überzeugen könnte. Ob ich auch dafür schon bereit wäre, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen.
Good luck with your future endeavours
Auch der zweite Handlungsstrang der Episode bietet eine willkommene Abwechslung: Raj (Kunal Nayyar) lernt endlich eine neue Frau kennen. Zwar habe ich den klanglosen Abschied von Emily (Laura Spencer) und Claire (Alessandra Torresani) noch immer nicht vollends überwunden, doch ich freue mich darüber, eine neue Figur präsentiert zu bekommen. Vor allem eine, die so sympathisch und unkonventionell ist wie Isabella (Maria Canals-Barrera).
Raj trifft die schöne Mexikan-äh Kubanerin bei der Arbeit, doch sie ist nicht etwa eine Kollegin, sondern die Putzkraft. Zunächst scheint Raj der leider allgemein negativ konnotierte Beruf Isabellas nicht zu stören, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie etwas älter als er, geschieden und Mutter eines 19-jährigen Jurastudenten ist. Er ist einfach von ihrer Ausstrahlung begeistert und will sie zum Essen einladen - dass er sich das so einfach traut, zeigt, welch langen Weg auch er inzwischen hinter sich hat. Doch Isabella lehnt ab, da sie zwei Jobs und nicht genügend Zeit für ein Date habe. Schließlich kann er sie mit einer romantischen Geste à la Ted Mosby (Josh Radnor) doch noch überzeugen und so dinieren sie gemeinsam.
Vor seinen Freunden will Raj jedoch nicht damit hausieren gehen, dass er sich in eine Putzfrau verguckt hat und so schwindelt er Penny (Kaley Cuoco), Leonard (Johnny Galecki) und Howard (Simon Helberg) vor, sie sei wie er Astronomin. Als Isabella bei dem Dinner davon erfährt, ist sie natürlich verletzt und wütend. Raj bittet sie um Verzeihung und offenbart ihr Dinge, für die auch sie sich für ihn schämen würde. Sie gibt ihm schließlich eine zweite Chance, macht dabei aber klar, dass man mit ihr nicht spielen sollte. Ein interessanter Auftakt einer hoffentlich länger andauernden Liebesgeschichte und eine perfekte Nebenhandlung einer hervorragenden Episode.
Sonstige Gedanken:
- Vielleicht, um Sheldons nicht charakterkonformes Verhalten auszugleichen, streuen die Autoren eine nette Referenz an seinen früher etablierten Drang nach Abschlüssen ein. Schön zu sehen, dass sie ihre eigene Serie doch zu kennen scheinen.
- Obwohl sie dabei nicht mal im Mittelpunkt steht, ist die Szene, in der Bernadette (Melissa Rauch) mit Sheldon darüber streitet, was das größere Ereignis sei - ihre Schwangerschaft oder Sheldons und Amys superschlaue Hirnzelle -, ihre wohl beste der gesamten Staffel.
The Big Bang Theory 10x08 Trailer
(The Big Bang Theory 10x08)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 10x08
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